[Plattform:] Keine leeren Versprechen mehr?! Ein kritisch-solidarischer Aufruf zum Gobalen Klimastreik am 19. März

In etwa einer Woche, am 19. März, fin­det der nächs­te Glo­ba­le Kli­ma­st­reik statt. Unser orga­ni­sa­ti­ons­in­ter­nes Komi­tee Kli­ma­kämp­fe hat das zum Anlass genom­men, um sich in einem län­ge­ren, soli­da­ri­schen Kom­men­tar zum Mot­to die­ses Glo­bal­streiks zu äußern – #NoMo­re­Em­p­ty­Pro­mi­ses – und auch zu aktu­el­len Ent­wick­lun­gen in der Kli­ma­ge­rech­tig­keits­be­we­gung.

Im Text gehen sie unter ande­rem dar­auf ein, war­um mehr Appel­le an die Herr­schen­den das Kli­ma nicht ret­ten wer­den und zei­gen auf, dass auch der Weg in die Par­la­men­te falsch ist. Am Ende zie­hen sie Schlüs­se und zei­gen Per­spek­ti­ven auf für eine ande­re Kli­ma­be­we­gung, die nicht mehr dabei ver­bleibt, nur auf die Politiker*innen zu hof­fen, son­dern die den Sys­tem­wan­del selbst in die Hand nimmt.
Der Text ist wirk­lich sehr lesens­wert gewor­den, wes­halb wir uns freu­en, wenn ihr ihn lest, ver­brei­tet und mit euren Mit­kämp­fen­den dis­ku­tiert.

Wir sehen uns am 19. März auf der Stra­ße! Für eine kämp­fe­ri­sche Kli­ma­be­we­gung gegen Kapi­ta­lis­mus, Staat und alle For­men der Unter­drü­ckung!

Keine leeren Versprechen mehr?! Für eine kämpferische Klimabewegung statt mehr Appelle an die Herrschenden!

In die­sen Tagen lau­fen in vie­len Städ­ten der Bun­des­re­pu­blik bereits die Vor­be­rei­tun­gen für den nächs­ten glo­ba­len Kli­ma­st­reik, den die welt­wei­te Fri­days For Future-Bewe­gung für den 19. März ange­kün­digt hat. Wie­der wer­den Men­schen in dut­zen­den Län­dern dazu auf­ge­ru­fen, sich die Stra­ße mit Kund­ge­bun­gen und Demons­tra­tio­nen zu neh­men und für Kli­ma­ge­rech­tig­keit zu pro­tes­tie­ren. Nach dem 25. Sep­tem­ber 2020 ist dies nun bereits der zwei­te glo­ba­le Kli­ma­st­reik unter Pan­de­mie­be­din­gun­gen.
Und wie­der fin­det der Glo­bal­streik zu einem Zeit­punkt statt, in dem die Kli­ma­ge­rech­tig­keits­be­we­gung welt­weit um Auf­merk­sam­keit für ihr Anlie­gen rin­gen muss. Der Grund ist klar: Anders als noch 2019, als das The­ma Kli­ma­ge­rech­tig­keit über Wochen, gar Mona­te in den Medi­en prä­sent war, geht es nun in der täg­li­chen Flut der Coro­na-Mel­dun­gen und Nach­rich­ten über eine dro­hen­de Wirt­schafts­kri­se nach der Pan­de­mie unter. Nun also müs­sen die hun­dert­tau­sen­den Aktivist*innen der Kli­ma­ge­rech­tig­keits­be­we­gung ein­mal mehr dar­um kämp­fen, sich Gehör zur ver­schaf­fen und klar­zu­ma­chen, dass die Kli­ma­kri­se noch lan­ge nicht vor­über ist, nur weil die Medi­en sie nicht mehr auf ihre Titel­sei­ten packen. Denn eines ist klar: Die herr­schen­de Poli­tik und das Sys­tem aus Staat und Kapi­ta­lis­mus, wel­ches sie ver­wal­tet, trei­ben unser Kli­ma und damit unse­re Welt auch 2021 wei­ter­hin zuver­läs­sig in die Kata­stro­phe. Dar­an hat auch ein klei­ner Ein­schnitt beim Wirt­schafts­wachs­tum dank Coro­na-Lock­down nichts geän­dert.

