[GAM:] Lockdown “Light”: Zwischen Pandemie und Kapitalinteresse

Mar­tin Such­anek, Neue Inter­na­tio­na­le 251, Novem­ber 2020

Die zwei­te Coro­na­wel­le über­flu­tet die Welt. Die Zahl der Neu­in­fek­tio­nen steigt in den meis­ten Län­dern. In Deutsch­land und vie­len Staa­ten Euro­pas über­trifft sie im Okto­ber sogar jene vom März und April deut­lich – und trotz einer Rei­he erneu­er­ter Teil-Lock­downs bleibt es unge­wiss, ob und wann die­se neue Wel­le über­haupt gebro­chen wird.

Welt­weit infi­zier­ten sich Ende Oktober/​Anfang Novem­ber 2020 täg­lich rund eine hal­be Mil­li­on Men­schen, der höchs­te Zuwachs seit Aus­bruch der Pan­de­mie. Mitt­ler­wei­le for­der­te sie über 1,2 Mil­lio­nen Todes­op­fer, wobei die Dun­kel­zif­fer gera­de in den halb­ko­lo­nia­len Län­dern mit Sicher­heit weit­aus höher lie­gen dürf­te. Ange­sichts die­ser Zah­len kann die im Ver­gleich zum Früh­jahr 2020 gerin­ge­re Ster­be­ra­te wohl nur Zyni­ke­rIn­nen und unver­bes­ser­li­chen Coro­na-Leug­ne­rIn­nen als tröst­lich oder gar als Grund zur Ent­war­nung erschei­nen. In Wirk­lich­keit droht eine expo­nen­ti­el­le Aus­brei­tung des Virus über die nächs­ten Mona­te.

Reaktion der Regierung

Mit dem Teil-Lock­down im Novem­ber ver­su­chen Bun­des- und Lan­des­re­gie­run­gen, die Ent­wick­lung zu brem­sen, frei­lich auf eine in sich wider­sprüch­li­che Art. Einer­seits sol­len Gas­tro­no­mie und Kul­tur­ein­rich­tun­gen, Frei­zeit und Brei­ten­sport, pri­va­te Fei­ern weit­ge­hend ein­ge­schränkt wer­den, ande­rer­seits Betrie­be, Kauf­häu­ser und Schu­len unter allen Umstän­den offen blei­ben.

Natür­lich hagelt es hier Kri­tik, Unver­ständ­nis und nahe­lie­gen­de Fra­gen. War­um soll der Hygie­ne­plan einer Gast­stät­te so viel schlech­ter sein als der eines Schlacht­hofs? War­um ist die Infek­ti­ons­ge­fahr für Jugend­li­che in Schu­len gerin­ger als beim Tref­fen mit Freun­dIn­nen im Park?

Die­se und ähn­li­che Unge­reimt­hei­ten sind Was­ser auf die Müh­len von Coro­na-Leug­ne­rIn­nen und rechts­po­pu­lis­ti­scher, dem­ago­gi­scher Schar­la­ta­nIn­nen. Dass die Rech­ten Gehör fin­den und Zulauf erhal­ten, hängt frei­lich damit zusam­men, dass die Maß­nah­men der Regie­rung tat­säch­lich wider­sprüch­lich sind und einer deut­li­chen klas­sen­po­li­ti­schen Aus­rich­tung fol­gen. Letz­te­re wird frei­lich im Wahn der Coro­na-Leug­ne­rIn­nen ver­kehrt zu reak­tio­nä­ren, klein­bür­ger­li­chen Ver­schwö­rungs­theo­rien und zum gesund­heits­po­li­ti­schen Amok­lauf.

Um gegen die Gefahr des wach­sen­den Rechts­po­pu­lis­mus und gegen die Gesund­heits­po­li­tik der Regie­ren­den Wider­stand auf­zu­bau­en, braucht die Arbei­te­rIn­nen­klas­se einen eigen­stän­di­gen Kurs. Sie darf sich nicht zur, wenn auch „kri­ti­schen“, Erfül­lungs­ge­hil­fin der Gro­ßen Koali­ti­on machen, wenn sie Kapi­tal und Rech­ten Paro­li bie­ten und die Inter­es­sen aller Lohn­ab­hän­gi­gen und Unter­drück­ten ver­tei­di­gen will.

