[GAM:] Politische Krise in Schweden: Streikmaßnahmen weisen den Weg vorwärts

Arbet­arm­akt, Info­mail 1128, 1. Dezem­ber 2020

Seit die Par­la­ments­wah­len im Sep­tem­ber 2018 zu einem Patt im Par­la­ment geführt haben, hinkt Schwe­den von einer Bei­na­he-Kri­se zur nächs­ten. Es dau­er­te bis Janu­ar 2019, bevor eine Koali­ti­ons­re­gie­rung aus Sozi­al­de­mo­kra­tIn­nen und Grü­nen mit par­la­men­ta­ri­scher Unter­stüt­zung durch Zen­trums­par­tei und Libe­ra­le gebil­det wer­den konn­te, und selbst dann war dies eine Min­der­heit im Riks­dag (Abge­ord­ne­ten­par­la­ment).

Zugeständnisse an Bürgerliche

Die Alter­na­ti­ve hät­te eine rechts­ge­rich­te­te Koali­ti­on ein­schließ­lich der rechts­ex­tre­men, ras­sis­ti­schen Schwe­den­de­mo­kra­tIn­nen bil­den kön­nen. Um dies zu ver­mei­den, waren die sozi­al­de­mo­kra­ti­sche und die Grü­nen-Par­tei bereit, Schlüs­sel­maß­nah­men aus dem Pro­gramm der Zen­trums­par­tei und der Libe­ra­len zu akzep­tie­ren. Damals bemerk­te das Maga­zin The Eco­no­mist, dass das „Janu­ar-Abkom­men“ acht Vor­schlä­ge ent­hielt, „die in direk­tem Wider­spruch zum [sozi­al­de­mo­kra­ti­schen] Mani­fest ste­hen, wie z. B. die Abschaf­fung von Gewinn­be­schrän­kun­gen im pri­va­ten Wohl­fahrts­sek­tor und eine zusätz­li­che Ein­kom­mens­steu­er für Hoch­ver­die­ne­rIn­nen“.

Unter den acht Maß­nah­men waren zwei, die zum Kern der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Tra­di­ti­on gehör­ten: die Ver­mark­tung von Mie­ten und ein Angriff auf das Kün­di­gungs­schutz­ge­setz (LAS), ein zen­tra­les Geset­zes­werk aus den 1970er Jah­ren. Selbst mit dem Abkom­men ver­füg­te die Regie­rung nicht über eine par­la­men­ta­ri­sche Mehr­heit, so dass sich alle Augen auf die Links­par­tei und ihren Vor­sit­zen­den Jonas Sjös­tedt rich­te­ten, der das Abkom­men (zu Recht) als einen Schritt in Rich­tung zuneh­men­der Ungleich­heit und wei­te­rer Angrif­fe auf die Rech­te und Bedin­gun­gen der Arbei­te­rIn­nen­klas­se cha­rak­te­ri­siert hat­te. Die Mit­glie­der der Links­par­tei und ihre Wäh­le­rIn­nen grif­fen auf die sozia­len Medi­en zurück, um ihre Füh­rung auf­zu­for­dern, „den roten Knopf zu drü­cken“, d. h. die neue Regie­rung und das neo­li­be­ra­le Abkom­men abzu­leh­nen.

Wie ein Mit­glied der Links­par­tei, der ehe­ma­li­ge Abge­ord­ne­te Dani­el Sestra­jcic, der den lin­ken Bezirk Mal­mö ver­tritt, schrieb: „Wenn die Sozi­al­de­mo­kra­tIn­nen die Par­tei von dem, was von der Sozi­al­de­mo­kra­tie übrig geblie­ben ist, säu­bern und ihre eige­ne Umwand­lung zu einer offen bür­ger­li­chen Par­tei anneh­men wol­len, dann ist das ihre eige­ne, trau­ri­ge Ent­schei­dung. Für die Links­par­tei gibt es nur einen Knopf zu drü­cken: den roten.“

Die Libe­ra­len und die Zen­trums­par­tei erkann­ten die poten­ti­el­le Schlüs­sel­rol­le der Links­par­tei und bestan­den dar­auf, dass das Abkom­men eine Klau­sel ent­hält, dass die Regie­rung ihr kei­nen Ein­fluss auf ihre poli­ti­sche Rich­tung gestat­tet. Nach Erhalt einer „gehei­men Notiz“ des sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Pre­mier­mi­nis­ters Ste­fan Löf­ven, dass die­se Klau­sel nun angeb­lich ver­al­tet sei, kün­dig­te die Links­par­tei an, dass sie sich bei der Abstim­mung über die Regie­rungs­bil­dung der Stim­me ent­hal­ten wer­de, und sorg­te damit für deren Bil­dung. Um die Pil­le eines solch demü­ti­gen­den Rück­zie­hers zu ver­sü­ßen, behaup­te­te Sjös­tedt, dass, wenn die Regie­rung eine von zwei „roten Lini­en“, näm­lich die Ver­mark­tung von Mie­ten oder recht­li­che Angrif­fe auf die Arbeits­platz­si­cher­heit, über­schrei­te, die Links­par­tei für die Abset­zung von Ste­fan Löf­ven stim­men wür­de.