Auf welch kata­stro­pha­le Zukunft uns die herr­schen­de Poli­tik zusteu­ert, wird trotz lee­rer Sprü­che auf Wahl­pla­ka­ten und teu­ren Image­kam­pa­gnen der Bun­des­re­gie­rung erfreu­li­cher­wei­se mitt­ler­wei­le immer mehr Men­schen klar. Immer mehr erken­nen, dass den Herr­schen­den die Ret­tung des Kli­mas egal ist, dass sie bereit sind die Leben von Mil­lio­nen Men­schen welt­weit zur Höl­le zu machen, nur damit die Wirt­schaft wei­ter wach­sen kann. Die lächer­li­chen Ver­spre­chun­gen der Herr­schen­den, Kli­ma­ret­tung und Wirt­schafts­wachs­tum in Ein­klang brin­gen zu kön­nen, fal­len immer mehr ins sich zusam­men.
Rea­lis­tisch betrach­tet sind auch fünf Jah­re nach dem viel umju­bel­ten Pari­ser Kli­ma­ab­kom­men Lösun­gen der Kli­ma­kri­se noch immer nicht in Sicht. Statt­des­sen ver­schie­ben Regie­run­gen Aus­stiegs­fris­ten aus fos­si­len Ener­gie­trä­gern Jahr­zehn­te nach hin­ten. Kon­zer­ne wie RWE, die wei­ter Geld ver­die­nen wol­len an der Föder­de­rung und Nut­zung des Kli­ma­kil­lers Koh­le, kön­nen bei ihren Vor­ha­ben immer noch sicher auf den staat­li­chen Appa­rat zäh­len, der ihren Bag­gern mit Poli­zei­hun­dert­schaf­ten den Weg frei­räumt. Zuletzt haben wir das im klei­nen Städt­chen Lüt­zer­ath bei Garz­wei­ler gese­hen.

Nur logisch also, dass auch immer mehr Men­schen, die in den Orts­grup­pen von Fri­days For Future aktiv sind, begrei­fen, dass das, was die Poli­tik ihnen als Lösun­gen ver­kau­fen möch­te, nichts ande­res sind als lee­re Ver­spre­chen. Wie pas­send also das Mot­to die­ses nächs­ten Glo­bast­reiks am 19. März: #NoMo­re­Em­p­ty­Pro­mi­ses – Kei­ne lee­ren Ver­spre­chen mehr.

Was sol­len sie uns denn sonst bie­ten?

Kei­ne lee­ren Ver­spre­chen mehr also. Die­ser Spruch und auch ande­re Pas­sa­gen aus dem Auf­ruf von Fri­days For Future rich­ten sich ein­deu­tig und unmiss­ver­ständ­lich an die herr­schen­de Poli­tik und ihre Akteur*innen. Der Auf­ruf appel­liert an die Politiker*innen, uns nicht mehr das Blaue vom Him­mel her­ab­zu­lü­gen, son­dern tat­säch­lich Maß­nah­men zur Ret­tung des Kli­mas zu ergrei­fen. Auf den ers­ten Blick ein nach­voll­zieh­ba­rer Wunsch, oder? Wenn irgend­je­mand den Kar­ren aus dem Dreck zie­hen und unser Kli­ma ret­ten kann, dann doch die schlau­en Köp­fe in den schi­cken Anzü­gen, die so ger­ne Debat­ten­club unter der Glas­kup­pel spie­len und mal mehr mal weni­ger sym­pa­thisch in die Kame­ra oder von Wahl­pla­ka­ten grin­sen. Oder?
Aus dem Appell von Fri­days For Future spricht die Über­zeu­gung, dass wenn die Politiker*innen doch nur mal rich­tig woll­ten, dann bekä­men sie das mit der Kli­ma­kri­se doch schon hin. Kurz um: Der Auf­ruf klagt indi­vi­du­el­le Politiker*innen und deren indi­vi­du­el­les Fehl­ver­hal­ten an. Aber ist das wirk­lich der Ursprung des Pro­blems? Ist es so ein­fach? Wol­len die Politiker*innen ein­fach nicht auf den guten Rat ihrer Expert*innen hören?

