[LCM:] Arbeitskampf im Krankenhaus – Eine Hamburger Pflegerin erzählt

Die Coro­na-Pan­de­mie hat Gesund­heits­be­reich wie Gesell­schaft ins­ge­samt zu einem Pul­ver­fass wer­den las­sen. Aus­ba­den müs­sen die enor­men Mehr­be­las­tun­gen unter ande­rem die Arbeiter:innen im Gesund­heits­sek­tor, die öffent­lich beklatscht und zugleich ver­heizt wer­den. In Ham­burg ist nun des­halb ein Arbeits­kampf aus­ge­bro­chen. Unse­re Autorin Lena Pad­berg ist exami­nier­te Gesund­heits- und Kran­ken­pfle­ge­rin aus Ham­burg, poli­tisch inner­halb und außer­halb gewerk­schaft­li­cher Zusam­men­hän­ge aktiv.

Sie will den Leser:innen einen Ein­blick hin­ter die Kulis­sen der Ham­bur­ger Kran­ken­häu­ser gewäh­ren und über den Wider­stand der Beschäf­tig­ten gegen die Pro­fit­in­ter­es­sen der Kli­nik­ak­tio­nä­re berich­ten.

Ins­be­son­de­re der Gesund­heits­sek­tor, der schon vor der Coro­na-Kri­se am Limit war, muss­te in den letz­ten Mona­ten eine nie dage­we­se­ne Kri­se unter men­schen­un­wür­digs­ten Arbeits­be­din­gun­gen bewäl­ti­gen.

Die Pan­de­mie trifft auf abso­lu­ten Per­so­nal­man­gel in allen Berei­chen. Die Orga­ni­sa­ti­on in den Kli­ni­ken ist in vie­len Kran­ken­häu­sern mehr auf Gewinn­ma­xi­mie­rung als auf sinn­vol­les Han­deln im Sin­ne der Gesund­heit der Patient:innen aus­ge­rich­tet. Unter­be­set­zung, Fall­pau­scha­len in Kran­ken­häu­sern, Zeit­vor­ga­ben in der Pfle­ge und Patient:innen als “Gewinn­fak­tor” domi­nie­ren wei­ter­hin die Ver­sor­gung in Ham­bur­ger Kran­ken­häu­ser. Die ange­kün­dig­ten Pfle­ge­bo­nus­zah­lun­gen sind bis­lang nicht aus­ge­zahlt wor­den und wer­den auch nie aus­ge­zahlt wer­den. Der Per­so­nal­man­gel ist an sei­nem abso­lu­ten Höhe­punkt ange­kom­men, unter ande­rem auf­grund der Aus­set­zung der Per­so­nal­un­ter­gren­zen.

Zwei­te Wel­le: Völ­lig über­las­tet

Zum Ver­gleich ist anzu­mer­ken, das in der ers­ten Pan­de­mie­wel­le im Früh­jahr gan­ze Abtei­lun­gen im Kran­ken­haus für Coronapatient:innen frei gemacht wer­den konn­ten. Kli­ni­ken erhiel­ten Finanz­sprit­zen und Per­so­nal aus der Anäs­the­sie und den Ope­ra­ti­ons­sä­len wur­de auf die Inten­siv­sta­ti­on ver­legt. Es gab Schu­lun­gen für Beatmungs­ge­rä­te, ein Kri­sen­ma­nage­ment und vie­les mehr.

In der zwei­ten Wel­le gibt es davon nichts mehr.

Kein Bett wird für Coro­na frei­ge­hal­ten, Anäs­the­sie­per­so­nal hilft nicht auf den Inten­siv­sta­tio­nen aus, kein Kri­sen­ma­nage­ment ist vor­han­den und Sta­tio­nen, die für Coro­na geplant waren, wur­den im Sep­tem­ber sogar geschlos­sen. Gleich­zei­tig haben eini­ge Kran­ken­häu­ser sogar Per­so­nal im Bereich des Ser­vices (Ver­sor­gung der Patient*innen mit Essen usw.) abge­baut – und die­se Tätig­keit muss nun vom Pfle­ge­per­so­nal über­nom­men wer­den.

