[IL:] Solidarisch durch die Krise! Recht auf Gesundheit verteidigen – gegen “Querdenken” und Corona!

Akti­ons­tag am 12.12 in Frank­furt am Main

Kei­ne Fra­ge – es gibt eine Men­ge guter Grün­de gegen staat­li­che Maß­nah­men im Zuge der Coro­na­kri­se zu pro­tes­tie­ren. Denn die Last der Kri­se liegt nicht auf dem Rücken der­je­ni­gen, die mehr als genug haben. Nein, die Last der Kri­se tra­gen vor­al­lem Lohn­ab­hän­gi­ge, FLINTA (Frau­en, Les­ben, Inter‑, Nonbinary‑, Trans‑, Agen­der-Per­so­nen) und Peop­le of Colour – also all jene, die sowie­so aus­ge­beu­tet, mar­gi­na­li­siert oder dis­kri­mi­niert wer­den.

Wäh­rend gro­ße Unter­neh­men vom Staat mit mil­lio­nen­schwe­ren Hilfs­pa­ke­ten sub­ven­tio­niert wer­den, haben hun­dert­tau­sen­de Lohn­ab­hän­gi­ge durch Stel­len­ab­bau den Job ver­lo­ren. Noch vie­le mehr müs­sen um ihre wirt­schaft­li­che Exis­tenz ban­gen und Kul­tur- und Gas­tro­no­mie­trei­ben­de gehen mas­sen­wei­se plei­te. Zu den sub­ven­tio­nier­ten Groß­kon­zer­nen gehö­ren zu allem Übel in ers­ter Linie Akteu­re der Flug- und Auto­in­dus­trie, die maß­geb­lich zur Kli­ma­ka­ta­stro­phe beitragen.Zusätzlich wird ein Lock­down ver­hängt, der nur für unser Pri­vat­le­ben, aber nicht für unse­re Arbeit gilt. Wir sol­len uns also im Pri­va­ten ein­schrän­ken, um uns dann in der Schu­le, im Büro, im Kran­ken­haus oder in der Fabrik mit dem lebens­ge­fähr­li­chen Virus anzu­ste­cken? Die­se Maß­nah­men die­nen nicht dem Schut­ze unse­rer Gesund­heit. Sie die­nen nur dem wirt­schaft­li­chen “Wei­ter so“, damit all die, die schon von der Kri­se pro­fi­tiert haben, auch wei­ter­hin pro­fi­tie­ren.
Denn wäh­rend die größ­ten­teils wei­ßen, männ­li­chen Rei­chen über die klei­nen Ein­brü­che ihrer gewal­ti­gen Pro­fi­te jam­mern, sind es meist FLINTA, die neben ihren Jobs auch noch die ange­stie­ge­ne Sor­ge­ar­beit für Kin­der, Part­ner und Ver­wand­te leis­ten müs­sen – ganz ohne Bezah­lung. Und es sind meist FLINTA und Kin­der, die, wenn sie sich zu Hau­se in Qua­ran­tä­ne bege­ben müs­sen, unter der enorm ange­stie­ge­nen häus­li­chen Gewalt von Män­nern lei­den, über die auch schon vor Coro­na nie­mand reden woll­te.
In den schon vor­her völ­lig unter­be­set­zen und mies­be­zahl­ten Jobs in den Kran­ken­häu­sern und Pfle­ge­be­trie­ben ändert sich der­weil nichts. Völ­lig aus­ge­laug­te Pfleger*innen bekom­men anstatt mehr Kolleg*innen und höhe­ren Löh­nen, ledig­lich Applaus aus dem Bun­des­tag. Das pri­va­ti­sier­te Gesund­heits­sys­tem steht kurz vor dem Kol­laps. Das liegt aber nicht dar­an, dass es nicht genug Res­sour­cen gäbe, um so eine Extrem­si­tua­ti­on zu bewäl­ti­gen, son­dern dar­an, dass auch hier Pro­fi­te mehr zäh­len als die gute medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung von allen – selbst in Zei­ten einer glo­ba­len Pan­de­mie!
Und wäh­rend eini­ge die Kri­se im Home­of­fice ver­brin­gen, wer­den Arbeiter*innen aus Ost­eu­ro­pa von ihren Sam­mel­un­ter­künf­ten in die Schlacht­be­trie­be oder aufs Spar­gel­feld gekarrt, wo inner­halb kür­zes­ter Zeit Coro­na-Infek­ti­on­her­de ent­ste­hen. Die­ser Umgang wie­der­fährt auch den vie­len Geflüch­te­ten, die in Mas­sen­un­ter­künf­ten unter­ge­bracht sind oder in den über­füll­ten Lagern an der EU-Außen­gren­ze in kata­stro­pha­len Ver­hält­nis­sen zurück­ge­las­sen wer­den – ihnen wird dort durch die unwür­di­gen Lebens­ver­hält­nis­se jede Mög­lich­keit zu einem effek­ti­ven Infek­ti­ons­schutz genom­men. Coro­na-Maß­ah­men wer­den dort ledig­lich dazu miss­braucht, die ohne­hin ent­rech­te­ten Refu­gees noch wei­ter zu kon­trol­lie­ren und zu drang­sa­lie­ren.
Wäh­rend also nur über die Wirt­schaft gere­det wird, spielt das psy­chi­sche Wohl all derer, die unter den Maß­nah­men und der Ein­sam­keit lei­den, kei­ne Rol­le. Anstatt mas­sen­haft in psy­cho­lo­gi­sche Bera­tungs­stel­len und sozia­le Arbeit zu inves­tie­ren, wer­den lie­ber die rech­ten Sicher­heits­be­hör­den gestärkt und der öffent­li­che Raum mili­ta­ri­siert, um die Maß­nah­men not­falls mit Gewalt durch­zu­set­zen. Dar­un­ter lei­den wie­der vor allem die, die auch schon vor der Kri­se im Faden­kreuz der ras­sis­ti­schen Poli­zei stan­den: Schwar­ze und indi­ge­ne Men­schen sowie Peop­le of Color und ande­re mar­gi­na­li­sier­te Grup­pen. Grund­le­gen­de Frei­heits­rech­te wer­den so erst ein­ge­schränkt, um spä­ter voll­stän­dig aus­ge­he­belt zu wer­den – und das im Namen eines Kri­sen­ma­nage­ments, das Pro­fi­te über unser aller Wohl­erge­hen stellt!

