[labournet:] Erneute Massendemonstrationen gegen Abtreibungsverbot in Polen: Im (erfolgreichen) Widerstand gegen Nazi-Attacken, polizeiliche Verhinderungsversuche und kirchliche Einschüchterung

Pressekonferez des Frauestreik-Komitees in Warschau„… Wir sind wütend! Wie kom­men die­se Par­tei­sä­cke dazu, sich in unser Leben ein­mi­schen?“, schreit Jani­na gegen Vuvu­zelas und die laut skan­dier­te Paro­le „Wypier­d­alac – Ver­pisst Euch“ an. Sie zeiht sich die rote Strick­müt­ze über die Ohren: „Es ist mei­ne Ent­schei­dung, ob ich ein Kind bekom­men möch­te oder nicht, das noch in mei­nem Bauch stirbt oder aber kurz nach der Geburt.“ Sie dreht sich um, so dass das Emblem der Frau­en­be­we­gung „Streik der Frau­en“ zu sehen ist: ein Frau­en­pro­fil, durch das ein roter Blitz rast, der dem „Ach­tung! Hochspannung“-Symbol ähnelt. Emil, der schon im zwei­ten Semes­ter Medi­zin in War­schau stu­diert, legt den Arm um Jani­na und nickt: „Ja, es ist die Ent­schei­dung der Frau­en. Die­se gan­zen Poli­ti­ker, Rich­ter und Bischö­fe, die sich zu Pseu­do-Gynä­ko­lo­gen auf­schwin­gen, sind ein­fach nur wider­lich.“ Er hält kurz inne und brüllt dann so laut er kann: „Fuck you!“ Die bei­den win­ken Freun­den zu, die sie in der Men­ge ent­deckt haben. „Vor der PiS-Par­tei­zen­tra­le ist die Höl­le los“, ruft Ola. Sie hat den roten Frau­en-Streik-Blitz auf ihre wei­ße Gesichts­mas­ke genäht. (…) Und wie auf Zuruf Jani­na, Emil, Ola und dann immer mehr zu hüp­fen und skan­die­ren dazu: „Apos­tazja! – Kir­chen­aus­tritt!“ und „Wir tre­ten aus!“ Emil skan­diert zwar mit, schüt­telt dann aber den Kopf: „Wir den­ken ans Aus­wan­dern. Polen ist kein Rechts­staat mehr, und dass die Par­tei die Frau­en jetzt zu Gebär­ma­schi­nen degra­die­ren will – das geht ein­fach nicht!“. Tat­säch­lich geht es bei den lan­des­wei­ten Pro­tes­ten nur noch for­mal um die 1.110 Schwan­ger­schafts­ab­brü­che, die 2019 in Polen auf­grund der Dia­gno­se eines schwerst miss­ge­bil­de­ten oder kaum über­le­bens­fä­hi­gen Fötus durch­ge­führt wur­den. Über 70 Pro­zent aller Polen und Polin­nen leh­nen eine Ver­schär­fung des Abtrei­bungs­rechts ab...“ – aus dem Demons­tra­ti­ons­be­richt „Mas­sen­pro­tes­te in Polen“ von Gabrie­le Les­ser am 31. Okto­ber 2020 in der taz online externer Link über die erneu­te Rie­sen­de­mons­tra­ti­on am Frei­tag­abend in War­schau. Zu den fort­ge­setz­ten Mas­sen­pro­tes­ten in Polen und den ver­geb­li­chen diver­sen reak­tio­nä­ren Ver­su­chen und Metho­den, sie zu stop­pen, eine klei­ne Samm­lung mit fünf wei­te­ren aktu­el­len Bei­trä­ge, zwei Kom­men­ta­ren sowie zwei Hin­ter­grund­bei­trä­gen zur frau­en­feind­li­chen rech­ten Poli­tik und dem Ver­weis auf unse­ren bis­her letz­ten Bei­trag zu den aktu­el­len Pro­tes­ten in Polen:

