[KgK:] Unsere Regierung “rettet das Weihnachtsfest”? – Oder eher die Wirtschaft!

Spä­tes­tens seit die­ser Woche sind die Weih­nachts­män­ner, Engel und Ren­tie­re nicht mehr zu über­se­hen: Weih­nach­ten steht vor der Tür und somit auch die all­jäh­ri­ge Dis­kus­si­on: Wer fei­ert mit wem wo und wel­chen Fami­li­en­mit­glie­dern kann man aus dem Weg gehen. Doch die­ses Jahr ist die Stim­mung anders und noch ange­spann­ter:

Das ohne­hin knap­pe Geld für Weih­nachts­ge­schen­ke ist durch Kurz­ar­beit und Job­ver­lust noch weni­ger gewor­den, die Zukunfts­ängs­te ste­hen im Raum und der Groß­el­tern-Besuch ist unsi­cher, da genau sie es sind, für die das Coro­na­vi­rus am gefähr­lichs­ten ist.

Das tra­di­tio­nell christ­li­che Weih­nachts­fest ist oft Fluch und Segen zugleich: Der fest­li­che Druck, der enor­me Kon­sum und das Gere­de über Lie­be und Herz­lich­keit belas­ten und stra­pa­zie­ren ange­spann­te Fami­li­en­be­zie­hun­gen ger­ne mal ins Uner­träg­li­che. Doch erfüllt das Weih­nachts­fest auch ein tie­fes mensch­li­ches Bedürf­nis: Für die Wenigs­ten geht es um Jesus und eine Geschich­te über Gott, son­dern viel eher um Fami­lie – für vie­le um Erleichterung.Denn egal ob christ­lich oder nicht, Weih­nach­ten bekommt man in den meis­ten Sek­to­ren frei und kann es nut­zen, um run­ter zu kom­men, sich mit Fami­li­en oder ande­ren wich­ti­gen Men­schen in sei­nem Leben zu tref­fen. Zumin­dest in unse­rem Ide­al steht es für zur Ruhe kom­men, Feri­en, freie Tage.

Auf die­ses Ide­al zielt jetzt die Regie­rung ab, es wird recht deut­lich, dass die Bun­des­tags­wah­len immer näher rücken. Die Par­tei­en ver­su­chen jetzt schon ver­früh­te Wahl­ge­schen­ke zu machen. Wäh­rend im Som­mer noch “migran­ti­sche Groß­hoch­zei­ten” als rie­si­ges Pro­blem für den Kampf gegen die Pan­de­mie sti­li­siert wur­den, lockern jetzt vie­le Bun­des­län­der vom 23.12. bis 27.12. (Stand: 02.12) die Coro­na-Beschrän­kun­gen. Statt 5 Per­so­nen aus zwei Haus­hal­ten, sind über die Fei­er­ta­ge 10 Per­so­nen plus Kin­der bis 14 Jah­re erlaubt. Die Regie­run­gen wol­len so dem Bedürf­nis der Bevöl­ke­rung ent­ge­gen­kom­men, die Tage am Ende eines stres­si­gen Jah­res mit ihren Liebs­ten, Freund:innen oder Fami­lie ver­brin­gen zu kön­nen. Kein Wun­der, dass in der Zeit, wo die Umfra­ge­wer­te der Regie­rung nicht mehr so sta­bil sind, wie bis­her in der Kri­se, nun also Locke­run­gen geneh­migt wer­den. Noch in die­sem Jahr könn­ten die ers­ten Men­schen geimpft wer­den und so hofft die Regie­rung im Früh­jahr durch Imp­fun­gen die “Nor­ma­li­tät” wie­der her­zu­stel­len.

