[labournet:] Während NATO samt Bundeswehr ihren Rückzug planen – ziehen demokratische Organisationen in Afghanistan eine (vernichtende) Bilanz deren Einsätze

Wenn sie erst befreit sind, dürfen sie für 5 $ Cent für uns schuften - Bild von ToldiWas hat das neue Rote Kreuz – aka Bun­des­wehr – nicht alles für heh­re Zie­le ver­kün­den las­sen beim Auf­bruch „unse­rer Jungs“ (und Mädels) nach Afgha­ni­stan. Nicht von Bom­ben auf Hoch­zeits­fei­ern war da die Rede, son­dern von Frau­en­be­frei­ung (soll jetzt des­we­gen auch mal wie­der nach Polen mar­schiert wer­den?), vom Bil­dungs­sys­tem, von Demo­kra­tie und all dem Wah­ren, Schö­nen, Guten, das dann dort im Rah­men der NATO auf­ge­baut, ver­tei­digt und ent­wi­ckelt wer­den wür­de. Jetzt, da die NATO fak­tisch ihren Abzug aus dem Land vor­be­rei­tet – oder auch schon begon­nen hat – sind die­se Pro­pa­gan­da­kam­pa­gnen kein The­ma mehr – „außer“ für die Betrof­fe­nen… die­se bilan­zie­ren die „Mut­ter aller Men­schen­rechts­krie­ge“… Sie­he dazu vier aktu­el­le Bei­trä­ge zu einer Bilanz von NATO und Bun­des­wehr in Afgha­ni­stan – kon­kret auch in Bezug auf die eins­ti­gen Pro­pa­gan­da­zie­le:

  • „Nato dis­ku­tiert Flucht aus Afgha­ni­stan“ von Chris­ti­an Kli­ver am 23. Okto­ber 2020 bei tele­po­lis externer Link zur aktu­el­len mili­tä­ri­schen Ent­wick­lung: „… Nach Infor­ma­tio­nen von Tele­po­lis hat die Bun­des­wehr schon in der zwei­ten August­hälf­te Kräf­te in den Nor­den Afgha­ni­stans ver­legt, um eine soge­nann­te Rück­ver­le­gungs- und Ver­wer­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on auf­zu­bau­en. Ziel die­ser Ein­heit ist es, nicht mehr not­wen­di­ges Mate­ri­al zu ent­sor­gen, vor Ort an Bünd­nis­part­ner zu über­ge­ben oder nach Deutsch­land zurück­zu­ho­len. Ver­schie­de­ne deut­sche Medi­en hat­ten über das Ende des Ein­sat­zes bereits berich­tet. Aus Stel­lung­nah­men des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums geht nun her­vor, dass im Hin­ter­grund auf Hoch­tou­ren dar­an gear­bei­tet wird, “die Vor­aus­set­zun­gen für eine mög­li­che geord­ne­te Rück­ver­le­gung des deut­schen Ein­satz­kon­tin­gents in Afgha­ni­stan zu schaf­fen”. Hin­ter­grund ist der ange­kün­dig­te Abzug der US-Trup­pen aus dem zen­tral­asia­ti­schen Kri­sen­staat. Unlängst hat­te US-Prä­si­dent Donald Trump ent­spre­chen­de Plä­ne bekräf­tigt und über­ra­schend ange­kün­digt, die eige­nen Sol­da­ten bereits bis Weih­nach­ten abzu­zie­hen. Die USA stel­len eines der größ­ten Kon­tin­gen­te in Afgha­ni­stan. Ende Febru­ar hat­ten die Trump-Regie­rung und die Tali­ban einen Frie­dens­ver­trag geschlos­sen, der – hal­ten sich die radi­ka­len Isla­mis­ten an die Ver­ein­ba­rung – den Abzug “aller aus­län­di­scher Kräf­te” aus dem Land vor­sieht. Auch wenn die Bun­des­re­gie­rung und ande­re Nato-Staa­ten nicht Teil der Ver­ein­ba­rung sind, betrifft sie den Nord­at­lan­tik­pakt unmit­tel­bar. Des­sen ist man sich in Ber­lin bewusst: “Für uns ist es ganz wich­tig, dass die Ver­hand­lun­gen, die es der­zeit gibt, auf einem guten Wege sind, und für uns ist es ganz wich­tig, dass wir inner­halb der Nato gemein­sam vor­ge­hen”, sag­te Außen­amts­spre­che­rin Maria Ade­bahr unlängst, um auf “Kon­sul­ta­tio­nen” inner­halb des Bünd­nis­ses zu ver­wei­sen. Einen