[labournet:] Wenn ein (weiteres der vielen) bekanntes rechtsradikales KSK-Mitglied über Jahre Waffen sammelt, passiert: Gar nichts…

Dossier

Screenshot der Youtube-Serie "KSK – Kämpfe nie für dich allein" (Youtube)„… Bei der Raz­zia im Land­kreis Nord­sach­sen fan­den die Ermitt­ler nach SPIE­GEL-Infor­ma­tio­nen unter ande­rem ein Sturm­ge­wehr vom Typ AK-47, meh­re­re Char­gen Muni­ti­on und eine grö­ße­re Men­ge Plas­tik­spreng­stoff. Bis zum Nach­mit­tag dau­er­te die Durch­su­chung des Grund­stücks an. Laut einer Unter­rich­tung des Wehrres­sorts an den Bun­des­tag wur­de der Sol­dat ver­haf­tet und anschlie­ßend von den Behör­den zu dem Waf­fen­fund befragt. Bereits Anfang 2020 hat­te der Mili­tär­ge­heim­dienst MAD die zivi­len Fahn­der in Sach­sen auf den 45-jäh­ri­gen Ober­stabs­feld­we­bel des Kom­man­dos auf­merk­sam gemacht und Hin­wei­se über­mit­telt, dass er mög­li­cher­wei­se in sei­ner Woh­nung ein Waf­fen­la­ger ange­legt haben könn­te. Der MAD hat­te den Kom­man­do­sol­da­ten schon seit April 2017 wegen sei­ner rechts­ex­tre­men Gesin­nung im Visier, beob­ach­te­te ihn und erhielt so die Hin­wei­se auf das Waf­fen­la­ger...“ – aus dem Bericht „Ermitt­ler fin­den AK-47 und Spreng­stoff bei KSK-Eli­te­sol­dat“ von Mat­thi­as Gebau­er am 13. Mai 2020 beim Spie­gel online externer Link wor­aus – aus­nahms­wei­se – tat­säch­lich ein­mal die Fra­ge der Fähig­kei­ten The­ma ist, wenn man angeb­lich drei Jah­re braucht, um Waf­fen­sam­meln mit zu bekom­men – denn dass die Nazi-Gesin­nung als sol­che kein Grund ist, den Typen aus der KSK zu ent­fer­nen, ist ja auch klar, sonst wäre es da ziem­lich leer… Sie­he dazu wei­te­re aktu­el­le Bei­trä­ge (inklu­si­ve einer kur­zen Film­do­ku­men­ta­ti­on):

  • Nur Bewäh­rung für waf­fen­hor­ten­den KSK-Sol­dat – Trotz Spreng­stoff und rechts­na­tio­na­len Schrif­ten New
    “… Am Land­ge­richt Leip­zig hat die Straf­kam­mer am Frei­tag­nach­mit­tag das Urteil gegen einen ehe­ma­li­gen Eli­te­sol­da­ten des Kom­man­dos Spe­zi­al­kräf­te (KSK) der Bun­des­wehr ver­kün­det. Zwei Jah­re Frei­heits­stra­fe – die aber auf Bewäh­rung aus­ge­setzt wird. Dem 46-jäh­ri­gen Phil­ipp S. wur­den Ver­stö­ße gegen das Kriegs­waf­fen­kon­troll­ge­setz, das Waf­fen­ge­setz und das Spreng­stoff­ge­setz nach­ge­wie­sen, nach­dem in sei­nem Gar­ten ein Waf­fen­ver­steck gefun­den wor­den war. (…) Detail­fra­gen zu den Umstän­den sowie zur Moti­va­ti­on hin­ter dem Ver­ge­hen blie­ben indes wei­ter unbe­ant­wor­tet. Der Ange­klag­te, der bis zur Durch­su­chung sei­nes Grund­stücks im Mai 2020 selbst Aus­bil­dungs­lei­ter beim KSK war, hat­te in einer Ein­las­sung zu Pro­zess­be­ginn ange­ge­ben, die Muni­ti­on aus Angst vor wie­der­keh­ren­den Eng­päs­sen abge­zweigt zu haben. Der vor­sit­zen­de Rich­ter am Land­ge­richt, Jens Kaden, äußer­te bereits an