[labournet:] Jeder Tag ein Blutbad in Myanmar: Die Strukturen der Herrschaft – aber auch die der Gegenmacht – werden ausgebaut

#Workers4Myanmar am 11. Februar 2021: Weltweite gewerkschaftliche Solidaritätsaktionen mit der Demokratie-Bewegung in MyanmarJeder Tag in Myan­mar scheint nun­mehr der neu­es­te „blu­tigs­te Tag“ zu wer­den: Die Put­schis­ten-Jun­ta hat ganz offen­sicht­lich „Feu­er frei!“ gege­ben und die Men­schen ster­ben zu Dut­zen­den im Kampf für Demo­kra­tie. Zur sel­ben Zeit ver­sucht die uni­for­mier­te Mord­ban­de, poli­ti­sche Struk­tu­ren zu schaf­fen, die ihre Herr­schaft absi­chern sol­len – womit sie aber erst recht auf Wider­stand sto­ßen, da die demo­kra­ti­schen Kräf­te im Land wei­ter­hin – und ver­stärkt – ihrer­seits poli­ti­sche Struk­tu­ren orga­ni­sie­ren, die die Oppo­si­ti­on gegen den Putsch zusam­men fas­sen sol­len. Zur aktu­el­len Repres­si­on, inklu­si­ve der Fort­set­zung des all­sei­ti­gen Wider­stan­des, drei aktu­el­le Bei­trä­ge und der Hin­weis auf den bis­her letz­ten unse­rer zahl­rei­chen Berich­te zum Kampf gegen den Putsch der Mili­tär­jun­ta:

  • „Myan­mar am 04. März 2021“ bei Asi­en Aktu­ell externer Link berich­tet unter ande­rem: „… Laut UN sind 38 Men­schen ums Leben gekom­men; zum gro­ßen Teil erschos­sen. Es gibt dar­über hin­aus unzäh­li­ge, zum Teil schwer ver­letz­te. Über­all im Land setz­ten die Sicher­heits­kräf­te schar­fe Waf­fen ein. Allein im Stadt­teil North Okka­la­pa von Yan­gon kamen min­des­tens 13 Men­schen ums Leben, in Mony­wa, Sagaing, acht. Die Pro­tes­te gehen aber wei­ter. In Myit­ky­i­na, Kachin Sta­te, demons­trier­ten an die 10 000, in ver­schie­de­nen Orten im Kayah Sta­te demons­trier­ten 100 000…Obwohl Sicher­heits­kräf­te ihre Anstren­gun­gen ver­stär­ken, durch den Ein­satz von Trä­nen­gas, Blend­gra­na­ten, Zwil­len und schar­fen Waf­fen die Demos zu unter­bin­den, gelingt das immer nur vor­über­ge­hend. Die Leu­te kön­nen zwar an einem Ort ver­trie­ben wer­den, sam­meln sich aber wie­der. Das gilt für Yan­gon und Man­da­lay, aber auch für ande­re Städ­te. Seit dem Putsch sind fast 1300 fest­ge­nom­men wor­den, an die 1000 sind noch in Haft. Dazu zäh­len vor allem gewähl­te Abge­ord­ne­te des natio­na­len, als auch der Pro­vinz­par­la­men­te, aber auch vie­le strei­ken­de Zivil­an­ge­stell­te (etwa strei­ken­de ange­stell­te der Bahn) und Jour­na­lis­ten. In Nay­py­itaw gabs kei­ne Demo, aber eine Trau­er­ver­an­stal­tung für Ermor­de­te. Der­weil ver­sucht die Jun­ta, ihren Ein­fluß nach unten aus­zu­bau­en. Regio­nal­rä­te wur­den schon früh gebil­det; seit eini­gen Tagen wer­den “Sicher­heits- und Geset­zes­hü­ter-Teams” auf der Wahl­kreis­ebe­ne ein­ge­rich­tet – meist mit Mit­glie­dern der mili­tär­na­hen Par­tei USDP besetzt. Aller­dings wer­den in vie­len Wahl­krei­sen und Nach­bar­schaf­ten par­al­le­le, bzw alter­na­ti­ve Struk­tu­ren der Ein­woh­ner auf­ge­baut. Nach­bar­schafts­wa­chen, die die Bewe­gun­gen der Poli­zei beob­ach­ten, um Demons­tran­ten zu schüt­zen. In eini­gen Fäl­len sind die vom Mili­tär ein­ge­rich­te­ten Struk­tu­ren ganz ver­hin­dert wor­den...“