Wir glau­ben, es ist nicht so ein­fach. Wir glau­ben, dass der Ursprung des Pro­blems, der Ursprung all der lee­ren Ver­spre­chun­gen, tie­fer liegt. Nicht im bösen Wil­len ein­zel­ner Politiker*innen, son­dern in der Natur des Sys­tems, in dem wir leben. Die­ses Sys­tem heißt Kapi­ta­lis­mus.
Der Kapi­ta­lis­mus ist auf stän­di­ges wirt­schaft­li­ches Wachs­tum ange­wie­sen. Unter­neh­men müs­sen wach­sen, neue Absatz­märk­te erschlie­ßen, mehr und mehr Pro­fit erwirt­schaf­ten. Auf dem Markt kon­kur­rie­ren die­se Unter­neh­men mit ande­ren. Es ist ein ste­ti­ges Hau­en und Ste­chen. Wer nicht schnell genug wächst, wird zurück­ge­las­sen, geht plei­te, wird auf­ge­kauft. Die Haupt­last des end­lo­sen Stre­bens nach Wachs­tum und Pro­fit tra­gen Umwelt, Kli­ma und natür­lich auch alle die, die als Arbeiter*innen, Erwerbs­lo­se oder zukünf­ti­ge Arbeiter*innen (zum Bei­spiel Schüler*innen, Aus­zu­bil­den­de, Stu­die­ren­de) im kapi­ta­lis­ti­schen Wett­be­werb nichts mehr als nütz­li­che Zahn­rä­der einer men­schen­ver­ach­ten­den Maschi­ne­rie sind. Denn wer wirt­schaft­lich erfolg­reich sein will, der kann es sich nicht leis­ten, scho­nungs­voll mit der Umwelt oder den Arbei­ten­den umzu­ge­hen. Statt­des­sen steht die rück­sichts­lo­se Aus­beu­tung der natür­li­chen Res­sour­cen des Pla­ne­ten und der Arbeits­kraft der Arbei­ten­den an ers­ter Stel­le. In die­sem Sys­tem ist es die Auf­ga­be des Staa­tes, sei­ner Par­la­men­te und sei­ner Politiker*innen, die Rah­men­be­din­gun­gen für das wirt­schaft­li­che Wachs­tum bereit­zu­stel­len und zu sichern, damit Pro­fi­te wei­ter erwirt­schaf­tet wer­den kön­nen. Dabei ste­hen die Staa­ten selbst in stän­di­ger Kon­kur­renz zuein­an­der. Jeder Staat ver­sucht, sei­ner natio­na­len Wirt­schaft einen Vor­teil gegen­über den ande­ren zu ver­schaf­fen.

Unter die­sen Rah­men­be­din­gun­gen tref­fen die Politiker*innen, an die der Auf­ruf zum Glo­bal­streik adres­siert ist, also ihre Ent­schei­dun­gen, unter die­sen Rah­men­be­din­gun­gen machen sie Ver­spre­chun­gen. Es ist also wahr­lich kein Wun­der, dass die Politiker*innen “lee­re Ver­spre­chen” machen, was kön­nen sie uns denn sonst bie­ten? Sol­len sie gegen die Inter­es­sen der kapi­ta­lis­ti­schen Klas­se, gegen die grund­le­gen­den Mecha­nis­men des kapi­ta­lis­ti­schen Sys­tems han­deln? Sol­len sie Maß­nah­men wie Umwelt­re­gu­lie­run­gen ergrei­fen, die wirt­schaft­li­ches Wachs­tum brem­sen, obwohl der Kapi­ta­lis­mus ohne wirt­schaft­li­ches Wachs­tum nicht bestehen kann? Die Lee­re ihrer Ver­spre­chen ist kein Resul­tat von Cha­rak­ter­schwä­che, son­dern der grund­le­gen­den Mecha­nis­men des kapi­ta­lis­ti­schen Sys­tems. Die Politiker*innen sind nicht in der Lage, kon­se­quent im Inter­es­se des Kli­mas, also auch in unse­rem Inter­es­se zu han­deln. Wer lee­re Ver­spre­chen kri­ti­siert, der muss mit sei­ner Kri­tik an den Mecha­nis­men des Kapi­ta­lis­mus anset­zen, der muss den Kapi­ta­lis­mus selbst in Fra­ge stel­len.
Der Slo­gan der Stun­de heißt mal wie­der: sys­tem chan­ge not cli­ma­te chan­ge!

