[gfp:] Die Schenker-Verbrechen

Nach Ent­la­dung im Reichs­ge­biet trans­por­tier­te Schen­ker auf dem Rück­weg an die Front umfang­rei­che Waf­fen­ar­se­na­le, um die deut­sche Groß­raub­wirt­schaft im „Neu­en Euro­pa“ mili­tä­risch abzu­si­chern. Wie die Doku­men­te zei­gen, erstreck­te sich das ban­den­mä­ßig betrie­be­ne Schen­ker-Geschäft auch auf Wert­trans­por­te der Preu­ßi­schen Staats­mün­ze, die im Auf­trag der Reichs­bank geraub­tes Gold in Bar­ren umschmolz und mit einem fal­schen Prä­ge­da­tum ver­sah. Damit soll­te die Her­kunft (unter ande­rem aus anti­se­mi­ti­schen Mord­ak­tio­nen) ver­schlei­ert und das ent­eig­ne­te oder aus den Lei­chen gebro­che­ne Edel­me­tall im inter­na­tio­na­len Han­del uner­kannt kapi­ta­li­siert wer­den.

Weder das Nach­fol­ge­un­ter­neh­men von Schen­ker & Co. (die Deut­sche Bahn-Toch­ter DB Schen­ker) noch der dama­li­ge und heu­ti­ge Eigen­tü­mer von Schen­ker (der deut­sche Staat) schei­nen die Schen­ker-Ver­bre­chen einer umfas­sen­den Auf­klä­rung für wert zu befin­den. Aus ver­ständ­li­chen Grün­den. Die Erträ­ge aus Heh­le­rei, Raub und Mord­bei­hil­fe wur­den von Ber­lin nie resti­tu­iert. Eine Klä­rung ist umso dring­li­cher, als DB Schen­ker und sein Mut­ter­kon­zern zuneh­mend in Ver­dacht gera­ten, ihre glo­bal betrie­be­ne Wirt­schafts­ex­pan­si­on beför­de­re die Ber­li­ner „Welt­po­li­tik“. Das wäre nicht neu. Bereits vor dem Zwei­ten Welt­krieg galt Schen­ker als öko­no­misch täti­ge Vor­hut deut­scher Groß­macht­sub­ver­si­on, Schen­ker-Filia­len fun­gier­ten als Agen­ten­dreh­schei­ben. In Lon­don geriet die regio­na­le Schen­ker-Nie­der­las­sung in Brand, in Ost­eu­ro­pa wur­de vor der euro­pa­wei­ten Mono­po­li­sie­rung des Logis­tik­ge­schäfts durch Ber­lin gewarnt.

Mit Schenker gegen China

Die­se War­nun­gen kamen zu spät.[1] Zwar galt Schen­ker in Öster­reich „als ‚fünf­te Kolon­ne’ “ [2] der Ber­li­ner Außen­po­li­tik, und die sozi­al­de­mo­kra­ti­sche „Rudé prá­vo“ in Prag erhob den Vor­wurf, Schen­ker schmie­re tsche­chi­sche Poli­ti­ker, um sie als deut­sche Ein­fluss­agen­ten ein­zu­set­zen [3]; aber die Ziel­ge­richt­etheit der Schen­ker-Umtrie­be blieb ver­bor­gen. Der unver­däch­tig erschei­nen­de Auf­trag, „den euro­päi­schen Ver­kehr an sei­nen Quel­len zu erfas­sen“ und „ihm die gewünsch­te Rich­tung zu geben“ [4], ziel­te auf Krieg. Spä­tes­tens seit 1937 war Schen­ker ein unver­zicht­ba­res Instru­ment der offe­nen und ver­deck­ten deut­schen Aggres­sio­nen – nicht nur gegen sei­ne Nach­bar­staa­ten auf dem Kon­ti­nent.