  • „Myan­mar: ‚Die Poli­zei hat ein­fach geschos­sen‘“ am 04. März 2021 bei Schwar­zer Pfeil externer Link ist die Über­set­zung einer Samm­lung von Zeu­gen-Aus­sa­gen zur mör­de­ri­schen Gewalt der Jun­ta, wor­in es unter ande­rem heißt: „… Am frü­hen Mitt­woch­mor­gen schie­nen die Pro­tes­te, die sich in North Okka­la­pa in Yan­gon, Myan­mar, bil­de­ten, fried­lich zu sein. „Ich sah etwa drei oder vier Bul­len ent­lang der Stra­ße, aber es war ruhig“, sag­te Khin, die wie alle Demons­trie­ren­den, mit denen The Guar­di­an sprach, dar­um bat, ihren rich­ti­gen Namen nicht zu nen­nen. Außen­ste­hen­de jubel­ten, als die Men­schen­mas­sen vor­bei­zo­gen. Etwa 1000 Men­schen, schätz­te sie, hat­ten sich dem Pro­test ange­schlos­sen. Vie­le waren in der Hoff­nung gekom­men, die Poli­zei unter Druck zu set­zen und sie zu zwin­gen, sich dün­ner zu ver­tei­len, um schließ­lich die Demons­trie­ren­den anders­wo in der Stadt zu schüt­zen. Nach Wochen her­aus­for­dern­der Mas­sen­pro­tes­te gegen den Mili­tär­putsch setz­ten die Sicher­heits­kräf­te zuneh­mend Gewalt ein, ein­schließ­lich schar­fer Muni­ti­on, um die Kund­ge­bun­gen auf­zu­lö­sen. Am Abend war klar, dass die Reak­ti­on der Poli­zei und des Mili­tärs an die­sem Tag die töd­lichs­te war, seit die Armee die Macht über­nom­men hat. Ins­ge­samt wur­den 38 Men­schen von Sicher­heits­kräf­ten getö­tet, so die UN-Son­der­be­auf­trag­te für Myan­mar, Chris­ti­ne Schra­ner Bur­ge­ner. Die Gewalt hat inter­na­tio­na­le Empö­rung her­vor­ge­ru­fen. Die Men­schen­rechts­be­auf­trag­te der UN, Michel­le Bache­let, sag­te, dass das Mili­tär „auf­hö­ren muss, Demons­trie­ren­de zu ermor­den und zu inhaf­tie­ren“ und das US-Außen­mi­nis­te­ri­um sag­te, dass es „ent­setzt“ sei. Der UN-Sicher­heits­rat wird sich am Frei­tag tref­fen, um die Kri­se zu dis­ku­tie­ren, obwohl es unwahr­schein­lich ist, dass Chi­na und Russ­land einem koor­di­nier­ten Vor­ge­hen zustim­men wer­den. Die Reak­ti­on der Sicher­heits­kräf­te in Nord Okka­la­pa eska­lier­te gegen Mit­tag, sag­te Khin. Die Poli­zei begann Trä­nen­gas zu ver­schie­ßen und Demons­trie­ren­de fest­zu­hal­ten. Soldat:innen schie­nen etwa zur glei­chen Zeit ein­zu­tref­fen, sag­te sie. Khin flüch­te­te sich in ein nahe­ge­le­ge­nes Haus. „Die Poli­zei ging her­um und ver­haf­te­te Leu­te und ich konn­te sie von mei­nem Ver­steck aus hören. Es war zu gefähr­lich für mich raus­zu­ge­hen“, sag­te sie. Schließ­lich ging sie durch eine Gas­se zu einem ande­ren Nach­bar­haus, wo sie wie­der war­te­te. Zwei Stun­den spä­ter ver­haf­te­te die Poli­zei immer noch Men­schen. Im Inne­ren des Hau­ses, in dem Khin Zuflucht such­te, schloss der Besit­zer, ein völ­lig Frem­der, alle Türen und sag­te ihr, sie sol­le nicht gehen. „Ich habe Schüs­se auf der Stra­ße