Regierungsbildung mit Unterstützung der Linkspartei

Wie Arbet­arm­akt, die schwe­di­sche Sek­ti­on der Liga für die Fünf­te Inter­na­tio­na­le, sei­ner­zeit schrieb, hät­te die Dro­hung mit einer gro­ßen Pri­se Salz auf­ge­nom­men wer­den müs­sen. Jahr­zehn­te­lang bestand die lang­fris­ti­ge Stra­te­gie der Links­par­tei dar­in, in eine Regie­rungs­ko­ali­ti­on mit den Sozi­al­de­mo­kra­tIn­nen ein­ge­bun­den zu wer­den und sich so einen „lin­ken Ein­fluss“ in der Ver­wal­tung des bür­ger­li­chen Staa­tes zu sichern.

Die Links­par­tei begrün­de­te ihre Unter­stüt­zung für eine nach rechts gehen­de Koali­ti­on als das „klei­ne­re Übel“ im Ver­gleich zu einer rechts­ge­rich­te­ten Koali­ti­on mit den Schwe­den­de­mo­kra­tIn­nen. Natür­lich ist es lobens­wert, die­se dar­an zu hin­dern, irgend­ei­ne Rol­le in der Regie­rung zu gewin­nen, jede/​r Sozialist/​in wür­de dem zustim­men, aber sie aus der Regie­rung her­aus­zu­hal­ten, ist das eigent­li­che Ziel, und dazu bedarf es einer lang­fris­ti­gen Stra­te­gie. Die Unter­stüt­zung einer Regie­rung, die sich dem Angriff auf die Arbei­te­rIn­nen­rech­te und der „Ver­mark­tung“, d. h. der Erhö­hung der Wohn­kos­ten, ver­schrie­ben hat, wird unwei­ger­lich genau die Bedin­gun­gen ver­bes­sern, unter denen die Schwe­den­de­mo­kra­tIn­nen auf­blü­hen kön­nen.

Es sicker­te etwa zu die­ser Zeit durch, dass sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Insi­de­rin­nen von ihrer größ­ten Befürch­tung spra­chen: eine mili­tan­te­re Links­par­tei kön­ne Tei­le des LO (Lands­or­ga­ni­sa­tio­nen i Sve­ri­ge), des wich­tigs­ten Gewerk­schafts­bun­des, abspal­ten und „sich als gro­ße, links­so­zia­lis­ti­sche Par­tei eta­blie­ren“. Jede ech­te sozia­lis­ti­sche Par­tei hät­te alles in ihrer Macht Ste­hen­de tun müs­sen, schrie­ben wir, um genau das zu tun. Mit die­ser Hal­tung hät­te sie dann gestärkt in eine mög­li­che neue Wahl­pe­ri­ode gehen, nicht den Respekt von Ste­fan Löf­ven gewin­nen, son­dern irgend­wo weit weg von den Büros und Woh­nun­gen der Abge­ord­ne­ten sich an die Arbei­te­rIn­nen und Armen des Lan­des wen­den kön­nen, an alle, die von rech­ter und ras­sis­ti­scher Poli­tik bedroht sind.

Die natür­li­chen Losun­gen wären gewe­sen: Kei­ne Unter­stüt­zung für das Janu­ar-Abkom­men oder für die dar­auf basie­ren­de bür­ger­li­che Regie­rung Löf­ven! Alle offen bür­ger­li­chen Par­tei­en aus der Regie­rung her­aus! Kein Ein­fluss für die Schwe­den­de­mo­kra­tIn­nen! Bringt alle bür­ger­li­chen Vor­schlä­ge zu Fall – bringt die Regie­rung zu Fall!

Statt­des­sen begnüg­ten sich die Abge­ord­ne­ten der Links­par­tei mit der Andro­hung eines Miss­trau­ens­vo­tums gegen Löf­ven zu einem spä­te­ren Zeit­punkt, soll­te er ihre „roten Lini­en“ über­schrei­ten, und sie ent­hiel­ten sich bei der ent­schei­den­den Abstim­mung über die Regie­rung. Bei spä­te­ren Ent­hül­lun­gen stell­te sich her­aus, dass ein Teil der hin­ter ver­schlos­se­nen Türen ver­ein­bar­ten Abma­chung dar­in bestand, dass der LO-Vor­sit­zen­de, ein über­zeug­ter Sozi­al­de­mo­krat, auf lin­ken Par­tei­ta­gen spre­chen soll­te, zusam­men mit ande­ren sym­bo­li­schen Krü­meln, die der Links­par­tei als Beloh­nung dafür gege­ben wur­den, dass sie der neu­en Regie­rung nicht im Wege stand.

In den fast zwei Jah­ren seit­her hat die sozi­al­de­mo­kra­tisch-grü­ne Regie­rung eini­ge der Vor­schlä­ge des Janu­ar-Abkom­mens auf Zeit blo­ckiert. Sie sieht sich mit Dro­hun­gen von bei­den Sei­ten kon­fron­tiert: von rechts, wenn ihre libe­ra­len Anhän­ge­rIn­nen im Par­la­ment, die mit dem man­geln­den Fort­schritt unzu­frie­den sind, zu ihren frü­he­ren Bünd­nis­part­ne­rIn­nen bei den Christ­de­mo­kra­tIn­nen und Schwe­den­de­mo­kra­tIn­nen wech­seln, und von links durch LO und den Mie­ter­bund, zwei kon­sti­tu­ie­ren­den Tei­len der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Arbei­te­rIn­nen­be­we­gung, falls sie tat­säch­lich ver­su­chen soll­te, die Vor­schlä­ge umzu­set­zen.