Die geplan­ten Kran­ken­haus­bet­ten für Corona-Patient*innen sind in Ham­burg wei­test­ge­hend belegt. Dras­ti­sche Fol­ge des­sen ist, dass Coronapatient*innen auf allen Sta­tio­nen ver­wei­len. Dies hat in der Ver­gan­gen­heit dazu geführt, dass sich die ande­ren Patient*innen über das Per­so­nal mit Coro­na infi­zier­ten.

Zudem wer­den Patient*innen wei­ter­hin regel­mä­ßig auf den Flu­ren der Kran­ken­häu­ser geparkt.

Die­se Zustän­de führ­ten dazu, dass es in den letz­ten Wochen zu mas­si­ven Coro­na-Aus­brü­chen unter dem Per­so­nal und den Patient*innen in den Ham­bur­ger Kran­ken­häu­sern gekom­men ist.

Es ist kein Geheim­nis, dass für medi­zi­ni­sches Per­so­nal ande­re Qua­ran­tä­ne-Vor­schrif­ten gel­ten.

Per­so­nal in “Frei­zeit­qua­ran­tä­ne”

Qua­ran­tä­ne bedeu­tet für das Gesund­heits­per­so­nal näm­lich eigent­lich Frei­zeit­qua­ran­tä­ne. Ver­bo­ten ist alles, außer das Ver­las­sen des eige­nen Zuhau­se zum Arbei­ten. Alles ande­re – wie zum Bei­spiel das Weg­brin­gen der eige­nen Kin­der in den Kin­der­gar­ten und das Ein­kau­fen usw. – ist nicht erlaubt. Zudem ist es ver­bo­ten, mit öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln zur Arbeit zu fah­ren. Was das für die Gesund­heits­be­schäf­tig­ten bedeu­tet, kann sich jeder selbst aus­ma­len.

Außer­dem stel­len die knap­pen Res­sour­cen der Gesund­heits­äm­ter ein gro­ßes Pro­blem dar. Oft­mals kom­men sie mit der Kon­takt-Ver­fol­gung inner­halb der Kran­ken­häu­ser nicht mehr hin­ter­her. Dies nut­zen die Kli­nik­be­trei­ber aus, denn solan­ge den Kran­ken­häu­sern kei­ne staat­li­che Qua­ran­tä­ne­auf­la­gen für ihr Per­so­nal vor­lie­gen, müs­sen alle wei­ter­ar­bei­ten. Gleich­zei­tig bekom­men eini­ge Pfle­ge­kräf­te auch Arbeits­ver­bo­te (Also rich­ti­ge Qua­ran­tä­ne). Dies führt wie­der­um dazu, dass manch­mal gan­ze Sta­tio­nen bis hin zu Abtei­lun­gen kein Per­so­nal mehr hat­ten, um die Patient*innen zu ver­sor­gen. Ab die­sem Moment wird Per­so­nal von ande­ren Sta­tio­nen abge­zo­gen, das wie­der­um dort fehlt, ein Teu­fels­kreis.

Um all den Per­so­nal­man­gel zu kom­pen­sie­ren, kamen die Ver­ant­wort­li­chen in Nie­der­sach­sen auf die Idee, die 60 Stun­den Woche und den 12 Stun­den Tag für die Beschäf­tig­ten aus dem Kran­ken­haus zu ermög­li­chen. Die­ses führt dazu, dass die Kli­ni­ken auch in ande­ren Bun­des­län­dern ver­su­chen, Locke­run­gen des Arbeits­zeit­ge­set­zes durch­zu­set­zen.