Tweet des US-Prä­si­den­ten zum Abzug bis Weih­nach­ten habe die Bun­des­re­gie­rung zur Kennt­nis genom­men. “Wenn es kon­kre­te Pla­nun­gen der US-Sei­te geben soll­te, dann wür­den wir erwar­ten, dass man die mit uns teilt und dass man das bespricht”, so Ade­bahr, die damit auf ein Haupt­pro­blem der Nato-Kräf­te in Afgha­ni­stan ver­wies: US-Prä­si­dent Trump hat durch sein eigen­mäch­ti­ges Vor­ge­hen den Druck auf die übri­gen aus­län­di­schen Trup­pen, das Land zu ver­las­sen, mas­siv erhöht. Die Bun­des­wehr jeden­falls ver­legt bis zum 1. Novem­ber wei­te­re Exper­ten zur Vor­be­rei­tung einer Rück­ho­lung der deut­schen Trup­pen in den Kri­sen­staat, heißt es in Ant­wor­ten auf Fra­gen der Links­frak­ti­on. Ins­ge­samt sei­en für die­sen Zweck 147 Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten sowie Ange­hö­ri­ge der Wehr­ver­wal­tung ein­ge­setzt. Es gehe dar­um, heißt es der­weil aus der Bun­des­wehr, “mög­li­che Anpas­sungs­maß­nah­men” bei der Nato-Mis­si­on Reso­lu­te Sup­port vor­zu­be­rei­ten. Dies schlie­ße auch die Vor­be­rei­tung einer Rück­ver­le­gung mit ein, soll­te es eine ent­spre­chen­de Ent­schei­dung des Bünd­nis­ses geben. Der­zeit sind rund 1000 Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten der Bun­des­wehr im Nor­den von Afgha­ni­stan sta­tio­niert. Haupt­stütz­punkt ist das Feld­la­ger Camp Mar­mal nahe der nord­af­gha­ni­schen Stadt Masar-i-Sharif. Nach dem Bun­des­tags­man­dat, das seit Anfang 2015 mit Stim­men der Regie­rungs­par­tei­en und Tei­len der Oppo­si­ti­on jähr­lich ver­län­gert wird, kön­nen bis zu 1300 Bun­des­wehr­an­ge­hö­ri­ge nach Afgha­ni­stan ent­sandt wer­den. Die Ope­ra­ti­on Reso­lu­te Sup­port der Nato hat die Aus­bil­dung afgha­ni­scher Sicher­heits­kräf­te zum Ziel. Sie folg­te auf die Nato-Besat­zungs­ope­ra­ti­on Isaf, die 2003 begon­nen wur­de und Mit­te 2013 aus­lief. Nach Anga­ben der Uno-Mis­si­on in Afgha­ni­stan (Unama) konn­te durch die US-Inva­si­on in Afgha­ni­stan und die fol­gen­de dau­er­haf­te Nato-Mili­tär­prä­senz kei­ne Befrie­dung des Lan­des erreicht wer­den. Im Unama-Bericht vom Febru­ar 2020 wer­den für das Jahr 2019 als Fol­ge des bewaff­ne­ten Kon­flikts ins­ge­samt 10.392 zivi­le Opfer ange­ge­ben, 3.403 tote und 6.989 ver­letz­te Zivi­lis­ten. Das Armed Con­flict Loca­ti­on & Event Data Pro­ject (ACLED) der Uni­ver­si­ty of Sus­sex doku­men­tier­te im glei­chen Zeit­raum 13.622 mili­tä­ri­sche Aktio­nen und Kampf­hand­lun­gen, die For­scher geben die Zahl der Toten mit ins­ge­samt 41.725 an. Ein Drit­tel der Toten sei auf Luft­an­grif­fe der Nato-Kräf­te zurück­zu­füh­ren...“
  • „Women and peace in Afgha­ni­stan: Open Let­ter from Afghanistan’s Civic Groups“ am 21. Okto­ber 2020 bei Euro­pe Soli­dai­re externer Link ist ein Offe­ner Brief meh­re­rer zivil­ge­sell­schaft­li­cher afgha­ni­scher Orga­ni­sa­tio­nen – dar­un­ter dem Afghan Women’s Net­work – in dem an regio­na­le Kräf­te und demo­kra­ti­sche Kräf­te in der Welt appel­liert wird, einen Kurs auf Frie­den zu unter­stüt­zen, der auch die ein­zi­ge Mög­lich­keit sei, die Gleich­be­rech­ti­gung der Frau­en zu errei­chen. Und sich dem­entspre­chend vom NATO-Ein­satz sehr wenig begeis­tert zeigt… Noch Fra­gen zur Bilanz des Pro­pa­gan­da­ziels „Frau­en­be­frei­ung“?
