[labournet:] Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD): Verraten und verkauft – an die Pharmaindustrie

Dossier

Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD)“Die »Unab­hän­gi­ge Pati­en­ten­be­ra­tung Deutsch­land« (UPD), eine auf dem Papier »gemein­nüt­zi­ge« Anlauf­stel­le bei Kon­flik­ten mit Kran­ken­kas­sen, Kli­ni­ken und Ärz­ten, hat klamm­heim­lich den Besit­zer gewech­selt und steht künf­tig unter Kon­trol­le des Phar­ma­dienst­leis­ters Care­for­ce. Eigen­tü­mer war bis­her die San­var­tis GmbH in Duis­burg, ein Toch­ter­un­ter­neh­men der Ven­dus-Grup­pe. Die San­var­tis und mit ihr die UPD sind in den zurück­lie­gen­den Wochen im Zuge eines obsku­ren Ver­kaufs­pro­zes­ses in Care­for­ce-Regie über­führt wor­den. Die Ver­mu­tung liegt nahe, dass mit dem Ver­wirr­spiel ver­hin­dert wer­den soll­te, dass die Trans­ak­ti­on durch eine öffent­li­che Dis­kus­si­on gestört wird. Einst als rei­nes Non-Pro­fit-Pro­jekt gestar­tet, befand sich die UPD von 2006 bis 2015 in Trä­ger­schaft durch den Sozi­al­ver­band VdK, die Ver­brau­cher­zen­tra­le Bun­des­ver­band sowie den Ver­bund unab­hän­gi­ge Pati­en­ten­be­ra­tung (VuP). Der kos­ten­lo­se Bera­tungs­dienst für hil­fe­su­chen­de Pati­en­ten und Ver­si­cher­te geschieht in gesetz­li­chem Auf­trag, ist Teil der Regel­ver­sor­gung und wird jähr­lich aus Mit­teln der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) geför­dert. 2016 wur­de die UPD nach euro­pa­wei­ter Aus­schrei­bung als ver­meint­lich eigen­stän­di­ge Toch­ter an die San­var­tis GmbH über­tra­gen. Das sorg­te damals für hef­ti­ge Kri­tik, weil das Unter­neh­men sein Geld vor allem mit Call­cen­tern für die Kran­ken­kas­sen ver­dient. Der neu­es­te Deal birgt noch mehr Bri­sanz: Care­for­ce arbei­tet Arz­nei­mit­tel­her­stel­lern als Per­so­nal- und Ver­triebs­dienst­leis­ter zu, damit die­se ihre Pro­duk­te bes­ser ver­mark­tet bekom­men. Hin­ter dem Unter­neh­men steht der Pri­va­te-Equi­ty-Fonds Fin­dos Inves­tor, der mit dem Geld deut­scher Mit­tel­ständ­ler auf Ren­di­te­jagd geht. Wie soll die UPD unter die­sen Bedin­gun­gen neu­tral und unab­hän­gig Pati­en­ten bera­ten – etwa in Fäl­len, in denen Opfer fal­scher Medi­ka­men­ten­ver­ab­rei­chung Hil­fe suchen? Offen­bar schert man sich beim GKV-Spit­zen­ver­band nicht um der­lei Fra­gen…” Exklu­siv-Bericht von Ralf Wurz­ba­cher bei der jun­gen Welt vom 29. August 2018 externer Link: “Ver­ra­ten und ver­kauft – Phar­ma­in­dus­trie greift sich gemein­nüt­zi­ge Anlauf­stel­le für Pati­en­ten. GKV-Spit­zen­ver­band sieht untä­tig zu”, sie­he auch dazu:

  • Nicht län­ger Kon­zern­an­häng­sel: Nach Ver­riss durch Bun­des­rech­nungs­hof: Uni­on und SPD den­ken über Reform der Unab­hän­gi­gen Pati­en­ten­be­ra­tung nach New
    “Wohin führt der Weg der Unab­hän­gi­gen Pati­en­ten­be­ra­tung Deutsch­land (UPD)? Inner­halb der Regie­rungs­ko­ali­ti­on wird die­ser Tage ver­stärkt dar­über dis­ku­tiert, ob und wie die in gesetz­li­chem Auf­trag täti­ge Anlauf­stel­le für in Gesund­heits­fra­gen Hil­fe­su­chen­de refor­miert wer­den soll. Nach gel­ten­dem Regel­werk müss­te der Betrieb der Ein­rich­tung im nächs­ten Jahr tur­nus­mä­ßig per Aus­schrei­bung ver­ge­ben wer­den – an einen neu­en oder den aktu­el­len Trä­ger. Weil die Qua­li­tät der UPD in den Jah­ren unter kom­mer­zi­el­ler Regie stark gelit­ten hat und sie der Phar­ma­in­dus­trie nahe­steht, steht das Modell mög­li­cher­wei­se vor dem Aus. Wäh­rend die SPD sich schon län­ger für eine Neu­auf­stel­lung aus­spricht, zeich­net sich nun auch inner­halb der Uni­on ein Umden­ken ab. (…) Ein Mit­te ver­gan­ge­ner Woche publik gewor­de­nes Rechts­gut­ach­ten im Auf­trag der Pati­en­ten­be­auf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung, Clau­dia