[UG-Blättle:]Big Pharma gewinnt immer

Covid-19 zeigt bei­spiel­haft, wie pro­ble­ma­tisch das Geschäfts­mo­dell der gros­sen Phar­ma­kon­zer­ne ist. In ihren Schön­wet­ter-Visio­nen beto­nen die Kon­zer­ne ihren Ein­satz für die Gesell­schaft, in Tat und Wahr­heit nut­zen sie die Covid-19 Kri­se zu ihrem Vor­teil aus.

Bild: Novar­tis – Basel. /​Amada44 (CC BY-SA 4.0 crop­ped)

Die Covid-19-Pan­de­mie ist eine glo­ba­le Kri­se mit gra­vie­ren­den Aus­wir­kun­gen auf die Gesund­heit, den Lebens­un­ter­halt und das Sozi­al­le­ben der Men­schen über­all auf der Welt. Beson­ders betrof­fen sind aber benach­tei­lig­te Men­schen – welt­weit und ins­be­son­de­re in Ent­wick­lungs- und Schwel­len­län­dern. Eine Pan­de­mie kann nicht natio­nal bewäl­tigt wer­den, dazu braucht es koor­di­nier­te inter­na­tio­na­le Anstren­gun­gen.

Die Rhe­to­rik der Kon­zer­ne und rei­chen Län­der, dass es in Anbe­tracht der Dring­lich­keit und des glo­ba­len Aus­mas­ses die­ses Mal anders sein wer­de, ist schein­hei­lig.

Public Eye zeigt im Report «Big Phar­ma takes it all», wie die Stra­te­gien von Phar­ma­kon­zer­nen zur Pro­fit­ma­xi­mie­rung funk­tio­nie­ren und wie Big Phar­ma damit die Kri­se zu ihrem Vor­teil aus­nutzt, obwohl ihre Pro­duk­te mas­siv durch öffent­li­che Gel­der finan­ziert wur­den. Rei­che Län­der wie die Schweiz schüt­zen die Inter­es­sen ihrer Phar­ma­in­dus­trie, indem sie inter­na­tio­na­le Bestre­bun­gen für einen gerech­ten Zugang ver­hin­dern. Doch Gesund­heit ist ein Men­schen­recht; die Staa­ten sind ver­pflich­tet, die­ses zu schüt­zen und den Pri­vat­sek­tor ent­spre­chend zu regu­lie­ren.

1) Forschung und Entwicklung nach den Gewinnaussichten ausrichten

Fakt: Bereits 2003 gab es eine glo­ba­le Gesund­heits­kri­se, die durch ein Coro­na­vi­rus, das Covid-19 sehr ähn­lich ist, ver­ur­sacht wur­de. 17 Jah­re spä­ter, zu Beginn der aktu­el­len Pan­de­mie, gab es weder einen Impf­stoff­pro­to­typ noch eine mög­li­che Behand­lung für die von Covid-19 ver­ur­sach­ten Erkran­kun­gen.

Ein­ord­nung: Die Phar­ma­kon­zer­ne ent­wi­ckeln Behand­lun­gen für Kran­ke, die zah­len kön­nen, sowie für chro­ni­sche Krank­hei­ten wie Krebs oder Dia­be­tes, die über lan­ge Zeit­räu­me ver­schrie­ben wer­den kön­nen. Behand­lun­gen für Infek­ti­ons­krank­hei­ten, die vor allem Men­schen in ein­kom­mens­schwa­chen Län­dern betref­fen, sind nicht lukra­tiv – genau­so wenig wie Anti­bio­ti­ka, die so wenig wie mög­lich ver­schrie­ben wer­den soll­ten, oder Impf­stof­fe, wel­che eine Krank­heit ver­hin­dern.

Kon­se­quenz: Bis vor kur­zem beschäf­tig­ten sich immer weni­ger Unter­neh­men mit über­trag­ba­ren Krank­hei­ten und der Ent­wick­lung von Impf­stof­fen. Erst die glo­ba­le Covid-19-Pan­de­mie mit der Aus­sicht auf ein lukra­ti­ves Geschäft und enor­me Gewin­ne hat das Inter­es­se von Big Phar­ma geweckt.