  • „SPA: Für ein frei­es und unab­hän­gi­ges Afgha­ni­stan“ am 15. Okto­ber 2020 bei Pro­gres­si­ve Inter­na­tio­nal externer Link ist eine Stel­lung­nah­me der Soli­da­ri­täts­par­tei Afgha­ni­stans (SPA) (die sich dem Netz­werk ange­schlos­sen hat) zur Bilanz von bei­na­he zwei Jahr­zehn­ten Krieg, Dar­in heißt es unter ande­rem: „… Vor neun­zehn Jah­ren fie­len die Ver­ei­nig­ten Staa­ten und die NATO in der Eröff­nungs­sal­ve des Krie­ges gegen den Ter­ror in Afgha­ni­stan ein und stürz­ten inner­halb weni­ger Wochen das blut­rüns­ti­ge Tali­ban-Regime. Nach zwei Jahr­zehn­ten des Todes und der Zer­stö­rung sind die Ver­ei­nig­ten Staa­ten und ihre afgha­ni­sche Mario­net­ten­re­gie­rung in Doha damit beschäf­tigt, die wil­den und käuf­li­chen Tali­ban wie­der an die Macht zu brin­gen. Der Krieg gegen den Ter­ror hat, wie von Anfang an klar war, nicht nur den Ter­ro­ris­mus nicht aus­ge­löscht, son­dern noch ver­stärkt. Heu­te ist Afgha­ni­stan zu einer Hoch­burg des Ter­ro­ris­mus und der Dro­gen­ma­fia gewor­den. Zu den Tali­ban gesellt sich eine bru­ta­le­re Grup­pe namens ISIS sowie das Haq­qa­ni-Netz­werk und nach Anga­ben von Regie­rungs­spre­chern 24 wei­te­re klei­ne und gro­ße akti­ve ter­ro­ris­ti­sche Grup­pen. Gleich­zei­tig haben unzäh­li­ge Ter­ro­ris­ten ihren Hut gewech­selt und Sit­ze in der Regie­rung ein­ge­nom­men oder wer­den, wie Gul­bud­din, aus der Staats­kas­se finan­ziert. (…) Um jedoch die Tra­gö­die der Frau­en­rech­te in Afgha­ni­stan zu ver­schlei­ern, heben die west­li­chen Medi­en eine klei­ne Zahl von Frau­en – die Prunk­stü­cke des Prä­si­den­ten­pa­las­tes – als Hel­din­nen her­vor und stel­len sie als eine Errun­gen­schaft der Prä­senz der Ver­ei­nig­ten Staa­ten und ihrer Ver­bün­de­ten in Afgha­ni­stan dar. Sie haben sogar Faw­zia Kofi – eine Figur, die pro-Mafia und pro-War­lords ist – für den Frie­dens­no­bel­preis nomi­niert. Als die Ver­ei­nig­ten Staa­ten und ihre kri­mi­nel­len Part­ner Afgha­ni­stan besetz­ten, nann­ten sie es “Ope­ra­ti­on Endu­ring Free­dom”. Aber in all die­sen Jah­ren begin­gen sie den schlimms­ten Ver­rat an Demo­kra­tie und Gerech­tig­keit. Von Anfang an, auf der Bon­ner Kon­fe­renz, wur­den die Ver­rä­ter und Ver­bre­cher des Dschi­had, die­je­ni­gen, die behaup­ten, Demo­kra­tie sei das­sel­be wie Untreue, als “Demo­kra­ten” in der Kar­sai-Regie­rung beschö­nigt. Die­se eigen­tüm­li­che Bezie­hung besteht wei­ter, weil das Wei­ße Haus die Dschi­ha­dis und Tali­ban-Fun­da­men­ta­lis­ten braucht, um sei­ne regio­na­le Stra­te­gie vor­an­zu­brin­gen. Heu­te haben all die­se faschis­ti­schen Grup­pen einen Waf­fen­still­stand mit ihren Herr­schern in den USA und der NATO, aber sie set­zen ihren “Dschi­had” gegen unse­re Frau­en, Kin­der und unse­re elen­den Mas­sen mit äußers­ter Inten­si­tät fort und ver­nich­ten unser hilf­lo­ses Volk jeden Tag mit Selbst­mord­at­ten­ta­ten, Explo­sio­nen, Nöti­gung und Ver­rat…“
  • Sie­he zur Lage im Land über all die Jah­re hin­weg v.a. unser Dos­sier Mehr Sol­da­ten nach Afgha­ni­stan – aber trotz­dem dort­hin abschie­ben? sowie zuletzt im März 2020: Das „Frie­dens-Abkom­men“ in Afgha­ni­stan: Wenn jemand immer noch glau­ben soll­te, das Impe­ri­um täte irgend­et­was wegen „Men­schen­rech­ten“ – das nennt man dann „fak­ten­re­sis­tent“…

Der Bei­trag Wäh­rend NATO samt Bun­des­wehr ihren Rück­zug pla­nen – zie­hen demo­kra­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen in Afgha­ni­stan eine (ver­nich­ten­de) Bilanz deren Ein­sät­ze erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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