[KgK:] Telegram, Signal und Co. sind auch unsicher: So kannst du für wirklichen Schutz kämpfen

Whats­App hat bekannt gege­ben, dass sie Daten in Zukunft mit ihrem Mut­ter­kon­zern Face­book tei­len wer­den. Das hat für einen gro­ßen Auf­schrei unter den Nutzer:innen gesorgt und Vie­le haben die App deinstal­liert. Ver­ständ­lich, wenn man sich bewusst ist, was alles geteilt wird: die Tele­fon­num­mer, ob Nach­rich­ten gele­sen wur­den, wie lan­ge Nutzer:innen am Han­dy sind, IP-Adres­se und Stand­ort, Zah­lun­gen via Whats­App Pay, Bank­da­ten, Adres­se, sogar wann wel­che Pro­duk­te gekauft wur­den.

Das liest sich natür­lich sehr unschön, ist aller­dings gar nicht so unge­wöhn­lich. Ama­zons Ale­xa hört dau­er­haft Mikros ab und ver­kauft sogar unter dem Deck­man­tel „Smart-Home“ Über­wa­chungs­ge­rä­te, bei denen sich Geheim­diens­te die Fin­ger lecken. Neu ist nicht das Sam­meln der Daten, son­dern die Wei­ter­ga­be von Whats­App an Face­book. Net­flix, Goog­le, Ama­zon und Co. sam­meln schon seit sie erkannt haben, dass man mit Nut­zungs­da­ten geziel­te­re Wer­bung schal­ten und damit Pro­fi­te maxi­mie­ren kann. Bei­spiels­wei­se sind Goog­le Maps und Goog­le Noti­zen im Ver­gleich schon heu­te enger ver­bun­den als Whats­App mit Face­book.

Am Ende ste­hen Nutzer:innen vor tau­sen­den Sei­ten AGB vol­ler Non­sens, unzäh­li­gen Mei­nun­gen von Expert:innen für Daten­schutz und IT und Gerüch­ten, die man von Freund:innen gehört hat. Vie­le ent­schei­den sich des­halb für alter­na­ti­ve Mes­sen­ger-Diens­te wie Tele­gram, Signal, Three­ma oder Wickr. Doch auch die­se haben ihre Schwach­stel­len. Teil­wei­se sind sie Open Source, d.h. ihr Pro­gramm-Code ist öffent­lich zugäng­lich, teil­wei­se aber auch nicht. Dabei wird zusätz­lich die Fra­ge aus­ge­klam­mert auf wel­chem Ser­ver sie betrie­ben wer­den und wer die­sen kon­trol­liert.

Im Zwei­fels­fall kön­nen Regie­run­gen die­se Ser­ver ein­fach abschal­ten und die Mes­sen­ger-Vari­an­te ist weg. So ist es unter ande­rem der kri­ti­schen Nach­rich­ten­sei­te linksunten.indymedia ergan­gen, die vom Ver­fas­sungs­schutz abge­schal­tet wur­de. Selbst Alter­na­ti­ven wie TOR haben tat­säch­lich das Pro­blem, dass die NSA tau­sen­de Ser­ver selbst schal­tet und damit die Tech­no­lo­gie aus­he­belt. Eini­ge gro­ße Sei­ten im Darknet sind die­sen Sze­na­rio zum Opfer gefal­len.

Auch dezen­tra­le Netz­wer­ke mit tau­sen­den Ser­vern, wie Bit­Tor­rent (das ist das Pro­to­koll hin­ter Platt­for­men wie Pira­te Bay) funk­tio­nie­ren nicht wirk­lich gut. Einer­seits, weil Inter­net Pro­vi­der immer wie­der die zen­tra­len Such­ma­schi­nen blo­ckie­ren und die wenigs­ten Nut­zer die Netz­werk­ein­stel­lun­gen ihrer Gerä­te so anpas­sen kön­nen, dass das umgan­gen wird. Ande­rer­seits, weil auch hier Poli­zei oder Geheim­diens­te ein­fach eige­ne Ser­ver auf­bau­en kön­nen.

Daten­si­cher­heit ist also eine mehr oder weni­ger gro­ße Illu­si­on, solan­ge die Ser­ver, die Codes und die Platt­for­men von Zucker­berg, Bezos und Gates kon­trol­liert wer­den- Auch Alter­na­ti­ven rei­chen nicht aus. Doch nicht nur die Nutzer:innen sind mit den Diens­ten unzu­frie­den, auch Arbeiter:innen rich­ten sich gegen die IT-Gigan­ten. Bei Goog­le wur­de nach jah­re­lan­ger ver­steck­ter Vor­be­rei­tung zum ers­ten Mal eine Gewerk­schaft gegrün­det. Auch bei Ama­zon gibt es immer wie­der Streiks. Die Nutzer:innen und die Programmierer:innen müs­sen sich gemein­sam gegen schlech­te Arbeits­be­din­gun­gen und die Nut­zung der Daten für Pro­fit­in­ter­es­sen rich­ten, denn sie haben das glei­che Inter­es­se. Vor allem haben die Arbeiter:innen die Mög­lich­keit zu strei­ken und kon­kret auch sol­che For­de­run­gen zu stel­len.

Goog­le, Face­book und Co. müs­sen ihre Geschäfts­bü­cher offen­le­gen. Unab­hän­gi­ge Komi­tees aus Nutzer:innen, Expert:innen und Arbeiter:innen müs­sen die­se unab­hän­gig prü­fen und die Ver­ant­wort­li­chen zur Rechen­schaft zie­hen. Genau­so dür­fen die Ser­ver und ISPs nicht län­ger unter der Kon­trol­le der Herr­schen­den ste­hen, son­dern müs­sen demo­kra­tisch unter Kon­trol­le der Arbeiter:innen ver­wal­tet wer­den. Lasst uns mit sol­chen For­de­run­gen auch für eine Gesell­schaft kämp­fen, in der ein para­no­i­des Maß an Sicher­heit nicht not­wen­dig ist.

Wir wer­den uns nicht auf irgend­wel­che ver­meint­li­chen Alter­na­ti­ven zurück­zie­hen, son­dern wei­ter über­all aktiv blei­ben. Folgt uns auf Tele­gram, wenn ihr täg­li­che Nach­rich­ten der revo­lu­tio­nä­ren Lin­ken mit ein biss­chen mehr Sicher­heit haben wollt, als bei Insta­gram und Co.

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