Einen erheb­li­chen Teil des deut­schen Waf­fen­han­dels, der an inter­na­tio­na­len Fron­ten auf den Krieg in Euro­pa vor­be­rei­te­te, erle­dig­te Schen­ker. Allein 50 Pro­zent die­ser Expor­te gin­gen bis 1937 nach Chi­na, um die unter deut­schen Offi­zie­ren ste­hen­den Trup­pen der Tschiang-Kai-shek-Kräf­te gegen die Rote Armee zu muni­tio­nie­ren. Schen­ker bau­te sei­ne asia­ti­schen Filia­len aus und expan­dier­te in der Fol­ge nach Japan, das zu einem fes­ten logis­ti­schen Stütz­punkt der Ber­li­ner Kriegs­po­li­tik wur­de.

„Ausfuhrgemeinschaft für Kriegsgerät“

In Euro­pa ope­rier­te Schen­ker auf der ibe­ri­schen Halb­in­sel, um Waf­fen für den Put­schis­ten Fran­co gegen die demo­kra­tisch gewähl­te spa­ni­sche Regie­rung in Stel­lung zu brin­gen. Die Anlie­fe­run­gen kamen von der „Reichs­grup­pe Indus­trie“, deren Rüs­tungs­kar­tell mit Schen­ker in einem fast täg­li­chen Aus­tausch stand. Schen­ker sorg­te nicht nur für siche­re Trans­port­we­ge. Das staat­li­che Unter­neh­men stell­te „Abnah­me­be­am­te“ [5] bereit, die das deut­sche Kriegs­gut durch aus­län­di­sche Zoll­sper­ren schleus­ten und am Ziel­ort die gehei­men Über­ga­ben vor­nah­men. Bestechung an frem­den Gren­zen gehör­te zum All­tags­ge­schäft. Auf die­sem Gebiet erfah­ren und in Spa­ni­en tätig war Hans Elt­ze, der amt­li­che Ver­tre­ter der „Reichs­grup­pe Indus­trie“, Refe­rat „Aus­fuhr­ge­mein­schaft für Kriegsgerät“.[6] Unter dem Kür­zel „AGEKA“ sorg­te das Export­kar­tell für die Bün­de­lung des Rüs­tungs­trans­fers, den Schen­ker & Co. umsetz­te. Nach dem erfolg­rei­chen Putsch in Spa­ni­en und der Nie­der­schla­gung der Inter­na­tio­na­len Bri­ga­den mit den von Schen­ker bereit­ge­stell­ten deut­schen Waf­fen sie­del­te Elt­ze nach Por­tu­gal über. Por­tu­gal wur­de für die „AGEKA“ und damit für Schen­ker zum Tar­nungs­land der Mate­ri­al- und Roh­stoff­im­por­te, die mit Beginn des deut­schen Über­falls auf Polen spä­tes­tens ab 1939 unver­zicht­bar waren (dar­un­ter Wolf­ram). Schen­kers „Abnah­me­be­am­te“, die als Hoheits­trä­ger über Madrid nach Lis­sa­bon reis­ten, beglau­big­te „Herr Dr. Mör­ner, Ber­lin-Wann­see, Drei Lin­den­stras­se“, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der „AGEKA“.

Kennwort „Bär“

Mit zuneh­men­den Mate­ri­al­ver­lus­ten und stei­gen­dem Nach­schub­be­darf für den Krieg im Osten nah­men auch die Schen­ker-Ope­ra­tio­nen zu. Die Auf­trä­ge kamen jetzt vom Ober­kom­man­do der Wehr­macht (OKW). Zwecks Ein­satz sei­ner „Abnah­me­be­am­ten“ ab Grenz­bahn­hof Perl im Saar­land notier­te Schen­ker: „Herr Kur­alt hat im Auf­tra­ge des OKW meh­re­re von Perl unter dem Kenn­wort ‚Bär’ lau­fen­de Kriegs­ma­te­ri­al­trans­por­te zu beglei­ten und zu über­neh­men und muß fer­ner auch Abfer­ti­gun­gen an den spa­ni­schen Grenz­über­gän­gen durch­füh­ren […]. Von der Rei­se unter­rich­tet: OKW-Kapi­tän Flues.“ Wegen wei­te­rer Rüs­tungs­lie­fe­run­gen notier­te Schen­ker an ande­rer Stel­le: „Wir haben zur­zeit in Por­tu­gal gros­se, kriegs­wich­ti­ge Trans­por­te durch­zu­füh­ren, die infol­ge ihrer aus­ser­or­dent­li­chen Bedeu­tung mit gröss­ter Sorg­falt und Sach­kennt­nis bear­bei­tet wer­den müs­sen.“

