[perspektive:] Hinweise auf einen neuen Crash an den Börsen

Die Börsenkurse sowohl in Deutschland als auch in den USA sind am Mittwoch auf ein Rekordhoch geklettert. Die Partystimmung an den Finanzmärkten könnte jedoch trügerisch sein, denn zuvor war es zu heftigen Schwankungen gekommen.

Die Mel­dung sagt eini­ges über die Rea­li­tät des moder­nen Kapi­ta­lis­mus aus. Am Diens­tag mel­de­ten Medi­en, Elon Musk sei nun nicht mehr der reichs­te Mensch der Welt. Grund: Ein sin­ken­der Kurs der Tes­la-Aktie und der Digi­tal­wäh­rung Bit­coin, in die Musk stark inves­tiert hat­te.

Auf die umge­kehr­te Wei­se war Musk vor knapp zwei Mona­ten zum reichs­ten Men­schen der Welt vor Ama­zon-Grün­der Jeff Bezos gewor­den. Damals hat­te die Tes­la-Aktie inner­halb weni­ger Tage einen enor­men Sprung nach oben gemacht.

So schwan­kend wie die Bör­sen­kur­se sich ver­hal­ten, ver­hält sich eben auch die genaue Grö­ße des enor­men Reich­tums gro­ßer Kapitalist:innen. Das ändert selbst­ver­ständ­lich nichts dar­an, dass Musk einer der reichs­ten Unter­neh­mer der Welt ist.

Im Ange­sicht der steil nach oben zei­gen­den Kurs­kur­ven meh­ren sich die Stim­men von Expert:innen, die von einer Über­be­wer­tung an den Bör­sen – land­läu­fig bekannt als Bla­se – aus­ge­hen. In der Regel ist hier­mit gemeint, dass sich die Bör­sen­kur­se von der rea­len Wirt­schaft immer stär­ker ent­kop­peln, zum Bei­spiel in dem die Kur­se durch Wet­ten auf Kurs­stei­ge­run­gen anstei­gen, statt durch höhe­re Gewinn­erwar­tun­gen.

So haben sich etwa die Kur­se an der US-ame­ri­ka­ni­schen Tech­no­lo­gie­bör­se NASDAQ seit 2019 etwa ver­dop­pelt. Die Gewin­ne der dort gehan­del­ten Unter­neh­men Ama­zon, Apple, Micro­soft, Alpha­bet und Tes­la jedoch sind durch­schnitt­lich nur um zehn Pro­zent gestie­gen.

Die­se Ent­kopp­lung ist pro­ble­ma­tisch, soll­ten sich nach der Theo­rie kapi­ta­lis­ti­scher Wirtschaftsforscher:innen Akti­en­kur­se doch eigent­lich ent­spre­chend der Gewinn­erwar­tun­gen ent­wi­ckeln. Wenn dies auf Dau­er nicht gelingt, droht eine gewalt­sa­me und sprung­haf­te Anpas­sung der Kur­se in Form eines Bör­sen­crashs.

Dies jedoch ist offen­bar nur noch bedingt der Fall. Schuld sind die finanz­po­li­tisch von den gro­ßen Indus­trie­na­tio­nen fest­ge­leg­ten Nied­rig­zin­sen. Sind ande­re ver­spre­chen ande­re Inves­ti­ti­ons­mög­lich­kei­ten wie Kre­di­te oder Staats­an­lei­hen nur nied­ri­ge Zin­sen, so treibt dies auto­ma­tisch den Kurs der Akti­en in die Höhe.

Denn eine Aktie ist eine Form des fik­ti­ven Kapi­tals, sie ist ein Schein, durch den die Besitzer:in Anspruch auf einen Teil des zukünf­ti­gen Unter­neh­mens­ge­winns erlangt. Sind die Zin­sen nied­rig, so ist auf dem Kre­dit­markt eine enor­me Kapi­tal­sum­me not­wen­dig, um den glei­chen Gewinn zu erlan­gen, wie man ihn durch eine Divi­den­de als Aktionär:in erhält.

Unter ande­rem des­we­gen fürch­ten Aktienhändler:innen, die Zin­sen könn­ten wie­der ange­ho­ben wer­den. Mög­li­cher­wei­se war es auch des­we­gen zu Wochen­an­fang zu hef­ti­gen Kurs­schwan­kun­gen an den Bör­sen gekom­men. Erst die Ver­si­che­rung von US-Noten­bank­chef Jero­me Powell am Diens­tag, man wol­le an der bis­he­ri­gen Geld­po­li­tik fest­hal­ten, beru­hig­te die Bör­se und die Kur­se erreich­ten ein­gangs erwähn­te Rekord­hochs.

Bezo­gen auf Deutsch­land hof­fen Expert:innen, dass die Unter­neh­men in die Erwar­tun­gen „hin­ein wach­sen“. Kon­kret wür­de das bedeu­ten, dass die 30 DAX-Kon­zer­ne ihre im Kri­sen­jahr 2020 erwirt­schaf­te­ten Gewin­ne von 40 Mil­li­ar­den Euro auf 80 Mil­li­ar­den ver­dop­peln.

Ob dies so gelingt, darf aber bezwei­felt wer­den. Das Han­dels­blatt ver­weißt auf meh­re­re güns­ti­ge Fak­to­ren, die ent­spre­chen­den Pro­gno­sen zu Grun­de lie­gen. Näm­lich ein schnel­les Ende der Pan­de­mie, eine star­ke Erho­lung des Welt­han­dels mit Wachs­tum von 4 Pro­zent in den USA und 8 Pro­zent in Chi­na, sowie dass kei­ne neu­en Han­dels­hemm­nis­se in Form von Schutz­zöl­len geschaf­fen wer­den.

Der Bei­trag Hin­wei­se auf einen neu­en Crash an den Bör­sen erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

Read More