[perspektive:] Ostasien: USA bekräftigen Führungsanspruch im Indopazifik

Beim digitalen Gipfeltreffen mit Indien, Japan und Australien bekräftigt Joe Biden den Anspruch der USA auf die Hegemonie im Indopazifik. Das sogenannte „Quad“-Bündnis richtet sich gegen den wachsenden Einfluss Chinas. Beim imperialistischen Kräftemessen geht es unter anderem um Corona-Impfstoffe, die 5G-Technologie und militärische Expansion.

Joe Biden lässt kei­ne Zwei­fel dar­an, dass sei­ne Regie­rung eine akti­ve Rol­le der Ver­ei­nig­ten Staa­ten im Indo­pa­zi­fik anstrebt: „Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten sind ent­schlos­sen, mit unse­ren Part­nern und allen Ver­bün­de­ten in der Regi­on zusam­men­zu­ar­bei­ten, um Sta­bi­li­tät zu errei­chen.“, erklär­te er beim digi­ta­len Gip­fel der „Quad“-Gruppe, die neben den USA aus Indi­en, Japan und Aus­tra­li­en besteht.

Die „Quad“-Staaten haben sich vor allem des­halb zu einem Bünd­nis zusam­men­ge­schlos­sen, weil sie Chi­nas zuneh­men­de Macht in Ost­asi­en und Ozea­ni­en ein­däm­men wol­len. Der natio­na­le Sicher­heits­be­ra­ter der USA Jake Sul­li­van spricht ver­klau­su­liert von einer Aus­ein­an­der­set­zung mit „auto­kra­ti­schen Model­len“. Die Regie­rungs­chefs der vier Län­der hät­ten sich bei dem Digi­t­al­gip­fel mit dem wach­sen­den poli­ti­schen, wirt­schaft­li­chen und mili­tä­ri­schen Ein­fluss Pekings beschäf­tigt.

Impfstoffe als geostrategische Waffe

Kon­kret ver­ein­bar­te die Quad-Grup­pe unter ande­rem eine gemein­sa­me Impf­stoff­in­itia­ti­ve. Die vier Län­der wol­len gemein­sam bis zu einer Mil­li­ar­de Dosen des US-Mono­pols John­son & John­son für süd­ost­asia­ti­sche Staa­ten bereit­stel­len. Finan­ziert wer­den soll das Pro­jekt durch die USA und Japan. Die Impf­stof­fe sol­len in Indi­en pro­du­ziert und durch Aus­tra­li­en ver­teilt wer­den. Die Initia­ti­ve steht in Kon­kur­renz zu Chi­nas Bestre­bun­gen, eige­ne Impf­stof­fe in Asi­en zu ver­brei­ten und hier­durch sei­nen poli­ti­schen Ein­fluss in der Regi­on aus­zu­bau­en. Aktu­ell lie­fert die Volks­re­pu­blik sei­ne Vak­zi­ne in 69 soge­nann­te Ent­wick­lungs- und Schwel­len­län­der, wor­un­ter auch eini­ge asia­ti­sche Staa­ten fal­len. Die USA den­ken gleich­zei­tig offen­bar gar nicht dar­an, von ihren Vor­rä­ten an Astra-Zene­ca-Impf­stof­fen irgend­et­was an die EU zu lie­fern. Nicht zuletzt dar­an lässt sich sehen, dass es den Staa­ten bei der Fra­ge der Impf­ex­por­te vor allem um geo­stra­te­gi­sche Erwä­gun­gen gehen dürf­te.

Coro­na-Pan­de­mie: Afri­ka kommt nicht an Impf­stof­fe

Technologische Dominanz und militärische Expansion

US-Sicher­heits­be­ra­ter Sul­li­ven kün­dig­te neben der Impf­of­fen­si­ve zudem die Grün­dung von Arbeits­grup­pen zum The­ma 5G-Tech­no­lo­gie und Cyber­si­cher­heit an. Die AGs sol­len für das Bünd­nis gemein­sa­me Stan­dards zu die­sen The­men­fel­dern erar­bei­ten. Die Fra­ge der Kon­trol­le über die 5G-Tech­no­lo­gie war in den ver­gan­ge­nen Jah­ren vor allem im Zusam­men­hang mit den US-Sank­tio­nen gegen das chi­ne­si­sche Unter­neh­men Hua­wei eska­liert.