Aber was pas­siert in die­ser scheiß Situa­ti­on? Es ent­steht eine Pro­test­be­we­gung namens “Quer­den­ken”, die nicht die­se Miss­stän­de kri­ti­siert, die nicht die Ver­schär­fung von Leid und Dis­kri­mi­nie­rung anpran­gert, die nicht gegen den unso­zia­len Cha­rak­ter der Maß­nah­men ankämpft. Statt­des­sen ver­su­chen in “Quer­den­ken” Nazis, Esoteriker*innen, Wissenschaftsleugner*innen, reli­giö­se Fundamentalist*innen, Reichsbürger*innen und ande­re radi­ka­li­sier­te Kleinbürger*innen den Frust der Men­schen zu kana­li­sie­ren, indem sie schlicht und ein­fach die Exis­tenz von Coro­na leug­nen oder die Gefähr­lich­keit des Virus ver­harm­lo­sen, wäh­rend sie in anti­se­mi­ti­scher Manier von einer glo­ba­len Ver­schwö­rung phan­ta­sie­ren. Nie­mand bei “Quer­den­ken” will ein sozia­le­res, ega­li­tä­re­res oder demo­kra­ti­sche­res Sys­tem. Nie­mand bei “Quer­den­ken” will ein Sys­tem, in dem die Pro­ble­me soli­da­risch und im Sin­ne der Bedürf­nis­se aller Men­schen gelöst wer­den. Nein, die Leu­te bei “Quer­den­ken” wol­len eigent­lich nur kei­ne Mas­ke tra­gen, ver­wei­gern jetzt schon zukünf­ti­ge Impf­stof­fe und for­dern die kom­plet­te Abschaf­fung aller Coro­na-Maß­nah­men – und das unter dem Deck­man­tel der Frei­heit! Doch die Frei­heit, die “Quer­den­ken” for­dert, ist die Frei­heit auf das Leben und die Rech­te von ande­ren zu schei­ßen. Denn eigent­lich will “Quer­den­ken” nur zurück zum ras­sis­ti­schen, sexis­ti­schen und aus­beu­te­ri­schen All­tag. Das ein­zi­ge, was “Quer­den­ken” ändern will, ist die alten kor­rup­ten und zuneh­mend auto­ri­tä­ren Regie­run­gen durch neue Füh­rer erset­zen. Die­se neu­en Füh­rer sind dann am liebs­ten die Trumps, Bol­so­na­ros oder Putins die­ser Welt, die noch kor­rup­ter und auto­ri­tä­rer sind, aber auch sexis­ti­scher, ras­sis­ti­scher und aus­beu­te­ri­scher. So stellt “Quer­den­ken” nicht nur eine Gefahr für unse­re Gesund­heit dar, sie stel­len auch eine Gefahr für all jene dar, die nicht in ihre Vor­stel­lung eines deut­schen Vol­kes pas­sen.