Das Sys­tem von innen ver­än­dern?

Eine Ten­denz, die die Kli­ma­be­we­gung – gera­de in Deutsch­land – seit ihrem Wie­der­auf­flam­men im Jahr 2019, aber in ähn­li­cher Form bereits seit der Umwelt­be­we­gung der 1980er Jah­re beglei­tet, ist der Glau­be dar­an, das Sys­tem, wel­ches Umwelt und Kli­ma zer­stört und die Arbeits­kraft der Men­schen aus­beu­tet, von innen ver­än­dern zu kön­nen. Nicht der Wider­stand von außen gegen die Struk­tu­ren der Unge­rech­tig­keit soll Abhil­fe für die bestehen­den Pro­ble­me schaf­fen, son­dern die Inte­gra­ti­on in die­se und die Mit­ar­beit in die­sen Struk­tu­ren.

Der Glau­be dar­an, dass die Struk­tu­ren eines grund­sätz­lich fal­schen Sys­tems durch Mit­ar­beit von innen her­aus ver­än­der­bar sind, ist ein gefähr­li­cher Irr­glau­be. Es ist ein Irr­glau­be, der dazu geführt hat, dass die poli­ti­schen Nach­kom­men einer öko­lo­gi­schen, lin­ken Mas­sen­be­we­gung, wie sie in den 1980ern in ganz Deutsch­land auf der Stra­ße war, heu­te in den Par­la­men­ten die­ses Lan­des sit­zen und dort Mili­tär­ein­sät­ze, Mas­sen­ab­schie­bun­gen und Wald­ro­dun­gen beschlie­ßen. Die Grü­nen sind kein Feh­ler der Geschich­te, sie sind die logi­sche Fol­ge eine grund­sätz­lich fal­schen Stra­te­gie.
Sozia­le Bewe­gun­gen pro­fi­tie­ren nicht davon, sich in Par­la­men­te wäh­len zu las­sen und mit­zu­wir­ken in den Struk­tu­ren des Sys­tems, wel­ches sie eigent­lich von außen ener­gisch bekämp­fen müss­ten. Mit der Zeit gewöh­nen sich die Vertreter*innen der sozia­len Bewe­gun­gen an das schi­cke Leben, das ein Mit­wir­ken in den Struk­tu­ren mit sich bringt. An die Dienst­wa­gen und die schö­nen Lob­bye­vents. Lang­sam tau­schen sie die Sport­schu­he und die lan­gen Bär­te, mit denen sie den par­la­men­ta­ri­schen Pro­zess anfangs viel­leicht noch “geschockt” haben, gegen die sel­ben dunk­len Anzü­ge und das glei­che heuch­le­ri­sche Grin­sen ein, das auch der Rest ihrer Kolleg*innen per­fek­tio­niert hat. Am Ende bleibt nur noch die grü­ne Kra­wat­te, die sie vom Rest ihrer Kolleg*innen unter­schei­det.

Wir haben oben schon auf­ge­zeigt, wie wenig Hand­lungs­spiel­raum für Politiker*innen inner­halb der Bah­nen des Sys­tems ver­bleibt. Auch die idea­lis­tischs­ten Poli­tik­neu­lin­ge wer­den kei­ne Geset­ze beschlie­ßen, die das wirt­schaf­li­che Wachs­tum ent­schei­dend brem­sen und mit der Zeit wird es beque­mer, sich den Struk­tu­ren zu fügen und den Idea­lis­mus an den Nagel zu hän­gen.
Eigent­lich sind wir der Mei­nung, dass es nicht mehr als das his­to­ri­sche Bei­spiel der Grü­nen brau­chen soll­te, um Men­schen, die für Kli­ma­ge­rech­tig­keit kämp­fen, klar­zu­ma­chen, dass der Weg in die Par­la­men­te falsch ist. Mit gro­ßem Bedau­ern müs­sen wir aller­dings fest­stel­len, dass dem nicht so ist.

