[IL:] 2021: Für das Leben!

Mal schau­en was 2021 so mög­lich ist – ein Aus­blick der Aschaf­fen­bur­ger Orts­grup­pe der Inter­ven­tio­nis­ti­schen Lin­ken auf 2021.

„In der Gesell­schaft, für die wir kämp­fen, wür­den Kran­ken­häu­ser und Fabri­ken uns allen gehö­ren. Bedürf­nis­se wären der Maß­stab von Pro­duk­ti­on und Ver­tei­lung. Und ohne Kos­ten- und Pro­fit­lo­gik könn­ten wir uns auch ganz anders auf die noch kom­men­den Pan­de­mien vor­be­rei­ten. Mit genü­gend Pfle­ge­per­so­nal, aus­rei­chen­den Vor­rä­ten an Des­in­fek­ti­ons­mit­teln, Beatmungs­ge­rä­ten, etc.“

(Aus­zug aus unse­rem Auf­ruf zur Fahr­rad­de­mo am 1. Mai 2020)

FUCK 2020!

So könn­te ein Rück­blick auf das ver­gan­ge­ne Jahr kurz zusam­men­ge­fasst wer­den. Die Coro­na-Pan­de­mie hat­te und hat die Welt im Griff
Auch wir taten uns im ver­gan­ge­nen Früh­jahr schwer, mit der uns unbe­kann­ten Situa­ti­on einen Umgang zu fin­den. Ver­an­stal­tun­gen wur­den abge­sagt oder ver­scho­ben, Tref­fen vor­erst voll­stän­dig in den digi­ta­len Raum ver­legt. Doch im Lau­fe der Wochen und Mona­te zeich­ne­te sich ab, dass poli­ti­sche Pra­xis auch unter Pan­de­mie Bedin­gun­gen mög­lich ist und wir nicht zum Still­stand ver­don­nert sind. Von einer Fahr­rad­de­mo, über Kund­ge­bun­gen (wie bpsw. hier und hier) bis hin zu Work­shops fand eini­ges statt.

Mit die­sen Ein­drü­cken und der Tat­sa­che, dass uns die Fol­gen der Pan­de­mie auch wei­ter­hin ein­schrän­ken wer­den, wol­len wir euch eini­ge The­men vor­stel­len, mit denen wir uns 2021 beschäf­ti­gen wer­den und laden inter­es­sier­te Men­schen dazu ein, Teil der IL Aschaf­fen­burg zu wer­den. Wir haben viel vor und freu­en uns auf neue Mitstreiter*innen im Kampf für eine herr­schafts­freie Gesell­schaft!

WER HAT DER GIBT!

Ein lesens­wer­ter ND-Arti­kel dia­gnos­ti­zier­te, dass für lin­ke Sozi­al­pro­tes­te noch Luft nach oben sei und liegt damit völ­lig rich­tig. Die links­ra­di­ka­le als Gan­zes hat es 2020 nicht geschafft, einen ange­mes­se­nen Umgang mit den auto­ri­tä­ren staat­li­chen Pan­de­mie-Maß­nah­men und ihren lang­fris­ti­gen Aus­wir­kun­gen zu ent­wi­ckeln. Das kann nicht so blei­ben. Wir ste­hen auch wei­ter vor der Her­aus­for­de­rung, auf die Fra­ge, wer für die durch die Pan­de­mie ent­stan­de­nen Kos­ten zahlt, eine pas­sen­de Ant­wort zu lie­fern. Denn allein für 2020 rech­nen Bund und Län­der mit Aus­ga­ben von 1,3 Bil­lio­nen Euro.

Wir sagen: die Kos­ten nicht auf unse­rem Rücken – die Pro­fi­teu­re der Kri­se sol­len zah­len! Des­halb wer­den wir uns 2021 an den Mobi­li­sie­run­gen des Bünd­nis­ses „Wer hat der gibt“ betei­li­gen und mög­lichst auch loka­le Akzen­te set­zen. Mehr Infos dazu hier: https://​wer​hat​der​gibt​.org/

DEUTSCHE WOHNEN & CO ENTEIGNEN!

Die Ber­li­ner Initia­ti­ve „Deut­sche Woh­nen & Co ent­eig­nen“ will durch einen Volks­ent­scheid etwa 240.000 Woh­nun­gen von Immo­bi­li­en­kon­zer­nen ver­ge­sell­schaf­ten. Ziel ist es, Immo­bi­li­en­lob­by und Inves­to­ren einen ordent­li­chen Strich durch ihre Rech­nung zu machen und ihnen kräf­tig in die Sup­pe zu schei­ßen. Immo­bi­li­en­spe­ku­la­ti­on und explo­die­ren­den Mie­ten soll effek­tiv und nach­hal­tig der Kampf ange­sagt wer­den.

