[re:volt mag:] Das Konzept Antifa: Brandaktuell oder von gestern?

Das Konzept Antifa: Brandaktuell oder von gestern?

20150926_B.jpgSiempre*Antifa Frankfurt/​M

Beim Arti­kel han­delt es sich um einen Bei­trag zum dies­jäh­ri­gen RC3-Kon­gress, aus­ge­rich­tet vom Cha­os Com­pu­ter Club (CCC). Ver­öf­fent­licht wird es in Koope­ra­ti­on mit dem links­ra­di­ka­len Cyper-Kol­lek­tiv Vizak.

Seit eini­gen Jah­ren erle­ben wir das Wie­der­erstar­ken neo­fa­schis­ti­scher Bewe­gun­gen auf allen gesell­schaft­li­chen Ebe­nen. Die Anti-Migra­ti­ons­be­we­gung von 2015 und nun die Coronaleugner*innenbewegung zei­gen, dass es der radi­ka­len Rech­ten hier­zu­lan­de im ver­gan­ge­nen Jahr­zehnt gelun­gen ist, ver­schie­de­ne Tei­le der rechts-affi­nen Bevöl­ke­rung zu mobi­li­sie­ren und zu bün­deln. Die „Neue Rech­te“ greift alte The­men des Neo­fa­schis­mus auf und popu­la­ri­siert sie in wei­ten Bevöl­ke­rungs­krei­sen. War die rechts­ra­di­ka­le Bewe­gung in den 00er Jah­ren wei­test­ge­hend in der Defen­si­ve, so trat sie im ver­gan­ge­nen Jahr­zehnt gesell­schaft­lich aus der Schmud­del­ecke. Die Konsument*innen der rech­ten Hass­bot­schaf­ten radi­ka­li­sie­ren sich im Zuge der Nor­ma­li­sie­rung einer rech­ten Gesin­nung zuneh­mend: In der „bür­ger­li­chen Mit­te“, im bür­ger­li­chen Staat, auf der Stra­ße, in den Köp­fen, im Inter­net und seit Eta­blie­rung der AfD auch in den Par­la­men­ten. Kei­ne Woche ver­geht, ohne dass rechts­ra­di­ka­le Chat­grup­pen oder Ver­bin­dun­gen hoch­ran­gi­ger Politiker*innen mit neo­fa­schis­ti­schen Mili­zen auf­flie­gen. Die Anschlä­ge von Hal­le und Hanau zei­gen uns, wel­che Rele­vanz inzwi­schen der rech­ten Inter­net-Pro­pa­gan­da zukommt. Bei­de Täter waren zuvor nicht im Real-Life der klas­si­schen neo­fa­schis­ti­schen Milieus orga­ni­siert.

Bei all dem könn­te man glau­ben, dass die anti­fa­schis­ti­sche Bewe­gung an Auf­wind gewin­nen soll­te oder die Aktua­li­tät der Anti­fa nicht zur Debat­te stün­de. Doch das genaue Gegen­teil ist der Fall. Seit dem Beginn des ver­gan­ge­nen Jahr­zehnts began­nen zahl­lo­se Grup­pen sich vom Kon­zept Anti­fa und manch­mal sogar von anti­fa­schis­ti­scher Poli­tik gene­rell abzu­wen­den. Bun­des­weit bekann­te und rele­van­te Akteu­re benann­ten sich um und lös­ten sich auf. Ver­schie­de­ne Aspek­te des Kon­zepts haben an Aktua­li­tät ver­lo­ren, was unter ande­rem mit dem Ver­ständ­nis und der Wei­ter­ent­wick­lung des Kon­zepts der moder­nen Anti­fa der 90er Jah­re zu tun hat. So steht die Bewe­gung in den 20ern des neu­en Jahr­hun­derts vor vie­len Fra­gen und (lei­der) noch wenig Ant­wor­ten.

Das Konzept Antifa: Von den Anfängen der 90er….