gehört, aber ich bin mir nicht sicher, ob sie tat­säch­lich jeman­den ver­letzt haben“, füg­te sie hin­zu. Ein Video, das offen­bar von Anwohner:innen im Town­ship auf­ge­nom­men wur­de, scheint zu zei­gen, wie Sicher­heits­kräf­te einen Mann nur weni­ge Meter ent­fernt erschie­ßen, wäh­rend sie in der Gegend patrouil­lie­ren. Auf den Auf­nah­men zie­hen Sicher­heits­kräf­te einen Zivi­lis­ten aus einem Gebäu­de. Er wird von den Beamt:innen umringt und leis­tet kei­nen Wider­stand. Ein Schuss ertönt, und er fällt zu Boden. Zwei Mit­glie­der der Sicher­heits­kräf­te schlei­fen ihn dann an den Armen weg. Getrennt davon zeig­ten erschüt­tern­de Video­auf­nah­men, die von Radio Free Asia ver­öf­fent­licht wur­den, wie die Poli­zei einen Kran­ken­wa­gen anhielt und drei Sanitäter:innen fest­hielt. Die Bul­len grif­fen sie an, tra­ten und schlu­gen sie mit Gewehr­kol­ben. Dut­zen­de von Men­schen wur­den in Nord-Okka­la­pa zusam­men­ge­trie­ben und von der Poli­zei vor einem nahe­ge­le­ge­nen Spiel­zeug­la­den fest­ge­hal­ten, bevor sie in Lie­fer­wa­gen ver­la­den wur­den, wie Zeug:innen berich­ten. Es ist nicht mög­lich zu bestä­ti­gen, wie vie­le in der Gegend fest­ge­nom­men wur­den. Seit dem Putsch wur­den in ganz Myan­mar mehr als 1700 Men­schen ver­haf­tet, dar­un­ter 29 Journalist:innen. Am spä­ten Nach­mit­tag for­der­ten die Demons­trie­ren­den die Frei­las­sung der Fest­ge­nom­me­nen und blo­ckier­ten die Stra­ßen, damit die Trans­por­ter sie nicht weg­fah­ren konn­ten…“
  • „Min­des­tens 33 Tote bei Pro­tes­ten“ am 03. März 2021 in der taz online externer Link mel­det unter ande­rem: „… Die Mas­sen­pro­tes­te gegen die Mili­tär­jun­ta gehen trotz der mas­si­ven Poli­zei­ge­walt unver­min­dert wei­ter. Es war bereits der 30. Tag des Wider­stands. Die Sicher­heits­kräf­te setz­ten auch wie­der Trä­nen­gas, Blend­gra­na­ten und Gum­mi­ge­schos­se ein, wie das Por­tal Ele­ven Myan­mar schrieb. Ange­sichts der anhal­ten­den Gewalt soll der UN-Sicher­heits­rat erneut über die Kri­se bera­ten. Wie meh­re­re Diplo­ma­ten über­ein­stim­mend berich­te­ten, bean­trag­te Groß­bri­tan­ni­en für Frei­tag dazu eine Sit­zung hin­ter ver­schlos­se­nen Türen in New York. Auch am Mitt­woch gab es in sozia­len Netz­wer­ken wie­der Appel­le an die Ver­ein­ten Natio­nen, dem Land zu hel­fen. Immer häu­fi­ger bezeich­nen Augen­zeu­gen das frü­he­re Bir­ma als „Kriegs­ge­biet“. Das Mili­tär hat­te Anfang Febru­ar gegen die fak­ti­sche Regie­rungs­chefin Aung San Suu Kyi geputscht. Die 75-Jäh­ri­ge hat­te die Par­la­ments­wahl im Novem­ber mit kla­rem Vor­sprung gewon­nen. Sie sitzt seit­her im Haus­ar­rest und muss sich wegen ver­schie­de­ner Vor­wür­fe vor Gericht ver­ant­wor­ten…“

Der Bei­trag Jeder Tag ein Blut­bad in Myan­mar: Die Struk­tu­ren der Herr­schaft – aber auch die der Gegen­macht – wer­den aus­ge­baut erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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