Seit gerau­mer Zeit, eigent­lich schon seit­dem die Fri­days For Future-Bewe­gung in Deutsch­land auf die Stra­ßen geht, gibt es Stim­men, die für den Weg in die Par­la­men­te und die gro­ße Poli­tik wer­ben. Jetzt, Anfang 2021, ste­hen wir vor einem sogenn­an­ten “Super­wahl­jahr”. In eini­gen Bun­des­län­dern, zum Bei­spiel Baden-Würt­tem­berg oder Sach­sen-Anhalt, ste­hen Land­tags­wah­len an, zur Krö­nung erwar­tet uns im Sep­tem­ber auch noch die Bun­des­tags­wahl. Grund genug für eini­ge “Vertreter*innen” der Kli­ma­be­we­gung bereits jetzt schon ihre Kan­di­ta­tu­ren bei den ver­schie­de­nen Wah­len anzu­kün­di­gen. Auf den Lis­ten der SPD, der Grü­nen oder der Links­par­tei wol­len die­se Leu­te den Sprung in die Par­la­men­te schaf­fen und vor­geb­lich die Posi­tio­nen der Bewe­gung im par­la­men­ta­ri­schen Pro­zess ver­an­kern. Was pas­sie­ren wird ist bereits klar: Inte­gra­ti­on in die poli­ti­schen Insti­tu­tio­nen und das war es dann mit “sys­tem chan­ge”. Raus kom­men Cha­rak­ter­mas­ken, denen mehr an ihren Pöst­chen liegt als am Kli­ma und damit hat es sich dann auch.
Aber mit ihrem Irr­glau­ben an den Weg des Par­la­men­ta­ris­mus sind die­se Aktivist*innen wenigs­tens nicht allei­ne: Seit eini­gen Mona­ten ist auf Pro­tes­ten der Kli­ma­be­we­gung immer öfter eine Fah­ne mit einem blau-grü­nen “K” auf meist wei­ßem Grund zu sehen. Es ist das Sym­bol der “Kli­ma­lis­te”, einer neu­ge­grün­de­ten Klein­par­tei, die sich damit pro­fi­lie­ren will, grü­ner zu sein als die Grü­nen. Auf ihrer Web­site ver­kün­det die neue Par­tei, bun­des­weit zu Kom­mu­nal­wah­len antre­ten zu wol­len, in Baden-Würt­tem­berg und Rhein­land­pfalz kan­di­die­ren ihre Anhänger*innen der­weil mun­ter auf Land­tags­wahl­lis­ten. Am Ende wird auch die­ses Pro­jekt die bit­te­re Erfah­run­gen machen, die auch schon die Grü­nen vor ihm gemacht haben.

All die­se Ent­wick­lun­gen zei­gen, dass in wei­ten Tei­len der Kli­ma­be­we­gung der Glau­be dar­an, dass eine Refor­mie­rung des Kapi­ta­lis­mus mög­lich und eine Mit­ar­beit in den Par­la­men­ten sinn­voll ist, immer noch tief sitzt. Es ist unse­re Auf­ga­be, die­sem Irr­glau­ben ent­schlos­sen ent­ge­gen­zu­wir­ken und ihn als per­spek­tiv­los zu ent­zau­bern. Der Kampf gegen die Kli­ma­kri­se und den Kapi­ta­lis­mus, der sie ver­ur­sacht, wird weder in den Par­la­men­ten geführt noch gewon­nen.

Was braucht es statt­des­sen?