2) Patente missbrauchen

Fakt: Bereits im Früh­jahr 2020 war klar, dass die Paten­tie­rung von Impf­stof­fen zu Eng­päs­sen bei der Ver­sor­gung füh­ren wür­de. Doch die War­nun­gen wur­den igno­riert und Paten­te als Grund für die­se Knapp­heit sowohl von Kon­zer­nen und ihren Inter­es­sens­ver­tre­tern als auch von rei­chen Län­dern klein­ge­re­det.

Ein­ord­nung: Paten­te sol­len Unter­neh­men für die Ent­wick­lung von Inno­va­tio­nen ent­schä­di­gen, indem sie ande­re dar­an hin­dern, ihre Erfin­dung her­zu­stel­len und zu ver­kau­fen. Das 1995 in Kraft getre­te­ne Abkom­men über han­dels­be­zo­ge­ne Aspek­te der Rech­te an geis­ti­gem Eigen­tum (TRIPS) führ­te zu einer Glo­ba­li­sie­rung von feh­ler­haf­ten und sozi­al nicht nach­hal­ti­gen Anrei­zen (Stra­te­gie 1). Kon­zer­ne miss­brau­chen ihre Mono­pol­macht und set­zen über­höh­te Prei­se, und dies trotz mas­si­ver öffent­li­cher Finan­zie­rung (Stra­te­gie 7). Das ist beson­ders ver­hee­rend für Men­schen in ein­kom­mens­schwa­chen Län­dern. Aber auch rei­che­re Län­der mit einer öffent­li­chen Gesund­heits­ver­sor­gung kämp­fen zuneh­mend mit über­teu­er­ten Medi­ka­men­ten­prei­sen und explo­die­ren­den Gesund­heits­kos­ten.

Kon­se­quenz: In der Covid-19 Pan­de­mie zahlt sich die­ses Sys­tem für Big Phar­ma beson­ders aus: Die Kon­zer­ne hal­ten Wis­sen unter Ver­schluss, schaf­fen künst­li­che Ver­sor­gungs­eng­päs­se und haben enor­me Macht, den gewünsch­ten Preis fest­zu­le­gen (Stra­te­gie 8). Das führt zu glo­ba­ler Knapp­heit und Hams­ter­käu­fen.

3) Das Geschäft auf die Bedürfnisse der reichen Länder ausrichten

Fakt: Auch in der Covid-19-Pan­de­mie sind Phar­ma­kon­zer­ne und rei­che Län­der Kom­pli­zen. Rei­che Län­der wie die Schweiz schlies­sen exklu­si­ve Deals zu über­höh­ten Prei­sen ab und belas­ten mit intrans­pa­ren­ten Ver­trä­gen die öffent­li­chen Gesund­heits­kos­ten.

Ein­ord­nung: Medi­ka­men­te wer­den in ers­ter Linie für die in rei­chen Län­dern vor­herr­schen­den Gesund­heits­pro­ble­me ent­wi­ckelt (Stra­te­gie 1). Die gröss­ten Phar­ma­kon­zer­ne befin­den sich in eini­gen weni­gen rei­chen Län­dern wie der Schweiz und der gröss­te Absatz­markt sind die USA mit einem Umsatz von mehr als 500 Mil­li­ar­den Dol­lar im Jahr 2019.

Kon­se­quenz: Rei­che Län­der haben genü­gend Dosen gekauft, um ihre Bevöl­ke­rung mehr­mals zu imp­fen. Ende Janu­ar waren nur 4% der Imp­fun­gen in Län­dern mit nied­ri­gem und mitt­le­rem Ein­kom­men durch­ge­führt wor­den. Die­se müs­sen mög­li­cher­wei­se bis 2024 war­ten, um mit Imp­fun­gen eine kol­lek­ti­ve Immu­ni­tät zu errei­chen. Covax, das mul­ti­la­te­ra­le Sys­tem, das auf eine gleich­mäs­si­ge Ver­tei­lung abzielt, wird auf­grund der man­geln­den poli­ti­schen und finan­zi­el­len Unter­stüt­zung von rei­chen Län­dern und der Mono­po­le der Kon­zer­ne wahr­schein­lich schei­tern.

