[KgK:] Starke Frauen, starke Wirtschaft? Wir brauchen keinen CEO-Feminismus

End­lich 8. März, der Tag der Blu­men und Pra­li­nen, der Tag, an dem uns das Kapi­tal vor allem Rabat­te auf Unter­wä­sche und Koch­ge­schirr schenkt. Der Inter­na­tio­na­le Frau­en­kampf­tag hat es unter dem viel weni­ger bedroh­li­chen Namen „Welt­frau­en­tag“ aus der kom­mu­nis­ti­schen Schmud­del­ecke auch in den Kapi­ta­lis­mus des Wes­tens geschafft. Und damit rei­ßen auch etli­che Ange­hö­ri­ge der herr­schen­den Klas­se die Klap­pe auf, um uns zu erin­nern, was wir vor allem sind: Arbeiter:innen, die gefäl­ligst zu funk­tio­nie­ren haben.

Peter Altmaier für das Wirtschaftsministerium: Findet Chefinnen in Männerberufen toll

„Ohne star­ke Frau­en wür­de unse­re Wirt­schaft nicht an der Welt­spit­ze mit­spie­len“, sagt Peter Alt­mai­er. Und nutzt dies als Auf­hän­ger, um sich bei uns für die­sen wert­vol­len Bei­trag zu bedan­ken. In sei­nem Video kom­men Chef:innen typi­scher „Män­ner­be­ru­fe“ zu Wort, denen er „heu­te mal zuhö­ren will“.

Alt­mai­er scheint zu glau­ben, demo­kra­ti­sche Rech­te müss­ten über Pro­duk­ti­vi­tät erkauft wer­den, eine Logik, die wir auch immer wie­der in Bezug auf Geflüch­te­te und Men­schen mit Behin­de­run­gen und chro­ni­schen Krank­hei­ten sehen. Wir glau­ben das nicht.

Ach ja, und wenn wir so zen­tral sind – wie wäre es dann mit glei­chem Lohn für glei­che Arbeit? Oder dem Recht auf kos­ten­lo­se, lega­le und siche­re Abtrei­bung, zusam­men mit guter sexu­al­kund­li­cher Erzie­hung, sowie dem Zugang zu kos­ten­lo­sen Ver­hü­tungs­mit­teln? Dann könn­ten wir gleich noch viel pro­duk­ti­ver sein.

Angela Merkel: Warnt vor alten Rollenbildern

In ihrer Anspra­che für den Frau­en­tag äußert sich Ange­la Mer­kel besorgt über die Ent­wick­lun­gen in der Pan­de­mie – wie auch wir immer und immer wie­der berich­ten, blei­ben die Fol­gen, beson­ders die nöti­ge Sor­ge­ar­beit in ers­ter Linie an Frau­en hän­gen.

Dem ent­ge­gen­zu­set­zen hat die Kanz­le­rin nur einen Appell. Als wür­den Mil­lio­nen Arbeiter:innen mor­gens auf­wa­chen und sich den­ken: „Mensch, Pan­de­mie, lasst mal die 1950er zurück holen!“

Kein Wort über die mate­ri­el­len Bedin­gun­gen die­ser Ungleich­heit. Kein Wort über Lohn­un­ter­schie­de, die oft dazu füh­ren, dass im Zwei­fels­fall der Mann wei­ter arbei­tet, kein Wort über das Ver­sa­gen des Staa­tes, die Betreu­ung der Kin­der nach der Schlie­ßung von Schu­len und Kitas sicher zu stel­len oder die Eltern zumin­dest zu unter­stüt­zen.

Alte Rol­len­bil­der auf­zu­bre­chen ist kein Appell, son­dern ver­bun­den mit dem Kampf für die Ver­ge­sell­schaf­tung von Repro­duk­ti­ons­ar­beit!