ver­gan­ge­nen Ver­hand­lungs­ta­gen Zwei­fel an den Aus­sa­gen des Sol­da­ten: »Dass ihre gan­ze Erklä­rung irra­tio­nal und selt­sam ist, haben wir hier schon gesagt (…) Das KSK steht nicht über dem Gesetz und auch Herr S. Nicht«. Beson­ders wider­sprüch­lich sei laut Rich­ter die Nicht-Inan­spruch­nah­me der nun­mehr bekannt­ge­wor­de­nen Amnes­tie beim KSK. Der Ange­klag­te hat­te dies mit Miss­trau­en gegen­über den Vor­ge­setz­ten begrün­det. Statt­des­sen habe die­ser die Muni­ti­on sowie das Sturm­ge­wehr AK-47, wel­che er nach eige­nen Anga­ben zunächst in einer Kis­te im Kel­ler der 2. Kom­pa­nie des KSK gesam­melt habe, nach Bekannt­wer­den inter­ner Ermitt­lun­gen nicht etwa straf­frei ein­ge­reicht, son­dern die­se statt­des­sen vom baden-würt­tem­ber­gi­schen Calw bis nach Nord­sach­sen geschafft. Dort ver­grub er die­se – unter ande­rem mit Hil­fe sei­nes damals 15-jäh­ri­gen Soh­nes. Einen geziel­ten Ver­stoß gegen das Kriegs­waf­fen­kon­troll­ge­setz sieht die Straf­kam­mer des Land­ge­rich­tes daher als gege­ben. (…) Intern ermit­telt wur­de im Jahr 2017 auf­grund der Vor­komm­nis­se auf einer Abschieds­fei­er eines KSK-Kom­pa­nie­chefs. Bei die­ser wur­de der Hit­ler­gruß gezeigt und Rechts­rock gehört. Auch S. war Gast auf die­ser Fei­er. Von beson­de­rem Inter­es­se waren daher neben dem Spreng­stoff, dem Sturm­ge­wehr AK-47 und der Muni­ti­on die eben­falls sicher­ge­stell­ten NS-Devo­tio­na­li­en, die eben­falls bei der Durch­su­chung im Mai ent­deckt wur­den, dar­un­ter rechts­ex­tre­me Zeit­schrif­ten, T‑Shirts der bei Rechts­ex­tre­men belieb­ten Sze­nemar­ke Thor Stei­nar sowie ein SS-Lie­der­buch. Obskur wirk­te die Bezug­nah­me des Straf­ver­tei­di­gers Klein auf die­ses. So zitier­te er unter ande­rem aus dem »Pan­zer­lied« und gab an, auch er wür­de ein sol­ches Buch auf­be­wah­ren, hät­te er es etwa im Nach­lass sei­nes Opas gefun­den. Die poli­ti­sche Gesin­nung des Ange­klag­ten zu ent­schär­fen war zuletzt immer wie­der Teil der Ver­tei­di­gungs­stra­te­gie. Den­noch, so urteil­te der Rich­ter am Frei­tag, gebe es genü­gend Anhalts­punk­te für eine rechts­na­tio­na­le Hal­tung des Ange­klag­ten. Und auch das Korps­geist, an die Wehr­macht ange­lehn­te sol­da­ti­sche Tugen­den und deren Glo­ri­fi­zie­rung Teil der pro­ble­ma­ti­schen Gege­ben­hei­ten bei Bun­des­wehr und KSK sei­en, gab Kaden zu beden­ken. Trotz­dem haben die Ermitt­lun­gen kei­ne Hin­wei­se auf ein rechts­ex­tre­mes Netz­werk oder eine geplan­te Gewalt­tat erge­ben. Eine Beur­tei­lung als rechts­ex­tre­men Gefähr­der kön­nen man somit nicht vor­neh­men…” Arti­kel von Nina Böck­mann vom 12. März 2021 in neu­es Deutsch­land online