Schutz­klei­dung Man­gel­wa­re

Schutz­klei­dung ist – wie schon in der ers­ten Wel­le – wei­ter­hin Man­gel­wa­re und deren Qua­li­tät ist mehr als nur unzu­rei­chend, sie ist mise­ra­bel. Die Kli­nik­be­trei­ber geben sogar vor, dass der Mund­schutz nur bei enor­mer Ver­schmut­zung, nach einer Schicht oder sogar erst nach einer Woche gewech­selt wer­den darf. Dass der medi­zi­ni­sche Mund-Nasen­schutz laut Her­stel­ler­an­ga­ben aber nie­mals eine so lan­ge Wirk­sam­keit garan­tiert, wird ver­nach­läs­sigt. Man­che Kli­ni­ken geben Schutz­klei­dung sogar nur ratio­niert raus, sodass die Kolleg*innen kei­ne ande­re Wahl haben, als den Mund­schutz für 8 Stun­den oder län­ger zu tra­gen.

Das gesam­te Kli­nik­per­so­nal wird immer noch nicht groß­flä­chig getes­tet. Pfle­ge­kräf­te müs­sen um Coro­na­tests bet­teln und dann noch bestimm­te Kri­te­ri­en erfül­len, um einen Test zu bekommen.Das Test­ergeb­nis aber spielt in vie­len Fäl­len aber sowie­so kei­ne Rol­le, da egal, ob nega­tiv oder posi­tiv, die Arbeit wei­ter­ge­führt wer­den muss. Also hal­ten wir fest: Für den Fuß­ball gibt es den Test. Für das Per­so­nal im Kran­ken­haus gibt es Aus­beu­tung bis zum Umfal­len.

Pfleger:innen vor dem Zusam­men­bruch

Elek­ti­ve medi­zi­ni­sche Ein­grif­fe – also nicht unauf­schieb­ba­re Ope­ra­tio­nen – wur­den in der ers­ten Wel­le noch aus­ge­setzt. Jetzt aber wer­den so vie­le Patient*innen wie mög­lich durch die Kran­ken­haus­fa­brik geschleu­dert, damit die Kli­nik­ma­na­ger und die Aktio­nä­re sich an dem Lei­den und an der Pan­de­mie berei­chern kön­nen.

Die Angst davor, sich mit Coro­na zu infi­zie­ren, sowie die psy­chi­sche und kör­per­li­che Belas­tung auf­grund der men­schen­un­wür­di­gen Arbeits­be­din­gun­gen im Kran­ken­haus, ist in vie­len Fäl­len aktu­ell so groß, dass sich Pfleger:innen wochen­lang krank­schrei­ben las­sen und das emo­tio­na­le Aus­brü­che, wie zum Bei­spiel das plötz­li­che Zusam­men­sa­cken des Kör­pers oder pani­sches Schrei­en, Wut­an­fäl­le und hef­ti­ges Wei­nen unter uns Beschäf­tig­ten im Gesund­heits­we­sen zu einer All­täg­lich­keit gewor­den sind. Die­se Ängs­te sind nicht unbe­rech­tigt, eini­ge Kran­ken­haus­be­schäf­tig­te lie­gen nun in dem Bett und an der Beatmungs­ma­schi­ne, die sie zuvor selbst betreut haben.

Ein Arbeits­kampf beginnt

Im Jahr 2019 wur­de der soge­nann­te Volks­ent­scheid für mehr Per­so­nal im Kran­ken­haus vom Ham­bur­ger Senat als ver­fas­sungs­wid­rig ein­ge­stuft. Ein Grund lag dar­in, dass auf Bun­des­ebe­ne eine Per­so­nal­re­ge­lung schon ver­ab­schie­det wor­den sei, näm­lich die am Ist-Zustand ori­en­tie­ren­de Per­so­nal­un­ter­gren­zen. Die­se haben in der Ver­gan­gen­heit zu Per­so­nal­ab­bau, dau­er­haf­ten Patient*innen-Verschiebungen geführt und gan­ze Sta­tio­nen wur­den ein­fach umbe­nannt, damit sie nicht in die Per­so­nal­un­ter­gren­zen­re­ge­lung her­ein­fal­len.