Was den Plan zur Ver­mark­tung der Mie­ten betrifft, so hat die Regie­rung ver­sucht, den Vor­schlag in einem Aus­schuss zu begra­ben, wahr­schein­lich in der Hoff­nung, dass das The­ma ver­schwin­det. Die Füh­rung des 538.000 Mit­glie­der star­ken Mie­te­rIn­nen­ver­ban­des, der die Mie­ten in Tarif­ver­trä­gen aus­han­delt, fühl­te sich ihrer­seits durch den Druck ihrer Mit­glie­der gezwun­gen, eine Kam­pa­gne gegen den Vor­schlag zu star­ten, zu Demons­tra­tio­nen auf­zu­ru­fen und Peti­tio­nen gegen den Vor­schlag ein­zu­rei­chen. Vor allem im Raum Göte­borg haben radi­ka­le­re Kräf­te zu Recht wei­ter gedrängt und Pro­tes­te orga­ni­siert, nicht nur gegen die­sen Vor­schlag im Beson­de­ren, son­dern gegen das gesam­te, ver­rot­te­te Janu­ar-Abkom­men an sich.

Der LAS-Konflikt

Gemäß dem Abkom­men wür­de das Ver­fah­ren zur Behand­lung von vor­ge­schla­ge­nen Angrif­fen auf das Gesetz über die Beschäf­ti­gungs­si­cher­heit (LAS) dar­in bestehen, dass ein Par­la­ments­aus­schuss einen Bericht ver­öf­fent­licht und dann auf der Grund­la­ge des­sen Ver­hand­lun­gen zwi­schen den Gewerk­schaf­ten und der Arbeit„geber“Innenorganisation, dem schwe­di­schen Unter­neh­me­rIn­nen­ver­band, geführt wer­den. Die Ergeb­nis­se die­ser Ver­hand­lun­gen wür­den dann von der Regie­rung zum Gesetz gemacht. Soll­te jedoch als Schlüs­sel­be­din­gung kein Kom­pro­miss zwi­schen den Arbeits­markt­par­tei­en erzielt wer­den, wür­de die Ange­le­gen­heit wie­der an die Regie­rung zurück­ge­hen, um sie per Gesetz zu lösen.

Dies ver­schaff­te den Arbeit„geber“Innenverbänden natür­lich einen gro­ßen Vor­teil: Soll­ten sich die Gewerk­schaf­ten weit­rei­chen­den Angrif­fen wider­set­zen, müss­ten sich die „Arbeit­ge­be­rIn­nen“ nur zurück­leh­nen und statt­des­sen die Regie­rung die Ände­run­gen für sie durch­füh­ren las­sen.

Die­se Bedin­gung war sowohl für Pre­mier­mi­nis­ter Löf­ven als auch für die sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Füh­rung von Vor­teil. Wenn sie die LO-Füh­rung dazu brin­gen könn­ten, den Angrif­fen zuzu­stim­men, wür­den die geplan­ten Geset­zes­än­de­run­gen, ursprüng­lich eine Erfin­dung der Libe­ra­len und der Zen­trums­par­tei, statt­des­sen auf magi­sche Wei­se in einen Vor­schlag der Gewerk­schaf­ten selbst ver­wan­delt.

Nach­dem der Aus­schuss sei­nen Bericht vor­ge­legt hat­te, räum­te sogar Pre­mier­mi­nis­ter Löf­ven ein, dass die Vor­schlä­ge „stark zuguns­ten der Arbeit,geber’Innen geneigt“ waren, und benahm sich damit, als ob ange­sichts des Initia­tors der Geset­zes­än­de­run­gen und der Anwei­sun­gen an den Aus­schuss dies eine Über­ra­schung sei. Mit ande­ren Wor­ten, ein bes­se­res Ergeb­nis hät­ten die Kapi­ta­lis­tIn­nen nicht ver­lan­gen kön­nen.

Zwei Haupt­vor­schlä­ge des Berichts waren, dass es den Unter­neh­me­rIn­nen frei­ge­stellt wer­den soll­te, fünf statt zwei Arbei­te­rIn­nen von der übli­chen Regel „Zuerst drin, als Letz­teR raus“ von Kün­di­gun­gen aus­zu­neh­men, und dass das der­zei­ti­ge Recht der Arbei­te­rIn­nen in klei­ne­ren Unter­neh­men, eine unge­recht­fer­tig­te Kün­di­gung vor Gericht für ungül­tig erklä­ren zu las­sen, auf­ge­ho­ben wer­den soll­te. Wie die mili­tan­te Gewerk­schaf­te­rin Daria Bogd­ans­ka in einem Inter­view mit Arbet­arm­akt sag­te, waren die Vor­schlä­ge des Berichts ein­deu­tig nur als ein Anfang wei­te­rer Angrif­fe gedacht und wür­den es „den Bos­sen viel, viel leich­ter machen, Mit­ar­bei­te­rIn­nen aus hei­te­rem Him­mel zu ent­las­sen, selbst bei klei­ne­ren Kon­flik­ten, Unge­hor­sam oder ein­fach durch das Erfin­den eines Grun­des, um z. B. Gewerk­schafts­ak­ti­vis­tIn­nen los­zu­wer­den“.

Die erste Verhandlungsrunde …

Wäh­rend die LO-Füh­rung als Teil des sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Par­tei­ap­pa­rats betrach­tet wer­den kann (bis 1990 waren die LO-Mit­glie­der auto­ma­tisch Mit­glie­der der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Par­tei, und der/​die LO-Vor­sit­zen­de hat immer noch einen Sitz im sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Exe­ku­tiv­aus­schuss), muss die Gewerk­schafts­füh­rung immer noch eine Mit­glied­schaft berück­sich­ti­gen, da sie in ihrer Rol­le als Ver­mitt­le­rin des wirt­schaft­li­chen Klas­sen­kamp­fes gefan­gen ist.

