[KgK:] #ZeroCovid und die Frage nach offenen Grenzen

Zero­Co­vid erhitzt die Gemü­ter und löst – end­lich mal wie­der – eine kon­tro­ver­se Debat­te aus, die nicht nur inner­halb der Lin­ken geführt wird. Eine gute Gele­gen­heit um die Spreu vom Wei­zen zu tren­nen. Die Initia­ti­ve für einen Wirt­schafts­lock­down ern­tet sowohl Zustim­mung als auch Kri­tik. Einer der wich­tigs­ten Kri­tik­punk­te ist die Fra­ge der Gren­zen.

Aber gera­de die Kritiker:innen von Zero­Co­vid, wie Alex­an­der Demi­ro­vic, Tho­mas Sie­bert und Mario Neu­mann, sind gleich­zei­tig Unterstützer:innen einer rot-rot-grü­nen Regie­rung. Sie behaup­ten dass Zero­Co­vid nur mit Grenz­schlie­ßun­gen mög­lich wäre. Das gera­de sie das Argu­ment der offe­nen Gren­zen gegen Zero­Co­vid ins Feld füh­ren, ist pure Heu­che­lei – unter­stüt­zen sie doch eine Regie­rung, die tag­täg­lich für Abschie­bun­gen ver­ant­wort­lich ist. Auch Sah­ra Wagen­knecht argu­men­tiert gegen einen Wirt­schaft­lock­down. Dabei war sie es die sich 2015 gegen das “lin­ke Man­tra” der offe­nen Gren­zen aus­sprach.

Das Argu­ment ist zudem schein­hei­lig, wenn die Gren­zen im Sin­ne des Pro­fits wei­ter­hin offen blei­ben, wäh­rend die Geflüch­te­ten in Lagern an den EU-Außen­gren­zen unter kata­stro­pha­len Bedin­gun­gen sit­zen blei­ben – etwa in Bos­ni­en. Bei nächt­li­chen Minus­gra­den müs­sen sie in Zel­ten aus­har­ren – so zählt die von der Pan­de­mie aus­ge­hen­de Gefahr zu den klei­ne­ren Übeln in ihrem All­tag. Von offe­nen Gren­zen pro­fi­tie­ren ledig­lich der Waren­ver­kehr und die Pro­duk­ti­ons­ket­ten.

Natür­lich befür­wor­ten wir auch wäh­rend der Pan­de­mie die Auf­nah­me von Geflüch­te­ten. Aber wir sind dage­gen die Gren­zen im Sin­ne des Pro­fits wei­ter­hin offen zu hal­ten. Man­che Lin­ke schei­nen sich eine Gren­ze wie eine Schran­ke vor­zu­stel­len, die man nach Belie­ben öff­nen oder schlie­ßen kann: Ent­we­der alle dür­fen pas­sie­ren, oder nichts und nie­mand. Dem ist aber nicht so. Offen­bar macht es einen gewal­ti­gen Unter­schied wer und zu wel­chem Zweck die Gren­ze über­tre­ten möch­te.

Wäh­rend Geflüch­te­te an den EU-Außen­gren­zen bei sibi­ri­scher Käl­te aus­har­ren müs­sen, blei­ben die Gren­zen für den frei­en Waren­ver­kehr geöff­net. So kam es wäh­rend der ers­ten Coro­na-Wel­le zu einer skur­ri­len Situa­ti­on: In der Stadt Waren in Meck­len­burg-Vor­pom­mern demons­trier­te die AfD für offe­ne Gren­zen – kein Witz! Anlass war eine Kund­ge­bung der Hotel- und Gaststättenbesitzer:innen, die durch die die zurück­ge­gan­ge­nen Besu­cher­zah­len Umsatz­ein­bu­ßen hin­neh­men muss­ten, seit die Lan­des­re­gie­rung in Schwe­rin die Gren­zen für Tourist:innen schloss.

So zeigt sich, war­um aus­ge­rech­net die Unterstützer:innen einer rot-rot-grü­nen Regie­rung mit dem Ruf nach offe­nen Gren­zen sich gegen Zero Covid und die For­de­rung nach einem Wirt­schafts­lock­down stel­len. Sie berei­ten sich dar­auf vor mit lin­ken Phra­sen, im Sin­ne der Kapitalist:innen, Ver­ant­wor­tung für eine bür­ger­li­che Regie­rung zu über­neh­men. In Wahr­heit plä­die­ren sie damit nur für die Auf­recht­erhal­tung des frei­en Waren­ver­kehrs „zum Schutz der Wirt­schaft“, also zum Schutz der Pro­fi­te der Kapitalist:innen. Ihre Argu­men­te gegen Zero Covid sind nichts als Ver­rat an lin­ken Idea­len, die sie nur umso stär­ker in die Höhe hal­ten, um sich selbst nicht die Blö­ße zu geben.

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