[perspektive:] Vermehrt Forderungen nach Ausweitung der Corona-App

In Politik und Medien mehren sich Stimmen, die eine verpflichtende oder eine ausgedehnte Anwendung der Corona-App fordern. Ein CDU Politiker fordert die App zur Pflicht zu machen. Teile der Grünen fordern, dass Menschenansammlungen automatisch erfasst werden.

Wäh­rend die Coro­na-Fall­zah­len wei­ter anwach­sen wird auch das Infek­ti­ons­ge­sche­hen zuneh­mend dif­fus. Das heißt, die Behör­den kön­nen immer sel­te­ner mit einer bestimm­ten Sicher­heit fest­stel­len, von wem ein:e Patient:in ange­steckt wur­de.

Vor dem Hin­ter­grund die­ser Situa­ti­on meh­ren sich Posi­tio­nen, die die Coro­na-App neben den über­las­te­ten Gesund­heits­be­hör­den als letz­te Opti­on betrach­ten, eine Kon­takt­ver­fol­gung zu gewähr­leis­ten.

Bis­her nutzt nur ein Bruch­teil der Handybesitzer:innen die App. Die Down­load­zah­len lie­gen knapp über 20 Mil­lio­nen. Offen­bar wol­len vie­le der Nutzer:innen wie­der­um ledig­lich selbst gewarnt wer­den, schre­cken aber davor zurück, ggf. ihr gesam­tes pri­va­tes und beruf­li­ches Umfeld über eine Coro­na-Infek­ti­on zu infor­mie­ren. Denn einen posi­ti­ven Test las­sen bis­her nur 60% über die App an mög­li­che Kon­takt­per­so­nen wei­ter­lei­ten.

Eines der größ­ten Beden­ken ist nach wie vor der Daten­schutz. Ob die neus­ten Vor­stö­ße in Poli­tik und Medi­en aber hel­fen, die­ses Ver­trau­en zu stär­ken, muss bezwei­felt wer­den.

So berich­tet Tele­po­lis, eine Funk­ti­on zur auto­ma­ti­schen Erfas­sung der Namen von Besucher:innen sei für Restau­rants geplant. Der Vize-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Grü­nen Kon­stan­tin von Notz for­der­te, die App müs­se um eine Funk­ti­on erwei­tert wer­den, die erlaubt Men­schen­an­samm­lun­gen (soge­nann­te Clus­ter) auto­ma­tisch zu erfas­sen um dann zum Bei­spiel alle beteil­lig­ten Per­so­nen infor­mie­ren zu kön­nen.

Tho­mas Röwe­kamp, Vor­sit­zen­der der Bre­mer CDU-Frak­ti­on, ging noch einen Schritt wei­ter und for­dert die Pflicht für jede:n Bürger:in die App zu nut­zen – unter Andro­hung eines Buß­gel­des. Auch auf RTL​.de wur­de ein Kom­men­tar ver­öf­fent­licht, der eine sol­che Pflicht for­dert.

Neben dem Unbe­ha­gen vie­ler Bürger:innen mit einer sol­chen Ent­wick­lung dürf­te ein Hin­der­nis wei­ter­hin sein, dass auf etwa 15% aller Han­dys, die im Ein­satz sind, die App tech­nisch gar­nicht funk­tio­niert. Mit einer hoheit­li­chen Äuße­rung wie von der Staats­mi­nis­te­rin für Digi­ta­li­sie­rung Doro­thee Bär (CSU), die Bürger:innen sei­en schlicht zu „bequem“ sich ein neu­es Han­dy anzu­schaf­fen, wird es dabei sicher nicht getan sein.

Offen­bar för­dert die Bun­des­re­gie­rung jedoch bereits die Ent­wick­lung von Arm­bän­dern und Schlüs­sel­an­hän­gern, als Hard­ware­grund­la­ge für die Coro­na-App. Zukünf­tig soll kein oder ein ver­al­te­tes Smart­pho­ne kei­ne Aus­re­de mehr sein.

Der Bei­trag Ver­mehrt For­de­run­gen nach Aus­wei­tung der Coro­na-App erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

Read More