Daher müs­sen wir uns kurz den Klas­sen­cha­rak­ter der Maß­nah­men der Regie­rung und gene­rell der bür­ger­li­chen Coro­na-Poli­tik vor Augen hal­ten.

Versäumnisse

Nach der 1. Wel­le hoff­te die­se, dass sie mit Appel­len an die Bevöl­ke­rung (Abstands­re­geln, Hygie­ne­maß­nah­men) und etwas Glück im Herbst und Win­ter über die Run­den käme. Die rela­ti­ven gerin­gen Fall­zah­len im Som­mer nähr­ten die­se Hoff­nung. Über­mü­ti­ge wie der Möch­te­gern-CDU-Vor­sit­zen­de Laschet insze­nier­ten sich als Locke­rungs­vor­rei­te­rIn­nen.

Gleich­zei­tig ver­säum­ten es die Regie­run­gen, Maß­nah­men für den Fall einer zwei­ten Wel­le der Pan­de­mie zu ergrei­fen. So wur­den zwar aber­wit­zi­ge Vor­schlä­ge wie die Kür­zung von Feri­en in Umlauf gebracht, auf die bau­li­che Umrüs­tung und die Instal­la­ti­on von Luft­fil­tern an den Schu­len, die Ein­stel­lung von mehr Lehr­per­so­nal, IT-Aus­stat­tung von Schü­le­rIn­nen oder die Umstel­lung auf klei­ne­re Klas­sen­grö­ßen wur­de wenig Ener­gie und noch weni­ger Geld ver­wandt. Für die gro­ßen Kon­zer­ne wur­den dage­gen Mil­li­ar­den locker­ge­macht. Für die Anschaf­fung von Luft­fil­tern fehl­te anschei­nend das Geld. Dabei wer­den die Gesamt­kos­ten dafür auf rund eine Mil­li­ar­de Euro geschätzt, also rund 10 % der Sum­me, die bis­her in die Luft­han­sa gepumpt wur­de.

Ein nicht min­der gro­ßes Ver­säum­nis bestand und besteht dar­in, dass über Mona­te kei­ne wei­te­ren Test­ka­pa­zi­tä­ten auf­ge­baut, Per­so­nal für die Ver­fol­gung von Infek­ti­ons­ver­läu­fen geschult und für den Ernst­fall ein­ge­stellt wur­den. Im Kapi­ta­lis­mus gilt ein sol­cher Auf­bau per­so­nel­ler Reser­ven in ers­ter Linie als Kos­ten­fak­tor, weil er kei­nen Gewinn abwirft. Das gilt im Grun­de für den öffent­li­chen Gesund­heits­sek­tor ins­ge­samt, der in den letz­ten Jah­ren per­so­nell aus­ge­dünnt, pri­va­ti­siert und kom­mer­zia­li­siert wur­de. Auch wenn selbst des­sen pri­va­te Tei­le wäh­rend der Pan­de­mie zeit­wei­lig unter staat­li­che Gesund­heits­pla­nung gestellt wer­den muss­ten, mah­nen neo­li­be­ra­le Poli­ti­ke­rIn­nen und Think-Tanks wie die Ber­tels­mann-Stif­tung schon wie­der an, dass aus der Pan­de­mie kei­ne „fal­schen Schlüs­se“ gezo­gen wer­den dürf­ten, dass Pri­va­ti­sie­run­gen und markt­wirt­schaft­li­che Aus­rich­tung bei­be­hal­ten wer­den müss­ten.

Die gro­ßen, export­ori­en­tier­ten Indus­trie­kon­zer­ne, aber auch Groß­ka­pi­tal z. B. in der Lebens­mit­tel­pro­duk­ti­on wur­den bezüg­lich der Hygie­ne­maß­nah­men von Beginn an fak­tisch kaum kon­trol­liert. Dass vie­le Pro­duk­ti­ons­be­trie­be im Früh­jahr schlos­sen, lag vor allem am Zusam­men­bruch der glo­ba­len Lie­fer­ket­ten, nicht dar­an, dass die Schlie­ßun­gen ange­ord­net wor­den wären. Schlacht­hö­fe wie Tön­nies wur­den mona­te­lang nicht kon­trol­liert. Erst als die skan­da­lö­sen Bedin­gun­gen infol­ge von Mas­sen­in­fek­tio­nen auf­flo­gen, gelob­ten alle Bes­se­rung – und ver­su­chen bis heu­te, wei­ter­zu­ma­chen wie zuvor.

