[EMRAWI:] Tag der Kinderrechte: Permanente Verstöße im Flüchtlingsbereich

“Wir müs­sen fest­stel­len, dass in Öster­reich per­ma­nent gegen die Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on ver­sto­ßen wird”. Als beson­ders pre­kär stellt sich immer wie­der die Lage von unbe­glei­te­ten min­der­jäh­ri­gen Flücht­lin­gen (UMF) dar.

Trais­kir­chen ist kein Ort für Kin­der­flücht­lin­ge End­lo­se Tage ohne Struk­tur und Betreu­ung, ohne Mög­lich­kei­ten einer alters- und kind­ge­rech­ten Beschäf­ti­gung nach­zu­ge­hen, das ist der All­tag für die Jugend­li­chen in der EAST-Ost in Trais­kir­chen und der Außen­stel­le in Rei­chen­au an der Rax.

Kin­der haben das Recht auf Bil­dung. Die­ses ele­men­ta­re Recht wird den jugend­li­chen Flücht­lin­gen, die in den Bun­des­ein­rich­tun­gen auf wei­te­re Ver­fah­rens­schrit­te war­ten, vor­ent­hal­ten. In den iso­lier­ten Mas­sen­quar­tie­ren gibt es kei­ne mög­lich­kei­ten zu ler­nen, kei­ne Pri­vat­sphä­re. Unbe­glei­tet min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge ver­mis­sen erwach­se­ne Bezugs­per­so­nen und füh­len, dass sie in Öster­reich nicht erwünscht sind.

Viel zu lan­ge in Quar­tie­ren des BMI Eigent­lich soll­ten sich die Kin­der­flücht­lin­ge nur eini­ge Tage in den Erst­auf­nah­me­zen­tren auf­hal­ten müs­sen, solan­ge es dau­ert bis ihr Gesund­heits­zu­stand und gege­be­nen­falls ihr Alter über­prüft wird. Dann müss­te die sofor­ti­ge Über­stel­lung in Betreu­ungs­ein­rich­tun­gen der Län­der (Kin­der- und Jugend­hil­fe oder spe­zia­li­sier­ten NGOs) erfol­gen. “Es ist für die asyl­ko­or­di­na­ti­on nicht nach­voll­zieh­bar, war­um die UMF unter die­sen Umstän­den Mona­te­lang in der Bun­des­be­treu­ung aus­har­ren müs­sen”, kri­ti­siert W.. Der­zeit sind etwa 240 UMF in Trais­kir­chen und Reichenau/​Rax, das sind 30 Pro­zent. Im asyl­an­trags­star­kem Jahr 2017 befan­den sich ledig­lich zwei Pro­zent (91) der UMF in Bun­des­be­treu­ung. “Von den Bun­des­län­dern hören wir, dass so gut wie alle bereit wären, sofort UMF aus Trais­kir­chen und Rei­chen­au auf­zu­neh­men. Das Innen­mi­nis­te­ri­um will die Kin­der­flücht­lin­ge offen­bar aus Öster­reich ver­trei­ben.”

Kinder verschwinden

Wie vie­le Öster­reich daher tat­säch­lich wie­der ver­las­sen und ver­su­chen in einem ande­ren EU-Land Zuflucht zu fin­den, ist schwer fest­zu­stel­len. Klar ist nur – das zeig­ten jüngst die Ant­wor­ten auf eine par­la­men­ta­ri­sche Anfra­ge der NEOS –, dass jedes Jahr hun­der­te Kin­der spur­los ver­schwin­den. Von 888 UMF, die in Öster­reich einen Asyl­an­trag stell­ten wur­den ledig­lich 126 in Ein­rich­tun­gen der Län­der über­nom­men. Selbst wenn in Rech­nung gestellt wird, dass ein Teil als voll­jäh­rig erklärt wird und etli­che in ande­re EU-Staa­ten gebracht wer­den, weil sie dort Fami­lie haben oder schon ein abge­schlos­se­nes Asyl­ver­fah­ren durch­lau­fen haben, blei­ben über 350 Kin­der über deren Ver­bleib nichts bekannt ist.

“Die Behör­den müs­sen sich end­lich um das Wohl die­ser Kin­der küm­mern “, for­dert die UMF-Exper­tin Lisa W. Wir haben bereits vor einem Jahr auf die­sen Skan­dal hin­ge­wie­sen, pas­siert ist seit­her nichts”. Eine wich­ti­ge Ver­än­de­rung steht mit 1. Dezem­ber die­ses Jah­res bevor: Die Betreu­ung der Asylwerber*innen in der Bun­des­be­treu­ung geht an die neu geschaf­fe­ne BBU (Bun­des­agen­tur für Betreu­ungs- und Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen) über. Das könn­te auch die Lage der UMF in Trais­kir­chen und Rei­chen­au an der Rax beein­flus­sen.

Die asyl­ko­or­di­na­ti­on for­dert von der Lei­tung der BBU alles zu unter­neh­men, damit eine zügi­ge Über­stel­lung der UMF in Quar­tie­re der Län­der ermög­licht wird. Nur dort sind eine kind­ge­rech­te Betreu­ung, Mög­lich­kei­ten zum Sprach­er­werb und eine Bear­bei­tung der trau­ma­ti­schen Erleb­nis­se der Kin­der mög­lich.

https://​asyl​.at

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