Pro­tes­te in Polen: Rudert die PiS zurück?“ von Moni­ca Sier­adzka am 31. Okto­ber 2020 bei der Deut­schen Wel­le externer Link zu Wir­kun­gen der Mas­sen­pro­tes­te unter ande­rem: „… Es war der sieb­te Tag in Fol­ge, an dem in Polen meh­re­re zehn­tau­send Men­schen auf die Stra­ßen gin­gen, um gegen eine Ver­schär­fung des Abtrei­bungs­rech­tes zu demons­trie­ren: Am Frei­tag nah­men am “Marsch auf War­schau” nach Anga­ben des Rat­hau­ses der pol­ni­schen Haupt­stadt rund 100.000 Men­schen teil. Auf vie­len Trans­pa­ren­ten und auf Gesichts­schutz­mas­ken waren Blit­ze zu sehen – sie sym­bo­li­sie­ren die Wut der Frau­en auf die Män­ner in der Regie­rung und in der Kir­che. “Mein Kör­per, mei­ne Ent­schei­dung” und “Wir haben genug”, war auf Trans­pa­ren­ten zu lesen. An eini­gen Orten im Stadt­zen­trum wur­den sie von schwarz­ge­klei­de­ten und ver­mumm­ten Män­nern ange­grif­fen. Die Poli­zei nahm über drei­ßig von ihnen fest und stell­te dabei Schlag­stö­cke und grö­ße­re Men­gen pyro­tech­ni­sches Mate­ri­al sicher. Eini­ge Tage zuvor war es bereits in Bres­lau und Białys­tok zu Zusam­men­stö­ßen der Pro­tes­tie­ren­den mit Fuß­ball­fans gekom­men. Zum ers­ten Mal in Polen fan­den Pro­tes­te auch wäh­rend Got­tes­diens­ten in Kir­chen statt. (…) Jetzt will Prä­si­dent Andrzej Duda die Lage dees­ka­lie­ren und schlägt ein neu­es, libe­ra­le­res Gesetz vor. Es lie­ße einen Schwan­ger­schafts­ab­bruch zu, wenn es laut medi­zi­ni­scher Dia­gno­se wahr­schein­lich ist, dass das Kind tot zur Welt kommt oder wegen sei­ner Fehl­bil­dun­gen kurz nach der Geburt ster­ben wür­de. So wäre Abtrei­bung künf­tig zum Bei­spiel nur ver­bo­ten, wenn die Dia­gno­se auf das Down-Syn­drom hin­weist, da dies nicht lebens­be­droh­lich ist. Zuvor hat­te Duda gesagt, dass man den Frau­en kei­nen Hero­is­mus abver­lan­gen dür­fe, indem man sie zur Geburt unheil­bar kran­ker Kin­der zwin­ge. “Was der Prä­si­dent vor­schlägt, könn­te eine Lösung sein”, sag­te Regie­rungs­spre­cher Pio­tr Mül­ler zu Dudas Vor­schlag. Für die Pro­tes­tie­ren­den wäre sie jedoch nicht akzep­ta­bel, weil sie nach wie vor eine Ver­schär­fung des bestehen­den Geset­zes bedeu­ten wür­de. Daher, so Mül­ler, wer­de es wohl “schwie­rig sein, sich mit einem Teil der Pro­tes­tie­ren­den zu ver­stän­di­gen”…“

Auch heu­te wie­der gro­ße Demons­tra­tio­nen gegen das Abtrei­bungs­ver­bot in klei­nen und mitt­le­ren Gemein­den quer durchs Landam Abend des 31. Okto­ber 2020 im Twit­ter-Kanal von kap­tu­rak externer Link ist ein wei­te­rer Videobe­richt „aus der Pro­vinz“ (zu vor­he­ri­gen sie­he den Ver­weis am Ende die­ses Bei­trags), wo es wei­ter­hin in zahl­rei­chen klei­ne­ren Orten zu noch nie da gewe­se­nen Pro­tes­te kommt…

Nazi-Hool-Angriff auf den femi­nis­ti­schen Pro­test in War­schauab dem 30. Okto­ber 2020 eben­falls im Twit­ter-Kanal von kap­tu­rak externer Link doku­men­tiert über zwei Tage hin­weg Nazi-Angrif­fe auf Demons­tra­tio­nen in War­schau und anders­wo – und auch, wie sie immer wie­der mili­tant zurück geschla­gen wur­den… (laut Pro­pa­gan­da der Regie­rungs­par­tei gebüh­re der Dank dafür unwahr­schein­li­cher­wei­se der „deut­schen Anti­fa“…)

Die Teil­nah­me von Gläu­bi­gen an den Pro­tes­ten gegen das Abtrei­bungs­ver­bot sei eine Sün­de, erklärt die pol­ni­sche Bischofs­kon­fe­renz. Schön, dass der Kle­rus sich aktiv für die wei­te­re Ent­frem­dung der Gesell­schaft von der Kir­che ein­setztam 01. Novem­ber 2020 eben­falls bei kap­tu­rak externer Link berich­tet von einem Ver­such „wie frü­her“, der aber heu­te offen­sicht­lich nicht mehr so recht funk­tio­niert. (Und erin­nert den Autor die­ser Labour­Net-Zei­len an Jahr­zehn­te alte Gesprä­che mit spa­ni­schen Daim­ler-Kol­le­gen, die damals berich­te­ten, im Reli­gi­ons­un­ter­richt hät­ten sie noch gelernt, Kom­mu­nis­ten hät­ten einen Pfer­de­fuß…)

