[gfp:] Mit den USA untergehen

Die deut­sche Außen­po­li­tik hat ver­geb­lich gehofft, zwi­schen zwei Unter­neh­mern wäh­len zu kön­nen, von denen der eine dem geneh­me­ren Typ der gemein­sa­men Her­kunft das Aus­se­hen leiht, wäh­rend der ande­re das Gewalt­po­ten­ti­al einer ille­ga­len Sank­ti­ons­po­li­tik und die extra­le­ga­len Tötungs­ex­zes­se des US-Mili­tärs völ­lig offen durch­setzt. Ber­lin hat gehofft, es könn­te dis­kre­ter, mit der fei­ne­ren Art der­sel­ben Gewalt zu Kom­pro­mis­sen gelan­gen, um die eige­nen Sank­tio­nen mit den eige­nen Droh­nen an den eige­nen Orten deut­scher Welt­po­li­tik in Anschlag zu brin­gen. Aber dass die eige­ne Gewalt und die glo­ba­le Gewalt der füh­ren­den Macht ein Aus­maß erreicht hat, das die inne­re Ord­nung an der Basis zer­stört und die Herr­schafts­frak­tio­nen in den Unter­grund zieht, das hat Ber­lin nicht begrei­fen wol­len und will es wei­ter nicht ver­ste­hen.

Was die deut­sche Außen­po­li­tik zu den Frak­ti­ons­kämp­fen anläss­lich der US-Wah­len zu sagen hat – man sei ent­setzt über den Angriff auf die Idea­le der bür­ger­li­chen Demo­kra­tie -, hat mit den Idea­len der bür­ger­li­chen Demo­kra­tie nichts mehr zu tun. Es ist die inne­re Zer­set­zung der bür­ger­li­chen Demo­kra­tie, die im US-ame­ri­ka­ni­schen Wahl­kampf einen Geruch der Gos­se ver­brei­tet.

Die­ser Gestank ist nicht neu.

Als der amtie­ren­de US-Prä­si­dent vor einem Jahr in Green­vil­le (North Caro­li­na) die in Soma­lia gebo­re­ne Ilhan Omar, Mit­glied der poli­ti­schen Kon­kur­renz im US-Reprä­sen­tan­ten­haus und Mus­li­min, vor einer brül­len­den Men­ge zum Ver­las­sen der USA auf­for­der­te, stieg er in jenen Abgrund, aus dem der Gär­stoff jeder zer­fal­len­den Ord­nung steigt. Die dem­ago­gi­sche Rede, die meh­re­ren respek­ta­blen, aber nicht-wei­ßen Bür­gern des Lan­des galt, quit­tier­te das ange­feu­er­te Publi­kum mit begeis­ter­ten Sprech­chö­ren „Send them back“. In die­sen Chö­ren ent­blöß­te sich der Zustand, in dem die äuße­re und inne­re US-Herr­schaft schwankt und Faschis­ten her­vor­bringt (den prä­si­dia­len Faschis­ten und die, die er weckt).

Die deut­sche Außen­po­li­tik hat die­se Sze­ne nicht gou­tiert und hat vor­nehm getan, statt an die eige­ne Geschich­te zu den­ken: Bedau­er­lich, aber kein Grund, an der soge­nann­ten Wer­te­ge­mein­schaft zu zwei­feln. Ber­lin hat auf die ande­re Frak­ti­on gesetzt. Nur ein Jahr spä­ter offen­bart sich die­se Wer­te­ge­mein­schaft als ein apo­ka­lyp­ti­sches Bünd­nis, in dem es noch an einer Mas­sen­be­we­gung fehlt, um den Herr­schaft­s­tau­mel der Füh­rungs­na­ti­on in eine auto­ri­tär-faschis­ti­sche Form zu gie­ßen.

Die deut­sche Außen­po­li­tik tau­melt die­ser Enwick­lung hin­ter­her, tut so, als hüte Ber­lin die demo­kra­ti­sche Flam­me, aber ist bereit, mit den USA unter­zu­ge­hen. Aber egal wer die Wah­len gewinnt: Das ist ein hoher Preis, um die deut­schen Export­vor­tei­le zu wah­ren und hin­ter dem Atom­schild der USA welt­weit zu expan­die­ren. Der Preis ist zu hoch, doch wenn kein Wun­der geschieht, wird Ber­lin ihn bezah­len.

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