Vie­le Coro­na-Hel­dIn­nen im Gesund­heits­sek­tor und im Ein­zel­han­del, die unter hohem Risi­ko arbei­ten muss­ten, war­ten bis heu­te auf ihre mate­ri­el­le Aner­ken­nung. Der Tarif­ab­schluss im öffent­li­chen Dienst kommt in die­ser Hin­sicht dem berühm­ten Trop­fen auf den hei­ßen Stein gleich, im Ein­zel­han­del kön­nen die Ver­käu­fe­rin­nen bis heu­te sogar davon nur träu­men.

Klassencharakter

All das ist natür­lich kein Zufall. Auch wenn die Gro­ße Koali­ti­on Mil­li­ar­den zur Abfe­de­rung der Kri­se nicht nur für das Kapi­tal, son­dern auch für Lohn­ab­hän­gi­ge ver­wandt hat, die von Ent­las­sung betrof­fen sind, für Selbst­stän­di­ge, Frei­be­ruf­le­rIn­nen, für Klein­bür­ge­rIn­nen­tum und klei­ne Kapi­ta­lis­tIn­nen, so ist sie natür­lich nicht einem ima­gi­nä­ren „Gemein­wohl“ ver­pflich­tet, son­dern vor allem dem Inter­es­se des Gesamt­ka­pi­tals, also der gro­ßen Kon­zer­ne und Finanz­in­sti­tu­tio­nen.

Indi­rekt gibt das Mer­kel bei der Begrün­dung des Lock­downs auch zu, wie ein Pres­se­be­richt des Bay­ri­schen Rund­funks zeigt: „Die Regie­rung habe sich über­legt, was das Aller­wich­tigs­te sei: Infra­struk­tur im Gesund­heits- und Pfle­ge­be­reich, den Wirt­schafts­kreis­lauf so weit wie mög­lich am Lau­fen zu hal­ten und – als Leh­re aus der ers­ten Pan­de­mie­wel­le – Schu­len und Kin­der­ta­ges­stät­ten so lan­ge wie mög­lich offen zu hal­ten.“

Die Auf­recht­erhal­tung des Wirt­schafts­kreis­laufs, also die Zir­ku­la­ti­on von Waren und Kapi­tal bil­det das A und O kapi­ta­lis­ti­scher Coro­na-Poli­tik. War­um? Bei sei­ner Unter­bre­chung dro­hen die wech­sel­sei­ti­gen Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen und Kre­dit­ket­ten zu unein­bring­ba­ren Schul­den zu gera­ten, die zum Sto­cken von Lie­fe­run­gen und Zah­lun­gen füh­ren und wei­te­re Unter­neh­men mit­rei­ßen. Zugleich kön­nen pro­du­zier­te Waren nicht ver­kauft wer­den, lie­gen mit Roh­stof­fen und Vor­pro­duk­ten im Lager und ver­ur­sa­chen nur Kos­ten, wäh­rend kei­ne Gewin­ne ein­ge­fah­ren wer­den. Der Wirt­schafts­kreis­lauf muss unter Bedin­gun­gen all­ge­mei­ner Waren­pro­duk­ti­on auf­recht­erhal­ten wer­den, damit Pro­duk­ti­on und Rea­li­sie­rung von Mehr­wert gesi­chert wer­den. Die Öff­nung der Schu­len und Kitas sowie einen gewis­sen Gesund­heits­schutz braucht es, um sicher­zu­stel­len, dass die Arbei­te­rIn­nen auch arbei­ten kön­nen, dass die­se nicht über­mä­ßig wegen zu hoher Infek­ti­ons­zah­len oder wegen Kin­der­be­treu­ung im Haus­halt aus­fal­len.

Pandemie und Krise

Siche­rung der Gesund­heit einer­seits und des Kapi­tal­kreis­laufs und der Pro­fi­te ande­rer­seits stel­len zwei ein­an­der wider­spre­chen­de Zie­le dar. Das Zusam­men­tref­fen einer his­to­ri­schen Kri­se des Kapi­ta­lis­mus, der tiefs­ten welt­wei­ten Rezes­si­on seit dem Zwei­ten Welt­krieg, mit der Coro­na-Pan­de­mie ver­schärft die Lage in Deutsch­land und erst recht auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne.