In Prusz­ko­wie wur­den Mit­glie­der unse­rer Schwes­ter­ge­werk­schaft pra­cow­nic­za aus dem Auto gezo­gen, auf den Asphalt gewor­fen, mit Hand­schel­len gefes­selt und auf das ört­li­che Kom­mis­sa­ri­at gebrachtam 31. Okto­ber 2020 im Twit­ter-Kanal der FAU externer Link steht hier als Bei­spiel für zahl­rei­che Berich­te aus ver­schie­de­nen Orten über Poli­zei­über­fäl­le zwecks Ver­hin­de­rung von Demons­tra­ti­ons­teil­nah­me – weit­hin: Ver­geb­lich…

„PiS ver­kal­ku­liert sich“ von Rein­hard Lau­ter­bach am 02. Novem­ber 2020 in der jun­gen welt externer Link kom­men­tiert die Ent­wick­lung unter ande­rem so: „… Die Demons­tran­tin­nen und Demons­tran­ten ver­ra­ten es, wenn sie als ihr Ziel »Nor­ma­li­tät wie anders­wo in Euro­pa« ange­ben. Nicht mehr, aber in Polen schon aller­hand. Denn 1989 waren sich zwar vom »Reform­flü­gel« der Pol­ni­schen Ver­ei­nig­ten Arbei­ter­par­tei (PVAP) bis zu katho­li­schen Natio­na­lis­ten alle poli­ti­schen Kräf­te einig, den Kapi­ta­lis­mus zu restau­rie­ren. Nur: Wel­chen? Libe­ra­le und Post­so­zia­lis­ten ziel­ten auf Ver­hält­nis­se wie in der BRD, Frank­reich oder Groß­bri­tan­ni­en. Die Rech­te aber woll­te gleich die »zwei­te Repu­blik« wie­der­her­stel­len, das Zwi­schen­kriegs­po­len. Das war ein selbst im dama­li­gen euro­päi­schen Maß­stab außer­ge­wöhn­lich reak­tio­nä­res Sys­tem, das nach For­mu­lie­rung des lin­ken Autors Tade­usz Boy-Zelen­ski die »Höl­le der Frau­en« war, und in dem die herr­schen­de Guts­be­sit­zer­klas­se die Land­re­form ver­wei­ger­te, um all­zeit bil­li­ge Sai­son­ar­bei­ter zur Ver­fü­gung zu haben. Heu­te erklärt der PiS-Erzie­hungs­mi­nis­ter Prze­mys­law Czar­nek, wenn Frau­en erst mit 30 Kin­der bekä­men, müs­se man sich nicht wun­dern, dass man Aus­län­der brau­che, um Toma­ten und Erd­bee­ren zu ern­ten. So kom­men reak­tio­nä­re Sexu­al­po­li­tik, Herr­schaft und Aus­beu­tung zusam­men…“

„Kac­zyń­ski unter Druck“ von Hol­ger Politt am 01. Novem­ber 2020 in nd online externer Link zur aktu­el­len Ent­wick­lung: „… Die Pro­tes­te in Polen gegen das dro­hen­de Ver­bot von Schwan­ger­schafts­ab­brü­chen erreich­ten am zurück­lie­gen­den Frei­tag den ers­ten Höhe­punkt. Frau­en aus ganz Polen kamen nach War­schau, wo über 100 000 Men­schen zusam­men­fan­den, um unge­ach­tet eines Coro­na-beding­ten Ver­samm­lungs­ver­bots ihre hef­ti­ge Kri­tik am Regie­rungs­la­ger aus­zu­drü­cken. Die Regie­rung hat­te vor­her ver­sucht, die Men­schen abzu­hal­ten, in die Haupt­stadt zu kom­men. Das Coro­na­vi­rus wur­de ange­führt, har­tes Durch­grei­fen ange­droht, mar­tia­li­sches Gerät auf­ge­fah­ren. Kurz vor Beginn der Demons­tra­ti­on knick­te die Regie­rungs­sei­te jedoch ein, ließ nur erklä­ren, dass die Men­schen sich einer gro­ßen gesund­heit­li­chen Gefahr aus­setz­ten, wenn sie dem Pro­test­auf­ruf folg­ten. Die Speer­spit­ze der Kri­tik rich­tet sich gegen die Regie­rungs­par­tei PiS (Recht und Gerech­tig­keit) und vor allem gegen den Vor­sit­zen­den Jaros­ław Kac­zyń­ski...“

