[gG:] Solidarität mit Lina E. aus Gefangenensicht

Wie vor eini­gen Tagen berich­tet wur­de, hat die Poli­zei am 5.11.2020 Lina E. aus Leip­zig ver­haf­tet. Neben den erwart­ba­ren, jeg­li­chen anti­fa­schis­ti­schen Wider­stand nie­der­ma­chen­den Arti­keln aus der rechts­bür­ger­li­chen Pres­se (FAZ vom 7.11.2020: „Kon­spi­ra­tiv und gewalt­tä­tig“ oder auch „Die Welt“ vom 13.11.2020: „Schnell, klan­des­tin und kri­mi­nell“), gab es aller­dings auch erfreu­lich reflek­tier­te, soli­da­ri­sche Bericht­erstat­tung (vgl. exem­pla­risch das Inter­view in „Neu­es Deutsch­land“ mit Anja Som­mer­feld vom Bun­des­vor­stand der Roten Hil­fe e.V. am 18.11.2020: „Ein Bedro­hungs­sze­na­rio wird auf­ge­baut“).

Gin­ge es nach FAZ und „Die Welt“, wäre wohl ein Straf­pro­zess fast schon über­flüs­sig, die Ver­ur­tei­lung näm­lich so gut wie sicher. Die­se (typi­sche) Vor­ver­ur­tei­lung, gepaart mit einem sexis­ti­schen Blick der drei männ­li­chen „Die Welt“-Reporter, wonach eine angeb­lich Gewalt als Mit­tel der Aus­ein­an­der­set­zung ein­set­zen­de Frau uner­hört erscheint, soll die anti­fa­schis­ti­sche Akti­on dele­gi­ti­mie­ren. Die Nazis als die hilfs- und wehr­lo­sen Opfer einer deren Tod „bil­li­gend in Kauf“ (FAZ) neh­men­den Links­ex­tre­mis­tin, ver­voll­stän­di­gen das klein­bür­ger­li­che Nar­ra­tiv.

Aus ihrem All­tags­le­ben her­aus­ge­ris­sen und in das enge Kor­sett eines Haft­all­tags gepresst wor­den zu sein, wird für Lina Kraft­an­stren­gung bedeu­ten, aber ich bin sicher, die viel­fäl­ti­ge Soli­da­ri­tät, die sie erfährt und erfah­ren wird, kann man­ches davon mil­dern. Zumal sich die Vor­wür­fe gegen sie ein­rei­hen in die jüngs­ten staat­li­chen Repres­sio­nen, ob in Ham­burg, Stutt­gart, Frank­furt, Ber­lin und vie­len ande­ren Städ­ten, mit Ver­haf­tun­gen und Durch­su­chun­gen. Die Ver­hän­gung von Unter­su­chungs­haft soll auch ganz direkt einen ein­schüch­tern­den Effekt auf Men­schen vor Ort aus­üben und ihnen den Mut zum Wider­stand neh­men. Sich aber nicht ein­schüch­tern zu las­sen, von nichts und nie­man­den, dar­auf kommt es unver­än­dert an! Viel­mehr müs­sen wir das Leben so neh­men, wie es Rosa Luxem­burg in einem ihrer Brie­fe aus der Haft for­mu­liert hat: „Tap­fer, unver­zagt und lächelnd – trotz alle­dem!“.

Frei­heit für Lina E.!

Tho­mas Mey­er-Falk
z.Zt. JVA
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