Wenn nicht in den Par­la­men­ten und Par­tei­en, wo sol­len wir den Kampf für Kli­ma­ge­rech­tig­keit denn sonst füh­ren? Unse­re Ant­wort scheint ein­fach und ist doch kom­plex: Wir müs­sen den Kampf wie­der dort füh­ren, wo wir ihn begon­nen haben. Das bedeu­tet auf der Stra­ße – mit Demos, mit Streiks und mit ande­ren Aktio­nen. Wir müs­sen wie­der einen stär­ke­ren Fokus dar­auf legen, uns vor Ort in den Orts­grup­pen von Fri­days For Future oder in ähn­li­chen Basis­or­ga­ni­sa­tio­nen wie Offe­nen Kli­ma­tref­fen zu orga­ni­sie­ren. Wir müs­sen offen­si­ve For­de­run­gen an die loka­le Poli­tik stel­len, die sozia­le Gerech­tig­keit und Kli­ma­ge­rech­tig­keit vor­an­brin­gen und deren Durch­set­zung mit Druck von unten erkämp­fen. Auf der Basis die­ser Erfol­ge müs­sen wir dann vor­an­schrei­ten und wei­ter­ge­hen­de For­de­run­gen stel­len. Wir müs­sen die Anbie­de­rungs­ver­su­che der Poli­tik an die Bewe­gung kon­se­quent zurück­wei­sen und klar­ma­chen, dass wir für unse­re Inter­es­sen auf die Stra­ßen gehen, nicht für Wahl­kampf­zwe­cke irgend­ei­ner angeb­li­chen “Öko-Par­tei”. Es gilt, Distanz zu gewin­nen von den Mecha­nis­men des Staa­tes und der kapi­ta­lis­ti­schen Wirt­schaft, nicht sich ihnen anzu­nä­hern.

Klar ist aber auch: In die­sem Sys­tem kön­nen unse­re For­de­run­gen nur bis zu einem bestimm­ten Grad erfüllt wer­den, denn auch der stärks­te Druck von unten wird die Poli­tik nicht dazu bewe­gen, gegen die grund­le­gen­den Inter­es­sen der kapi­ta­lis­ti­schen Klas­se zu han­deln. Des­halb sind sinn­vol­le For­de­run­gen not­wen­dig, aber nicht aus­rei­chend. Wir müs­sen sie ergän­zen durch Aktio­nen, die das gesam­te Sys­tem in Fra­ge stel­len. Mas­sen­haf­ter zivi­ler Unge­hor­sam, wie er bei­spiels­wei­se in den Mas­sen­ak­tio­nen von Ende Gelän­de zum Tra­gen kommt, kann dafür ein ers­ter wich­ti­ger Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung sein, da er deut­lich macht, dass wir uns – wenn auch nur für eine kur­ze Zeit und nur an einem Ort – der Zer­stö­rung der Kli­mas erfolg­reich wider­set­zen kön­nen. Gleich­zei­tig wird bei die­sen Aktio­nen deut­lich, dass der Staat die Inter­es­sen der kli­ma­zer­stö­ren­den Kon­zer­ne ver­tritt, nicht die unse­ren und dass wir sei­ne Geset­ze miss­ach­ten müs­sen, um Kli­ma­ge­rech­tig­keit durch­zu­set­zen.
Aber sym­bo­li­sche Aktio­nen allei­ne rei­chen nicht aus, weil sie letzt­lich nur einen klei­nen Teil der Bevöl­ke­rung errei­chen, die wir von einem Sys­tem­wan­del über­zeu­gen und für ihn orga­ni­sie­ren müs­sen. Daher müs­sen wir den Ansatz der Bewe­gung ver­brei­tern. Wir müs­sen loka­le Bil­dungs- und Orga­ni­sa­ti­ons­an­ge­bo­te schaf­fen, die nicht mehr nur jun­ges, meist aka­de­mi­sches Milieu anspre­chen, son­dern die brei­te, lohn­ab­hän­gi­ge Bevöl­ke­rung in allen Alters­schich­ten. Wir müs­sen die errei­chen, die bis­her noch kei­nen Platz in der Kli­ma­be­we­gung haben. Sel­bi­ges gilt natür­lich auch für migran­ti­sche Men­schen, die in einer weiß-domi­nier­ten Bewe­gung bis­her stark unter­re­prä­sen­tiert sind. Hier gilt es, die Zusam­men­hän­ge von Kli­ma­un­ge­rech­tig­keit, Kolo­nia­lis­mus und einem auf ras­sis­ti­schen Struk­tu­ren auf­ge­bau­ten Staat stär­ker her­vor­zu­he­ben und sie gemein­sam zu bekämp­fen.