Wäh­rend das Ver­fah­ren gegen den Volks­ent­scheid lief, hat­ten sich schon längst vie­le Beschäf­tig­te aus den Kran­ken­häu­sern orga­ni­siert. Es fan­den sich Pfleger:innen, Heb­am­men, Therapeut:innen usw. zusam­men. All die­se hat­ten schon lan­ge die Idee von der Orga­ni­sie­rung “von unten“, also der eige­nen Kolleg:innen. Es wur­den alte und neue Arbeits­kämp­fe auf­ge­ar­bei­tet, aus denen sich die theo­re­ti­sche Grund­la­ge für die Pra­xis gebil­det hat­te.

In den dar­auf fol­gen­den Mona­ten wur­den in den Kran­ken­häu­sern immer mehr Kolleg:innen dazu­ge­won­nen. Gleich­zei­tig kam es zu meh­re­ren Ver­an­stal­tun­gen, in denen gemein­sam der Inhalt der For­de­run­gen aus­dis­ku­tiert wor­den ist. Denn nur die Kolleg:innen selbst wis­sen, was es braucht, um die Arbeit und die Ver­sor­gung im Kran­ken­haus men­schen­wür­di­ger zu machen.

Kurz dar­auf stan­den schon die Ham­bur­ger Senats­wah­len an.

Wir woll­ten die Wah­len bestim­men und das The­ma Pfle­ge­not­stand zurück in den Wahl­kampf brin­gen. Dies war von der poli­ti­schen Sei­te nicht erwünscht. Jedoch waren die Kran­ken­haus­be­schäf­tig­ten uner­müd­lich. Zunächst gab es eine Unter­schrif­ten­ak­ti­on, die dem Senat über­reicht wor­den ist, danach eine Foto­ak­ti­on, Besu­che von Pfleger:innen in den Wahl­kampf­ver­an­stal­tun­gen, Demons­tra­tio­nen und zum Schluss eine Anhö­rung, in der z.B. auch Frau Fege­bank, Vor­sit­zen­de der Grü­nen, teil­nahm. In der Anhö­rung hat­ten die Beschäf­tig­ten des Kran­ken­hau­ses ihren Kli­nik­all­tag und ihre For­de­run­gen geschil­dert. Die­se Akti­ons­form, sowie all die ande­ren Akti­vi­tä­ten, haben dazu geführt, dass die Kolleg*innen einen gro­ßen Erfolg erle­ben konn­ten.

Am Anfang des Jah­res 2020, noch vor dem Beginn der Pan­de­mie, ließ die Gesund­heits­be­hör­de berich­ten, dass vier gro­ße For­de­run­gen von den Kran­ken­haus-Beschäf­tig­ten ins Koali­ti­ons­pro­gramm auf­ge­nom­men wor­den sind.

Die vier Koali­ti­ons­punk­te ent­hal­ten sinn­ge­mäß:

  • Kei­ne Heb­am­me soll meh­re­re Gebur­ten gleich­zei­tig betreu­en;
  • Kei­ne Pfle­ge­kraft soll allei­ne im Nacht­dienst für über 30 Patient:innen zustän­dig;
  • Ein­füh­rung einer Per­so­nal­be­mes­sung;
  • Aus­zu­bil­den­de erhal­ten eine dau­er­haf­te Pra­xis­be­treu­ung

Vie­le von die­sen Aktio­nen hat­ten natür­lich ihren Zweck dar­in, das The­ma Kran­ken­haus in die Öffent­lich­keit zu brin­gen. Den­noch haben uns am Ende nicht die Unter­schrif­ten inter­es­siert, son­dern die Kolleg:innen, die hin­ter ihnen ste­hen. Der eigent­li­che Zweck lag näm­lich dar­in, Struk­tu­ren auf­zu­bau­en. Denn je grö­ßer der Orga­ni­sa­ti­ons­grad, des­to schwie­ri­ger die Aktio­nen. Dabei ist der größ­te Struk­tur­test am Ende der Streik.

