[LCM:] Widerstand gegen das Internationale Komplott – Der Lange Marsch für Abdullah Öcalan beginnt

Jedes Jahr seit nun­mehr über zwei Jahr­zehn­ten kom­men in Deutsch­land kur­di­sche und inter­na­tio­na­lis­ti­sche Aktivist:innen im Febru­ar zu einem „Lan­gen Marsch“ zusam­men. Gewid­met ist die Akti­on dem PKK-Mit­grün­der Abdul­lah Öca­lan. Das Datum erin­nert an die Fest­nah­me des pro­mi­nen­ten Vor­den­kers des Demo­kra­ti­schen Kon­fö­de­ra­lis­mus, denn im Febru­ar 1999 wur­de die­ser auf die tür­ki­sche Gefäng­nis­in­sel Imra­li ver­bracht, wo er bis heu­te in nur sel­ten unter­bro­che­ner völ­li­ger Iso­la­ti­on gefan­gen gehal­ten wird.

Vor­an­ge­gan­gen war die­ser Ver­schlep­pung eine lan­ge Odys­see Öcalans, der durch tür­ki­schen Druck aus sei­nem Exil in Syri­en ver­trie­ben wor­den war. Öca­lan begab sich auf die Suche nach einem Ort, an dem er poli­ti­sches Asyl bekom­men und die Kur­den­fra­ge auf die Tages­ord­nung der inter­na­tio­na­len Poli­tik set­zen konn­te. Russ­land, Grie­chen­land, Ita­li­en wur­den Sta­tio­nen die­ser Rei­se, doch wo immer sich eine Ver­schnauf­pau­se abzeich­ne­te, inter­ve­nier­te die US-Regie­rung, die ihrem tür­ki­schen Part­ner den gesuch­ten Staats­feind in die Arme trei­ben woll­te. Öca­lan ende­te schluss­end­lich in der grie­chi­schen Bot­schaft in Nai­ro­bi, nach­dem deutsch-ita­lie­ni­sche Initia­ti­ven für einen Pro­zess vor einem inter­na­tio­na­len Gericht abge­würgt wor­den waren.

Dort lan­de­te am 14. Febru­ar 1999 ein Flug­zeug mit malay­si­schem Hoheits­zei­chen, in dem sich ein Kom­man­do des tür­ki­schen Geheim­diens­tes MIT befand. Öca­lan wur­de in die Maschi­ne ver­schleppt und via Tel Aviv nach Istan­bul geflo­gen. Die kur­di­sche Bewe­gung geht von einer Mit­tä­ter­schaft von CIA und Mos­sad aus und spricht des­halb bis heu­te von einem „inter­na­tio­na­len Kom­plott“, das nicht nur gegen Öca­lan gerich­tet gewe­sen sei, son­dern gegen die gesam­te Unab­hän­gig­keits­be­we­gung.

In der Tat erhoff­te man sich nicht nur in der Tür­kei, son­dern auch in den USA und Deutsch­land, das bei der Kri­mi­na­li­sie­rung der PKK stets eine Vor­rei­ter­rol­le ein­ge­nom­men hat­te, einen raschen Zer­fall der Arbei­ter­par­tei Kur­di­stans. Doch es kam anders.

Neu­es inter­na­tio­na­les Kom­plott

Abdul­lah Öca­lan nahm Debat­ten der 1990er-Jah­re inner­halb der PKK wie­der auf und nutz­te die Zeit in Gefan­gen­schaft zur Über­ar­bei­tung von Stra­te­gie und Tak­tik der Orga­ni­sa­ti­on. Es kam zu einem Para­dig­men­wech­sel und die Ori­en­tie­rung auf die in ers­ter Linie mili­tä­ri­sche Befrei­ung eines sodann zu einem sozia­lis­ti­schen Natio­nal­staat umzu­bau­en­den kur­di­schen Ter­ri­to­ri­ums trat hin­ter den Auf­bau­pro­zess eines grenz­über­schrei­ten­den Geflechts poli­ti­scher, zivil­ge­sell­schaft­li­cher, kul­tu­rel­ler und wirt­schaft­li­cher Insti­tu­tio­nen zurück. Die Gue­ril­la wur­de zur Ver­tei­di­gungs­kraft die­ses Auf­baus.

Das glo­bal bekann­tes­te, kei­nes­wegs aber ein­zi­ge Resul­tat die­ser Neu­ori­en­tie­rung trägt den Namen Roja­va, West­kur­di­stan, oder eigent­lich kor­rek­ter: Demo­kra­ti­sche Föde­ra­ti­on Nord- und Ost­sy­ri­en, und ist seit lan­gem kei­ne rein kur­di­sche Ange­le­gen­heit mehr. Viel­mehr gelang es, in einem Teil des durch den impe­ria­lis­ti­schen Krieg und die isla­mis­ti­sche Reak­ti­on ver­wüs­te­ten Syri­ens ein Gebiet des demo­kra­ti­schen Auf­baus zu errich­ten, in dem sich unter­schied­li­che Gemein­schaf­ten auf Basis von Räten selbst orga­ni­sie­ren.