Die öko­no­mi­sche Kri­se zeich­ne­te sich ange­sichts fal­len­der Pro­fi­tra­ten, struk­tu­rel­ler Über­ak­ku­mu­la­ti­on, nie­der­ge­hen­der Wachs­tums­ra­ten schon 2019 ab. In eini­gen sog. Schwel­len­län­dern war sie schon im Vor­jahr aus­ge­bro­chen. Der Zusam­men­bruch von Lie­fer­ket­ten auf dem Welt­markt infol­ge von Lock­downs v. a. in Chi­na ver­all­ge­mei­ner­te und ver­tief­te die Kri­se. Deren dro­hen­de Fol­gen (Zusam­men­bruch gan­zer Wirt­schafts­sek­to­ren, Plei­te­wel­len, Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit) konn­ten nur durch mas­si­ve Staats­in­ter­ven­ti­on und Mil­li­ar­den zur Stüt­zung der Wirt­schaft gemil­dert wer­den.

Die impe­ria­lis­ti­schen Kern­län­der wie Deutsch­land konn­ten auf­grund ihrer poli­ti­schen und öko­no­mi­schen Stel­lung gigan­ti­sche Schul­den zu rela­tiv güns­ti­gen Bedin­gun­gen auf­neh­men. In den Halb­ko­lo­nien wüte­te die Kri­se von Beginn an in dop­pel­ter Hin­sicht. Ihnen dro­hen der Staats­bank­rott und eine gigan­ti­sche Schul­den­last über die kom­men­den Jah­re, der Mas­se der Bevöl­ke­rung Ver­elen­dung, Hun­ger und Not. Die Lock­down-Maß­nah­men zur Beschrän­kung der Pan­de­mie konn­ten gera­de in den Län­dern mit den schwächs­ten Gesund­heits­sys­te­men nicht über­nom­men wer­den, was die sozia­le und Gesund­heits­la­ge für die Lohn­ab­hän­gi­gen, die städ­ti­sche Armut und die Mas­se der Bau­ern-/Bäue­rin­nen­schaft dra­ma­tisch zuspitz­te.

Die Kri­se wüte­te aber auch in den Zen­tren des Welt­ka­pi­ta­lis­mus, wie die Lage in Deutsch­land zeigt. Hun­dert­tau­en­de haben in die­sem Jahr bereits ihre Jobs ver­lo­ren, Mil­lio­nen sind wei­ter in Kurz­ar­beit, in bestimm­ten Wirt­schafts­sek­to­ren – gera­de in der Unter­hal­tungs- und Frei­zeit­bran­che droht eine Plei­te­wel­le. Nicht nur die Arbei­te­rIn­nen­klas­se, auch gro­ße Tei­le der Mit­tel­schich­ten und des Klein­bür­ge­rIn­nen­tums ste­hen wirt­schaft­lich mit dem Rücken zur Wand oder befürch­ten zu Recht, dass sie bald vor dem Aus ste­hen oder den Arbeits­platz ver­lie­ren könn­ten. Die Ein­kom­mens­ein­bu­ßen der Mas­se der Bevöl­ke­rung sind ohne­dies schon beacht­lich. Kein Wun­der also, dass vie­le beim erneu­ten, par­ti­el­len Lock­down um ihre Exis­tenz fürch­ten.

Zu all dem kommt die Refi­nan­zie­rung der staat­li­chen Ret­tungs­pa­ke­te und Schul­den in den kom­men Jah­ren, deren Kos­ten Regie­run­gen und Kapi­tal auf die Mas­sen abwäl­zen wol­len. Die Nie­der­la­ge der Tarif­run­de im öffent­li­chen Dienst zeigt, wohin die Rei­se gehen soll. In den nächs­ten Jah­ren dro­hen Arbeits­lo­sig­keit, sta­gnie­ren­de Löh­ne, wei­te­re Kür­zun­gen von Sozi­al­leis­tun­gen und zugleich Pri­va­ti­sie­run­gen und Ein­spa­run­gen an Schu­len, Frei­zeit­ein­rich­tun­gen und sicher auch ein Kampf um den Gesund­heits­sek­tor.