Google Play Store: Will, dass wir unsere Emotionen im Griff haben, und schlank und produktiv sind

Auch Goog­le liebt uns und berei­tet uns eine tol­le Lis­te mit Inhal­ten für den „Inter­na­tio­na­len Frau­en­tag“ auf. Eine Lis­te mit „Apps für star­ke Frau­en“: Drei „Mind­ful­ness“ Apps, eine Fit­ness App und drei Busi­ness-Apps. In die­ser Rei­hen­fol­ge.

Außer­dem hat Goog­le für uns Inter­views geführt, mit Che­fin­nen und Mit­ar­bei­te­rin­nen, in denen sie über ihre femi­nis­ti­sche Kapi­ta­lis­mus­vi­si­on reden. Natür­lich zusam­men mit Wer­bung für ihre Apps.

Wow. Wir sind so inspi­riert!

UN Women: Feiert die „Generation Equality“ und unser Mitwirken am System 

Seit 1975 gehört der „Welt­frau­en­tag“ zu den offi­zi­el­len UN-„Feiertagen”. Die­ses Jahr steht er unter dem Mot­to „Women in lea­ders­hip: Achie­ving an equal future in a COVID-19 world“ (Frau­en in der Füh­rung: Eine gleich­be­rech­tig­te Zukunft in einer COVID-19 Welt errei­chen).

Lang und breit prei­sen sie Frau­en und ihren wich­ti­gen Bei­trag in der Welt an: „Die voll­stän­di­ge und wir­kungs­vol­le Teil­ha­be und Füh­rung in allen Berei­chen des Lebens trei­ben Fort­schritt für alle vor­an.“

Wenn die UN-Women (UN-Frau­en) davon spre­chen, die Welt zu „for­men“, wird schnell klar, was sie damit mei­nen. Teil­ha­be am kapi­ta­lis­ti­schen Sys­tem und Mit­ver­wal­tung eben die­ses Sys­tems. Die Bot­schaft ist: Damit es für alle bes­ser wird, musst du umso här­ter in die­sem Sys­tem par­ti­zi­pie­ren.

Ja, wir wol­len und wer­den die Welt for­men. Aber eine Welt, die klas­sen­los und befreit ist. Eine gute Welt für alle von uns, nicht nur die weni­gen Frau­en, die Bos­se gewor­den sind.

Martina Merz: Feministische Rüstung mit Thyssen-Krupp

Eine wei­te­re Ver­tre­te­rin des deut­schen Impe­ria­lis­mus, die sich zu Wort mel­det, ist Mar­ti­na Merz, Vor­stands­vor­sit­zen­de des Rüs­tungs­kon­zerns Thys­sen-Krupp. In einem auf dem offi­zi­el­len Thys­sen-Krupp Twit­ter ver­öf­fent­lich­ten State­ment spricht sie davon, dass auch ihr Kon­zern nicht von Sexis­mus frei ist, und dass Unter­drü­ckung an vie­len Ach­sen pas­sie­ren kann.

Bei­des wahr, aber ziem­lich wild von einer Frau, die mit den Waf­fen ihrer Fir­ma auf so eine unmit­tel­ba­re Wei­se den deut­schen Impe­ria­lis­mus unter­stützt, der in Deutsch­land wie in den Län­dern, die er unter­wirft Sexis­mus stützt und schützt.

Der patri­ar­cha­le Kapi­ta­lis­mus wird nicht in einer ein­zel­nen Fir­ma gestützt wer­den, und schon gar nicht von den Chef:innen.

Für echte Frauenbefreiung! Für den Sozialismus!

So bekom­men wir kei­ne Befrei­ung. Für eine wir­kungs­vol­le Per­spek­ti­ve sind wir heu­te auf der Stra­ße, schließ dich uns an!

Außer­dem wer­den wir im Lau­fe der nächs­ten Tage von Aktio­nen und For­de­run­gen berich­ten.

Schick uns ger­ne Mate­ri­al (Berich­te, Fotos, Vide­os, Inter­views, …) aus dei­ner Stadt, oder auch Gast­bei­trä­ge an unse­re Redak­ti­on (info@​klassegegenklasse.​org) über dei­ne femi­nis­ti­schen Kämp­fe und Dis­kus­sio­nen!

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