  • „Kom­man­do Spe­zi­al­kräf­te sind offen­sicht­lich ein Hot­spot für rech­te Umtrie­be“ am 14. Mai 2020 bei der Bun­des­tags­frak­ti­on der Lin­ken externer Link ist eine Pres­se­er­klä­rung des Abge­ord­ne­ten Pflü­ger zu die­ser nicht so neu­en Erkennt­nis: „… Die­ser war bereits im April 2017 auf­ge­fal­len – mut­maß­lich bei einer Abschieds­par­ty für einen KSK-Kom­pa­nie­chef, die aus dem Ruder gelau­fen war: Es wur­de von Hit­ler­grü­ßen und neo-nazis­ti­scher Musik berich­tet. Schon vor drei Jah­ren zeig­te sich also, wie gefähr­lich die rech­ten Umtrie­be beim KSK sind. Nun sind Waf­fen gefun­den wor­den. Es hät­te von Anfang an hart durch­ge­grif­fen wer­den müs­sen – und nicht erst auf Druck der Oppo­si­ti­on“, erklärt Tobi­as Pflü­ger, ver­tei­di­gungs­po­li­ti­scher Spre­cher, zum Vor­ge­hen des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums gegen rech­te Netz­wer­ke bei der Bun­des­wehr, spe­zi­ell beim Kom­man­do Spe­zi­al­kräf­te (KSK). (…) Spe­zi­ell das Kom­man­do Spe­zi­al­kräf­te ist offen­sicht­lich ein Hot­spot für rech­te Umtrie­be. Das ist nicht wei­ter ver­wun­der­lich. Das hat auch mit dem Eli­te­ge­dan­ken beim KSK zu tun. Jah­re­lang wur­de bei Ein­stel­lun­gen nicht wirk­lich ent­schie­den dar­auf geach­tet, wer eben – auch aus dem rech­ten Umfeld – von so einer Spe­zi­al­trup­pe ange­zo­gen wird…“
  • „KSK-Sol­dat ver­steck­te Spreng­stoff“ von Sebas­ti­an Bähr am 14. Mai 2020 in neu­es deutsch­land online externer Link erin­nert in die­sem Zusam­men­hang dar­an: „… Im Janu­ar mel­de­te der MAD 550 extrem rech­te Ver­dachts­fäl­le in der Bun­des­wehr, etwa 20 davon allei­ne im KSK – ein mit etwa 1000 Sol­da­ten eher klei­ner Ver­band. Die Dun­kel­zif­fer dürf­te höher sein. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren gab es meh­re­re Berich­te über extrem rech­te Vor­komm­nis­se bei der Eli­te­ein­heit. Medi­en­re­cher­chen deck­ten zudem ent­spre­chen­de und mit­ein­an­der ver­knüpf­te Netz­wer­ke in Sicher­heits­be­hör­den und Bun­des­wehr auf. Ermitt­lun­gen, dar­un­ter zum soge­nann­ten Han­ni­bal-Kom­plex, lie­fen nach Ein­schät­zung von Kri­ti­kern jedoch eher halb­her­zig. Poli­ti­ker und Poli­zei­ge­werk­schaf­ten spra­chen von Ein­zel­fäl­len. »Mit dem Waf­fen- und Spreng­stoff­de­pot wird eine wei­te­re Dimen­si­on gefähr­li­cher rechts­ex­tre­mer Akti­vi­tä­ten in der Bun­des­wehr offen­sicht­lich«, sag­te Tobi­as Pflü­ger, der ver­tei­di­gungs­po­li­ti­sche Spre­cher der Links­frak­ti­on im Bun­des­tag. Spe­zi­ell das KSK sei »offen­sicht­lich ein Hot­spot« für rech­te Umtrie­be. »Wir for­dern nun end­lich eine lücken­lo­se Auf­klä­rung und ein har­tes Durch­grei­fen des Minis­te­ri­ums gegen die­se rech­ten Netz­wer­ke in der Bun­des­wehr.«…“

Der Bei­trag Wenn ein (wei­te­res der vie­len) bekann­tes rechts­ra­di­ka­les KSK-Mit­glied über Jah­re Waf­fen sam­melt, pas­siert: Gar nichts… erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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