4) Transparenz und öffentliche Rechenschaft verweigern

Fakt: Geheim­hal­tung ist ein wei­te­rer Eck­pfei­ler des Geschäfts­mo­dells von Phar­ma­kon­zer­nen. Wäh­rend Big Phar­ma von Vor­tei­len wie Patent- und ande­ren Exklu­siv­rech­ten (Stra­te­gie 2) oder öffent­li­cher Finan­zie­rung (Stra­te­gie 7) pro­fi­tiert, ver­wei­gern die Kon­zer­ne Trans­pa­renz sys­te­ma­tisch.

Ein­ord­nung: Weil Regu­lie­run­gen zur Trans­pa­renz feh­len, ist zwi­schen Phar­ma­kon­zer­nen und Regie­run­gen ein enor­mes Macht­ge­fäl­le ent­stan­den. Das zeigt sich ers­tens dar­in, dass fast die Hälf­te der abge­schlos­se­nen kli­ni­schen Stu­di­en nie ver­öf­fent­licht wird. Zwei­tens über­hö­hen Phar­ma­kon­zer­ne bei den Anga­ben zu den Inves­ti­tio­nen zur Ent­wick­lung neu­er Medi­ka­men­te sys­te­ma­tisch ihren eige­nen Anteil im Ver­gleich zu den öffent­li­chen Inves­ti­tio­nen. Drit­tens blei­ben die Prei­se und die von Phar­ma­un­ter­neh­men gewähr­ten Rabat­te geheim, was die Macht der Kon­zer­ne stärkt.

Kon­se­quenz: Intrans­pa­renz war schon immer ein rie­si­ges Pro­blem. Die Covid-19-Kri­se ver­schärft die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen davon. Gleich­zei­tig rich­tet sich alle Auf­merk­sam­keit auf den Fort­schritt bei der Suche nach Impf­stof­fen und Behand­lun­gen. Davon pro­fi­tie­ren Phar­ma­kon­zer­ne, die wich­ti­ge Infor­ma­tio­nen wei­ter­hin zu ihrem Nut­zen geheim hal­ten.

5) Klinische Studien zum eigenen Vorteil designen

Fakt: Phar­ma­un­ter­neh­men kon­trol­lie­ren den For­schungs- und Ent­wick­lungs­pro­zess, ins­be­son­de­re die kli­ni­schen Ver­su­che. Ihr Anreiz ist jedoch gross, Stu­di­en so zu desi­gnen und Resul­ta­te so zu beein­flus­sen, dass eine mög­lichst schnel­le Markt­zu­las­sung resul­tiert. Denn je schnel­ler ein Pro­dukt auf dem Markt ist, des­to län­ger kön­nen die Kon­zer­ne vom Patent­schutz pro­fi­tie­ren.

Ein­ord­nung: Indem Phar­ma­kon­zer­ne im Stu­di­en­de­sign beschei­de­ne Zie­le defi­nie­ren, ver­su­chen sie eine schnel­le Zulas­sung zu erhal­ten. Für Markt­zu­las­sun­gen muss nicht bewie­sen wer­den, dass das Medi­ka­ment einen zusätz­li­chen the­ra­peu­ti­schen Nut­zen bringt. Zuneh­mend müs­sen Phar­ma­kon­zer­ne sogar nur zei­gen, dass das Medi­ka­ment nicht schlech­ter ist als exis­tie­ren­de Behand­lun­gen. Zahl­rei­che Unter­su­chun­gen bele­gen, dass in den von der Indus­trie gespon­ser­ten Stu­di­en im Ver­gleich zu Stu­di­en ande­rer Spon­so­ren nach­tei­li­ge Ergeb­nis­se ver­schwie­gen wer­den.