Dane­ben erhält der ame­ri­ka­nisch-chi­ne­si­sche Macht­kampf im Indo­pa­zi­fik auch eine immer stär­ke­re mili­tä­ri­sche Kom­po­nen­te. Das japa­ni­sche Nach­rich­ten­por­tal Nik­kei Asia ver­öf­fent­lich­te in der ver­gan­ge­nen Woche den Mei­nungs­bei­trag eines frü­he­ren Admi­rals der US Navy über ame­ri­ka­ni­sche Kriegs­vor­be­rei­tun­gen gegen Chi­na.

Dem­nach habe die US-Denk­fa­brik „Atlan­tic Coun­cil“ kürz­lich eine „Blau­pau­se“ für die Ver­stär­kung der US-Trup­pen­prä­senz in Ost­asi­en ver­öf­fent­licht. Ele­men­te hier­von wür­de die Biden-Regie­rung aktu­ell in Erwä­gung zie­hen. Kon­kret könn­te die US-Mari­ne etwa aggres­si­ve­re Patrouil­len in den Mee­res­ge­bie­ten rund um Chi­na durch­füh­ren. Hier­bei wol­le das US-Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um ande­re NATO-Staa­ten, aber auch Aus­tra­li­en, Neu­see­land, Indi­en, Japan, Süd­ko­rea, Sin­ga­pur und Viet­nam ein­be­zie­hen. Zudem dürf­te die US-Luft­waf­fe zusätz­li­che Bom­ber und Kampf­flie­ger mit gro­ßer Reich­wei­te in der Pazi­fik­re­gi­on sta­tio­nie­ren. Die Ver­stär­kung der Trup­pen­prä­senz wer­de flan­kiert durch die Defi­ni­ti­on neu­er „roter Lini­en“ für direk­te Kampf­ein­sät­ze gegen Chi­na.

Im Gegen­zug beklagt Indi­en die zuneh­men­de Prä­senz der chi­ne­si­schen Mari­ne im Indi­schen Oze­an. Der­zeit befin­den sich dort nach Anga­ben eines frü­he­ren Stabs­chefs der indi­schen Mari­ne sechs bis acht chi­ne­si­sche Kriegs­schif­fe. Nach Ein­schät­zung von Oria­na Mastro vom US-Think­tank Ame­ri­can Enter­pri­se Insti­tu­te habe Chi­na unter Prä­si­dent Xi Jin­ping sei­ne mari­ti­men Ambi­tio­nen über das Süd­chi­ne­si­sche Meer hin­aus aus­ge­wei­tet. Die Mari­ne wür­de nun auch zum Schutz „der fer­nen Gewäs­ser“ ein­ge­setzt und sei zu die­sem Zweck trans­for­miert wor­den. Chi­nas Prä­senz im Indi­schen Oze­an dürf­te ins­be­son­de­re dem Zweck die­nen, mari­ti­me Han­dels­rou­ten unter ande­rem zur Siche­rung sei­ner Ölim­por­te aus der Golf­re­gi­on zu sichern.

Die „Quad“-Staaten wie­der­um reagie­ren im Indi­schen Oze­an ihrer­seits mit Säbel­ras­seln. Im Okto­ber des ver­gan­ge­nen Jah­res hielt das Bünd­nis dort das jähr­li­che Mari­ne-Manö­ver „Mala­bar“ erst­mals zu viert ab. Betei­ligt waren ein ame­ri­ka­ni­scher und ein indi­scher Flug­zeug­trä­ger, ein japa­ni­scher Zer­stö­rer und eine aus­tra­li­sche Fre­gat­te. Zeit­gleich einig­ten sich Japan und Aus­tra­li­en auf ein gemein­sa­mes Mili­tär­ab­kom­men.

Der Bei­trag Ost­asi­en: USA bekräf­ti­gen Füh­rungs­an­spruch im Indo­pa­zi­fik erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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