Gewerkschaften und Sozialdemokratie

Die Füh­run­gen der Gewerk­schaf­ten und die Sozi­al­de­mo­kra­tie betä­ti­gen sich in der gegen­wär­ti­gen Dop­pel­kri­se vor allem als Steig­bü­gel­hal­te­rin­nen von Kapi­tal und Kabi­nett. Die Kri­se in den Groß­un­ter­neh­men, dro­hen­der Ver­lust hun­dert­tau­sen­der, wenn nicht von Mil­lio­nen Arbeitsplätze/​n wer­den allen­falls sozi­al­part­ner­schaft­lich mit­ver­wal­tet. Die Mobi­li­sie­run­gen in den Tarif­run­den ver­lau­fen allen­falls schaum­ge­bremst. Rück­zug und Nie­der­la­gen wer­den schön­ge­re­det. Die SPD freut sich, dass sie im Unter­schied zur CDU schon einen Kanz­ler­kan­di­da­ten hat, der sich inhalt­lich von Mer­kel mög­lichst wenig unter­schei­det. Wäh­rend Scholz so tut, als wür­de er für eine poli­ti­sche Alter­na­ti­ve zur Gro­ßen Koali­ti­on ein­tre­ten, tun Wal­ter-Bor­jans, Esken und die ehe­ma­li­gen SPD-Lin­ken so, also wür­den sie die Poli­tik von Scholz (mit)bestimmen. Kein Wun­der, dass die Arbei­te­rIn­nen­be­we­gung in der Defen­si­ve steckt, dass ihre Füh­run­gen allen­falls als sozia­ler Part der „natio­na­len Ein­heit“ mit dem Kapi­tal erschei­nen. Die Links­par­tei, die trotz allem auf ein grün-rot-rotes Wun­der nach den Bun­des­tags­wah­len hofft, weiß nicht so recht, ob sie gegen­über der Regie­rung loy­al oder oppo­si­tio­nell sein soll.

Dabei müss­ten die Arbei­te­rIn­nen­be­we­gung und die poli­ti­sche Lin­ke in der aktu­el­len Lage die Regie­rung, ihre wider­sprüch­li­che, letzt­lich vom Kapi­tal­in­ter­es­se dik­tier­te Coro­na- und Kri­sen­po­li­tik angrei­fen und dage­gen auf der Stra­ße, in den Betrie­ben, in den Stadt­tei­len, an Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten mobi­li­sie­ren.

Statt­des­sen hof­fen sie auf bes­se­re Zei­ten. Bis zum Ende der Pan­de­mie soll­ten Tarif­run­den, grö­ße­re sozia­le Aus­ein­an­der­set­zun­gen, am bes­ten der Klas­sen­kampf über­haupt ver­scho­ben wer­den. Dafür gibt es kei­nen kom­plet­ten Lock­down. Kapi­tal und öffent­li­che Arbeit„geber“Innen, also Staat und Regie­rung, ver­zich­ten zum Leid­we­sen „part­ner­schaft­li­cher“ Büro­kra­tIn­nen nicht auf die Ver­fol­gung ihrer Klas­sen­in­ter­es­sen. Im Gegen­teil, ver­fol­gen sie auch unter der Dop­pel­kri­se – einer­seits weil es die glo­ba­le kapi­ta­lis­ti­sche Kon­kur­renz erfor­dert, ande­rer­seits weil sie Zurück­wei­chen, Aus­wei­chen, fau­le Kom­pro­mis­se und Kapi­tu­la­ti­on im Klas­sen­kampf als das begrei­fen, was sie sind – eine Stra­te­gie zum nächs­ten Angriff.

Gegen „nationalen Schulterschluss“ und SozialpartnerInnenschaft!

Die Poli­tik der refor­mis­ti­schen Appa­ra­te stellt in der aktu­el­len Situa­ti­on eine sozia­le Haupt­stüt­ze für die Gro­ße Koali­ti­on dar. Sie sorgt dafür, dass es in den Betrie­ben „ruhig“ bleibt, dass die Maß­nah­men der Regie­rung durch­kom­men und der Wider­stand ver­ein­zelt und iso­liert bleibt.