Tarif­run­de und Arbeits­streiks

Im Lau­fe des Jah­res wur­den meh­re­re Umfra­gen, Foto­ak­tio­nen, Pres­se­kon­fe­ren­zen usw. durch­ge­führt. Nach­dem die ers­te Coro­na­wel­le abge­flacht war, ging es erst rich­tig los.

Die Tarif­run­de wur­de gestar­tet.

Ham­burg hat­te auf­grund der effek­ti­ven Orga­ni­sa­ti­on in der Ver­gan­gen­heit einen leich­ten und guten Start in die Tarif­run­de. Erst­mals wur­de mit der Gewerk­schaft und der orga­ni­sier­ten Basis neue Metho­den des Arbeits­kamp­fes aus­pro­biert. Dies beinhal­tet zum Bei­spiel die Durch­füh­rung von “Arbeits­streiks”, regel­mä­ßig Tref­fen, direk­te Abspra­chen mit der Tarif­kom­mis­si­on und einer hohen Teilnehmer:innenzahl bei den bei­den durch­ge­führ­ten Warn­streiks.

Trotz des ernüch­tern­den Tarif­er­geb­nis­ses müs­sen sich Lin­ke und die Beschäf­tig­ten vor Augen füh­ren, dass in frü­he­ren Tarif­run­den meis­tens pro Kran­ken­haus nicht Mal hun­dert Men­schen die Arbeit nie­der­ge­legt hat­ten. Die­se Tarif­run­de aber haben sogar 350 Kolleg:innen nur an einem Kran­ken­haus gestreikt und ins­ge­samt 3500. Gleich­zei­tig hat die Tarif­run­de den gewerk­schaft­li­chen und außer-gewerk­schaft­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­grad in den Kran­ken­häu­sern enorm erhöht. Die Warn­streiks in der letz­ten Tarif­run­de haben damit ein gro­ßes Poten­zi­al inner­halb der Arbeiter*innenklasse gezeigt.

Es war nie unser Ziel, die­se lächer­li­chen 4,5 Pro­zent zu erhal­ten. Es war ver­ständ­lich, dass am Ende der Tarif­run­de eini­ge Kolleg*innen über das Ergeb­nis ent­täuscht waren. Zudem hat­te die Gewerk­schaft in Ham­burg wie­der ein­mal gezeigt, wie eng sie mit der arbeiter*innenfeindlichen Sozi­al­de­mo­kra­tie zusam­men­ar­bei­tet. Trotz­dem haben die meis­ten den wah­ren Erfolg erkannt und wis­sen, dass es nicht unser Ziel war, die Gewerk­schafts­for­de­run­gen durch­zu­set­zen, son­dern eben die Orga­ni­sie­rung von unten.

Schwie­rig­kei­ten im Arbeits­kampf

Es ist natür­lich zu ver­mer­ken, dass die Orga­ni­sa­ti­on von Beschäf­tig­ten in der aktu­el­len Zeit ein­deu­tig mehr Fein­ge­fühl benö­tigt. Es muss­ten immer wie­der Ver­än­de­run­gen inner­halb der Stra­te­gie vor­ge­nom­men wer­den. Zusam­men­künf­te muss­ten ins Vir­tu­el­le ver­la­gert wer­den. Aus­fäl­le von Organizer*innen und Aktivist*innen muss­ten kom­pen­siert wer­den. Es ist ein dau­er­haf­tes Auf und Ab in den letz­ten Mona­ten gewe­sen, jedoch konn­ten wir durch die sich ste­tig ver­än­der­ten Situa­tio­nen auch neue Wege der Orga­ni­sa­ti­on von Kran­ken­haus­be­schäf­tig­ten erler­nen, die uns ohne Pan­de­mie nicht gege­ben wären.