Bei allen berech­tig­ten Kri­ti­ken an “Weih­nach­ten”, sei es als Aus­druck eines (ortho­do­xe Christ:innen aus­schlie­ßen­den) christ­li­chen Leit­bilds, für sei­nen Kon­sum, die schlech­ten Arbeits­be­din­gun­gen der Einzelhandelsarbeiter:innen zur Vor­weih­nachts­zeit, der erhöh­ten Gewalt und den psy­chi­schen Pro­ble­men, die mit den Fei­er­ta­gen ver­bun­den wer­den, es ist nach­voll­zieh­bar und voll­kom­men in Ord­nung, sich auf das Fest zu freu­en, auf wenigs­tens ein paar Tage ohne Lohn­ar­beit und auch, sei­ne Fami­lie nach einem drei­vier­tel Jahr Kon­takt­ein­schrän­kun­gen und Coro­na-Angst, die oft dazu geführt hat, sei­ne Fami­lie und Freun­de gar nicht mehr sehen zu kön­nen, zu tref­fen.

Und auch wir in der Redak­ti­on, zumin­dest die von uns, die Weih­nach­ten fei­ern, machen uns Gedan­ken. Vie­le unse­rer Ver­wand­ten sind Risi­ko­grup­pen, beson­ders unse­re Eltern und Groß­el­tern. Eigent­lich bräuch­ten wir 2 Wochen frei­wil­li­ge häus­li­che Qua­ran­tä­ne, bevor wir sie sehen, aber wie soll das gehen, wenn die Schul­fe­ri­en erst ab dem 16.12. sind, und es für die Lohn­ar­beit gar kei­ne Rege­lun­gen gibt? Und was machen die Fami­li­en mit ihren Kin­dern in der extra Woche? Wie auch in den vor­he­ri­gen Pha­sen, in denen die Schu­len geschlos­sen wur­den, sind die Fami­li­en mit die­ser extra Belas­tung allein gelas­sen.

Um eigen­stän­dig eine siche­re Umge­bung für ein Tref­fen mit Fami­lie und/​oder engen Freun­den haben zu kön­nen müss­ten wir also ent­we­der zwei Wochen in Qua­ran­tä­ne, was nicht geht, oder bräuch­ten die ent­spre­chend sinn­vol­len Schutz­maß­nah­men: Woh­nun­gen, in denen wir Abstand hal­ten kön­nen (die die meis­ten von uns nicht haben) und pri­va­te Tests. Die­se wer­den aktu­ell nur in Bay­ern bezahlt, in den ande­ren Bun­des­län­dern muss man sie selbst bezah­len. In Ber­lin fängt das bei etwa 60€ pro Test an, auch 120€ für Schnell­tests sind kei­ne Sel­ten­heit. Und in allen Bun­des­län­dern lau­fen die Tests über eine völ­lig über­las­te­te Infrak­struk­tur, auch ohne zusätz­li­che Last durch die Fei­er­ta­ge ist es schwer, Ter­mi­ne zu bekom­men und man war­tet teils tage­lang auf die Ergeb­nis­se.

Wie könnten wir sicher unsere Familien sehen?

Ja, wir wür­den wirk­lich ger­ne Weih­nach­ten fei­ern, beson­ders nach die­sem Hor­ror-Jahr. Aber die­se “Geschen­ke” der Regie­rung rei­chen nicht, damit wir es ruhi­gen Mutes tun könn­ten. Auf die Gefahr hin, uns zu wie­der­ho­len – um die­se Pan­de­mie in den Griff zu bekom­men, unse­re Fami­li­en (sei­en es unse­re bür­ger­li­chen Fami­li­en, gewähl­te Fami­li­en, enge Freund:innen, oder weih­nacht­li­che Zweck­ge­mein­schaf­ten) zumin­dest hin und wie­der mal sicher sehen zu kön­nen, muss die Wirt­schaft her­un­ter gefah­ren wer­den.

Die Pro­duk­ti­on in den nicht essen­ti­el­len Sek­to­ren muss gestoppt wer­den, alle Maß­nah­men nüt­zen nichts, wenn man mit 400 ande­ren Arbeiter:innen am Fließ­band steht, oder in ein Groß­raum­bü­ro gestopft ist. Und alle, die arbei­ten müs­sen, brau­chen bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen und Schutz­maß­nah­men, die zuver­läs­sig und auch unter Stress und Belas­tung ein­halt­bar sind.

Aus­führ­li­cher gehen wir dazu in unse­rem Kampf­plan zur Kri­se ein.

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