Wir müs­sen ein brei­tes Bewusst­sein schaf­fen dafür, dass eine Lösung der Kli­ma­kri­se not­wen­di­ger­wei­se die Über­win­dung des Kapi­ta­lis­mus beinhal­tet. Wir müs­sen die brei­te Mas­se der arbei­ten­den Bevöl­ke­rung, nicht nur die Schüler*innen, wie­der stär­ker dazu moti­vie­ren, mas­sen­haft in den Streik zu tre­ten für ihre Inter­es­sen. Dafür müs­sen wir Brü­cken schla­gen zu den gro­ßen und klei­nen Gewerk­schaf­ten und auch in ihnen radi­ka­le und öko­lo­gi­sche Kräf­te stär­ken. Zukünf­tig muss die Kli­ma­be­we­gung genau­so in der Gru­be wie vor dem Werks­tor statt­fin­den. Denn nur wenn wir die rei­bungs­lo­se Funk­ti­ons­wei­se des Kapi­ta­lis­mus unter­bre­chen, dann kann es uns gelin­gen, die­se mör­de­ri­sche Maschi­ne­rie für immer zum Ste­hen zu brin­gen.

Aber nicht nur zu den Gewerk­schaf­ten müs­sen wir Ver­bin­dun­gen auf­bau­en, auch zu ande­ren sozia­len Bewe­gun­gen. So zum Bei­spiel zur femi­nis­ti­schen Bewe­gung und den Frauen*streiks, zu Mie­ten­kämp­fen, zu anti­ras­sis­ti­schen und anti­fa­schis­ti­schen Kämp­fen, also über­all dort­hin wo Men­schen wie ihr und wir sich orga­ni­sie­ren und gegen ver­schie­de­ne For­men der Unter­drü­ckung kämp­fen. Lasst uns eine gemein­sa­me Bewe­gung gegen Staat, Kapi­ta­lis­mus und alle For­men der Unter­drü­ckung auf­bau­en. Lasst uns ent­schlos­sen für das gute Leben für alle kämp­fen!

Als orga­ni­sier­te Anarchist*innen sehen wir unse­re Auf­ga­be dar­in, gemein­sam mit ande­ren radi­ka­len, anti­au­to­ri­tä­ren Kräf­ten die oben beschrie­be­nen Ent­wick­lun­gen in der Kli­ma­be­we­gung vor­an­zu­trei­ben. Dazu wol­len wir Alter­na­ti­ven zum bestehen­den Sys­tem auf­zei­gen und anar­chis­ti­sche Ideen und Prin­zi­pi­en wie Anti­ka­pi­ta­lis­mus, Klas­sen­be­wusst­sein, Staats­kri­tik und Selbst­or­ga­ni­sie­rung im gemein­sa­men Kampf ver­an­kern. Wir wol­len offen­siv agie­ren, aber stets auf Augen­hö­he mit unse­ren Mit­kämp­fen­den. Wenn du die­se Auf­ga­be mit uns gemein­sam ange­hen willst, dann mel­de dich bei uns per Mail an kontakt@​dieplattform.​org und wer­de gemein­sam mit uns aktiv.

Und weil wir mit unse­rer anspruchs­vol­len Auf­ga­be ja irgend­wo anfan­gen müs­sen, bleibt uns zum Ende nur noch ein klei­ner Appell an euch: Nehmt am 19. März an euren loka­len Kli­ma­st­reiks teil. Macht anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche und anti­au­to­ri­tä­re Posi­tio­nen hör- und sicht­bar mit Paro­len, mit Schil­dern und mit Trans­pa­ren­ten. Aber bleibt dabei nicht ste­hen, son­dern orga­ni­siert euch auch danach lang­fris­tig und lokal mit ande­ren, denn nur die Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on von unten kann die­ses Sys­tem ohne Zukunft über­win­den!

In die­sem Sin­ne: Wir sehen uns auf der Stra­ße!

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