Gleich­zei­tig scheint es aktu­ell so zu sein, dass je schlim­mer die Arbeits­be­din­gun­gen durch Coro­na und den bestehen­den Per­so­nal­not­stand wer­den, des­to schwie­ri­ger der Arbeits­kampf wird. Es wird davon aus­ge­gan­gen, dass im Dezem­ber die letz­te Chan­ce für uns Beschäf­tig­ten im Kran­ken­haus­we­sen liegt, um den Arbeits­kampf in einer noch höhe­ren Pha­se füh­ren zu kön­nen. Danach wird es wahr­schein­lich erschwert sein, den Arbeits­kampf wei­ter­zu­füh­ren, da die Lage im Gesund­heits­we­sen aller Wahr­schein­lich­keit nach eska­lie­ren wird.

Der­zeit wird ver­sucht, die Poli­tik in die Ver­ant­wor­tung zu neh­men. Des Wei­te­ren sind noch ande­re Aktio­nen und Wege geplant, die jedoch natür­lich aus stra­te­gi­schen Grün­den nicht beschrie­ben wer­den. Den­noch kann man fest­hal­ten, dass auch Streiks in die­ser Zeit als eine Opti­on und nicht nur als eine Opti­on ange­se­hen wer­den, son­dern als eine Not­wen­dig­keit. Es besteht aber auch die Mög­lich­keit, dass es zu spon­ta­nen Kampf­maß­nah­men in den Kran­ken­häu­sern kommt. Der­glei­chen gab es z.B. schon im Jah­re 2019 in einem Ope­ra­ti­ons­saal, als die OP-Pfleger*innen sich an einem Mor­gen in den Sitz­streik bege­ben hat­ten.

Repres­sio­nen: Aus­prä­gung und Fol­gen

Repres­sio­nen waren und sind im Arbeits­kampf der Kran­ken­häu­ser auf der Tages­ord­nung. Mal kommt es zu Ver­su­chen, Unter­schrif­ten­lis­ten oder ande­re Doku­men­te in den Kli­ni­ken von Aktivist*innen ein­zu­zie­hen oder die­se durch den Arbeit­ge­ber zu ent­wen­den. Es kommt zur Aus­übung von psy­chi­schem Druck über die Ärz­te­schaft und durch Per­so­nal­ge­sprä­che. Die meis­ten Repres­sio­nen bestan­den aus: Zwangs­ver­set­zun­gen von Pfle­ge­kräf­ten auf ande­re Sta­tio­nen, Abmah­nun­gen, Kün­di­gungs­an­dro­hun­gen, Teamt­ren­nun­gen und Arbeits­ver­pflich­tun­gen vor den Streiks.

Zudem ver­such­te die Arbeit­ge­ber­sei­te in der Coro­na-Kri­se, die Öffent­lich­keit auf ihre Sei­te zu bekom­men, damit die gesell­schaft­li­che öffent­li­che Mei­nung sich gegen die Strei­ken­den in den Kran­ken­häu­sern rich­tet. Es wur­de auf het­ze­ri­sche Wei­se in den sozia­len Medi­en, Zei­tun­gen usw. die Streiks, als eine Gefahr für die Ver­sor­gung von Patient*innen dar­ge­stellt.

Doch die Strei­ken­den konn­ten mit einer her­vor­ra­gen­den Com­mu­ni­ty-Arbeit, die Öffent­lich­keit davon über­zeu­gen, dass nicht der Streik, die Ver­sor­gung in deut­schen Kran­ken­häu­sern ver­schlech­tert, son­dern der Nor­mal­zu­stand des Per­so­nal­not­stands.

All die­se Repres­sio­nen haben uns gelehrt, das die bestehen­de Soli­da­ri­tät, die wir in den letz­ten Jah­ren durch die Orga­ni­sa­ti­on auf­bau­en konn­ten, unse­re größ­te Waf­fe gegen­über der Kapi­tal­sei­te ist. Jedoch hat auch kon­se­quen­te Anti­re­pres­si­ons­ar­beit im vor­aus eine zen­tra­le Rol­le gespielt. Denn wer sei­ne Rech­te kennt, kann sich bes­ser weh­ren.

Der Bei­trag Arbeits­kampf im Kran­ken­haus – Eine Ham­bur­ger Pfle­ge­rin erzählt erschien zuerst auf Lower Class Maga­zi­ne.

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