Schon vor den LAS-Ver­hand­lun­gen konn­ten wir den Beginn einer Frag­men­tie­rung des LO beob­ach­ten, wobei eine Rei­he von Gewerk­schaf­ten, dar­un­ter die 500.000 Mit­glie­der star­ke Kom­mu­nal, die größ­te LO-Bran­chen­ge­werk­schaft, die Kom­mu­nal- und Gesund­heits­be­schäf­tig­te orga­ni­siert, rebel­lier­te und im Vor­feld der jähr­li­chen Tarif­ver­trags­ver­hand­lun­gen mit der Koor­di­nie­rung des Ver­ban­des brach.

Die­se Ris­se in der Büro­kra­tie wei­te­ten sich bereits vor Beginn der Ver­hand­lun­gen aus, wobei inner­halb der LO-Füh­rung hek­ti­sche Akti­vi­tä­ten statt­fan­den, um eine Eini­gung zu erzie­len und damit das Gesicht der Regie­rung zu wah­ren. Bereits im Dezem­ber 2019 konn­te die Gewerk­schafts­pres­se ent­hül­len, wie eine klei­ne Grup­pe sozi­al­de­mo­kra­ti­scher Loya­lis­tIn­nen inner­halb der LO-Füh­rung aktiv an der Sei­te des Arbeit„geber“Innenverbandes arbei­te­te, um ein Abkom­men vor­zu­be­rei­ten und sich im Vor­feld der Ver­hand­lun­gen heim­lich mit ihnen auf eine Absichts­er­klä­rung zu eini­gen. Der skan­da­lö­se Brief, der den kri­ti­sche­ren Gewerk­schafts­tei­len wie Kom­mu­nal vor­ent­hal­ten wur­de, mach­te deut­lich, dass die­se Büro­kra­tIn­nen bereits bereit waren, den Unter­nehm­rIn­nen das Recht ein­zu­räu­men, jede/​n Arbei­te­rIn nach Belie­ben zu ent­las­sen, sogar noch vor jeg­li­chen Ver­hand­lun­gen.

In einem Antrag an den LO-Kon­gress erklär­ten die Gewerk­schaf­ten Kom­mu­nal und Seko (die Gewerk­schaft der Beschäf­tig­ten im Dienst­leis­tungs­sek­tor und in der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­bran­che), dass sie kein Ver­trau­en mehr in die Ver­hand­lun­gen des Dach­ver­ban­des zu die­sem The­ma hät­ten, wäh­rend Byggnads (Svens­ka Byggnads­ar­be­ta­re­för­bun­det; Bau­ar­bei­te­rIn­nen­ge­werk­schaft) äußer­te, dass ihr Zutrau­en in die­sen „beschä­digt“ sei. Der Berufs­ver­band der Ange­stell­ten, TCO, sah ähn­li­che Pro­tes­te, bei denen u. a. Leh­re­rIn­nen- und Kran­ken­pfle­ge­rIn­nen­ge­werk­schaf­ten droh­ten, dem Ver­hand­lungs­ko­mi­tee ihr Ver­trau­en zu ent­zie­hen.

Den Kri­ti­ke­rIn­nen gelang es jedoch nicht, die Ver­hand­lun­gen zu stop­pen, die mit der im Juni begin­nen­den ers­ten Run­de star­te­ten. Zu die­sem Zeit­punkt hat­te sich der LO-Teil des Ver­hand­lungs­aus­schus­ses bereit erklärt, „gro­ße Zuge­ständ­nis­se“ zu machen, d. h. Ver­rat an ihrer Mit­glied­schaft zu bege­hen.

Den­noch waren die Ver­bands­spit­zen nicht bereit, ganz so weit zu gehen, wie es die nun selbst­be­wuss­ten Ver­tre­te­rIn­nen des schwe­di­schen Kapi­ta­lis­mus ver­lang­ten, und die Ver­hand­lun­gen schei­ter­ten. Erneut wur­de der Vor­schlag an die Regie­rung zurück­ge­ge­ben. Wie­der ein­mal lag der Druck auf der Links­par­tei, die sich in einer Art poli­ti­schem Angst­ha­sen­spiels wie­der­sah. Wür­den sie ihre Dro­hung zurück­zie­hen, jetzt, da sie die Regie­rung tat­säch­lich stür­zen könn­te? Wür­de Löf­ven in der Lage sein, den LO zur Wie­der­auf­nah­me von Ver­hand­lun­gen zu drän­gen? Oder könn­te er die Libe­ra­len und die Zen­trums­par­tei davon über­zeu­gen, die Nie­der­la­ge bei die­sem Vor­schlag zu akzep­tie­ren?

Die Links­par­tei ihrer­seits inter­pre­tier­te ihre Dro­hung mit der „roten Linie“ dahin­ge­hend, dass das LAS nicht per Gesetz und gegen den Wil­len der Gewerk­schaf­ten geän­dert wer­den dür­fe. Wie die neue Vor­sit­zen­de der Links­par­tei, Mehr­noosh „Noo­shi“ Dad­gostar, sag­te, zöge sie neue Ver­hand­lun­gen vor, aber ohne die Dro­hung einer Ände­rung per Gesetz, die, so argu­men­tier­te sie, durch die Dro­hung der Links­par­tei, die Regie­rung zu stür­zen, falls es dazu kom­men soll­te, zunich­te­ge­macht wur­de. Die Links­par­tei woll­te, erklär­te Dad­gostar, Pre­mier­mi­nis­ter Löf­ven „mehr Zeit“ geben (um die Par­tei­en zu zwin­gen, die Ver­hand­lun­gen zu erneu­ern), und dass ers­te­re dann „das Pro­blem lösen“ wür­de.