Die Kam­pa­gne hat nicht nur das Poten­ti­al spür­ba­re Ver­bes­se­run­gen für hun­der­tau­sen­de Mieter*innen zu errei­chen, son­dern Signal­wir­kung weit über Ber­lin hin­aus zu ent­fal­ten und den bun­des­wei­ten Kämp­fen gegen Mie­ten­wahn­sinn und Immo­bi­li­en­spe­ku­la­ti­on Auf­schwung zu ver­lei­hen. Des­halb unter­stüt­zen wir unse­re Ber­li­ner Genoss*innen, indem wir einen Aus­flug nach Ber­lin machen um uns vor Ort an der Unter­schrif­ten­sam­mel­ak­ti­on zu betei­li­gen.

Mehr dazu hier https://​www​.dwent​eig​nen​.de/

MAKE FEMINISM A THREAT AGAIN!

Welt­weit erle­ben wir in den letz­ten Jah­ren ein Auf­be­geh­ren von Frau­en und FLINTA Per­so­nen, die für Eman­zi­pa­ti­on und Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit auf die Stra­ße gehen. Dass Femi­nis­mus wirkt, zeig­te jüngst eine star­ke Bewe­gung in Argen­ti­ni­en: die Regie­rung beug­te sich im Dezem­ber 2020 dem jah­re­lan­gen Druck der Stra­ße. Die Bewe­gung konn­te das Recht auf Abtrei­bung durch­set­zen und lega­li­sie­ren. Ande­rer­seits lässt sich im Zuge der Coro­na-Pan­de­mie Sexis­mus und struk­tu­rel­le Ungleich­heit wie unter einem Brenn­glas doku­men­tie­ren. Wäh­rend des lock­downs waren vie­le Frau­en häus­li­cher Gewalt aus­ge­setzt, was sich ange­sichts des Weg­fal­lens von Schutz­räu­men ver­schärft. Zudem sind es haupt­säch­lich Frau­en, wel­che die zusätz­li­che Betreu­ungs- und Care­ar­beit über­neh­men.

Auch wenn in Aschaf­fen­burg (noch) kei­ne expli­zit femi­nis­ti­schen Pra­xen und Grup­pen exis­tie­ren, zei­gen sich ers­te zag­haf­te Ansät­ze. Nach­dem 2020 eine Grup­pe von Frau­en, zusam­men­ge­setzt aus meh­re­ren Initia­ti­ven und Ein­zel­per­so­nen, eine Ver­an­stal­tungs­rei­he mit­ein­an­der abstimm­te, soll 2021 dar­an ange­knüpft wer­den. Der „Femi­nis­ti­scher März“ orga­ni­siert und koor­di­niert auch in die­sem Jahr wie­der gemein­sam Ver­an­stal­tun­gen, die unter­schied­li­che femi­nis­ti­sche The­men auf­grei­fen. Unter vie­len Ange­bo­ten ist auch eine femi­nis­ti­sche Demons­tra­ti­on in Pla­nung. Frau­en aus unse­rer Grup­pe sind Teil des Pro­zes­ses und wir als Orts­grup­pe wer­den die­sen nach unse­ren Mög­lich­kei­ten unter­stüt­zen.

ASCHAFFENBURG VON UNTEN

Ende 2019 hat­ten wir bereits ange­kün­digt, dass wir für 2020 an einem stadt­po­li­ti­schen Orga­ni­sie­rungs­vor­schlag arbei­ten. Es geht dabei, ange­lehnt an kom­mu­na­lis­ti­sche Ideen, um die Gestal­tungs­macht der Vie­len in radi­kal­de­mo­kra­ti­schen Ver­samm­lun­gen mit dem Ziel, die Stadt „von unten“ zu gestal­ten. Wir haben die Pha­se des ers­ten Lock­downs im Früh­jahr unter ande­rem genutzt, die­se Dis­kus­si­on zu ver­tie­fen und deren Ergeb­nis zu Papier zu brin­gen.

Über die Som­mer­mo­na­te stell­ten wir die ent­stan­de­ne Idee eini­gen Freund*innen und Genossi*nnen vor und im Okto­ber kam es zu einem ers­ten Tref­fen in grö­ße­rer Run­de. Ein zwei­tes digi­ta­les Tref­fen im Dezem­ber gab dem Pro­jekt wei­te­re Kon­tu­ren und wir hof­fen, dass wir im Früh­som­mer 2021 das Pro­jekt öffent­lich vor­stel­len und ers­te wei­te­re Ver­samm­lun­gen durch­füh­ren kön­nen.

NAZIS, AFD & WAHLK(R)AMPF

Im Sep­tem­ber steht die nächs­te Bun­des­tags­wahl bevor und wie­der stellt sich aus anti­fa­schis­ti­scher Per­spek­ti­ve die Fra­ge: wie kon­kret umge­hen mit dem Wahl­kampf von AfD&Co?
Nach dem bun­des­wei­ten Ein­bruch in den Umfra­gen und mas­si­ven inter­nen Strei­tig­kei­ten, steht nicht nur die Bun­des­par­tei unter Druck. Auch die regio­na­le AfD steht mit mise­ra­bler poli­ti­scher Bilanz da.
Da half auch erfolg­lo­ses Anbie­dern an die Schwur­bel- und Quer­den­ker­frak­ti­on nichts. Auch wenn dort eine ganz eige­ne, gefähr­li­che und anti­se­mi­ti­sche Bewe­gung ent­stan­den ist.
Die Ver­stri­ckun­gen von Staat und Nazis, ras­sis­ti­sche und men­schen­ver­ach­ten­de Grenz­po­li­tik und der gene­rell fort­schrei­ten­de Rechts­ruck wer­den auch eine Rol­le im Wahl­kampf spie­len. Des­halb wol­len wir uns auch 2021 an regio­na­len und loka­len Anti­fa-Aktio­nen betei­li­gen. Dabei sehen wir eini­ge offe­ne stra­te­gi­sche und ana­ly­ti­sche Fra­gen, die wir für eine erfolg­rei­che Pra­xis klä­ren wol­len.