„”Unser Kör­per, unser Leben, unser Land, die Welt”“ von Zofia Malisz am 30. Okto­ber 2020 bei Pro­gres­si­ve Inter­na­tio­nal externer Link ist eine Stel­lung­nah­me der lin­ken Par­tei, in der es unter ande­rem heißt: „… Das Urteil ist auch ein Angriff auf die demo­kra­ti­schen Insti­tu­tio­nen Polens. Für die Öffent­lich­keit war es auch ganz offen­sicht­lich, dass die­ses de fac­to bestehen­de Abtrei­bungs­ver­bot durch einen Trick der Legis­la­ti­ve durch­ge­setzt wur­de – ein ekla­tan­ter Akt auto­ri­tä­rer Inter­ven­ti­on, der die Insti­tu­tio­nen der Jus­tiz im Diens­te der Koali­ti­on der Ver­ei­nig­ten Rech­ten (Zjed­no­c­zo­na Pra­wi­ca) demon­tiert hat. Das ist nicht ihr ers­ter Ver­such. Katho­lisch-fun­da­men­ta­lis­ti­sche Lob­by­grup­pen haben mit aus­drück­li­cher Unter­stüt­zung der Kir­che hart­nä­ckig dafür gekämpft, Abtrei­bung in der einen oder ande­ren Form zu ver­bie­ten. Doch bis­her sind sie geschei­tert, zurück­ge­schla­gen durch die Mas­sen­mo­bi­li­sie­rung von Frau­en in ganz Polen – vor allem 2016, wäh­rend des von Razem mit­or­ga­ni­sier­ten Schwar­zen Pro­tes­tes. Des­halb hat die rech­te Regie­rungs­ko­ali­ti­on ihren Plan nicht durch ein par­la­men­ta­ri­sches Ver­fah­ren umge­setzt – son­dern über das Ver­fas­sungs­ge­richt, das mit ihren extrems­ten poli­ti­schen Ver­bün­de­ten besetzt ist. Das Gesetz zer­stör­te den soge­nann­ten „Abtrei­bungs­kom­pro­miss“, ein Gesetz über repro­duk­ti­ve Rech­te aus dem Jahr 1993. Es gehör­te zu den restrik­tivs­ten Abtrei­bungs­ge­set­zen in Euro­pa und war eben­falls im Rah­men eines kli­en­te­lis­ti­schen Aus­tauschs mit der katho­li­schen Kir­che von der neu­en post-Soli­dar­ność Regie­rungs­eli­te erlas­sen wor­den. Eine Peti­ti­on mit 1,4 Mil­lio­nen Unter­schrif­ten für die Lega­li­sie­rung der Abtrei­bung wur­de damals nicht ein­mal in Erwä­gung gezo­gen. Jetzt gehen Scha­ren von Frau­en und ihren Ver­bün­de­ten auf die Stra­ße und in die Kir­chen, um deut­lich zu machen, dass das Ver­bot einen Schritt zu weit geht in der Miss­hand­lung von Frau­en durch die kon­ser­va­ti­ven und reli­giö­sen Ele­men­te im Land. Es gibt eine Volks­be­we­gung in Polen, die jetzt auf die Stra­ße geht. Eine Taxi­fah­rer­ge­werk­schaft betei­lig­te sich an dem Pro­test, Bäuer*innen fuh­ren mit ihren Trak­to­ren in einer lan­gen Rei­he zur Unter­stüt­zung der Frau­en und sogar eini­ge Fuß­ball­fans schlos­sen sich den Unru­hen an. Das Aus­maß der Pro­tes­te – vor allem die Tat­sa­che, dass sie sich auf klei­ne Gemein­den aus­ge­wei­tet haben, in denen es oft die Auf­ga­be ein­zel­ner Frau­en ist, über sozia­le Medi­en Demons­tra­tio­nen gegen die Ein­schüch­te­rung der loka­len Behör­den und des Kle­rus zu orga­ni­sie­ren – zeigt, dass ein Damm gebro­chen wur­de…“