Was die Füh­rung der Links­par­tei jedoch nicht erklärt hat, war genau das, wor­über die Par­tei­en ver­han­deln soll­ten. Was soll­te „gelöst“ wer­den? Selbst wenn die Dro­hung, das Gesetz im Par­la­ment zu ändern, als aus der Glei­chung her­aus­ge­nom­men betrach­tet wer­den könn­te (was nicht sicher war), wür­de dies nur dazu füh­ren, dass die Gewerk­schaf­ten durch das Abkom­men vom Janu­ar gezwun­gen wären, über Angrif­fe auf die Beschäf­ti­gungs­si­cher­heit zu ver­han­deln.

Wäh­rend die Links­par­tei zöger­te, han­del­ten die Sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Par­tei und ihre Ver­bün­de­ten in der Gewerk­schafts­bü­ro­kra­tie. Sie berei­te­ten eine zwei­te Ver­hand­lungs­run­de vor, um einem Miss­trau­ens­vo­tum im Par­la­ment zuvor­zu­kom­men, sei es auf Initia­ti­ve der Links­par­tei oder der rech­ten Oppo­si­ti­on, die offen ihre Absicht erklärt, im Fal­le einer Macht­über­nah­me die glei­chen bru­ta­len Angrif­fe aus­zu­füh­ren, selbst wenn sie die Regie­rung in die­ser Fra­ge zu Fall brin­gen soll­te.

… und die zweite Runde

Sobald die Ver­hand­lun­gen geschei­tert waren, tra­fen sich die LO-Ver­tre­te­rIn­nen wie­der heim­lich mit ihrem Gegen­über von der Unter­neh­me­rIn­nen­sei­te, um die Wie­der­auf­nah­me der Ver­hand­lun­gen zu erör­tern. Wie die Gewerk­schafts­pres­se berich­te­te, wur­de dies­mal sogar der LO-Exe­ku­tiv­aus­schuss außen vor gelas­sen, und die Anfüh­re­rIn­nen kri­ti­scher Gewerk­schaf­ten wur­den erst infor­miert, als ein Vor­schlag für die Wie­der­auf­nah­me der Ver­hand­lun­gen vor­lag.

Da sie wuss­ten, dass meh­re­re der Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten ihre Ableh­nung ins­be­son­de­re in der Fra­ge der Ände­rung der zuläs­si­gen Ent­las­sungs­be­din­gun­gen ver­spro­chen hat­ten, rie­fen die Büro­kra­tIn­nen, die für einen Ver­hand­lungs­ab­schluss waren, den Rest des Vor­stands erst zu einer Sit­zung ein, nach­dem sie neue Ver­hand­lun­gen vor­be­rei­tet hat­ten – „wie ein Blitz aus hei­te­rem Him­mel“, wie der Vor­sit­zen­de der Bau­ar­bei­te­rIn­nen­ge­werk­schaft bemerk­te. Die Bau­ar­bei­te­rIn­nen­ge­werk­schaft gab dar­auf­hin ihren Vor­be­halt gegen die Wie­der­auf­nah­me der Ver­hand­lun­gen mit „einer Waf­fe am Kopf“ zu Pro­to­koll, zusam­men mit der Male­rIn­nen­ge­werk­schaft, der Dienst­leis­tungs- und Kommunikations‑, der Gebäudeinstandhaltungs‑, der Papier- und der Trans­port­ar­bei­te­rIn­nen­ge­werk­schaft.

Trotz­dem wur­den neue Ver­hand­lun­gen auf­ge­nom­men, die ein­deu­tig dem Wunsch von Tei­len der LO-Exe­ku­ti­ve ent­spran­gen, die sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Regie­rung zu ret­ten und die Par­tei­en der Libe­ra­len und des Zen­trums zu beschwich­ti­gen. Wie ein/​e Gewerk­schafts­vor­sit­zen­deR gegen­über der Gewerk­schafts­pres­se sag­te, haben die Ver­tre­te­rIn­nen für einen Ver­trags­ab­schluss „offen­sicht­lich die Regie­rung und die Sozi­al­de­mo­kra­tIn­nen in Rech­nung gestellt“, was ein/​e andere/​r Gewerk­schafts­vor­sit­zen­deR als „die schlimms­te Art von schmut­zi­gen Tricks“ bezeich­ne­te.

Doch selbst nach die­ser beträcht­li­chen Anstren­gung der Büro­kra­tie für ein Ver­hand­lungs­ab­kom­men konn­te sich der Ver­hand­lungs­aus­schuss nicht auf die von den Unter­neh­mens­ver­tre­te­rIn­nen vor­ge­schla­ge­nen Angrif­fe eini­gen, und am 15. Okto­ber schei­ter­te die zwei­te Ver­hand­lungs­run­de. Am Ende lehn­te die gesam­te LO-Exe­ku­ti­ve den zwei­ten Deal ab. Dies­mal erschien jedoch die Ver­hand­lungs­de­le­ga­ti­on der Ange­stell­ten- und Frei­be­ruf­le­rIn­nen­ver­bän­de beschä­mend auf einer Pres­se­kon­fe­renz mit dem/​r Vor­sit­zen­den des Arbeit„geber“Innenverbandes und erklär­te, sie „bedaue­re“ die Ableh­nung des Abkom­mens durch den Gewerk­schafts­dach­ver­band und erklär­te sich bereit, ein eige­nes Abkom­men zu schlie­ßen. Hier erklär­ten sich die TCO-Büro­kra­tIn­nen bereit, die LO-Beschäf­tig­ten den Wöl­fen zum Fraß vor­zu­wer­fen – ein Ver­rat, der ver­ur­teilt wer­den muss.