Der Beginn der Anti­fa-Bewe­gung fällt mit dem Nie­der­gang der kom­mu­nis­ti­schen Staa­ten 1989 und dem nun­mehr bun­des­wei­ten Auf­kom­men neo­fa­schis­ti­scher Bewe­gun­gen zusam­men. Die Idee ent­sprang der auto­no­men Bewe­gung West­deutsch­lands der 80er. Aus­for­mu­liert und erwei­tert wur­de sie durch die auto­no­men Anti­fa [M] aus Göt­tin­gen. Die Grup­pe for­mu­lier­te 1991 ein Kon­zept, das kon­zep­tio­nell an die mili­tan­te, kul­tu­rel­le und orga­ni­sa­to­ri­sche Pra­xis der west­deut­schen Auto­no­men anschloss und den „Schwar­zen Block“ auf Demons­tra­tio­nen als Akti­ons­form eta­blier­te. Sie ver­band eine prag­ma­ti­sche bünd­nis­po­li­ti­sche Ori­en­tie­rung, die wir heu­te unter dem Schlag­wort der „Brei­ten Bünd­nis­se gegen rechts“ ken­nen, mit dem Anknüp­fen an die Sym­bo­lik der his­to­ri­schen Anti­fa­schis­ti­schen Akti­on der KPD 1932 [1]. Die­ser umstrit­te­ne Ansatz soll­te für die Mehr­zahl der Grup­pen der ent­ste­hen­den, hete­ro­ge­nen Anti­fa-Bewe­gung rich­tungs­wei­send wer­den. Er for­mu­lier­te eine Anschluss­fä­hig­keit im The­men­feld Anti­fa­schis­mus, von der sich ver­spro­chen wur­de, die gesell­schaft­li­che Wahr­nehm­bar­keit und Hand­lungs­fä­hig­keit revo­lu­tio­nä­rer Poli­tik zu erhö­hen. Über brei­te anti­fa­schis­ti­sche Bünd­nis­se soll­te anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Poli­tik betrie­ben wer­den kön­nen. Der Ansatz wur­de in den fol­gen­den Jahr­zehn­ten unter dem Schlag­wort des „revo­lu­tio­nä­rer Anti­fa­schis­mus“ hege­mo­ni­al.

…über die Kampf- und Streitjahre der 00er…

Von der im neu­en Jahr­tau­send ein­set­zen­den Durch­drin­gung der gesam­ten radi­ka­len Lin­ken mit libe­ra­len und staats­tra­gen­den Ideo­lo­gien wur­de auch die Anti­fa-Bewe­gung nicht ver­schont. Ers­te Spal­tun­gen tra­ten in bedeu­ten­de­ren Anti­fa-Grup­pen bereits in den aus­ge­hen­den 90er Jah­ren auf. Die Debat­ten zwi­schen den Strö­mun­gen der soge­nann­ten „Anti­deut­schen“ und der „Anti-Imps“ präg­ten die 00er Jah­re und spal­te­ten die Anti­fa-Bewe­gung in sich feind­lich gegen­über­ste­hen­de Lager. Die „Anti­deut­schen“, und in abge­schwäch­ter Vari­an­te die „Anti­na­tio­na­len“, woll­ten fata­ler­wei­se gleich das gesam­te tra­di­tio­nell lin­ke Pro­gramm (Klas­sen­kampf und Anti­im­pe­ria­lis­mus) ver­wer­fen. Die „Anti-Imps“ ver­kürz­ten ihrer­seits die Welt­po­li­tik all­zu oft auf einen schlich­ten Gut-Böse-Mora­lis­mus. Nicht sel­ten wur­de die­ses undif­fe­ren­zier­te Welt­bild von einer eben­so simp­len und fal­schen „Heuschrecken“-Kapitalismuskritik beglei­tet [2].

