[perspektive:] Kapitalverbände gehen in die Offensive – unsere Solidarität ist gefragt!

Seit Dezember laufen die ersten Tarifverhandlungen der Metall- und Elektroindustrie in den einzelnen Bundesländern. Der Kapitalverband „Gesamtmetall“ will große Angriffe auf die Rechte und Interessen der Arbeiter:innen durchsetzen. Dagegen ist unsere Solidarität gefragt. – Ein Kommentar von Stefan Pausitz

Schon jetzt gibt es die ers­ten Werks­schlie­ßun­gen. Sie fin­den nicht nur in der Metall- und Elek­tro­in­dus­trie statt, son­dern auch in ande­ren Bran­chen wie bei Durst­ex­press oder Hari­bo, doch der Angriff von Sei­ten der Kapi­tal­ver­bän­de wird auch die Arbeiter:innen in der Metall- und Elek­tro­in­dus­trie hart tref­fen. Auch hier sind rie­si­ge Mas­sen­ent­las­sun­gen und Werks­schlie­ßun­gen ange­droht.

Hier­zu wird sei­tens der Kapi­tal­ver­bän­de sogar Pro­pa­gan­da in Form von einer Inter­net­sei­te gemacht. Der Name der Inter­net­sei­te ist zusam​men​an​pa​cken​.me. Beim Besuch die­ser Inter­net­sei­te fällt direkt auf, dass Robo­ter und ande­re Maschi­nen die Zukunft der Kapi­tal­ver­bän­de sind. Ein klei­ner Robo­ter in weiß küm­mert sich um die Toma­ten­pflan­zen im Gewächs­haus oder zwei rie­si­ge Robo­ter­ar­me schwei­ßen Metall zusam­men – sodass die Fun­ken flie­gen. Das ein­zi­ge Bild, wel­cher Arbeiter:innen zeigt, sind Werk­tä­ti­ge die in einer Fabrik­hal­le zusam­men­ste­hen und nach oben gucken. Hier­bei kön­nen sich die meis­ten Arbeiter:innen schon dar­auf ein­stel­len, dass „zusam­men­an­pa­cken“ für sie gleich „zusam­men­pa­cken“ heißt.

Freche Propaganda der Industrie

Nicht nur die Bil­der auf der Web­site sind viel­sa­gend, auch mit den dazu­ge­hö­ri­gen Arti­keln zeigt der Kapi­tal­ver­band, in wel­che Rich­tung er steu­ern will: Ent­las­sung und Sen­kung des Lohn­ni­veaus. So ist in den Über­schrif­ten der Arti­kel zu lesen, dass die Arbeits­kos­ten nicht stei­gen dür­fen, die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung unklar ist und die Betrie­be belas­tet. Das endet in glas­kla­ren For­mu­lie­run­gen, wie „Es gibt nichts zu ver­tei­len“, vom Nie­der­sach­sen Metall­chef Dr. Vol­ker Schmidt, oder „Trotz Wachs­tum nichts zu ver­tei­len“, vom Gesamt­me­tall Prä­si­den­ten Dr. Ste­fan Wolf. Außer­dem wer­den die 4% Lohn­er­hö­hung der IG Metall durch­weg als „rea­li­täts­fern“ bezeich­net, und behaup­tet dass die For­de­run­gen „beim bes­ten Wil­len nicht nach­voll­zieh­bar“ sind.

Unver­hoh­len wird unter der Rubrik „Fak­ten­check“ rum posaunt, was die IG Metall sagt und, was „Fakt ist“ auf Sei­ten der Mil­li­ar­dä­re. Sie zei­gen, dass die Kapi­tal­ver­bän­de über­haupt kein Inter­es­se an den Arbeiter:innen haben. Dafür machen sie sich auch die Argu­men­ta­ti­on der Gewerk­schaft IG Metall zu eigen: IG Metall sagt: „Wir befin­den uns in der schwers­ten Kri­se der Nach­kriegs­zeit. Die Coro­na-Pan­de­mie trifft die Unter­neh­men hart. Arbeits­plät­ze sind in Gefahr.“ Zusam​men​an​pa​cken​.me sagt dazu: „Stimmt genau. Dem ist nichts mehr hin­zu­zu­fü­gen.“

Solidarität mit den Arbeiter:innen – jetzt!

Doch dabei sind es gera­de die Kapitalist:innen, die von der Arbeit der Arbeiter:innen pro­fi­tie­ren und auch in Zukunft auf sie ange­wie­sen sind, um ihre Pro­fi­te wei­ter zu stei­gern, am liebs­ten aber zu deut­lich schlech­te­ren Arbeits­be­din­gun­gen. Mit Umsät­zen in Mil­li­ar­den­hö­he und Jahr­zehn­te lan­gen Gewin­nen im Rücken gehen die Kapitalist:innen in die vol­le Offen­si­ve.

Bünd­nis­se, wie #Nicht­au­fun­se­rem­Rü­cken oder Netz­wer­ke, wie betriebs​kampf​.org, machen jetzt schon mobil um sich mit den Arbeiter:innen zu soli­da­ri­sie­ren. Sie for­dern auf in einer Akti­ons­wo­che vom 6. bis 13. Febru­ar direkt vor die betrof­fe­nen Betrie­be zu gehen und mit den Kolleg:innen ins Gespräch zu kom­men und vor den Ver­tre­tun­gen der Metall­ver­bän­de gegen deren Angrif­fe zu pro­tes­tie­ren. Außer­dem for­dern sie der Krea­ti­vi­tät frei­en Lauf zu las­sen und mit Pla­ka­ten und Kund­ge­bun­gen die Kolleg:innen zu unter­stüt­zen.

Der Bei­trag Kapi­tal­ver­bän­de gehen in die Offen­si­ve – unse­re Soli­da­ri­tät ist gefragt! erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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