Zurück zum Parlament

Jetzt wickelt sich die Regie­rung wie­der ein­mal fest. Wäh­rend Pre­mier­mi­nis­ter Löf­ven erklärt hat, dass der weit­hin ver­ab­scheu­te Aus­schuss­be­richt zur LAS nun für ungül­tig erklärt wur­de, ist die sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Füh­rung unsi­cher, wie sie wei­ter vor­ge­hen soll. Löf­ven deu­tet einen wei­te­ren Aus­schuss an, dies­mal auf der Grund­la­ge des nur vom Gewerk­schafts­ver­band der Ange­stell­ten und frei­en Beru­fe akzep­tier­ten Deals und mit den vom LO abge­lehn­ten Angrif­fen auf den Kün­di­gungs­schutz. Hof­fent­lich – für Löf­ven – wür­de dies dann zu einer drit­ten Ver­hand­lungs­run­de füh­ren, in der der LO irgend­wie über­zeugt wer­den könn­te, die Angrif­fe abzu­seg­nen. Mit ande­ren Wor­ten, die Bedro­hun­gen für die Beschäf­ti­gungs­si­cher­heit sind nach wie vor sehr real.

Unter­des­sen wird für die Links­par­tei das, was im Janu­ar 2019 impli­ziert war, nun kla­rer arti­ku­liert. Die Par­tei tritt jetzt offe­ner als ein exter­ner (in der Pra­xis aus­ge­schlos­se­ner), aber loya­ler Teil der Unter­stüt­zungs­ba­sis der Regie­rung im Par­la­ment auf. Ihr Haupt­an­lie­gen bleibt es, Löf­ven an der Macht zu hal­ten, indem sie auf dem hohen Anspruch beharrt, sich als ver­läss­li­che und wür­di­ge Koali­ti­ons­nach­wuchs­part­ne­rin für eine künf­ti­ge sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Regie­rung zu posi­tio­nie­ren. Bei den ers­ten wirk­li­chen Tests ihrer berühm­ten „roten Lini­en“ zeig­te die Par­tei­füh­rung ihre Loya­li­tät gegen­über den Inter­es­sen der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Büro­kra­tie.

Die lang­fris­ti­ge Stra­te­gie der Links­par­tei bedeu­tet, dass sie letzt­lich auch nicht bereit ist, die sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Hege­mo­nie über die Gewerk­schaft und die brei­te­re Arbei­te­rIn­nen­be­we­gung anzu­fech­ten. Sie ist nicht in der Lage, das Vaku­um zu fül­len, das durch den Rück­zug der Sozi­al­de­mo­kra­tIn­nen aus eini­gen Hoch­bur­gen ent­stan­den ist, ohne sie offen her­aus­zu­for­dern. Löf­ven weiß, dass die heu­ti­ge Links­par­tei eine rein par­la­men­ta­ri­sche Kon­struk­ti­on ist. Wenn nur ihre Abge­ord­ne­ten ihren Wor­ten Kraft ver­lei­hen, ohne eine Bewe­gung in den Betrie­ben, in den Gewerk­schaf­ten oder auf den Stra­ßen, die sie unter­stützt, wäre eine Neu­wahl für die Links­par­tei eben­so gefähr­lich wie für die Sozi­al­de­mo­kra­tIn­nen.

Neben einem Miss­trau­ens­vo­tum kann man über eine Rei­he ande­rer Wege aus der Kri­se für die Regie­rung spe­ku­lie­ren, aber zum jet­zi­gen Zeit­punkt scheint kei­ner davon sehr wahr­schein­lich. Die Libe­ra­len und die Zen­trums­par­tei könn­ten in ihren For­de­run­gen nach einer „Reform“ des Kün­di­gungs­schut­zes nicht leicht nach­las­sen. Die Links­par­tei könn­te die Regie­rung stür­zen, aber ohne dass sich sonst etwas ändern wür­de, wäre wahr­schein­lich eine blau-brau­ne moderate/​christdemokratische/​schwedendemokratische die nächs­te, und die wür­de sicher­lich die Rech­te und Bedin­gun­gen der Arbei­te­rIn­nen­klas­se angrei­fen wol­len, so wie es die jet­zi­ge Regie­rung ver­spro­chen hat.

Auch wenn Löf­ven den Libe­ra­len und der Zen­trums­par­tei ihre Ände­run­gen im LAS-Gesetz ver­wei­ger­te, könn­ten sie ihr altes Bünd­nis mit den Mode­ra­ten und Christ­de­mo­kra­tIn­nen nicht ohne wei­te­res refor­mie­ren, um eine neue Regie­rung zu bil­den, da sich die­se Par­tei­en nun in eine ent­schie­den kon­ser­va­ti­ve und rech­te Rich­tung bewegt haben und damit beschäf­tigt sind, die Grund­la­gen für ein Bünd­nis mit den Schwe­den­de­mo­kra­tIn­nen zu legen.

Lösung zu welchen Bedingungen?

