[KgK:] Wirtschaften für Profite trotz Toten: Wen vertritt IG-Metall-Chef Hofmann?

Das Gespenst des Wirt­schafts­lock­downs scheint alle bür­ger­li­chen, libe­ra­len und kon­ser­va­ti­ven Kräf­te zu ver­ei­ni­gen, um vor den Gefah­ren für die “Wirt­schaft” zu dro­hen, soll­ten die nicht-essen­ti­el­len Betrie­be geschlos­sen wer­den, wie es unter ande­rem die Zero­Co­vid Initia­ti­ve for­dert.

Nun sind es bei Wei­tem nicht nur die­se Kräf­te, die die Stim­me der Großunternehmer:innen sind, die gegen den Auf­ruf Stim­mung machen. Auch im Lager derer, die auf der Sei­te der Arbeiter:innen ste­hen soll­ten, kommt Gegen­wind.

Eines der wich­tigs­ten Gesich­ter hier ist Jörg Hoff­mann, ers­ter Vor­sit­zen­der der IG-Metall, die sich ger­ne damit brüs­tet, die größ­te Gewerk­schaft der Welt zu sein.

In einem Inter­view mit der Augs­bur­ger All­ge­mei­nen legt der Baden-Würt­tem­ber­ger die Linie sei­ner Gewerk­schaft in der aktu­el­len Situa­ti­on dar.

Auf die Fra­ge, wie gefähr­lich denn ein har­ter Lock­down für Elek­tro- und Metall­in­dus­trie sei, ant­wor­tet Hoff­mann, dass “die Wirt­schafts­kraft zusam­men­bre­chen wür­de”. Da man Autos ja nicht im Home­of­fice her­stel­len könn­te, müs­se die indus­tri­el­le Pro­duk­ti­on, soweit es geht, fort­ge­setzt wer­den. Hier­bei soll­te laut ihm ins­be­son­de­re die Durch­set­zung der Hygie­ne­maß­nah­men der Regie­run­gen im Mit­tel­punkt ste­hen.

Vie­le der getä­tig­ten Aus­sa­gen sind ein Schlag ins Gesicht für die Mil­lio­nen Beschäf­tig­ten, die gera­de mit der Pan­de­mie zu kämp­fen haben. Was soll denn getan wer­den, wenn der Betrieb die Maß­nah­men nicht durch­setzt? Das scheint Hoff­mann nicht zu inter­es­sie­ren.

Was Hoff­mann nicht sagt: Die kata­stro­pha­len Aus­wir­kun­gen für die Wirt­schaft sind schon zu sehen, und zwar nicht in den Geschäfts­bü­chern der Kon­zer­ne, die laut sei­nen eige­nen Aus­sa­gen “im gro­ßen Kri­sen-Jahr 2020 rund zwölf Mil­li­ar­den Euro an Divi­den­den an die Aktio­nä­re aus­ge­schüt­tet” haben, son­dern in der Ver­ar­mung der Mas­sen: Laut pari­tä­ti­schem Wohl­stands­ver­band sind 13,2 Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land von Armut bedroht, die höchs­te Quo­te seit 1990.

Viel­mehr legt er den Fokus auf die Finan­zie­rung des Sozi­al­staats, für die die Wirt­schaft wei­ter­lau­fen müs­se. Doch wem dient denn die­ser Sozi­al­staat, wenn Mil­lio­nen ver­armt sind? Offen­sicht­lich nicht eben die­sen Mil­lio­nen. Hoff­man spricht nur für einen win­zi­gen Sek­tor der Beschäf­tig­ten, nicht ein­mal für die kom­plet­te Bran­che, die er zu ver­tre­ten vor­gibt. Nein, hier sol­len näm­lich laut Anga­ben sei­ner eige­nen Gewerk­schaft 300.000 Arbeits­plät­ze abge­baut wer­den, vie­le von die­sen gesche­he unter dem “Deck­man­tel Coro­na”.

Was also tun in Anbe­tracht die­ser Situa­ti­on? Hoff­mann gibt sich ver­bal sehr radi­kal gegen den Tur­bo­ka­pi­ta­lis­ten Ste­fan Wolf, Prä­si­dent des Arbeit­ge­ber­ver­ban­des Gesamt­me­tall. Die­ser Kapitalist:innenzusammenschluss will in der aktu­el­len Tarif­aus­ein­an­der­set­zung eine Null­run­de, also kei­ne Gehalts­er­hö­hung für die Beschäf­tig­ten.

Der Gewerk­schaf­ter stellt fest, dass wir mit Appel­len nicht wei­ter­kom­men wür­den und droht: „Wer die Kri­se jetzt zum Abbau von Arbeit­neh­mer­rech­ten miss­brau­chen will, der wird sich an uns die Zäh­ne aus­bei­ßen.”.

Aber bis dato, fast ein Jahr nach dem Beginn der Pan­de­mie, haben die Groß­kon­zer­ne neben ihren Rekord­di­vi­den­den noch ihr gesam­tes Gebiss behal­ten dür­fen. Hoff­manns Dro­hun­gen wer­den nur Schall und Rauch blei­ben, wenn die Tarif­run­de nicht genutzt wer­den wird, um ordent­lich Druck zu machen und ech­te Ver­bes­se­run­gen für die Beschäf­tig­ten zu erkämp­fen. Die vier Pro­zent Lohn­er­hö­hung und eine Arbeits­zeit­ver­kür­zung mit Lohn­ein­bu­ßen kön­nen das aber nicht sein.

Wenn Hoff­mann tat­säch­lich Ver­bes­se­run­gen für sei­ne Basis will, müs­sen die For­de­run­gen wei­ter­ge­hen. Wir zäh­len bereits über 50.000 Covid-Tote, Lohn­ein­bu­ßen durch Kurz­ar­beit und Ent­las­sun­gen. Dazu kommt die Andro­hung über eine Erhö­hung des Ren­ten­al­ters. Die For­de­rung nach einem Wirt­schafts­lock­down, und dass die Rei­chen für des­sen Kos­ten zah­len sol­len, ist daher berech­tigt und über­fäl­lig. Die Reak­ti­on der Bürokrat:innen wie Hoff­mann, die einen maro­den und inexis­ten­ten sozia­len Frie­den auf­recht­erhal­ten wol­len, der von der ande­ren Sei­te längst auf­ge­ho­ben wur­de, müs­sen der Ver­gan­gen­heit ange­hö­ren.

Hoff­manns Reak­ti­on zeigt schließ­lich, dass wir nicht war­ten kön­nen, dass der Wirt­schafts­lock­down von allei­ne kommt: wir müs­sen in den Betrie­ben und Gewerk­schaf­ten die Durch­set­zung erkämp­fen, mit Hoff­mann und Co. an der Spit­ze – oder eben ohne sie. Nur ein wahr­haf­ti­ger Mas­sen­streik wird ver­hin­dern kön­nen, dass sich Zehn­tau­sen­de wei­te­re am Arbeits­platz anste­cken, wäh­rend ande­re auf der Stra­ße lan­den.

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