Kon­se­quenz: Die selek­ti­ve Ver­öf­fent­li­chung des Designs und der Ergeb­nis­se kli­ni­scher Stu­di­en macht eine unab­hän­gi­ge Über­prü­fung unmög­lich, gefähr­det Men­schen und führt zu einer Ver­schwen­dung öffent­li­cher Res­sour­cen. Das hat sich auch in der Covid-19-Pan­de­mie nicht geän­dert. Renom­mier­te Fach­leu­te haben zudem fest­ge­stellt, dass die Covid-19-Stu­di­en trotz der Dring­lich­keit bes­ser und ehr­gei­zi­ger hät­ten gestal­tet wer­den kön­nen.

6) Risiken sozialisieren – Gewinne privatisieren

Fakt: Phar­ma­kon­zer­ne recht­fer­ti­gen Paten­te, die damit ver­bun­de­ne Mono­pol­stel­lung und die hohen Gewinn­mar­gen mit den Risi­ken, die sie bei der kom­ple­xen For­schung und Ent­wick­lung neu­er Medi­ka­men­te ein­ge­hen wür­den. In der Rea­li­tät unter­neh­men sie jedoch alle recht­li­chen, poli­ti­schen und tech­ni­schen Anstren­gun­gen, um Geschäfts­ri­si­ken durch öffent­lich finan­zier­te For­schung und Ent­wick­lung sys­te­ma­tisch zu mini­mie­ren und zu exter­na­li­sie­ren.

Ein­ord­nung: Öffent­li­che Mit­tel waren schon immer ent­schei­dend für phar­ma­zeu­ti­sche Inno­va­tio­nen. Zudem mini­mie­ren Kon­zer­ne ihre Risi­ken in For­schung und Ent­wick­lung, indem sie nur klei­ne Ver­än­de­run­gen an bestehen­den Medi­ka­men­ten vor­neh­men, um mit neu­en Paten­ten ihre Mono­pol­stel­lung aus­zu­bau­en. Ech­te Inno­va­ti­on erfolgt oft in öffent­li­chen Insti­tu­tio­nen und klei­nen Unter­neh­men, die von Phar­ma­kon­zer­nen auf­ge­kauft wer­den.

Kon­se­quenz: Die­se sys­te­mi­sche Schief­la­ge ver­stärkt sich in der Covid-19-Pan­de­mie. Das Pri­va­ti­sie­ren von Gewin­nen und das Sozia­li­sie­ren von Risi­ken, von den Inves­ti­ti­ons­ri­si­ken bis zu Haf­tungs­ri­si­ken, schä­di­gen die All­ge­mein­heit gleich mehr­fach.

7) Steuergelder ohne Gegenleistung einstecken

Fakt: Wie sehr die Ent­wick­lung neu­er Medi­ka­men­te von öffent­li­chen Gel­dern abhängt, hat sich noch nie stär­ker gezeigt als in die­ser Pan­de­mie. Da dies in den Preis­fest­set­zungs­me­cha­nis­men (Stra­te­gie 8) poli­tisch igno­riert wird, zahlt die Bevöl­ke­rung gleich dop­pelt: Mit ihren Steu­ern sub­ven­tio­niert sie die Phar­ma­kon­zer­ne stark, gleich­zei­tig ist sie gezwun­gen, unre­gu­lier­te und über­höh­te Prei­se für Medi­ka­men­te zu bezah­len und damit zu den kolos­sa­len Gewin­nen von Big Phar­ma bei­zu­tra­gen.