BILDUNG & INFORMATION

Auch im neu­en Jahr wol­len wir wie­der Theo­rie- und pra­xis­ori­en­tier­te Bil­dungs­an­ge­bo­te orga­ni­sie­ren.
Sobald es die Pan­de­mie­be­din­gun­gen zulas­sen, wer­den wir unse­ren ver­scho­be­nen Vor­trag mit Raul Zelik nach­ho­len. Dar­über­hin­aus ist ein Vor­trag mit Niels Boe­ing zur „frei­en Stadt der Zukunft“ sowie ein wei­te­res INTRO-Semi­nar in Pla­nung. Mit Sicher­heit wird es noch wei­te­re Ver­an­stal­tung geben. Für Anre­gun­gen und Ideen sind wir offen!

Companer@s, die Zapa­tis­tas kom­men!

Am 1. Janu­ar 1994 besetz­ten tau­sen­de Indi­ge­ne unter der Losung „Ya Bas­ta!“ (Es reicht!) sie­ben Städ­te im süd­me­xi­ka­ni­schen Bun­des­staat Chia­pas. Zwei Wochen lang kämpf­ten die Zapa­tis­tas – die sich nach dem Revo­lu­tio­när Emi­lia­no Zapa­ta benann­ten – bewaff­net gegen die Regie­rung. Ziel der Zapa­tis­tas ist eine basis­de­mo­kra­ti­sche Gesell­schafts­ord­nung, die sie seit nun mehr als 26 Jah­ren in meh­re­ren selbst­ver­wal­te­ten Bezir­ken auf­bau­en. Die welt­wei­ten Reak­tio­nen auf die­se Bewe­gung waren damals enorm und inspi­rie­ren bis heu­te Tei­le der (radi­ka­len) Lin­ken. Auch wir hat­ten in den letz­ten Jah­ren mehr­fach Ver­an­stal­tun­gen zum The­ma gemacht und Soli­da­ri­täts-Kaf­fee unter die Leu­te gebracht.
Im Dezem­ber wur­de bekannt gege­ben, dass eine Dele­ga­ti­on der EZLN Euro­pa durch­que­ren wird und den Aus­tausch mit sozia­len Bewe­gun­gen „von unten“ sucht. Ein euro­päi­sches Soli­da­ri­täts­netz­werk orga­ni­siert und koor­di­niert die­se Rei­se.
In einer Erklä­rung vom ers­ten Janu­ar wand­ten sich Soli­da­ri­täts­struk­tu­ren und die EZLN erneut an die Öffent­lich­keit und gaben wei­te­re Infor­ma­tio­nen bekannt.
Wei­te­re Infos zum Kampf der Zapa­tis­tas gibt es beim Ya Bas­ta Netz­werk, in der Zeit­schrift Tier­ra y Libertad oder im Doku­men­tar­film „Auf­stand der Wür­de“.

Als Inter­ven­tio­nis­ti­sche Lin­ke unter­stüt­zen wir die Dele­ga­ti­ons­rei­se und freu­en uns auf eine Zusam­men­kunft!

INTERVENIEREN!

2021 hat gera­de erst begon­nen und klar ist: auch im neu­en Jahr wer­den die Her­aus­for­de­run­gen nicht klei­ner und es gibt an vie­len Stel­len vie­les zu tun. Doch wenn in 2020 etwas offen­sicht­lich wur­de, dann dass die kapi­ta­lis­ti­schen Ver­hält­nis­se nicht nur zutiefst unge­recht, son­dern auch ver­än­der­bar sind.

Unse­re ers­te Akti­on 2021: Gebt die Paten­te Frei! Pro­test vor der Bio­n­Tech-Zen­tra­le in Mainz am 23.01.2021

Sich auf­tu­en­de Inter­ven­ti­ons­mög­lich­kei­ten gilt es des­halb wahr­zu­neh­men, ohne dabei aus den Augen zu ver­lie­ren, dass die poli­ti­schen und sozia­len Rah­men­be­din­gun­gen als gan­zes nicht nur ver­än­dert, son­dern radi­kal auf­ge­ho­ben wer­den müs­sen.

Machen wir uns also mit den Vie­len von unten auf den Weg und packen es gemein­sam an.

Inter­ven­tio­nis­ti­sche Lin­ke Aschaf­fen­burg, Janu­ar 2021

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