Trotz die­ser spal­ten­den Kon­tro­ver­sen gelang der Anti­fa-Bewe­gung eini­ge beacht­li­che poli­ti­sche Mobi­li­sie­rungs­er­fol­ge. Die Bewe­gung war fähig, gewich­ti­ge Rol­len in Groß­bünd­nis­sen ein­zu­neh­men und wahr­nehm­ba­rer Gegen­spie­ler zu bür­ger­li­chen Par­tei­en zu sein. Gegen­pro­tes­te konn­ten trotz star­ker poli­zei­li­cher Auf­rüs­tung immer wie­der auch mit Mili­tanz durch­ge­führt wer­den. Sinn­bild­lich für die­se Zeit ste­hen die erfolg­rei­chen bun­des­wei­ten Mobi­li­sie­run­gen nach Dres­den zwi­schen 2009 und 2014 und nach ähn­li­chen Model­len durch­ge­führ­te regio­na­le Groß­bünd­nis-Aktio­nen. [3]

…..bis zur Krise der 10er

Das ver­gan­ge­ne Jahr­zehnt ab 2010 schließ­lich brach­te vie­le Koor­di­na­ten­sys­te­me inner­halb der Anti­fa-Bewe­gung durch­ein­an­der. Die zuvor von vie­len Anti­fa-Grup­pen als eth­nisch-natio­na­lis­ti­sche Bewe­gung betrach­te­te kur­di­sche Bewe­gung gewann in der Debat­te durch die Gescheh­nis­se im syri­schen Bür­ger­krieg an Bedeu­tung. Ihr Modell des „Demo­kra­ti­schen Kon­fö­de­ra­lis­mus“ wur­de von allen Tei­len der Anti­fa ab 2015 begeis­tert dis­ku­tiert. So fan­den sich vie­le, einst­mals unver­söhn­li­che Grup­pen plötz­lich Sei­te an Sei­te in der Soli­da­ri­täts­be­we­gung mit Roja­va wie­der. Es kam zu einem Revi­val des Inter­na­tio­na­lis­mus [4].

Par­al­lel dazu eta­blier­te sich mit dem Lower Class Maga­zi­ne ein bedeu­ten­des Medi­um für den radi­kal lin­ken Dis­kurs, das ab 2015 einen Such-Pro­zess der radi­ka­len Lin­ken mit­in­iti­ier­te. Die­ser Such­pro­zess fand unter ande­rem im „Sel­ber machen“-Kongress 2017 sei­nen Aus­druck, setz­te sich aber auch in der Platt­form „Kon­gress der Kom­mu­nen“ fort. Ab unge­fähr 2017 nahm dann auch die Dis­kus­si­on um eine „Neue Klas­sen­po­li­tik“ als Ant­wort auf das Erstar­ken des Neo­fa­schis­mus an Wind auf. Im Zuge die­ser Debat­ten lös­ten sich immer mehr Grup­pen auf, benann­ten sich um oder schlos­sen sich mit ande­ren Zusam­men­hän­gen zusam­men. Ab 2016 kön­nen wir im bun­des­wei­ten Durch­schnitt von einer sich inten­si­vie­ren­den Schwä­chung der „Antifa“-Bewegung auf der Stra­ße, im Orga­ni­sa­ti­ons- und Akti­ons­ni­veau spre­chen.

Was war passiert?

Kurz gesagt sind sich die­je­ni­gen Tei­le der Anti­fa-Bewe­gung, die es mit dem revo­lu­tio­nä­ren Anspruch ernst mein­ten, lager­über­grei­fend bewusst­ge­wor­den, dass sie unter ver­schie­de­nen Vor­zei­chen Irr­we­gen auf­ge­ses­sen sind. Die­se Irr­we­ge wur­den gleich auf meh­re­ren Ebe­nen immer offen­sicht­li­cher: Auf der per­sön­li­chen Ebe­ne setz­ten sich immer mehr ver­meint­li­che Genoss*innen in die „bür­ger­li­che Mit­te“ oder gleich ganz nach rechts ab [5]. Aber die sich mit der Eta­blie­rung der PeGi­Da-Bewe­gung durch­set­zen­de Erkennt­nis, dass die Bewe­gungs-Erfol­ge in Dres­den der vor­an­ge­gan­ge­nen Jah­re kei­ner­lei Nach­hal­tig­keit vor Ort her­vor­brin­gen konn­ten, war schluss­end­lich beson­ders bit­ter für die Bewe­gung. Sie ver­wies dar­auf, dass die Anti­fa als Kon­zept – abseits von kurz­fris­ti­gen, event­ar­ti­gen und vor allem defen­si­ven Inter­ven­tio­nen – poli­tisch nicht hand­lungs­fä­hig war und ist.