Ein­ord­nung: Die gewinn­ma­xi­mie­ren­de Logik von Phar­ma­un­ter­neh­men führt zu einer Ver­nach­läs­si­gung grund­le­gen­der Gesund­heits­be­dürf­nis­se wie Imp­fun­gen (Stra­te­gie 1). Regie­run­gen und gemein­nüt­zi­ge Initia­ti­ven ver­su­chen, die­ses Markt­ver­sa­gen zu kor­ri­gie­ren. Wenn Regie­run­gen sich dazu ent­schei­den, die Pro­duk­ti­on von Medi­ka­men­ten an die Pri­vat­wirt­schaft aus­zu­la­gern, müs­sen sie aber als Regu­la­tor auf­tre­ten, um ihrer men­schen­recht­li­chen Ver­pflich­tung zum Schutz des Rechts auf Gesund­heit nach­zu­kom­men. Das heisst, sie müs­sen das Sys­tem aktiv mit­ge­stal­ten und zum Bei­spiel die Ver­ga­be von öffent­li­chen Gel­dern an Bedin­gun­gen knüp­fen.

Kon­se­quenz: Für die Ent­wick­lung von Covid-19-Imp­fun­gen, Dia­gnos­ti­ka und Behand­lun­gen wur­den allein 2020 öffent­li­che Inves­ti­tio­nen von über 93 Mil­li­ar­den Euro geleis­tet, pro­fi­tiert davon hat Big Phar­ma. Denn die Regie­run­gen haben es ver­passt, die­se Sub­ven­tio­nen an Bedin­gun­gen zu Zugang, Preis oder Trans­pa­renz zu knüp­fen. Alle inter­na­tio­na­len Bestre­bun­gen, um den Zugang zu die­sen paten­tier­ten Tech­no­lo­gien für alle zu gewähr­leis­ten, wer­den von rei­chen Län­dern wie der Schweiz, die ihre Phar­ma­in­dus­trie schüt­zen, vehe­ment bekämpft.

8) Nicht zu rechtfertigende und unanfechtbare Preise verlangen

Fakt: Phar­ma­kon­zer­ne nut­zen die Vor­tei­le des aktu­el­len Sys­tems aus und Regie­run­gen neh­men sie nicht in die Pflicht. Damit sind Auf­sichts­be­hör­den, Ver­si­che­rer sowie Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten in einer sehr schwa­chen Posi­ti­on, um Prei­se aus­zu­han­deln, die Medi­ka­men­te für alle erschwing­lich machen wür­den. In der Covid-19-Pan­de­mie sind die Aus­wir­kun­gen davon beson­ders sicht­bar.

Ein­ord­nung: Die feh­len­de Trans­pa­renz (Stra­te­gie 4) bei den For­schungs- und Ent­wick­lungs­kos­ten macht es schwie­rig, einen fai­ren Preis zu ermit­teln. Gleich­zei­tig wird die Bedeu­tung der öffent­li­chen Finan­zie­rung in der Ent­wick­lung von Medi­ka­men­ten von unab­hän­gi­gen Stu­di­en bestärkt und immer offen­sicht­li­cher. Das bringt Phar­ma­kon­zer­ne in Bedräng­nis. Des­halb setzt Big Phar­ma zuneh­mend auf das Argu­ment des «value-based pri­cing». Doch Gesund­heit ist kein Kon­sum­gut. Den Preis eines durch einen Impf­stoff oder ein Medi­ka­ment geret­te­ten mensch­li­chen Lebens zu bewer­ten, zu ver­glei­chen und zu prio­ri­sie­ren ist zynisch und unhalt­bar.

Kon­se­quenz: Weil der Preis bestehen­der Behand­lun­gen als Mass­stab für die Aus­hand­lung der Prei­se neu­er Medi­ka­men­te ver­wen­det wird, kommt es zu kon­ti­nu­ier­li­chen Preis­er­hö­hun­gen. In der Covid-19-Pan­de­mie wur­de die Chan­ce ver­passt, die­sen Teu­fels­kreis zu stop­pen.

9) Riesige Summen an Aktionäre auszahlen statt in neue Medikamente investieren

Fakt: In den letz­ten 20 Jah­ren hat sich der Phar­ma­sek­tor immer mehr zu einer Invest­ment-indus­trie ent­wi­ckelt. Statt in die Ent­wick­lung und Her­stel­lung von Medi­ka­men­ten zu inves­tie­ren ver­hält sich Big Phar­ma wie ein Pri­va­te-Equi­ty-Fonds: sie steckt ihr Geld vor allem in die Über­nah­men von Kon­kur­ren­ten und klei­ne­ren Unter­neh­men. Dies alles, um ihren Aktio­nä­ren über­höh­te Divi­den­den aus­zah­len zu kön­nen.

