[gG:] [KA] Kundgebung Ihre Krise? Nicht auf unserem Rücken! Gemeinsam als Klasse kämpfen!

Heu­te (07.11.) fand in Karls­ru­he unter dem Mot­to „Ihre Kri­se? Nicht auf unse­rem Rücken! – Gemein­sam als Klas­se kämp­fen“ eine Kund­ge­bung statt. Orga­ni­siert wur­de die­se von Per­spek­ti­ve aus der Kri­se im Rah­men eines bun­des­wei­ten Akti­ons­ta­ges.

Auch in über 12 wei­te­ren Städ­ten sind heu­te Men­schen auf die Stra­ße gegan­gen um sich gegen die Kri­sen­ab­wäl­zung auf dem Rücken der Lohn­ab­hän­gi­gen zu weh­ren. Sperr­stun­de, geschlos­se­ne Knei­pen und Bars, Kon­takt­be­schrän­kun­gen in der Frei­zeit – Lock­down. Die Unsi­cher­heit über den wei­te­ren Coro­na-Ver­lauf geht ein­her mit der Angst vie­ler um ihren Job und der Sor­ge um die oft fra­gi­le Exis­tenz. Denn die Mel­dun­gen über Stel­len­ab­bau, Lohn­kür­zun­gen und gan­ze Werks­schlie­ßun­gen meh­ren sich fast täg­lich: Bei Bosch, Daim­ler, MAN, Thys­sen­Krupp und vie­len mehr gab es ent­we­der schon soge­nann­te Spar­maß­nah­men oder die­se wur­den ange­droht. Die Mil­li­ar­den an Ret­tungs­pa­ke­ten von der Bun­des­re­gie­rung lan­den nicht bei den Ange­stell­ten son­dern wan­dern oft in die Taschen der Unter­neh­mens­be­sit­zer und Aktio­nä­re, die ohne­hin schon viel zu viel haben. Für uns muss klar sein, dass all die­se Maß­nah­men nicht des­halb pas­sie­ren, weil sie unver­meid­bar sind. Viel­mehr sind sie logi­sche Kon­se­quenz eines Wirt­schafts­sys­tems, das auf stän­di­ger Gewinn­ma­xi­mie­rung und Kon­kur­renz basiert. Der Kapi­ta­lis­mus schafft es, alle Lebens­be­rei­che die­ser Pro­fit­lo­gik zu unter­wer­fen anstatt eine sinn­vol­le und geplan­te Ein­tei­lung von Res­sour­cen und Inves­ti­tio­nen zu bie­ten. Genau des­we­gen ver­sam­melt sich heu­te gegen 11 Uhr bis zu 100 Men­schen auf dem Fried­richs­platz.

Als ers­te Red­ne­rin sprach eine Ver­tre­te­rin des Bünd­nis­ses Kran­ken­haus statt Fabrik wel­ches sich seit Jah­ren gegen die Pri­va­ti­sie­rung und Pro­fit­ma­xi­mie­rung in Kran­ken­häu­sern und Pfle­ge­be­ru­fen ein­setzt. Sie hat über die immer noch sehr pre­kä­re Lage der Pfleger*innen in den Kran­ken­häu­sern gespro­chen: Von 100 Coro­na-Infi­zier­ten sind durch­schnitt­lich 11 davon Beschäf­tig­te aus dem Pfle­ge­be­reich. Außer­dem pran­ger­te sie an, dass zu Beginn der Pan­de­mie zwar alle für die „sys­tem­re­le­van­ten“ Beschäf­tig­ten geklatscht haben, aber dann wenn es wirk­li­che Soli­da­ri­tät gebraucht hät­te – zum Bei­spiel in der ver­gan­gen Tarif­run­de des öffent­li­chen Diens­tes – die Ange­stell­ten für bit­ter not­wen­di­ge Streik­ak­tio­nen öffent­lich ange­fein­det wur­den.

Die zwei­te Wel­le der Pan­de­mie kann für uns nicht bedeu­ten uns im Zuhau­se zurück zu leh­nen. Wir müs­sen zwar alle dar­auf ach­ten, das Virus nicht wei­ter zu ver­brei­ten, den­noch soll­ten wir den Pfle­ge­rin­nen und Pfle­gern auch wei­ter­hin den Rücken stär­ken. Auch wenn in der ver­gan­ge­nen Tarif­ver­hand­lung eini­ge Errun­gen­schaf­ten erkämpft wur­den, die Aner­ken­nung die die Kolleg*innen ver­dient haben ist noch lan­ge nicht erreicht und Applaus zahlt auch nach wie vor kei­ne Mie­ten. Wir müs­sen auch wei­ter­hin die For­de­run­gen derer die den Laden am Lau­fen hal­ten auf die Stra­ße tra­gen und zei­gen, ein Gesund­heits­sys­tem das nach den Bedürf­nis­sen der Men­schen und nicht des Pro­fits aus­ge­rich­tet ist, ist auch in unse­rem Inter­es­se.