Als Kar­di­nal­feh­ler wur­de die Tat­sa­che erkannt, sich immer wei­ter von den Wur­zeln der Anti­fa­schis­ti­schen Akti­on und deren Inhal­te ent­fernt zu haben: näm­lich von einem klas­sen­kämp­fe­ri­schen Anti­fa­schis­mus, der die sozia­le Fra­ge, die Fra­ge nach Ver­tei­lung des Reich­tums in unse­rer kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schaft als inte­gra­len Bestand­teil anti­fa­schis­ti­scher Poli­tik auf­greift.

Was allen „Antifa“-Gruppen samt und son­ders die ver­gan­ge­nen drei Jahr­zehn­te seit 1990 fehl­te, war genau die Ver­bin­dung von sozia­ler Fra­ge und Nöten der Men­schen mit anti­fa­schis­ti­scher Poli­tik – und zwar nicht abs­trakt, son­dern kon­kret in der Basis­or­ga­ni­sie­rung mit den Betrof­fe­nen [6]. Abseits der defen­si­ven Anti­fa-Kam­pa­gnen­po­li­tik beschäf­tig­ten sich immer mehr Akti­ve haupt­amt­lich mit dem Besu­chen von Soli-Par­tys. Anti­fa ver­kam so immer mehr zu einem „Life­style“. Dass die­se Form der Sub­kul­tu­ra­li­sie­rung einer Bewe­gung nicht mehr anschluss­fä­hig an gesell­schaft­li­che Mehr­hei­ten ist, erscheint der Bewe­gung heu­te offen­sicht­lich – war es jedoch nicht immer.

Was tun?

So setz­te Mit­te des ver­gan­ge­nen Jahr­zehnts ein über­fäl­li­ger Refle­xi­ons­pro­zess inner­halb der Bewe­gung ein. Die­ser hat vor­erst eine Schwä­chung zur Unzeit her­vor­ge­bracht. Er hat jedoch auch das Poten­ti­al, anti­fa­schis­ti­sche Poli­tik neu zu defi­nie­ren. Das heißt, eine neue Bewe­gung her­vor­zu­brin­gen, die aus ver­gan­ge­nen Feh­lern lernt und wich­ti­ge Fra­gen neu beant­wor­tet, zum Bei­spiel:

1) Das Ver­hält­nis von Klas­sen­po­li­tik und Anti­fa­schis­mus

Schon die Anti­fa [M] aus Göt­tin­gen beant­wor­te­te die Fra­ge nach dem Ver­hält­nis zur Klas­sen­po­li­tik pro­ble­ma­tisch. So betrach­te­te die Grup­pe das The­men­feld Anti­fa­schis­mus als der­ma­ßen wich­tig, dass es für sie den zen­tra­len Hebel gesell­schaft­li­cher Ver­än­de­rung dar­stell­te. Die Anti­fa der 00er Jah­re ver­schärf­te die­se Ten­denz der Aus­klam­me­rung sozia­ler Kämp­fe und die Über­hö­hung anti­fa­schis­ti­scher Pra­xis noch. Im schlimms­ten Fall wen­de­te man sich gegen strei­ken­de Arbeiter*innen, statt Soli­da­ri­tät zu zei­gen. Als Fol­ge die­ser Feh­ler lau­tet die Fra­ge heu­te also: Wie kann Anti­fa Klas­sen­kampf und Anti­fa­schis­mus stra­te­gisch und prak­tisch in Ver­bin­dung set­zen?