Schmidt­ke (CDU), zeigt vier mög­li­che Vari­an­ten einer Neu­aus­rich­tung auf. Eine sieht vor, kom­mer­zi­el­le, gewinn­ori­en­tier­te oder nicht gemein­nüt­zi­ge Anbie­ter von der Aus­schrei­bung aus­zu­schlie­ßen. Der Vor­teil läge in der »prä­ven­ti­ven Immu­ni­sie­rung des Bera­tungs­an­ge­bots vor der Ein­fluss­nah­me durch Anbie­ter gesund­heits­be­zo­ge­ner Waren und Dienst­leis­tun­gen«, zitier­te das Ärz­te­blatt am 13. Janu­ar aus dem Papier. Nach dem »Aus­bau­mo­dell« könn­te die UPD an bestehen­de Struk­tu­ren ange­glie­dert wer­den, wie etwa das Insti­tut für Qua­li­tät und Wirt­schaft­lich­keit im Gesund­heits­we­sen (IQWiG), an die Bun­des­zen­tra­le für gesund­heit­li­che Auf­klä­rung und an die Pati­en­ten­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung. Prio­ri­siert wird indes ein Stif­tungs­mo­dell, das beson­ders dafür geeig­net sei, »inno­va­ti­ven Input durch wis­sen­schaft­li­che und zivil­ge­sell­schaft­li­che Par­ti­zi­pa­ti­ons­struk­tu­ren zu gewähr­leis­ten«. In die­se Rich­tung geht auch ein wäh­rend der digi­ta­len Klau­sur­ta­gung vom 9. Janu­ar beschlos­se­nes The­men­pa­pier der SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on. Dar­in wird für ein Aus­set­zen des Aus­schrei­bungs­ver­fah­rens und dafür plä­diert, die UPD in die Hän­de einer unab­hän­gi­gen Stif­tung in Trä­ger­schaft der maß­geb­li­chen Pati­en­ten- und Ver­brau­cher­or­ga­ni­sa­tio­nen sowie der orga­ni­sier­ten Selbst­hil­fe zu legen. Das deckt sich in Tei­len mit den Emp­feh­lun­gen der Grü­nen-Frak­ti­on, die dazu einen Antrag ins Par­la­ment ein­ge­bracht hat. Eine Stif­tung ­genie­ße »hohes Ver­trau­en und ermög­licht eine unab­hän­gi­ge Trä­ger­struk­tur und Pla­nungs­si­cher­heit«, äußer­te sich deren gesund­heits­po­li­ti­sche Spre­che­rin, Maria Klein-Schmeink, am Mon­tag gegen­über jW. Denk­bar sei eine För­de­rung aus dem Gesund­heits­fonds, ergänzt um eine Betei­li­gung der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung, wobei die Ver­wen­dung der Mit­tel durch das Bun­des­amt für Sozia­le Siche­rung (BAS) kon­trol­liert wer­den sol­le….” Arti­kel von Ralf Wurz­ba­cher in der jun­gen Welt vom 19. Janu­ar 2021 externer Link
  • Unab­hän­gi­ge Pati­en­ten­be­ra­tung: Wie unab­hän­gig ist sie wirk­lich? 
    Die Unab­hän­gi­ge Pati­en­ten­be­ra­tung UPD soll Pati­en­ten neu­tral und kom­pe­tent bera­ten, wenn die­se Dif­fe­ren­zen mit ihrem Arzt oder der Kran­ken­kas­se haben. 2016 wur­de die Unab­hän­gi­ge Pati­en­ten­be­ra­tung an ein pri­va­tes Unter­neh­men ver­ge­ben. Des­sen Nähe zu den Krank­len­kas­sen soll die Unab­hän­gig­keit und Neu­tra­li­tät beein­flus­sen. Die Ver­wen­dung der För­der­mit­tel sei undurch­sich­tig und neue Eigen­tü­mer wer­fen wei­te­re Fra­gen auf. (…) Ver­blüf­fend: Seit der Neu­ver­ga­be wur­den die finan­zi­el­len Mit­tel deut­lich auf­ge­stockt, die Qua­li­tät aber scheint abge­nom­men zu haben. Das legt ein Schrei­ben des wis­sen­schaft­li­chen Bei­rats an den Pati­en­ten­be­auf­trag­ten nahe, das “Plus­mi­nus” vor­liegt. Die Mit­glie­der mah­nen Män­gel an, die “… so gra­vie­rend sind, dass umge­hend gehan­delt wer­den soll­te.” Pau­schal­aus­sa­gen im Inter­net, die Pati­en­ten “in die Irre füh­ren” wür­den. Man sei der Mei­nung, dass “die Qua­li­tät der Infor­ma­tio­nen nach mehr als 2,5 Jah­ren man­gel­haft” sei. Ein ver­nich­ten­des Urteil! Über neun Mil­lio­nen Euro flie­ßen pro Jahr an die UPD, bezahlt von den Kran­ken­kas­sen, mit Gel­dern der Ver­si­cher­ten. Und Insi­der ver­mu­ten: Ein viel zu gro­ßer Teil davon lan­det beim Pri­vat­un­ter­neh­men San­var­tis…” Text und Video des Bei­trags der plus­mi­nuns-Sen­dung der ARD vom 14.11.18 externer Link
  • Unab­hän­gi­ge Bera­tungs­stel­le: Pati­en­ten in die Irre geführt? 