Als nächs­tes hör­ten wir eine Rede der SDAJ Karls­ru­he die sich schwer­punkt­mä­ßig mit der Situa­ti­on der Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen in den Kitas und im Erzie­hungs­we­sen aus­ein­an­der­setz­te. Auch hier herrscht seit Jah­ren Per­so­nal­man­gel und sie haben mit nied­ri­gen Löh­nen bei gleich­zei­tig hoher Arbeits­be­las­tung zu kämp­fen. Wie auch im Pfle­ge­sek­tor leis­ten die Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen in den Kitas eine wich­ti­ge zen­tra­le Arbeit, sowohl was die Ent­las­tung berufs­tä­ti­ger Eltern betrifft, als auch in der Sozia­li­sie­rung und Bil­dung von Kin­dern. Die­se Berufs­spar­te wird seit Jah­ren mit schlech­ter Bezah­lung abge­speist. Der Red­ner führ­te auf, dass die Situa­ti­on hier nicht erst seit der Pan­de­mie pre­kär ist, son­dern schon davor viel zu wenig in gute Erzie­hung und Bil­dungs­ar­beit inves­tiert wur­de.

Vie­le Passant*innen blie­ben immer wie­der ste­hen und hör­ten inter­es­siert den Reder*innen zu.

Wei­ter sprach auch ein Gewerk­schafts­se­kre­tär von Ver.di und ord­ne­te die Ergeb­nis­se der ver­gan­ge­nen Tarif­ver­hand­lun­gen im Öffent­li­chen Dienst ein. Klar wur­de dabei: Ohne eine kämp­fe­ri­sche Beleg­schaft geht hier nichts und die erkämpf­ten Errun­gen­schaf­ten sind größ­ten­teils den vie­len Streik­ak­tio­nen der Beschäf­tig­ten zu ver­dan­ken. Doch auch ist klar, mit ein paar Ver­bes­se­run­gen kön­nen wir uns nicht zufrie­den geben. Uns geht es nicht nur um ein paar Pro­zen­te mehr oder weni­ger, die ledig­lich eine Anglei­chung an stei­gen­de Lebens­hal­tungs­kos­ten bedeu­ten, son­dern um ein grund­le­gend ande­res Sys­tem. In der Gesell­schaft die wir wol­len ist Strei­ken für mehr Lohn über­flüs­sig, weil die Dienst­leis­tun­gen und Pro­duk­te die wir ja selbst bereit- und her­stel­len, nach Bedarf ver­teilt sind. Ein gesell­schaft­li­cher Plan koor­di­niert die Pro­duk­ti­on und Repro­duk­ti­on, damit die­se fest an unse­ren Leben ori­en­tiert sind und die Arbeit wird da wo es geht und sinn­voll ist, redu­ziert wer­den, zuguns­ten eines schö­ne­ren und siche­ren Lebens. Der Weg zu einer sol­chen Gesell­schaft ist weit, aber wir wol­len ihn gehen.

Zuletzt sprach noch ein Ver­tre­ter des Offe­nen Anti­fa­schis­ti­schen Tref­fens und zeig­te auf, dass rech­te Kräf­te in Kri­sen­pha­sen tra­di­tio­nell ver­su­chen ver­meint­lich ein­fa­che Ant­wor­ten für kom­ple­xe The­men zu fin­den. Dabei insze­nie­ren sie sich als Anwalt der klei­nen Leu­te und gau­ckeln vor, die Inter­es­sen der Lohn­ab­hän­gi­gen zu ver­tre­ten. Dass dem nicht so ist, ist ein­fach dar­zu­le­gen und ein Blick in das neo­li­be­ra­le Par­tei­pro­gramm bei­spiels­wei­se der AfD dürf­te das ziem­lich schnell klar machen. Wer eine Spal­tung der Gesell­schaft anhand von Her­kunft, Reli­gi­on oder Geschlecht vor­an­treibt und dabei noch die Inter­es­se der Rei­chen ver­tritt, der kann nie­mals eine wirk­li­che Ant­wort auf sozia­le oder wirt­schaft­li­che Kri­sen parat haben.

Die Kun­ge­bung wur­de musi­ka­lisch und mit pas­sen­den Paro­len von der Musik­grup­pe „Rhythm of Resis­tance“ beglei­tet.

Auch wei­ter­hin ist es wich­tig, dass wir uns zusam­men­schlie­ßen, orga­ni­sie­ren und kämp­fen. Denn nur gemein­sam kön­nen wir den Angrif­fen auf unse­re Klas­se ent­ge­gen wir­ken. Lasst uns gemein­sam für eine Gesell­schaft kämp­fen in der WIR bestim­men, was wir pro­du­zie­ren, wie wir leben und arbei­ten wol­len. Eine Gesell­schaft die sich nach den Bedürf­nis­sen der Men­schen rich­tet und nicht nach Pro­fit. Eine Welt ohne Kapi­ta­lis­mus. Sol­len die für Rei­chen die Kri­se bezah­len.

Wer sich wei­ter­hin enga­gie­ren möch­te, kann dies ger­ne bei Per­spek­ti­ve aus der Kri­se tun. Wir sind ein offe­ner Zusam­men­schluss ver­schie­de­ner Men­schen aus unter­schied­li­chen Berufs­fel­dern und möch­ten eine soli­da­ri­sche Ant­wort auf die Kri­se auf­zei­gen und dafür kämp­fen.

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