„Brandeilig“

Das Ober­kom­man­do des Hee­res (OKH), nach der ver­lo­re­nen Schlacht um Sta­lin­grad mit Rüs­tungs­er­satz für die Front beschäf­tigt, such­te bei Schen­ker um „Beglei­tung und Kon­trol­le von Kriegs­ma­te­ri­al­trans­por­ten“ nach. Für die wie­der­hol­ten Lie­fe­run­gen ins soge­nann­te Gene­ral­gou­ver­ne­ment, also nach Polen, stell­te Schen­ker „unser Gefolg­schafts­mit­glied“ Gus­tav Hamann „auf die Dau­er von 3 Mona­ten“ frei, „Herr Dr. Mör­ner“ von der „AGEKA“ wur­de unter­rich­tet. Eben­falls infol­ge der Sta­lin­grad-Nie­der­la­ge ließ Schen­ker „Kriegs­ma­te­ri­al­trans­por­te“ in gro­ßem Stil über die Slo­wa­kei nach Rumä­ni­en anrol­len. Zwei rumä­ni­sche Bünd­nis­ar­me­en der deut­schen Wehr­macht waren in Sta­lin­grad ver­nich­tet wor­den (1942), die Res­te soll­ten wei­ter­kämp­fen. „Da es sich um eine gro­ße Anzahl von Trans­por­ten han­delt“, mel­de­te Schen­ker im Februar/​März 1943 dem Reichs­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um „die wie­der­hol­te Ein- und Aus­rei­se“ sei­ner beam­te­ten Schleu­ser. Aber der Zusam­men­bruch in Rumä­ni­en ließ sich nicht auf­hal­ten. Ber­lin ord­ne­te des­we­gen die Ver­stär­kung der Mili­tär­kräf­te in Rumä­ni­ens Nach­bar­land an – in der faschis­tisch regier­ten Slo­wa­kei. Schen­ker stand auch dort bereit. „Da die Ange­le­gen­heit brand­e­i­lig ist“, notier­te die „Zen­tral­lei­tung“ von Schen­ker, müss­ten „am Mon­tag, dem 28.II. (1944) in Ant­wer­pen und am Diens­tag, dem 29. in Ams­ter­dam, Kriegs­ma­te­ri­al-Trans­por­te, für die Slo­wa­ki­sche Wehr­macht bestimmt, ver­la­den“ wer­den. Die Ver­sie­ge­lung nahm ein Schenker-„Gefolgschaftsmitglied“ aus Aachen vor.

Mehrfacher Nutzen

Bin­nen weni­ger Tage schaff­ten Reichs­bahn-Wag­gons den Schen­ker-Trans­port – ton­nen­wei­se Waf­fen – mit­samt Schen­kers „Gefolg­schafts­mit­glie­dern“ von der West- an die Ost­front: eine logis­ti­sche Leis­tung. Emp­fän­ge­rin: die „Feld­zeug­inspek­ti­on“ des Ober­kom­man­dos des Hee­res (OKH) an der slo­wa­kisch-pol­ni­schen Gren­ze. Die Befürch­tun­gen inter­na­tio­na­ler Beob­ach­ter in der Vor­kriegs­zeit, Schen­ker ope­rie­re als „fünf­te Kolon­ne“ der Ber­li­ner „Europa“-Politik, wur­den über­bo­ten: Im Ver­bund mit der Reichs­bahn bewies Schen­ker, dass sein stän­dig expan­die­ren­des logis­ti­sches Netz und die kor­po­ra­ti­ven Struk­tu­ren des sozi­al­part­ner­schaft­li­chen Gefolg­schafts­re­gimes mehr­fach nutz­bar waren – in Frie­dens­zei­ten als Kraft­po­ten­zi­al, um den Zugang zum Markt ohne inne­re Rei­bung mög­lichst grenz­über­grei­fend öko­no­misch zu wei­ten, in Kri­sen und Krieg, um den Markt mit Gewalt für radi­ka­le Metho­den des Wer­te­trans­fers öff­nen zu kön­nen. Die logis­ti­sche Leis­tung erwies sich als Glanz­stück kri­mi­nel­len Kal­küls. War die­ses Sta­di­um erreicht, brach die Tar­nung der deut­schen Expan­si­ons­po­li­tik als Ver­ei­ni­gungs­werk für den „Groß­raum Euro­pa“ in sich zusam­men. Der Wider­stand wuchs.

