[EMRAWI:] Kundgebung #WirHabenPlatz: Mödlinger*innen fordern Aufnahme von schutzsuchenden Menschen aus Moria

Am Möd­lin­ger Schran­nen­platz folg­ten am Sams­tag, den 7.11. nach­mit­tags vie­le Men­schen – mit gebüh­ren­dem Coro­na-Abstand – dem Auf­ruf von #zusam­men­Halt­NÖ und Fair­ness Asyl. Sie kamen zusam­men für ein star­kes und ein­drucks­vol­les Zei­chen gegen die regie­ren­de Unmensch­lich­keit: mit sym­bo­lisch auf­ge­stell­ten Schu­hen am Schran­nen­platz wird ver­deut­licht, wie viel Platz es in Möd­ling für Men­schen gibt, die Schutz suchen.

Vermächtnis der beim Attentat Ermordeten wird zum Motto „Bietet Hilfe an!“

Auch das Atten­tat in Wien ist The­ma. Gun­di D. von #zusam­men­Halt­NÖ erin­nert ein­lei­tend an das Ver­mächt­nis einer der Ermor­de­ten von Wien: „Gud­run P. hät­te gesagt, dass Wut, Hass, Aus­gren­zung, Null­to­le­ranz, Gewalt nie­mals Teil einer Lösung sein kön­nen, aber dass sie sehr oft Teil des Pro­blems sind. Wir hät­ten uns erin­nert, wie schwie­rig es war in jun­gen Jah­ren, unse­ren Weg zu fin­den, und dass wir eigent­lich das Glück hat­ten, immer Men­schen um uns zu haben, die uns Wege gezeigt haben, die nicht nur mit Gewalt began­gen wer­den kön­nen.“ Und Gun­di D. zitiert die Wor­te der Schwes­ter der Ermor­de­ten, „Wenn ihr mei­ne Schwes­tern und ihr Andenken ehren wollt, dann bit­te ich euch alle, auch nicht mit Hass und Aus­gren­zung zu reagie­ren, das wür­de alles, wofür sie gestan­den ist, gelebt hat und ein­ge­tre­ten ist, mit Füßen tre­ten.“ Gebt Eure Anteil­nah­me den Leben­den, die sie brau­chen. Grenzt nicht aus, son­dern inte­griert! Mit einer Schwei­ge­mi­nu­te geden­ken die Kundgebungsteilnehmer*innen der vier Opfer des Atten­tats in Wien und der vie­len Opfer von Atten­ta­ten in Afgha­ni­stan und welt­weit.

Gun­di D. dazu, war­um Men­schen in Möd­ling auch in Coro­na-Zei­ten auf die Stra­ße gehen: „In Moria wer­den Men­schen­rech­te mit Füßen getre­ten, wir kön­nen nicht zuschau­en. Wir mel­den uns laut zu Wort!“

Pater Franz H., Rektor des Missionshauses St. Gabriel: Regierung steht in der Verantwortung und in der Pflicht Aufnahme von Flüchtlinge zu ermöglichen

Pater Franz H., Rek­tor des Mis­si­ons­hau­ses St. Gabri­el, fin­det in einer Gruß­bot­schaft aus der Qua­ran­tä­ne kla­re Wor­te: „Unse­re Regie­rung steht in der Ver­ant­wor­tung und in der Pflicht, dass sie ermög­licht, dass soli­da­ri­sche Men­schen hier in Öster­reich Flücht­lin­ge auf­neh­men, sie betreu­en und ihnen bei der Inte­gra­ti­on zu hel­fen.“ Er ver­weist auf die Stel­lung­nah­me der öster­rei­chi­schen Bischö­fe nach dem Brand in Moria, in der sie beto­nen, dass es kei­ne Alter­na­ti­ve zur schnel­len und sys­te­ma­ti­schen Eva­ku­ie­rung der Asyl­su­chen­den aus den grie­chi­schen Lagern gibt. Pater Franz H. fragt wei­ter, war­um Men­schen die sich für die Inte­gra­ti­on und für den Dia­log mit Zuwan­de­rern ein­set­zen sys­te­ma­tisch demo­ti­viert wer­den, indem ihre Schütz­lin­ge abge­scho­ben und ihnen ver­un­mög­licht wird, sich ein­zu­set­zen. Und abschlie­ßend wen­det sich Pater Franz H. ganz ein­dring­lich an die Kundgebungsteilnehmer*innen: „Die­se Poli­tik pro­vo­ziert Ver­bre­chen und dage­gen müs­sen wir auf­ste­hen und uns weh­ren!“

Flüchtlingsheime in NÖ stehen leer – Klare Aufforderung an die Landeshauptfrau geflüchtete Menschen aus Moria sofort aufzunehmen!