„Anti­fe­mi­nis­mus von Staats wegen“ von Lara Schultz in »der rech­te rand« Aus­ga­be 183 externer Link (März /​April 2020) zur Poli­tik der Rech­ten in Polen (und Ungarn) gegen Femi­nis­mus grund­sätz­lich unter ande­rem: „… Nach­dem die Par­tei »Pra­wo i Spra­wi­ed­li­wosc« (»Recht und Gerech­tig­keit«, PiS) im Okto­ber 2015 mit abso­lu­ter Mehr­heit die Regie­rung über­nom­men hat­te, lös­te sie ihr wich­tigs­tes Wahl­ver­spre­chen ein: das För­der­pro­gramm »Fami­lie 500+«. Hete­ro­se­xu­el­le ver­hei­ra­te­te Eltern bekom­men seit­her monat­lich 500 Zlo­ty (ca. 120 Euro) pro Kind; vier Kin­der erge­ben somit rech­ne­risch fast schon einen durch­schnitt­li­chen pol­ni­schen Net­to­mo­nats­ver­dienst. Im Unter­schied zum Kin­der­geld in der Bun­des­re­pu­blik ist das Pro­gramm der PiS aber an ein tra­di­tio­nel­les Fami­li­en­mo­dell geknüpft. Eine Fol­ge: Seit Ein­füh­rung sind 200.000 weni­ger Frau­en berufs­tä­tig als zuvor. Vor den jüngs­ten Par­la­ments­wah­len im Okto­ber 2019 stand die Ableh­nung von LGBTIQ ganz oben auf der Tages­ord­nung. Füh­ren­de Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­ker der PiS hat­ten eben­so wie katho­li­sche Pries­ter eine neue Kam­pa­gne gegen Min­der­hei­ten gestar­tet, die in öffent­li­chen Reden abge­wer­tet und dis­kri­mi­niert wur­den. Schließ­lich waren Fami­li­en­po­li­tik und Tra­di­ti­ons­er­halt schon immer zen­tra­le The­men der hie­si­gen Rechts­kon­ser­va­ti­ven in Poli­tik und Kir­che. So erklär­te der Kra­kau­er Erz­bi­schof Marek Jedra­szew­ski, die kom­mu­nis­ti­sche Ideo­lo­gie wer­de durch die LGBT-Ideo­lo­gie ersetzt und die Regen­bo­gen­fah­ne sei eine »Seu­che«. Auf Nach­fra­ge der Pres­se setz­te Jedra­szew­ski sogar nach, indem er die all­ge­mei­ne Ableh­nung die­ses »anthro­po­lo­gi­schen Feh­lers in Form von sehr gefähr­li­chen Gen­der- und LGBT-Ideo­lo­gien« for­der­te, die nur die »pol­ni­sche Nati­on ver­der­ben« woll­ten. Dabei war die geis­ti­ge Vor­ar­beit von Papst Bene­dikt XVI. Was­ser auf die Müh­len der pol­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz. Denn der Vati­kan hat­te die »Gen­der-Theo­rie« mehr­fach als Wider­spruch zur katho­li­schen Kir­che bezeich­net, da es gegen die Schöp­fung ver­sto­ße und dem Wil­len Got­tes wider­spre­che. Nach­dem die Bischofs­kon­fe­renz 2013 gewarnt hat­te, die »Gen­der-ideo­lo­gie« sei im Mar­xis­mus ver­wur­zelt und es wer­de ein neu­er »Fami­li­en­ty­pus homo­se­xu­el­len Cha­rak­ters« geschaf­fen, mahn­te sie 2019 eine angeb­li­che Into­le­ranz unter Homo­se­xu­el­len an: »Man kann mit Umfel­dern kei­nen Dia­log füh­ren, die kei­nen Dia­log wol­len, auf Hei­lig­tü­mern her­um­tram­peln, Gott ver­flu­chen und den Men­schen ent­rech­ten.« Die feind­se­li­ge Hal­tung gegen­über der Kir­che und reli­giö­sen Wer­ten habe in Polen ein uner­träg­li­ches Maß ange­nom­men. Erst im Febru­ar die­ses Jah­res pro­tes­tier­te der Kon­fe­renz­vor­sit­zen­de Erz­bi­schof Sta­nis­law Gade­cki gegen die Annah­me der »Euro­päi­schen Char­ta für die Gleich­stel­lung von Frau­en und Män­nern auf loka­ler Ebe­ne« durch den Stadt­rat in sei­nem Bischofs­sitz Poz­nan...“

Der Bei­trag Erneu­te Mas­sen­de­mons­tra­tio­nen gegen Abtrei­bungs­ver­bot in Polen: Im (erfolg­rei­chen) Wider­stand gegen Nazi-Atta­cken, poli­zei­li­che Ver­hin­de­rungs­ver­su­che und kirch­li­che Ein­schüch­te­rung erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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