Daher gilt es, den Kampf ver­stärkt in die Betrie­be zu tra­gen. Der Auf­bau einer klas­sen­kämp­fe­ri­schen Basis­be­we­gung, einer anti­bü­ro­kra­ti­schen Oppo­si­ti­on in den Gewerk­schaf­ten und Betrie­ben nimmt dabei eine Schlüs­sel­rol­le ein.

Dies muss ver­bun­den wer­den mit dem Auf­bau einer Anti­kri­sen­be­we­gung – sowohl in den Betrie­ben, aber auch in den Stadt­tei­len und auf der Stra­ße. Eine sol­che Bewe­gung soll­te ver­su­chen, die orga­ni­sier­ten Arbei­te­rIn­nen, aber auch die unor­ga­ni­sier­ten anzu­spre­chen und eige­ne Basis­struk­tu­ren wie Akti­ons­ko­mi­tees auf­zu­bau­en, an denen sich poli­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen wie Unor­ga­ni­sier­te betei­li­gen kön­nen und sol­len.

Anti-Krisenbündnisse

Deren Aktio­nen und Mas­sen kön­nen zugleich als Hebel die­nen, die Mit­glie­der der Gewerk­schaf­ten, die Anhän­ge­rIn­nen von Links­par­tei und SPD in die Akti­on zu zwin­gen, ihnen kon­kre­te For­de­run­gen zum gemein­sa­men Kampf vor­zu­schla­gen und immer wie­der einen Bruch mit natio­na­ler Ein­heit und Sozi­al­part­ne­rIn­nen­schaft ein­zu­for­dern.

Wo lin­ke Poli­ti­ke­rIn­nen oder refor­mis­ti­sche Par­tei­en Vor­schlä­ge machen, die zumin­dest gegen Teil­aspek­te von Kri­se und Gesund­heits­fra­ge ange­hen, gilt es, von ihnen den gemein­sa­men Kampf ein­zu­for­dern. So schlägt die Links­par­tei zur Finan­zie­rung der Coro­na-Las­ten eine ein­ma­li­ge Ver­mö­gens­ab­ga­be für die reichs­ten 0,7 Pro­zent der Bevöl­ke­rung vor. Die­se wür­de wirk­lich nur die Super­rei­chen tref­fen, die mehr als 2 Mil­lio­nen Euro pri­va­tes oder mehr als 5 Mil­lio­nen Betriebs­ver­mö­gen ange­häuft haben. In Deutsch­land wären das immer­hin 580.000 Men­schen. Die­se sol­len gemäß dem Vor­schlag über 20 Jah­re 310 Mil­li­ar­den Euro Ver­mö­gens­ab­ga­be zah­len, was bis zu 30% ihres aktu­el­len Ver­mö­gens ent­spre­chen wür­de.

Bür­ger­li­che Öko­nom­In­nen und Unter­neh­mer­ver­bän­de lau­fen Sturm. Die Steu­er von jähr­lich rund 1,5 % (!) brand­mar­ken sie im Han­dels­blatt und ande­ren Blät­tern als „kal­te Ent­eig­nung“, die vor allem den „Mit­tel­stand“ tref­fen und das Kapi­tal zur Abwan­de­rung zwin­gen wür­de.

Dabei wür­de eine sol­che Steu­er die grund­le­gen­den Eigen­tums­ver­hält­nis­se gar nicht berüh­ren und die Super­rei­chen wären auch nach 20 Jah­ren noch immer super­reich. Das Bei­spiel ver­deut­licht jedoch nicht nur, wel­che pri­va­ten Ver­mö­gen die­se Schicht von Kapi­ta­lis­tIn­nen ange­häuft hat – es zeigt auch, dass selbst eine sol­che Steu­er nur durch mas­si­ven Klas­sen­kampf durch­ge­setzt wer­den kann. Dass die Unter­neh­me­rIn­nen­pres­se so auf­schrie, ver­deut­licht frei­lich, dass der Vor­schlag der Links­par­tei ein­mal in die rich­ti­ge Rich­tung geht.

Für eine Ant­wort auf die Dop­pel­kri­se von Pan­de­mie und Rezes­si­on brau­chen wir ein Akti­ons­pro­gramm für die Lohn­ab­hän­gi­gen, für alle unter­drück­ten Schich­ten der Bevöl­ke­rung.

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