2) Die Orga­ni­sie­rung

All­seits beklagt wird seit mehr als einer Deka­de das Dasein der Bewe­gung als „Sze­ne“. Die­ses Dasein ist jedoch unmit­tel­bar mit dem Orga­ni­sie­rungs­mo­dell der auto­no­men Klein­grup­pe ver­bun­den, das sich immer wie­der als nicht fähig erwie­sen hat, Men­schen abseits von Freun­des­krei­sen zu orga­ni­sie­ren. Heißt das, dass Anti­fa in den Schoß der Anti­fa­schis­ti­schen Akti­on 1932 zurück­keh­ren muss und im Rah­men einer revo­lu­tio­nä­ren Orga­ni­sa­ti­on arbei­ten muss oder muss sich die Anti­fa orga­ni­sa­to­risch eigen­stän­dig neu erfin­den und den auto­no­men Bal­last abwer­fen? Wie legi­ti­miert Anti­fa wei­ter­hin ihre Eigen­stän­dig­keit?

3) Die Bünd­nis­fra­ge und das Ver­hält­nis zum bür­ger­li­chem Staat

Das Kon­zept der Anti­fa [M] aus Göt­tin­gen streb­te prin­zi­pi­ell brei­te Bünd­nis­se an. Das Kon­zept wur­de von der 00er Jah­re Anti­fa über­nom­men, erwies sich jedoch schluss­end­lich als nur begrenzt wirk­sam und kaum nach­hal­tig. Hin­zu tritt, dass Tei­le der Anti­fa-Bewe­gung in den ver­gan­ge­nen Jah­ren über zivil­ge­sell­schaft­li­che Pro­jek­te kaum noch Distanz zu staat­li­chen Insti­tu­tio­nen hal­ten – trotz der Erfah­run­gen von NSU & Co. Was heißt die­ser Zustand für eine heu­ti­ge Bünd­nis­po­li­tik der Anti­fa? Ist eine klas­sen­kämp­fe­ri­sche Anti­fa glaub­wür­dig im Bünd­nis mit „lin­ken“ Regie­rungs­par­tei­en? Was wäre die Alter­na­ti­ve?

4) Die Mit­tel und Metho­den

Die anti­fa­schis­ti­sche Akti­on war his­to­risch immer ein mili­tan­tes und somit immer auch ein kon­tro­ver­ses Kon­zept. Doch wie kann heu­te Mili­tanz unter der sich ver­schär­fen­den Straf­ver­fol­gung aus­se­hen? Ist der „Black Block“ noch eine aktu­el­le Akti­ons­form? Was ist mit der femi­nis­ti­schen Kri­tik an ver­gan­ge­ner Anti­fa-Mili­tanz? Ist Mili­tanz gar ganz pas­sé oder muss sie reor­ga­ni­siert wer­den?

Die Fra­ge, ob das Kon­zept Anti­fa im Jahr 2020 noch Aktua­li­tät bean­spru­chen kann, ist also an die Fra­ge geknüpft, inwie­weit die Bewe­gung bereit ist, alte Gewiss­hei­ten auf­zu­ge­ben, berech­tig­te Fra­gen zu stel­len, Selbst­kri­tik zu leis­ten und neue Wege zu beschrei­ten. Der Autor, selbst 00er Jah­re Anti­fa-Akti­vist aus Frank­furt am Main, wünscht ihr dabei gutes Gelin­gen.


Anmerkungen:

[1] Wich­tig ist hier, anzu­mer­ken, dass die Anleh­nung an die his­to­ri­sche Anti­fa­schis­ti­sche Akti­on der KPD eher ästhe­tisch und rhe­to­risch voll­zo­gen wur­de. Real hob sich das Kon­zept „der [M]“ von den klas­si­schen, kom­mu­nis­ti­schen For­men anti­fa­schis­ti­scher Poli­tik deut­lich ab. Eine Zusam­men­fas­sung fin­det sich bei Lan­ger, Bernd (1997): „Kunst als Wider­stand“ Pahl-Rugen­stein-Ver­lag; Bonn.