Großraubwirtschaft

Im „Groß­raum Euro­pa“ ope­rier­te Ber­lin nun nach Art der Schutz­geld­erpres­sung und Banden­ge­walt: Groß­raub­wirt­schaft. Hat­te Schen­ker anfangs den Schein gewahrt und im besetz­ten Aus­land Preis­ver­hand­lun­gen geführt, so wur­den die Schen­ker-Impor­teu­re deut­li­cher, als die mili­tä­ri­sche Lage die Wert­schöp­fung antrieb. Im Dezem­ber 1943, die Ver­sor­gung an der Ost­front wur­de schwie­ri­ger, an der Hei­mat­front sank der Kalo­ri­en­wert, muss­te Schen­ker sei­nen „Lei­ter der Fleisch-Abtei­lung […] wegen gros­ser Vieh- und Fleisch­trans­por­te nach dem Reich“ ins deutsch besetz­te Däne­mark schi­cken, um „Ver­hand­lun­gen“ mit den „Fir­men Bacen Udvalg“ in Kopen­ha­gen und in Svens­borg mit „C Clau­sen“ anzu­bah­nen. Von gleich zu gleich führ­te Schen­ker die­se Ver­hand­lun­gen auf kei­nen Fall: Die däni­sche Wirt­schaft stand seit August 1943 unter dem Kom­man­do von SS-Bri­ga­de­füh­rer Wer­ner Best, das gesell­schaft­li­che Leben in Däne­mark unter deut­scher Mili­tär­ge­richts­bar­keit, däni­sche Zah­lungs­mit­tel ver­lo­ren an Wert.

„Geschäftsstelle Warschau“

Im „Gene­ral­gou­ver­ne­ment“ erüb­rig­ten sich Ver­hand­lun­gen jeder Art, da Schen­ker mit nack­ter Gewalt auf das pol­ni­sche Eigen­tum durch­grei­fen konn­te. Ver­han­delt wur­de nur noch zwi­schen den Besat­zungs­in­stan­zen über die bevor­zug­te Zutei­lung des Raub­guts. Es eil­te. Im Janu­ar 1944 notier­te Schen­ker: „Wir haben schnells­tens dafür zu sor­gen, daß Vieh aus dem Gene­ral­gou­ver­ne­ment und den angren­zen­den Gebie­ten nach Deutsch­land gebracht wird. Herr M. ist als Trans­port­be­glei­ter vor­ge­se­hen und muß die Trans­por­te nach Deutsch­land brin­gen, um dann schnells­tens wie­der zurück­zu­rei­sen zur Emp­fang­nah­me wei­te­rer Sen­dun­gen […]. Rei­se­an­tritt: Sofort. Rei­se­dau­er: 3 Mona­te.“ Eben­falls 3 Mona­te setz­te Schen­ker für die Plün­de­rung pol­ni­schen Getrei­des an und schick­te „Herrn Lean­der Maes“ nach Kras­ne im „Gene­ral­gou­ver­ne­ment“, eben­falls im Janu­ar 1944. Die Eile, die Schen­ker & Co. an den Tag leg­ten, hat­te einen trif­ti­gen Grund: Die sowje­ti­schen Arme­en rück­ten näher. „Infol­ge der Kriegs­er­eig­nis­se müs­sen wir bewähr­tes Per­so­nal zur Abfer­ti­gung von Vieh­trans­por­ten aus den gefähr­de­ten Gebie­ten sofort ein­set­zen“, heißt es in den Schen­ker-Doku­men­ten am 12. Janu­ar 1944 über die anti­pol­ni­schen Groß­rau­bak­tio­nen. Der Abtrieb pol­ni­scher Vieh­be­stän­de ins „Reich“ habe „mehr­ma­lig“ zu erfol­gen.