    “Die unab­hän­gi­ge Pati­en­ten­be­ra­tung soll­te der Anwalt der Pati­en­ten sein. Doch sie wird ihrer Auf­ga­be immer weni­ger gerecht. Womög­lich, weil sie in der Hand eines pri­va­ten Phar­ma­ver­trieb­lers ist. Es ist ein Brand­brief, den der Pati­en­ten­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung die­se Woche auf den Tisch bekam. “Umge­hend” müs­se gehan­delt wer­den, es gehe um “gra­vie­ren­de Män­gel”. Von sach­lich fal­schen Gesund­heits­in­for­ma­tio­nen ist die Rede. Pati­en­ten wer­den auf der Home­page über den Nut­zen von Behand­lun­gen “in die Irre geführt”. Weder sprach­lich noch inhalt­lich ent­spre­che die Home­page den Anfor­de­run­gen an gute medi­zi­ni­sche Infor­ma­tio­nen. Und auch mit der Qua­li­tät der Bera­tungs­ge­sprä­che sind die Ver­fas­ser nicht zufrie­den. Sechs Pro­fes­so­ren und Dok­to­ren aus dem Gesund­heits­be­reich haben den Brief unter­zeich­net. Das Bri­san­te: Sie sind die wis­sen­schaft­li­chen Mit­glie­der des Bei­rats der Unab­hän­gi­gen Pati­en­ten­be­ra­tung Deutsch­land (UPD). Immer wie­der hät­ten sie ver­sucht, auf die UPD ein­zu­wir­ken. Ver­geb­lich. “Des­we­gen sehen wir hier kei­ne Mög­lich­keit mehr, mit viel Ver­ständ­nis und Geduld zu reagie­ren”, schrei­ben sie in dem Brief, der der ARD und der “Süd­deut­schen Zei­tung” exklu­siv vor­liegt. (…) “Man fragt sich, ob es hier mit rech­ten Din­gen zugeht”, beklagt die Grü­nen-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Maria Klein-Schmeinck, die durch ihre par­la­men­ta­ri­sche Anfra­ge das Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um über­haupt erst auf den Trä­ger­wech­sel auf­merk­sam gemacht hat­te. Sie befürch­tet, dass die UPD vor allem eine Ver­dienst­mög­lich­keit für einen Hedge­fonds sein könn­te. Zumal aus Unter­la­gen, die ARD und “SZ” exklu­siv vor­lie­gen, her­vor­geht, dass Auf­trä­ge der gemein­nüt­zi­gen UPD an vier Fir­men aus dem Mut­ter­kon­zern gin­gen – in Grö­ßen­ord­nun­gen über 1,7 Mio. Euro im Jahr. Bri­sant dabei: Die­se Fir­men waren für die nun vom Bei­rat bean­stan­de­ten Home­page-Inhal­te ver­ant­wort­lich. Eine Ver­dienst­mög­lich­keit zu Las­ten der Pati­en­ten? “Selbst wir als Poli­ti­ker, die wir die Bei­trags­gel­der der Ver­si­cher­ten ger­ne über­prü­fen wol­len, dür­fen nicht in die Ver­trä­ge und Bilan­zen ein­se­hen”, beklagt Klein-Schmeinck…” Bei­trag von Tama­ra Antho­ny vom 27. Sep­tem­ber 2018 bei Tages­schau online externer Link
  • Sie­he die Home­page von Unab­hän­gi­ge Pati­en­ten­be­ra­tung Deutsch­land externer Link und die­se auf Twit­ter: https://​twit​ter​.com/​U​P​D​_​B​e​r​a​t​ung externer Link

Der Bei­trag Unab­hän­gi­ge Pati­en­ten­be­ra­tung Deutsch­land (UPD): Ver­ra­ten und ver­kauft – an die Phar­ma­in­dus­trie erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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