Wie die LO-Füh­rung zu Recht betont, geht es bei den Ver­hand­lun­gen und dem Vor­schlag aus dem Abkom­men vom Janu­ar, der zu ihnen geführt hat, in Wirk­lich­keit um mehr als nur um Ände­run­gen am LAS. Statt­des­sen ver­gleicht der LO den Pro­zess mit der Ent­wick­lung eines neu­en Salts­jö­ba­den-Abkom­mens (unter Bezug­nah­me auf den his­to­ri­schen Ver­trag von 1938, der das „schwe­di­sche Modell“ für den Arbeits­markt ein­läu­te­te und die Prin­zi­pi­en des offi­zi­el­len, wirt­schaft­li­chen Klas­sen­kamp­fes regel­te). Die Angrif­fe auf das LAS soll­ten daher als Beginn einer eska­lie­ren­den Demon­ta­ge aller tra­di­tio­nel­len Rech­te der Arbei­te­rIn­nen­klas­se in Schwe­den betrach­tet wer­den.

Wenn im Janu­ar-Abkom­men von „Fle­xi­bi­li­tät“ die Rede ist, dann ist das ein Code nicht nur für eine Rück­kehr zum Arbeits­markt des frü­hen 20. Jahr­hun­derts mit Tage­löh­ne­rIn­nen­ar­beit und sehr schwa­chem Schutz für die Arbei­te­rIn­nen­klas­se, son­dern auch etwas Neu­es, was die Art und Wei­se betrifft, wie die IT-Tech­no­lo­gie die kapi­ta­lis­ti­sche Pro­duk­ti­on selbst weni­ger abhän­gig von fes­ten (und für die Arbei­te­rIn­nen­klas­se „siche­ren“) Struk­tu­ren für Lohn­ar­beit macht, die den Arbeits­markt des 20. Jahr­hun­derts und damit die Gewerk­schafts­stra­te­gie im schwe­di­schen Modell cha­rak­te­ri­sier­ten. Vor­bei ist die Zeit, in der eine LO-Gewerk­schaft neue Beschäf­tig­te in der Fabrik X ein­fach an ihrem ers­ten Arbeits­tag als Mit­glie­der regis­trie­ren und sich dann 40 Jah­re lang zurück­leh­nen und Bei­trä­ge ein­trei­ben konn­te, wäh­rend sie in aller Ruhe Tarif­ver­trä­ge aus­han­del­te.

Ange­sichts einer sol­chen Umge­stal­tung des Arbeits­mark­tes, die bereits in vol­lem Gan­ge ist, stellt sich nicht nur die Fra­ge nach einem defen­si­ven Kampf, son­dern auch nach einer völ­lig ande­ren Art von Gewerk­schafts­be­we­gung, die bereit ist, neu­en For­men der kapi­ta­lis­ti­schen Aus­beu­tung und Unter­drü­ckung ent­ge­gen­zu­tre­ten. Die Fra­ge ist nicht nur, ob die Füh­rung der Gewerk­schaf­ten und der Arbei­te­rIn­nen­be­we­gung bereits gewon­ne­ne Refor­men ver­tei­di­gen kann, son­dern ob sie dafür sor­gen kön­nen, dass die­ser Über­gang zu den Bedin­gun­gen der Arbei­te­rIn­nen­klas­se und nicht zu denen des Kapi­tals gelöst wird. Der Kampf um das LAS ist ein Lack­mus­test dafür, wie alle betei­lig­ten Par­tei­en die­se Her­aus­for­de­rung anneh­men wer­den.

Die tak­ti­schen Manö­ver der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Füh­rung zei­gen deut­lich, dass sie dem Macht­er­halt Vor­rang vor einer prin­zi­pi­en­treu­en Ver­tei­di­gung der Rech­te der Arbei­te­rIn­nen­klas­se ein­räumt. Und die Untä­tig­keit der Füh­rung der Links­par­tei zeigt (bes­ten­falls), dass sie nicht in der Lage oder nicht wil­lens ist, gegen die Regie­rung zu kämp­fen. Von den ande­ren Par­tei­en im Riks­dag, den offen bür­ger­li­chen, kön­nen wir natür­lich nichts ande­res erwar­ten als fort­ge­setz­te Angrif­fe, damit sie die Pro­fi­te ihrer Kli­en­te­le sichern.

Die Metho­den der LO-Füh­rung gegen die wider­spens­ti­gen Gewerk­schafts­füh­run­gen, die sich bis­her gegen die Angrif­fe gewehrt haben, zei­gen, dass man ihr für eine lang­fris­ti­ge Ver­tei­di­gung nicht trau­en kann, geschwei­ge denn, dass sie bereit wäre, in die Offen­si­ve zu gehen. Auch kön­nen die TCO-Gewerk­schafts­mit­glie­der nichts von ihrer Ver­hand­lungs­de­le­ga­ti­on erwar­ten, was die pathe­ti­sche Zur­schau­stel­lung ihres/​r Vor­sit­zen­den nach der zwei­ten Ver­hand­lungs­run­de Sei­te an Sei­te mit den Bos­sen unter­stri­chen hat. Die Lösung für die Arbei­te­rin­nen aller Gewerk­schaf­ten, die nun Angrif­fen auf ihre Beschäf­ti­gungs­si­cher­heit aus­ge­setzt sind, besteht daher dar­in, sich zu unse­ren eige­nen Bedin­gun­gen zu weh­ren.