[2] Wäh­rend der „anti­deut­sche“ Irr­weg bereits umfas­send auf­ge­ar­bei­tet wur­de, steht er im anti­na­tio­na­len (Auf­ar­bei­tung des Irr­wegs der Wert­kri­tik) und anti­im­pe­ria­lis­ti­schen Lager (Auf­ar­bei­tung des Irr­wegs eines bür­ger­li­chen, anti-klas­sen­kämp­fe­ri­schen Anti­im­pe­ria­lis­mus) noch aus. Eine aus­führ­li­che Kri­tik an libe­ra­len Ideo­lo­gien in der Anti­fa leis­ten Som­mer, Micha­el /​Witt-Stahl, Susann (2014): „Anti­fa heißt Luft­an­griff“ Lai­ka-Ver­lag; Ham­burg.

[3] Das eigent­lich Neue in die­sen Bünd­nis­kon­stel­la­tio­nen war, dass von radi­ka­len und mili­tan­ten Grup­pen bis zur SPD und den Grü­nen eine Akti­ons­ein­heit her­ge­stellt wer­den konn­te. Das heißt der Akti­ons­kon­sens war so gefasst, dass er mili­tan­te Akti­ons­for­men nicht grund­sätz­lich aus­schloss. Ein klas­si­scher Spal­tungs­me­cha­nis­mus zwi­schen mili­tant /​nicht mili­tant wur­de hier­mit umgan­gen. Das Ver­dienst des Vor­schlags, wie der Umset­zung, kommt hier vor allem der inter­ven­tio­nis­ti­schen Lin­ken (iL) zu.

[4] Bemer­kens­wert ist hier, dass die Soli­da­ri­täts­be­we­gung mit den nord­sy­ri­schen Kurd*innen und ihrem Auto­no­mie­pro­jekt auch von lang­jäh­ri­gen Kritiker*innen des Inter­na­tio­na­lis­mus unter­stützt wur­de. Die Kon­zep­ti­on des PKK-Füh­rers fin­det sich in Öca­lan, Abdul­lah (2010): „Jen­seits von Staat, Macht und Gewalt“ Mezo­po­ta­mi­en Ver­lag; Köln. Eine Kri­tik am Kon­zept aus soli­da­ri­scher, tür­kisch mar­xis­tisch-leni­nis­ti­scher Per­spek­ti­ve fin­det sich in der Bro­schü­re „Selbst­ver­wal­tung – Föde­ra­ti­on – Roja­va“ von Young Strugg­le.

[5] Bür­ger­li­che Antiimperialist*innen, dar­un­ter eini­ge „Anti-Imps“ der 00er Jah­re, sind über die Frie­dens­mahn­wa­chen-Bewe­gung, die lin­ke Anti-Migra­ti­ons-Debat­te um „Auf­ste­hen“ und heu­te die Debat­te um das Coro­na-Virus rechts abge­schmiert oder bege­ben sich in Quer­front-Fahr­was­ser. Bei­spie­le sind der Frei­den­ker-Ver­band, das Rubi­kon-Maga­zin, die Nach­denk­sei­ten und so wei­ter. Die einst­ma­li­gen „Anti­deut­schen“ sind nahe­zu geschlos­sen in den bür­ger­li­chen Staats­ap­pa­rat und sei­ne Par­tei­en, Think-Tanks oder ins rech­te Lager über­ge­lau­fen.

[6] Grup­pen betei­lig­ten sich zwar an einer Viel­zahl an Kam­pa­gnen zu sozia­len Fra­gen oder an den Kri­sen­pro­tes­ten ab 2008, aber das Gan­ze blieb abs­trakt und unper­sön­lich auf der Kam­pa­gnen­ebe­ne ver­haf­tet. Orga­ni­zing und Orga­ni­sa­ti­ons­auf­bau in der Gesell­schaft und abseits der „Sze­ne“ fand kaum statt. Die Mobi­li­sie­run­gen waren nahe­zu immer nach innen gerich­tet.

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