Ein­ord­nung: Phar­ma­kon­zer­ne kau­fen oft klei­ne­re Fir­men auf, um deren Patent­rech­te zu erwer­ben. Sie bezah­len viel Geld dafür und spe­ku­lie­ren dar­auf, dass sich das mit der Zulas­sung eines paten­tier­ten Arz­nei­mit­tels bezahlt macht. Dadurch gibt es eine Kon­zen­tra­ti­on von eini­gen weni­gen sehr gros­sen Unter­neh­men mit wach­sen­der Markt­macht.

Kon­se­quenz: Die­se Ent­wick­lung heisst, dass sich Phar­ma­kon­zer­ne der Funk­ti­ons­wei­se des Finanz­mark­tes unter­wer­fen, statt auf die Ver­sor­gung mit wesent­li­chen Arz­nei­mit­teln zum Wohl der öffent­li­chen Gesund­heit zu fokus­sie­ren.

10) Mit intensivem Lobbying die Rahmenbedingungen beeinflussen

Fakt: Die Phar­ma­in­dus­trie und damit auch die Schwei­zer Kon­zer­ne Roche und Novar­tis inves­tie­ren gros­se Sum­men in das Lob­by­ing. In den USA, dem wich­tigs­ten Markt, sit­zen 39 von 40 Ver­tre­tern der Legis­la­ti­ve, wel­che die gröss­ten Bei­trä­ge von Phar­ma­kon­zer­nen erhal­ten haben, auch Mit­glied in Kom­mis­sio­nen, die für die Gesetz­ge­bung im Gesund­heits­be­reich zustän­dig sind. Auch in der Schweiz ist das Lob­by­ing der Phar­ma­in­dus­trie omni­prä­sent und schwach regu­liert. Jeder Ver­such, die Medi­ka­men­ten­prei­se zu sen­ken, die zu den höchs­ten der Welt zäh­len, wird mit mas­si­vem Lob­by­ing aus­ge­bremst.

Ein­ord­nung: Phar­ma­kon­zer­ne mischen erfolg­reich in der Gesund­heits­po­li­tik und ent­spre­chen­den Gesetz­ge­bun­gen mit: Sie steu­ern die Debat­te, stel­len «Fach­wis­sen» bereit, beein­flus­sen Han­dels­ab­kom­men und kana­li­sie­ren öffent­li­che Gel­der so, dass sie den eige­nen Inter­es­sen die­nen. Inten­si­ves und intrans­pa­ren­tes Lob­by­ing ist ein Teil von «cor­po­ra­te cap­tu­re»; dar­un­ter ver­steht man die lang­fris­ti­ge Beein­flus­sung von poli­ti­schen Pro­zes­sen und Ent­schei­den zum Vor­teil von wirt­schaft­lich mäch­ti­gen Akteu­ren und zum Nach­teil des Gemein­wohls.

Kon­se­quenz: Dop­pel­funk­tio­nen und die finan­zi­el­le Abhän­gig­keit von der Indus­trie füh­ren nicht immer zu schäd­li­chen oder ille­ga­len Prak­ti­ken. Sie füh­ren aber zu schwer­wie­gen­den Inter­es­sens­kon­flik­ten, die trans­pa­rent gemacht, öffent­lich dis­ku­tiert und mit ent­spre­chen­der Regu­lie­rung ver­mie­den wer­den müs­sen. Der sys­te­ma­ti­sche Ein­fluss von Kon­zer­nen gefähr­det demo­kra­ti­sche Struk­tu­ren und unter­wan­dert das Ver­trau­en in poli­ti­sche Ent­schei­dungs­trä­ge­rin­nen und ‑trä­ger sowie öffent­li­che Insti­tu­tio­nen.

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