Nachkriegsvorsorge

Am 19. Janu­ar, weni­ge Tage spä­ter, kün­dig­te Schen­ker an, zusätz­li­che Schreib­kräf­te für die Regis­tra­tur der in War­schau lagern­den Men­gen deut­schen Raub­guts wür­den benö­tigt: „Unse­re Zweig­nie­der­las­sung War­schau braucht infol­ge des grö­ße­ren Anfal­les von Trans­port­auf­trä­gen drin­gend wei­te­re per­fek­te Ste­no­ty­pis­tin­nen“, offen­bar für Waren­lis­ten der War­schau­er „Geschäfts­stel­le“ vor Ver­la­dung in die Reichs­bahn-Wag­gons Rich­tung Ber­lin. Im War­schau­er Unter­grund, der über die logis­ti­schen Akti­vi­tä­ten der deut­schen Besat­zer gut infor­miert war, ver­brei­te­te sich das Gerücht, womög­lich ste­he der Zusam­men­bruch der deut­schen Ost­front unmit­tel­bar bevor. Die­se Hoff­nung war ver­früht, aber bestärk­te die Ent­schlos­sen­heit des pol­ni­schen Wider­stands.

Aktien in Prag

Bevor das deut­sche „Ver­ei­ni­gungs­werk“ für die „Neu­ord­nung Euro­pas“ nicht nur in Polen zu Ende ging, betei­lig­te sich Schen­ker über­all im „Groß­raum“ als Bei­hel­fer und Täter, um die Plün­de­run­gen zu voll­enden und das frem­de Wirt­schafts­gut für die Nach­kriegs­zeit zu sichern. Am 11. Janu­ar 1944 setz­te die Schenker-„Zentralleitung“ „[u]nser Gefolg­schafts­mit­glied Frau Hele­ne Rex“ von Ber­lin nach Prag in Marsch – „Rei­se­grund: Wegen Sicher­stel­lung der Unter­brin­gung unse­rer Akti­en­ur­kun­den […]. Rei­se­dau­er: 14 Tage (wie­der­holt) (Kurier)“. Die Kurier­tä­tig­keit unter­stütz­te der Geschäfts­füh­rer von Schen­ker, „Herr Dr. Fritz Rap­mund“ ab 18. Janu­ar und reis­te eben­falls nach Prag: „Ihm obliegt die Erle­di­gung der Ver­wal­tungs- und Finanz­ge­le­gen­hei­ten des Gesamt­un­ter­neh­mens“, heißt es über die tech­ni­schen Vor­be­rei­tun­gen auf einen even­tu­el­len Zusam­men­bruch der deut­schen Groß­raub­wirt­schaft in der Tsche­cho­slo­wa­kei. „Es sind bei unse­rem Schwes­ter­un­ter­neh­men in Prag ver­schie­de­ne Fra­gen auf­ge­kom­men, die einer Klä­rung an Ort und Stel­le bedür­fen.“ Die Rück­füh­rung der „Akti­en­ur­kun­den“ nach Ber­lin soll­te einen Wert­an­spruch bele­gen kön­nen, der sich auf die von Schen­ker ange­eig­ne­ten Sub- oder Schwes­ter­un­ter­neh­men und deren Kapi­ta­li­en bezog – Beu­te aus dem Natio­nal­ver­mö­gen der okku­pier­ten Nati­on, deren Opfer und Lei­den Schen­ker in Anteil­schei­nen ver­flüch­ti­gen woll­te.