Zurückschlagen

Seit Dezem­ber 2019 zir­ku­liert in der Gewerk­schafts­be­we­gung auf Initia­ti­ve der Gewerk­schaft in der Vol­vo-Lkw-Fabrik in Umeå eine Peti­ti­on der Arbei­te­rIn­nen zur Ver­tei­di­gung des Kün­di­gungs­schut­zes. Alle Gewerk­schaf­te­rIn­nen soll­ten mit neu­er Kraft ver­su­chen, sie in ihrer Gewerk­schafts­ab­tei­lung ein­zu­brin­gen. Ver­ab­schie­det und ver­brei­tet die Peti­ti­on der Gewerkschaft/​ArbeiterInnen!

Aber eine Peti­ti­on kann nur den ers­ten Schritt im Ver­tei­di­gungs­kampf ver­kör­pern. Die Büro­kra­tIn­nen in den Füh­rungs­eta­gen der Gewerk­schaf­ten füh­ren ihr Leben oft unter völ­lig ande­ren Bedin­gun­gen als ihre eige­nen Mit­glie­der und wer­den des­halb nicht mehr Wider­stand leis­ten als den, zu dem wir sie zwin­gen. Die Füh­rung der LO- wie auch die aller TCO-Gewerk­schaf­ten muss unter Druck gesetzt wer­den, kei­ne neu­en Ver­hand­lun­gen zu die­sen Bedin­gun­gen auf­zu­neh­men, mit einem Man­dat, nicht zu strei­ken, und wenn es bereits eine poli­ti­sche Ver­ein­ba­rung über den Angriff auf die Beschäf­ti­gungs­si­cher­heit gibt.

Es soll­te nur dar­über ver­han­delt wer­den, wie die Bedin­gun­gen ver­bes­sert wer­den kön­nen, nicht dar­über, wie viel schlech­ter die Din­ge sein soll­ten. Wenn das Foul­spiel des LO zur Erzie­lung einer Eini­gung und zum Aus­ver­kauf unse­rer Rech­te wei­ter­geht, und es gibt kei­nen Hin­weis auf das Gegen­teil, müs­sen die Akti­vis­tIn­nen in den kri­ti­schen Gewerk­schaf­ten dar­auf hin­wir­ken, dass ihre Ver­tre­te­rIn­nen nicht nur aus dem Ver­hand­lungs­aus­schuss aus­schei­den, son­dern auch mit dem LO voll­stän­dig bre­chen. Zieht das fau­le Man­dat des Ver­hand­lungs­aus­schus­ses zurück! Kei­ne Ver­hand­lun­gen unter dem Gal­gen!

Neben der Peti­ti­on der Beschäf­tig­ten und dem Druck der Basis für ein kla­res Nein zu neu­en Ver­hand­lun­gen müs­sen alle Beschäf­tig­ten, ob Gewerk­schaf­te­rIn­nen oder nicht, auch damit begin­nen, poli­ti­sche Streiks vor­zu­be­rei­ten und zu orga­ni­sie­ren. Die­se For­de­rung ist z. B. auch vom Gewerk­schafts­netz­werk der Links­par­tei und der (sta­li­nis­ti­schen) Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei erho­ben wor­den, aller­dings nur im Sin­ne einer kurz­fris­ti­gen Pro­test­ak­ti­on. Das wür­de nach der der­zei­ti­gen Pra­xis nicht gegen das tarif­ver­trag­li­che Streik­ver­bots­man­dat ver­sto­ßen. Sol­che kür­ze­ren poli­ti­schen Streiks wären ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung, aber in die­ser erns­ten Situa­ti­on kön­nen wir es uns nicht leis­ten, dort ste­hen­zu­blei­ben. Wir müs­sen wil­de Streiks und einen all­ge­mei­nen poli­ti­schen Streik orga­ni­sie­ren, um die Angrif­fe abzu­weh­ren und die Beschäf­ti­gungs­si­cher­heit zu stär­ken und nicht zu schwä­chen, unab­hän­gig davon, was im Tarif­ver­trag über Streiks steht. Orga­ni­siert wil­de Streiks!

Die Füh­run­gen des LO, des TCO, der Sozi­al­de­mo­kra­tIn­nen und der Links­par­tei sind auf die Pro­be gestellt wor­den. Wenn die Arbei­te­rIn­nen­klas­se mit Bedro­hun­gen unse­rer Rech­te kon­fron­tiert ist und die Kapi­ta­lis­tIn­nen­sei­te ihre Posi­tio­nen über­all vor­an­treibt, wird uns der Weg der Kom­pro­mis­se und Zuge­ständ­nis­se nur in den Ruin füh­ren. Da die Kapi­ta­lis­tIn­nen nie in ihren Bemü­hun­gen nach­las­sen, unse­re Aus­beu­tung zu ver­stär­ken, kann der Kampf zur Ver­tei­di­gung des LAS nicht durch die par­la­men­ta­ri­schen Erwä­gun­gen der Refor­mis­tIn­nen oder den Kon­sens inner­halb der LO ein­ge­schränkt wer­den, wenn sie unse­re Rech­te aus­ver­kau­fen. Ein Zurück­schla­gen der Angrif­fe, sei es in Form eines Ver­rats durch die LO oder durch das Gesetz, durch poli­ti­sche Streiks wird der ers­te Schritt sein, um nicht nur den Kampf für das LAS zu gewin­nen, son­dern die Arbei­te­rIn­nen­be­we­gung unter einer neu­en Füh­rung zu reor­ga­ni­sie­ren, die auf zukünf­ti­ge Her­aus­for­de­run­gen vor­be­rei­tet ist und die Arbei­te­rIn­nen­klas­se nicht ver­ra­ten wird.

Read More