Oder um es kurz zu sagen: Mit “Quer­den­ken” ist eine Pro­test­be­we­gung ent­stan­den, die sich einen Dreck um all die­je­ni­gen schert, die am stärks­ten die Last der Kri­se tra­gen – näm­lich FLINTA, pre­kä­re Lohn­ab­hän­gi­ge und Peop­le of Color. “Quer­den­ken” ist eine ekel­haf­te Pro­test­be­we­gung, der das Wohl­erge­hen und Über­le­ben von Risikopatient*innen ziem­lich egal ist, auch wenn sie dafür an man­chen Orten nur eine Mas­ke tra­gen müss­ten.

Wir wer­den des­halb weder “Quer­den­ken” die Stra­ßen unse­rer Stadt über­las­sen, noch die Maß­nah­men unkri­ti­siert las­sen und zurück in den kapi­ta­lis­ti­schen, ras­sis­ti­schen und sexis­ti­schen Nor­mal­zu­stand von vor der Pan­de­mie gehen. Es wird Zeit, end­lich das Recht auf Gesund­heit aller zu ver­tei­di­gen und einen soli­da­ri­schen Umgang mit dem Virus zu fin­den, der es weder ver­harm­lost, noch auf Kos­ten der eh schon Aus­ge­beu­ten bekämpft. Wir wol­len ein neu­es Sys­tem, ein öko­lo­gi­sches, femi­nis­ti­sches, anti­ras­sis­ti­sches und soli­da­ri­sches. Des­halb wer­den wir dafür kämp­fen, die Maß­nah­men demo­kra­tisch und von unten zu gestal­ten – dafür brau­chen wir kei­nen auto­ri­tä­ten Staat. Des­halb wer­den wir dafür kämp­fen, dass Gesund­heit und Wohn­raum kei­ne Waren, son­dern ein Recht sind. Des­halb wer­den wir für ein anti­ka­pi­ta­lis­ti­sches Sys­tem kämp­fen, wo das Wohl­erge­hen der Vie­len mehr zählt als die Pro­fi­te der Weni­gen. Und des­halb wer­den wir jedem Anti­se­mi­tis­mus, Sexis­mus und Ras­sis­mus kon­se­quent ent­ge­gen­tre­ten. Bis wir end­lich soli­da­risch und sozi­al zusam­men­le­ben kön­nen!

Wir kämp­fen für eine bes­se­re Gesell­schaft!

- Gesund­heit ist kein Ware! Das Gesund­heits­sys­tem in demo­kra­ti­sches Gemein­ei­gen­tum über­füh­ren! Kei­ne Pro­fi­te mit unse­rer Gesund­heit!
- Glei­che Gesund­heits­ver­si­che­rung für alle! Gegen die Zwei-Klas­sen-Medi­zin!
- Patent­recht abschaf­fen! Phar­ma­kon­zer­ne ent­eig­nen! Glei­cher Zugang zu Impf­stoff für alle!
- Infek­ti­ons­schutz auch am Arbeits­platz! Lohn­fort­zah­lung in Qua­ran­tä­ne für alle! Gesund­heit über Pro­fi­te!
- Kei­ne Coro­na-Hilfs­pa­ke­te für Kon­zer­ne, die dem Kli­ma­wan­del ver­schär­fen!
- Qua­ran­tä­ne braucht ein Zuhau­se. Wohn­raum ist kei­ne Ware! Für ein Recht auf ein bezahl­ba­res Zuhau­se für alle! Kei­ne Pro­fi­te mit der Mie­te!
- Alle Flücht­lings­la­ger an den euro­päi­schen Außen­gren­zen eva­ku­ie­ren! Men­schen­wür­di­ge Unter­künf­te und Infek­ti­ons­schutz für alle!
- Kon­se­quen­te Maß­nah­men gegen häus­li­che Gewalt! Geschütz­te Räu­me für Frau­en, Trans*, Inter* und Non-Bina­ry*! Siche­re Qua­ran­tä­ne für alle!
- Gegen das Aus­nut­zen der Kri­se für auto­ri­tä­re Geset­zes­ver­schär­fun­gen! Gegen die ras­sis­ti­sche Poli­zei und den Über­wa­chungs­wahn! Sicher­heits­be­hör­den ent­na­zi­fi­zie­ren! Frei­heits­rech­te ver­tei­di­gen!
- Kein Fuß­breit für “Quer­den­ken” und Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gien! Rech­te Auf­mär­sche ver­hin­dern!

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