Tonnenweise Silber

Auch im besetz­ten Jugo­sla­wi­en, beim „Gene­ral­be­voll­mäch­tig­ten für die Wirt­schaft“ Franz Neu­hau­sen, dem Vor­kriegs­re­prä­sen­tan­ten der Deut­schen Reichs­bahn und Gene­ral­kon­sul des Aus­wär­ti­gen Amtes, herrsch­te Anfang 1944 Auf­bruch­stim­mung. Im Osten rück­ten die sowje­ti­schen Hee­res­ver­bän­de vor, im Wes­ten kämpf­ten die Alli­ier­ten Ita­li­en frei; wesent­li­che Tei­le der jugo­sla­wi­schen Gegen­küs­te waren in den Hän­den der Bünd­nis­part­ner von Mar­schall Titos Par­ti­sa­nen­ar­mee. Neu­hau­sen, ein bekannt kor­rup­ter Wirt­schafts­be­trü­ger aus der Vor­kriegs­zeit, raff­te sein in Bel­grad gehor­te­tes Pri­vat­ver­mö­gen zusam­men und küm­mer­te sich par­al­lel um die Reichs­bahn-Inter­es­sen, somit auch um Schen­ker & Co. Schen­ker stell­te die Logis­tik bereit, um die von Neu­hau­sen aus­ge­plün­der­ten jugo­sla­wi­schen Kup­fer­er­ze und Edel­me­tal­le per Lkw und Bahn nach Deutsch­land zu schaf­fen – dar­un­ter ton­nen­wei­se Sil­ber.

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(C) Train of Com­me­mo­ra­ti­on. Reg. Civil Org. All rights reser­ved 2021. Zug der Erin­ne­rung e.V.

Zwei­ter Teil:

Raublo­gis­tik in Süd­ost­eu­ro­pa * Blu­ti­ges Gold * Die Preu­ßi­sche Staats­mün­ze – eine Fäl­scher­werk­statt * „Per­so­nel­le Durch­käm­mung“ * Beu­te in der Ukrai­ne * Zen­tral­ar­beits­la­ger * Plün­dern in Thes­sa­lo­ni­ki*

[1] Vgl. The Schen­ker Papers. Zug der Erinnerung/​Train of Com­me­mo­ra­ti­on, 2015. ger­man-

for​eign​-poli​cy​.com 08.05.2016.

[2], [3], [4] Her­bert Matis, Die­ter Stie­fel: Gren­zen­los. Die Geschich­te der inter­na­tio­na­len Spe­di­ti­on Schen­ker 1931 bis 1990. Wien 2002. Unli­mi­ted. The Histo­ry of the Inter­na­tio­nal For­war­ding Com­pa­ny Schen­ker 1931 to 1990. Vien­na 2002.

[5] Soweit nicht anders ange­ge­ben, sind die Zita­te dem Akten­be­stand „Akten betr. Aus­künf­te usw. über die Fir­ma Schen­ker & Co. GmbH. Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung. Zen­tral­lei­tung“ im Archiv des Zug der Erin­ne­rung e.V. ent­nom­men. Her­vor­he­bun­gen im Ori­gi­nal.

[6] Als Vor­sit­zen­der der Aus­fuhr­ge­mein­schaft fun­gier­te Wil­helm Zan­gen, Gene­ral­di­rek­tor der Man­nes­mann Röh­ren­wer­ke (Düs­sel­dorf), ein NS-„Wehrwirtschaftsführer“. Sein Stell­ver­tre­ter Hans Elt­ze arbei­te­te im Ver­bund mit ande­ren bekann­ten Rüs­tungs­händ­lern, seit­dem er sei­ne Wirt­schafts­kar­rie­re nach 1918 bei Rhein­me­tall begon­nen hat­te. Für Rhein­me­tall war Elt­ze in der Schweiz tätig, wo er die Waf­fen­fa­brik Solo­thurn grün­de­te und die klan­des­ti­ne deut­sche Wie­der­auf­rüs­tung bereits vor 1933 anschob. Elt­ze trat 1933 der NSDAP bei und arbei­te­te mit dem vor­be­straf­ten Waf­fen­händ­ler Wal­de­mar Pabst zusam­men, dem ver­ant­wort­li­chen Offi­zier für die Ermor­dung von Rosa Luxem­burg und Karl Lieb­knecht. Elt­zes Kar­rie­re führ­te anschlie­ßend nach Öster­reich, wo er Gene­ral­di­rek­tor des Waf­fen­fa­bri­kan­ten Steyr wur­de, und sie­del­te von dort erst nach Spa­ni­en, dann nach Por­tu­gal über, wo er die Geschäf­te des „AGEKA“-Kartells abwi­ckel­te.

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