Doch der unver­söhn­li­che Hass der Tür­kei und der impe­ria­lis­ti­schen Haupt­mäch­te blieb. Die Stra­te­gien zur Zer­schla­gung mögen sich unter­schei­den, doch USA, Russ­land, Deutsch­land und die Erdo­gan-Dik­ta­tur tei­len ein Ziel: Das Expe­ri­ment in Roja­va muss been­det, die PKK zer­stört wer­den. Die Tür­kei ver­folgt die­ses Ziel durch rein repres­si­ve Mit­tel: Mas­sen­ver­haf­tun­gen, Inva­si­on und Besat­zung, Ermor­dung und Ver­trei­bung von Kämpfer:innen und Zivilist:innen, För­de­rung des Dschi­ha­dis­mus von IS bis „Freie Syri­sche Armee“. Russ­land lässt Erdo­gan gewäh­ren und erhofft sich die Zuspit­zung von Wider­sprü­chen zwi­schen Anka­ra und Washing­ton, die USA wie­der­um ver­su­chen sich in der Spal­tung und Ent­po­li­ti­sie­rung der kur­di­schen Bewe­gung. Deutsch­land lie­fert Waf­fen, nickt mili­tä­ri­sche Angrif­fe der Tür­kei ab und kri­mi­na­li­siert die gro­ße exil­kur­di­sche Com­mu­ni­ty hier­zu­lan­de.

Hun­ger­streik für Frei­heit Öcalans

Für die kur­di­sche Bewe­gung nimmt die andau­ern­de Inhaf­tie­rung Abdul­lah Öcalans eine zen­tra­le Rol­le in die­sem Kampf ein. Denn Öca­lan gilt Mil­lio­nen Kurd:innen als legi­ti­mer poli­ti­scher Reprä­sen­tant und ohne sei­ne Frei­heit bleibt auch nur der Gedan­ke an irgend­ei­ne Ver­hand­lungs­lö­sung per­spek­tiv­los. Die Tür­kei hält Öca­lan indes wie eine Gei­sel – und ihre deut­schen Ver­bün­de­ten ver­bie­ten sein Kon­ter­fei und stamp­fen sei­ne Schrif­ten ein.

Die kur­di­sche Bewe­gung begann nun, um die Situa­ti­on des gefan­ge­nen Revo­lu­tio­närs erneut zum Mit­tel­punkt poli­ti­scher Aus­ein­an­der­set­zung zu machen, die Kam­pa­gne „Die Zeit ist reif – Frei­heit für Abdul­lah Öca­lan“, die von hun­der­ten Orga­ni­sa­tio­nen und Ein­zel­per­so­nen getra­gen wird. Zeit­gleich befin­den sich poli­ti­sche Gefan­ge­ne in der Tür­kei in einem Hun­ger­streik, der eben­falls die For­de­rung nach Frei­heit Öcalans auf­greift.

Inter­na­tio­nal gibt es eine Rei­he von Betei­li­gungs­mög­lich­kei­ten: Eine Brief­kam­pa­gne an die Ver­ein­ten Natio­nen, Dau­er­kund­ge­bun­gen in Soli­da­ri­tät mit dem Hun­ger­streik und eben auch die Teil­nah­me am Lan­gen Marsch, der am 4. Febru­ar in Frank­furt beginnt und am 13. Febru­ar mit einer Groß­de­mons­tra­ti­on in Straß­burg endet. In ihrem Auf­ruf beto­nen die Organisator:innen die Chan­ce, die die­se Akti­on dar­stellt. Aktivist:innen unter­schied­li­cher Natio­nen kom­men zusam­men, um den von Roja­va aus­ge­hen­den inter­na­tio­na­lis­ti­schen Zusam­men­schluss zu ver­brei­tern. „Die Phi­lo­so­phie des Demo­kra­ti­schen Kon­fö­de­ra­lis­mus, die vom kur­di­schen Vor­den­ker Abdul­lah Öca­lan ent­wi­ckelt wur­de, lässt sich mitt­ler­wei­le nicht mehr nur in Roja­va oder den Ber­gen Kur­di­stans wie­der­fin­den, son­dern ist mitt­ler­wei­le über­all dort prä­sent, wo Men­schen sich damit aus­ein­an­der­set­zen“, heißt es im Auf­ruf zum Lan­gen Marsch.

Der Bei­trag Wider­stand gegen das Inter­na­tio­na­le Kom­plott – Der Lan­ge Marsch für Abdul­lah Öca­lan beginnt erschien zuerst auf Lower Class Maga­zi­ne.

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