[UG-Blättle:]Auf der Jagd nach Einschaltquoten

Bild: Erik Taan­man (CC BY-SA 3.0 unpor­ted – crop­ped)

Mit Sex und Crime
und vie­len infan­ti­len Rate-Spie­len,
mit Talk-Shows ohne Witz und ohne Geist,
ohne Biss und ohne Pepp,
also mit reins­tem Medi­en-Nepp
und immer bil­li­ge­ren Zoten
buh­len alle deut­schen Sen­der
dreist
Tag und Nacht
um höhe­re Ein­schalt-Quo­ten

Die Gren­zen des guten Geschmacks
wer­den per­ma­nent über­schrit­ten,
Tabus scham­los miss­ach­tet
und bru­tal nie­der­ge­ris­sen
Auf Men­schen­wür­de, Ethik und Moral
wird in allen Medi­en
fast nur noch laut geschis­sen

Ach,
Du Land eines Les­sing, Goe­the, Schil­ler,
Hei­ne, Kleist, Her­mann Hes­se, Tuchol­sky,
eines Ste­fan Zweig, Hein­rich und Tho­mas Mann,
was tut man Dir,
ja, was tut man Dir,
nein,
was tust Du selbst Dir an?

Wenn ich mit­un­ter also zap­pe
so durch den deut­schen Medi­en­wald,
(hef­tig dabei nach Frisch­luft schnap­pe),
so ist das stets ein Hor­ror-Trip,
und es wird im Herz mir kalt,
bit­ter­kalt
Ob nun ZDF oder ARD,
auch bei ihnen tut‚s mir oft schon weh,
denn auch dort wird ja fast nur noch
geblö­delt, gemor­det, gehurt und geschän­det
und wenn‚s dann bei SAT 1
im Mor­gen­grau­en endet,
geht‚s bei den andern pri­va­ten Pira­ten
hei­ter noch wei­ter
auf der Non­sens-Kri­mi- und Por­n­o­lei­ter,
gedopt durch Action pur
rund um die Uhr

Ja,
ange­sichts die­ser doch
sehr bedroh­li­chen Lage
stell ich mir mit jedem Tage
immer wie­der auch die Fra­ge:
Wer sind in die­sem Spiel der Quo­ten
eigent­lich die Idio­ten,
sind‚s die Macher,
sind‚s die Lacher,
sind‚s die Akteu­re,
sind‚s die Voy­eu­re?

Sie sehen, mei­ne Damen und Her­ren,
dass die­se Fra­gen
mitt­ler­wei­le zu zen­tra­len The­men
unse­res Lebens gewor­den sind,
zumal sich in unse­rer Gesell­schaft
gegen­wär­tig eine gera­de­zu gigan­ti­sche
(ich wie­der­ho­le) eine gigan­ti­sche
Wesens-Ver­hal­tens-und Bewusst­seins­ver­än­de­rung
voll­zieht: Ein bis­lang recht zivi­li­sier­tes
abend­län­di­sches Kul­tur-Volk
mutiert unauf­halt­sam
zu einem von den Medi­en gelenk­ten,
von allen guten Geis­tern ver­las­se­nen,
jeden Schwach­sinn kon­su­mie­ren­den Fern­seh-Volk
von äus­serst schlich­tem Gemü­te

Und so rufe ich an die­ser Stel­le
den Intel­lek­tu­el­len die­ses Lan­des,
den Schrift­stel­lern, Phi­lo­so­phen, den Poli­ti­kern,
den Künst­lern und allen den­ken­den Men­schen zu:
Nehmt die­sen Zustand der tota­len media­len Ver­blö­dung
nicht län­ger mehr auf die leich­te Schul­ter

War­um?
So hört also: Denn eh Ihr‚s noch zu End gedacht,
tau­melt und bau­melt
auch Ihr als Mario­net­ten an den Strip­pen die­ser Macht

Und so ver­lö­schen im Lan­de der Den­ker und der Dich­ter für immer dann des Geis­tes Lich­ter, denn von Anstand, Wür­de, von sozia­ler Ver­ant­wor­tung, von Schön­heit und Kul­tur, weit und breit kaum noch eine Spur Mein Gott, wo leb ich nur, mein Gott, wo leb ich nur?

Du Land der Dich­ter und der Den­ker,
was nur ist mit Dir gescheh‚n?
Dein Gemüt ist krank.
Dein Geist noch krän­ker
Ach, Deutsch­land,
wohin nur wirst Du geh‚n?
Deutsch­land,
ich habe Angst um Dich
und auch um mich

Postskriptum

Und so wird man denn auch
eines fer­nen Tages
auf einem Grab­stein die Inschrift fin­den:
Eine lan­ge Fern­seh-Nacht
hat Deutsch­land zunächst um den Schlaf,
dann um den Ver­stand
und schliess­lich
um‚s Leben auch gebracht

Axel Micha­el Sal­low­sky

Axel Micha­el Sal­low­sky

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