[perspektive:] Deutschlands einflussreichster Ökonom schlägt vor, Konzernen zehnmal so viel Geld pro Impfdosis zu zahlen

Deutschland befindet sich im Impf-Desaster. Clemens Fuest, Deutschlands einflussreichster Ökonom, schlägt vor, dass Hersteller bis zu zehnmal soviel Geld pro Impfdosis bekommen sollten. Mit diesen „Anreizen“ sollten sie die Produktion hochfahren. Seine ideologische Verblendung kann das Offensichtliche scheinbar nicht sehen: der „Markt“ ist nicht in der Lage, diese Probleme zu lösen. – Ein Kommentar von Tim Losowski.

Die inter­na­tio­na­len Unter­schie­de zwi­schen Län­dern in der Impf­kam­pa­gne sind enorm: Wäh­rend Isra­el bereits 84,8 Imp­fun­gen pro 100 Einwohner:innen durch­ge­führt hat, liegt die Zahl im Ver­ei­ni­gen König­reich bei 27,8, in den USA bei 19,6 und in Deutsch­land bei nur 6,3. Dut­zen­de Län­der auf der Welt haben noch gar kei­nen Impf­stoff erhal­ten.

Das ARD-Maga­zin Kon­tras­te hat sich nun damit beschäf­tigt, war­um es in Deutsch­land mit dem Imp­fen so lang­sam vor­an geht – und was mög­li­che Vor­schlä­ge zur Lösung sein könn­ten.

Pro­mi­nent kommt dabei Cle­mens Fuest, Prä­si­dent des Mün­che­ner ifo-Wirt­schafts­in­sti­tuts, zur Spra­che. Er gilt laut dem aktu­el­len F.A.Z.-Öko­no­men-Ran­king als Deutsch­lands ein­fluss­reichs­ter Öko­nom. Man könn­te also mei­nen, dass er all­sei­tig und umfas­send wirt­schaft­lich denkt.

Zehnmal so viel pro Dosis

Sein Vor­schlag, um der Impf­kam­pa­gne in Deutsch­land Auf­trieb zu geben, ver­schlägt einem jedoch fast die Spra­che: Zum einen sol­le der Staat „Unter­neh­men ver­si­chern gegen die Risi­ken, die mit Kapa­zi­täts­aus­wei­tun­gen ver­bun­den sind.“

Des wei­te­ren for­dert er einen Bonus für die Her­stel­ler: „Es wäre rich­tig, Prä­mi­en zu zah­len für zusätz­li­che beschleu­nig­te Lie­fe­run­gen von Imp­fun­gen. Das müss­te eine Prä­mie sein, die erst sehr hoch ist und dann im Zeit­ver­lauf fällt.“

Sein eige­nes Insti­tut schätzt, dass der Vor­teil jeder ein­zel­nen zusätz­li­chen Imp­fung, die frü­her gelie­fert wird, bei 1.500 Euro liegt, der an volks­wirt­schaft­li­chem Scha­den nicht durch Lock­down und ande­re Maß­nah­men ent­stün­de: „Die Kos­ten pro Imp­fung lie­gen irgend­wo bei vier bis 18 Euro“. Ange­sichts sol­cher Zah­len kön­ne der Staat tat­säch­lich das Zehn­fa­che oder mehr pro Dosis zah­len.

Die ein­zi­gen Vor­schlä­ge, die Fuest ein­fal­len, sind also, dass der Staat den Unter­neh­men noch mehr Geld hin­ter­her wer­fen soll – aber alle Risi­ken allein schul­tern soll.

Die Ideologie des Herrn Fuest

Deutsch­lands füh­rends­ter Öko­nom Herr Fuest scheint nicht „in der Lage“ zu sein, auf die nahe­lie­gen­de Idee zu kom­men, dass der Staat sel­ber mit dem Auf­bau von Impf­ka­pa­zi­tä­ten bereits vor einem Jahr hät­te begin­nen kön­nen und/​oder das – in Deutsch­land mit Steu­er­gel­dern ent­wi­ckel­te – Serum von Bio­N­Tech hät­te beschlag­nah­men kön­nen, um es an meh­re­re Impf­her­stel­ler zu ver­tei­len.

„Ent­eig­nung“ ist ein Wort, das dem „Öko­no­men“ nicht über die Lip­pen kommt, selbst wenn es sich noch so groß vor ihm auf­baut.

Es ist Fuests kapi­ta­lis­ti­sche Ideo­lo­gie, in wel­cher sol­che Gedan­ken abwe­gig sind. Und es sind natür­lich die Inter­es­sen sei­ner Klas­se von Mil­lio­nä­ren und Mil­li­ar­dä­ren, denen sol­che „ein­fluss­rei­che Öko­no­men“ die­nen.

Durch­set­zen konn­te sich Fuest mit sei­nen Vor­schlä­gen in Ber­lin übri­gens nicht. „Zu schwie­rig, das bringt nichts“, sei die Reak­ti­on gewe­sen. Er beklag­te sich im Kon­tras­te-Inter­view über die „Brä­sig­keit“ der zustän­di­gen Minis­te­ri­en, über die man­geln­de Bereit­schaft, neue Wege zu gehen.

Es fragt sich, wer ist schlim­mer: die kapi­ta­lis­ti­schen Impf-Unter­neh­men, die nur auf ihren Pro­fit schau­en, die Öko­no­men, die vor­schla­gen, die­sen Unter­neh­men zehn­mal soviel Geld hin­ter­her zu wer­fen? Oder die Politiker:innen, die dem Desas­ter ein­fach ihren Lauf las­sen?

Der Bei­trag Deutsch­lands ein­fluss­reichs­ter Öko­nom schlägt vor, Kon­zer­nen zehn­mal so viel Geld pro Impf­do­sis zu zah­len erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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