[Freiheitsliebe:] Mosambik: Hunderte Menschen getötet – alle Konfliktparteien begehen Kriegsverbrechen

In Mosam­bik wüten seit Jah­ren schwe­re Kämp­fe, die eska­lier­ten als die Miliz al-Shaba­ab im Okto­ber 2017 die nörd­li­che Hafen­stadt Mocím­boa da Pra­ia angrif­fen. 1.700 Men­schen sind bereits gestor­ben, 530.000 wur­den ver­trie­ben. Im Fol­gen­den ver­öf­fent­li­chen wir ein Pres­se­state­ment der Men­schen­rechts-NGO Amnes­ty Inter­na­tio­nal zu ihrem ges­tern erschie­ne­nen Bericht zum The­ma.

BERLIN, 01.03.2021 – Der Bericht „What I Saw Is Death: War Cri­mes in Mozambique’s For­got­ten Cape“ doku­men­tiert gra­vie­ren­de Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen im Zuge des inter­nen bewaff­ne­ten Kon­flikts in der Pro­vinz Cabo Del­ga­do im Nor­den Mosam­biks. Für den Bericht hat Amnes­ty Inter­na­tio­nal mit 79 Bin­nen­ver­trie­be­nen aus 15 Gemein­den gespro­chen.

„In Cabo Del­ga­do sind Tod und Zer­stö­rung all­ge­gen­wär­tig. Die Bevöl­ke­rung ist gefan­gen zwi­schen den mosam­bi­ka­ni­schen Sicher­heits­kräf­ten, dem pri­va­ten Mili­tär­un­ter­neh­men DAG und der bewaff­ne­ten Grup­pie­rung al-Shaba­ab. Alle drei Akteu­re bege­hen Kriegs­ver­bre­chen und sind für die Tötun­gen von hun­der­ten Men­schen ver­ant­wort­lich“, so Ulrich Feh­ling, Mosam­bik-Exper­te bei Amnes­ty Inter­na­tio­nal in Deutsch­land.

Ange­hö­ri­ge der mosam­bi­ka­ni­schen Grup­pe al-Shaba­ab töte­ten bei meh­re­ren Angrif­fen gezielt Zivil­per­so­nen, brann­ten Dör­fer und Städ­te nie­der und ver­üb­ten Gräu­el­ta­ten. Sie ent­haup­te­ten zahl­rei­che Men­schen mit Mache­ten und schän­de­ten Lei­chen.

Ende März 2020 fiel al-Shaba­ab in die Stadt Quissan­ga ein und ent­führ­te im Zuge des Angriffs meh­re­re Jugend­li­che. Vie­le ver­trie­be­ne Mäd­chen und jun­gen Frau­en flo­hen aus Angst vor Ent­füh­rung, Ver­ge­wal­ti­gung oder Zwangs­hei­rat vor den al-Shaba­ab-Kämp­fern.

Bei der Ver­fol­gung von mut­maß­li­chen Unter­stüt­zen­den der al-Shaba­ab führ­ten Ange­hö­ri­ge der mosam­bi­ka­ni­schen Armee und Poli­zei eben­falls außer­ge­richt­li­che Hin­rich­tun­gen durch, fol­ter­ten oder miss­han­del­ten Zivil­per­so­nen und ver­stüm­mel­ten Lei­chen.

Mosam­bi­ka­ni­sche Sicher­heits­kräf­te nah­men meh­re­re Män­ner fest, leg­ten ihnen Augen­bin­den an und erschos­sen sie, ehe sie ihre Lei­chen in ein Mas­sen­grab war­fen. Frau­en wur­den zu einem Mili­tär­stütz­punkt gebracht und von Sicher­heits­kräf­ten ver­ge­wal­tigt.

Nach­dem die Sicher­heits­kräf­te der Regie­rung eini­ge Nie­der­la­gen gegen al-Shaba­ab erlit­ten hat­ten, beauf­trag­te die Regie­rung Mosam­biks das pri­va­te süd­afri­ka­ni­sche Mili­tär­un­ter­neh­men Dyck Advi­so­ry Group (DAG). Die Söld­ner­trup­pe soll­te die Regie­rungs­kräf­te mit ihren bewaff­ne­ten Heli­ko­ptern unter­stüt­zen.

Ange­hö­ri­ge der DAG feu­er­ten mit Maschi­nen­ge­weh­ren aus Heli­ko­ptern und war­fen wahl­los Hand­gra­na­ten in Men­schen­men­gen. Sie beschos­sen wie­der­holt die öffent­li­che Infra­struk­tur, dar­un­ter Kran­ken­häu­ser, Schu­len oder Wohn­häu­ser.

„Die inter­na­tio­na­le Gemein­schaft hat es ver­säumt, die­se Kri­se recht­zei­tig zu erken­nen und zu reagie­ren. Die mosam­bi­ka­ni­sche Regie­rung scheint nicht wil­lens zu sein, ihre Bevöl­ke­rung zu schüt­zen. Inzwi­schen hat sich die Kri­se zu einem aus­ge­wach­se­nen inter­nen bewaff­ne­ten Kon­flikt ent­wi­ckelt. Die inter­na­tio­na­le Gemein­schaft muss nun dar­auf hin­wir­ken, dass die Angrif­fe auf die Zivil­be­völ­ke­rung umge­hend ein­ge­stellt und Ver­ant­wort­li­che zur Rechen­schaft gezo­gen wer­den“, so Feh­ling.

Hin­ter­grund

Seit einem Angriff von al-Shaba­ab im Okto­ber 2017 auf die nörd­li­che Hafen­stadt Mocím­boa da Pra­ia spit­zen sich die Kämp­fe zu. Nach Schät­zun­gen liegt die Zahl der zivi­len Todes­op­fer, die der Kon­flikt bis­her gefor­dert hat, bei über 1.300 Per­so­nen. Einer Schät­zung der Ver­ein­ten Natio­nen zufol­ge sind mehr als 530.000 Men­schen inner­halb von Cabo Del­ga­do ver­trie­ben wor­den – das ist ein Vier­tel der Gesamt­be­völ­ke­rung der Pro­vinz. Laut dem Kin­der­hilfs­werk der Ver­ein­ten Natio­nen (UNICEF) sind rund 250.000 der Ver­trie­be­nen Kin­der.

Sub­scri­be to our news­let­ter!


Unterstütze die Freiheitsliebe

1.105€ of 2.000€ rai­sed





Zah­lungs­me­tho­de aus­wäh­len

Per­sön­li­che Infor­ma­tio­nen

Mache die­se Spen­de anonym


Spen­den­sum­me:


3,00€

Über den Autor

Gastbeitrag

The post Mosam­bik: Hun­der­te Men­schen getö­tet – alle Kon­flikt­par­tei­en bege­hen Kriegs­ver­bre­chen first appeared on Die Frei­heits­lie­be. Read More