Jut­ta L. von Fair­ness Asyl erin­nert alle: „Öster­reich hat sich in Ver­trä­gen und Abkom­men zum Schutz der Men­schen­rech­te ver­pflich­tet. Der Umgang mit Geflüch­te­ten ist der Lack­mus­test für eine Demo­kra­tie, denn schluss­end­lich steht unser aller Rechts­an­spruch auf dem Spiel.“

Die Kundgebungsteilnehmer*innen for­dern von der Nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Lan­des­re­gie­rung – und vom Bund – Men­schen aus Moria zu eva­ku­ie­ren, auf­zu­neh­men und die Hei­me zu öff­nen. Jut­ta L. weist auf die Absur­di­tät der herz­lo­sen Flücht­lings­po­li­tik in Nie­der­ös­ter­reich hin: „In Nie­der­ös­ter­reich ste­hen Flücht­lings­un­ter­künf­te leer, für die monat­lich enor­me Mie­ten bezahlt wer­den, hun­der­te Geflüch­te­te könn­ten sofort auf­ge­nom­men wer­den: In Stein­haus am Sem­me­ring hät­ten fast 200 Men­schen Platz, die monat­li­che Mie­te beträgt dort 43.000 €. Der Miet­ver­trag läuft bis 31.12.2029. In einem leer­ste­hen­den Heim in Kor­neu­burg wer­den monat­lich Miet­kos­ten in Höhe von 31.735 € an eine „Pri­vat­per­son“ bezahlt. Die­se Ver­trä­ge bedeu­ten Miss­wirt­schaft. Viel mehr noch: die­se Häu­ser leer ste­hen zu las­sen, trotz gro­ßer Not der Men­schen in Moria ist unmensch­lich und nicht im Sin­ne vie­ler soli­da­ri­scher Men­schen.“

Viele gute Gründe, Menschen in Not aufzunehmen – „In meinem Herzen fühle ich es deutlich …“

Vero­ni­ka H. von Con­nect Möd­ling führ­te in ihrer Rede fünf Grün­de an, war­um wir geflüch­te­te Men­schen von den grie­chi­schen Inseln bei uns auf­neh­men müs­sen: „Es gibt genug Platz, und es gibt aus­rei­chend Men­schen, die bereit sind, geflüch­te­te Män­ner, Frau­en und Kin­der zu beglei­ten – Con­nect Möd­ling hat das in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren nach­hal­tig bewie­sen.“ Und Vero­ni­ka H. wei­ter „In mei­nem Her­zen füh­le ich es ganz deut­lich, es ist ein­fach rich­tig, die­se Men­schen auf­zu­neh­men, die in Grie­chen­land, zwei Flug­stun­den von uns ent­fernt in Euro­pa, im Schlamm hau­sen, in der Käl­te in Zel­ten schla­fen müs­sen, kein Trink­was­ser, zu wenig zu essen und kei­ne medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung haben, wo Kin­der nicht in die Schu­le gehen kön­nen, nicht Kind sein kön­nen. – Es fühlt sich ein­fach rich­tig an, einen Teil die­ser Men­schen nach Öster­reich zu brin­gen, wo wir all das in aus­rei­chen­der Men­ge haben.“

Offizielle österreichische Politik des Wegsehens spaltet – Gemeinsam den Weg der offenen Herzen gehen: Schaffen wir sichere Häfen und lassen wir Mödling ein Teil davon sein

Die Initia­ti­ve See­brü­cke, die sich seit 2018 für siche­re Flucht­rou­ten und die Auf­nah­me von Men­schen auf der Flucht ein­setzt, ist mit Susa K. bei der Kund­ge­bung ver­tre­ten. Susa K. bringt die Ver­bin­dung zwi­schen den State­ments der Regie­rungs­spit­ze nach dem Atten­tat und dem was dar­aus fol­gen muss auf den Punkt: „Wenn wir dar­über spre­chen, dass uns Hass nicht spal­ten soll, dann müs­sen wir das momen­ta­ne Asyl­sys­tem und die öster­rei­chi­sche Poli­tik des Weg­se­hens als das benen­nen, das sie sind: ras­sis­tisch und spal­tend und dann müs­sen wir gemein­sam einen ande­ren Weg, den der offe­nen Her­zen und der Freund:innenschaft gehen.“ Und K. wei­ter, „Öster­reich hat nicht nur Platz, son­dern auch Herz – zusam­men­hal­ten heißt: Schaf­fen wir Siche­re Häfen, siche­re Gemein­schaf­ten und eine siche­re Welt für alle und las­sen wir Möd­ling ein Teil davon sein.“

Saira P. von der kürz­lich gegrün­de­ten Initia­ti­ve Cou­ra­ge – Mut zur Mensch­lich­keit, betont: „Die Situa­ti­on in den Lagern an den EU Außen­gren­zen ist in den letz­ten Jah­ren durch­ge­hend fürch­ter­lich. Dort leben Men­schen die vor dem sel­ben Ter­ror geflüch­tet sind, dem wir Anfang die­ser Woche in Wien erle­ben dürf­ten. Der Unter­schied zu uns ist aber, dass sie in ihren Län­dern kei­nen Schutz und Hil­fe erfah­ren. Und nur weil wir nicht alle ret­ten kön­nen, heißt es nicht, dass wir nie­man­den ret­ten sol­len.“

„Wir fordern Sie auf, Schutzbedürftige aus den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln aufzunehmen“

Die Kundgebungsteilnehmer*innen schi­cken eine kla­re Bot­schaft an den Bür­ger­meis­ter von Möd­ling, die Lan­des­haupt­frau Mikl-Leit­ner und an die Bun­des­re­gie­rung: Wir for­dern die Ver­ant­wort­li­chen in Bund und Land, den Bür­ger­meis­ter Abg.z.NR Hans Ste­fan Hint­ner und den Möd­lin­ger Gemein­de­rat auf, umge­hend Schutz­be­dürf­ti­ge aus den Flücht­lings­la­gern auf den grie­chi­schen Inseln auf­zu­neh­men! Ein Schrei­ben mit die­sem Auf­ruf geht in den nächs­ten Tagen an den Bun­des­prä­si­den­ten, den Bun­des­kanz­ler, die Lan­des­haupt­frau und an den Möd­lin­ger Bür­ger­meis­ter und den Gemein­de­rat.

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