[labournet:] [Death in Custody] Recherche: Todesfälle in Gewahrsam seit 1990

Dossier

Death in Custody“Nach aktu­el­lem Stand der Recher­che wis­sen wir von 176 Todes­fäl­len von Schwar­zen Men­schen, Peop­le of Color und von Ras­sis­mus betrof­fe­nen Men­schen in deut­schem Gewahr­sam seit 1990. Die Recher­che wird lau­fend ergänzt und zu einem spä­te­ren Zeit­punkt umfas­send ver­öf­fent­licht. Wie wir bei der Recher­che vor­ge­hen, wel­che Quel­len wir nut­zen und wie wir die wich­tigs­ten Begrif­fe defi­nie­ren, erläu­tern wir in einem kur­zen Begleit­text zu unse­rer Recher­che. Wenn ihr von wei­te­ren Fäl­len wisst, die nicht in der Lis­te ver­tre­ten sind, wen­det euch an uns: death-​in-​custody@​riseup.​net …” Recher­che von Death in Cus­to­dy Stand Juni 2020 externer Link – sie­he die Pres­se­mit­tei­lung dazu und ein Inter­view:

  • Todes­fäl­le in Gewahr­sam: Neue Home­page zum Inter­na­tio­na­len Tag gegen Poli­zei­ge­walt New
    Zum Inter­na­tio­na­len Tag gegen #Poli­zei­ge­walt haben wir die bis­he­ri­gen Befun­de zur Ver­schrän­kung von Ras­sis­mus und Tod in Gewahr­sam oder durch die Poli­zei in Deutsch­land auf einer eige­nen Home­page zusam­men­ge­stellt. Die Lis­te ist lang. Die fol­gen­de Chro­nik ist im Rah­men der Recher­che­ar­beit für die Kam­pa­gne “Death in Cus­to­dy” externer Link ent­stan­den. Aktu­ell wis­sen wir von 181 Todes­fäl­len von Schwar­zen Men­schen, Peop­le of Color und von Ras­sis­mus betrof­fe­nen Per­so­nen in Gewahr­sam und durch Poli­zei­ge­walt in Deutsch­land seit 1990 (Stand: 8. März 2021). Wie wir bei der Recher­che vor­ge­hen, wel­che Quel­len wir nut­zen und wie wir die wich­tigs­ten Begrif­fe defi­nie­ren, erläu­tern wir in einem kur­zen Begleit­text zu unse­rer Recher­che externer Link. Die Recher­che wird wei­ter­ge­führt und jähr­lich aktua­li­siert. Hin­wei­se auf wei­te­re Fäl­le kön­nen an die­se E‑Mail-Adres­se geschickt wer­den: death-​in-​custody@​riseup.​net…” Infor­ma­tio­nen der Kam­pa­gne Death In Cus­to­dy (sie­he die­se auch bei Twit­ter externer Link)
  • Death in Cus­to­dy: Ras­sis­mus ist in der Poli­zei ein Pro­blem
    Im Inter­view von David Rojas Kienz­le beim Low Class Maga­zin am 24. Juni 2020 erklärt Niko die Zie­le von Death in Cus­to­dy externer Link: “… Ange­sichts der Öffent­lich­keit, die ras­sis­ti­sche Poli­zei­ge­walt gera­de hat, woll­ten wir unse­re Ergeb­nis­se so schnell wie mög­lich ver­öf­fent­li­chen. Wir haben bis jetzt nur Namen und Todes­da­ten ver­öf­fent­licht, unse­re Daten sind aber noch umfang­rei­cher was Ein­zel­fäl­le betrifft, mit den Todes­um­stän­den und bei­spiels­wei­se dem gericht­li­chen Nach­spiel. Die Kam­pa­gne kam durch Todes­fäl­le in den letz­ten Jah­ren auf, wie Amad Ahmad in Kle­ve, der in der Zel­le ver­brannt ist, oder Roo­ble War­sa­me der in Schwein­furt in Gewahr­sam starb – angeb­lich durch Sui­zid. (…) Es gibt kei­ne sys­te­ma­ti­sche Erfas­sung. Man muss davon aus­ge­hen, dass die Dun­kel­zif­fer noch viel höher ist, als die­se 159, die wir jetzt gera­de haben. Wir rufen auch dazu auf, dass Leu­te uns Fäl­le, die wir nicht ken­nen zuschi­cken. Es wer­den auf jeden Fall noch eini­ge Fäl­le dazu kom­men. Die Recher­che war gene­rell nicht immer ein­fach. Es gibt gene­rell wenig Infor­ma­tio­nen und zum ande­ren wird auch sel­ten erfasst, ob die Per­son POC oder Schwarz war. Zum Teil konn­ten wir das indi­rekt raus­fin­den, in einem Fall z.B. über einen Poli­zis­ten, der zitiert wird und eine ras­sis­ti­sche Aus­sa­ge macht. Es gibt auf jeden Fall Unschär­fe. Es fällt auch auf, dass es bestimm­te Jah­re gibt, in denen unglaub­lich vie­le Fäl­le doku­men­tiert sind, z.B. 1994/​1995 oder 2019. 2003 haben wir hin­ge­gen kei­nen ein­zi­gen Fall. Das ist rela­tiv unwahr­schein­lich und weist dar­auf hin, dass die Daten­la­ge mit­tel­mä­ßig ist. Die Recher­che ist der Ver­such zumin­dest her­aus­zu­fin­den, wie groß das Pro­blem eigent­lich sein könn­te. Und es ist deut­lich grö­ßer, als es in der brei­ten Öffent­lich­keit wahr­ge­nom­men wird und erst recht als es von den Behör­den beschrie­ben wird. (…) Prin­zi­pi­ell ist es immer wich­tig der Poli­zei und den Behör­den auf die Fin­ger zu schau­en bei dem was sie machen. Wenn das nicht pas­siert, hat das zur Fol­ge, dass sie noch mehr Mist bau­en. Wie eben der Anstieg von racial pro­filing in Coro­na-Zei­ten. Die Poli­zei selbst zu kon­trol­lie­ren macht natür­lich total Sinn, weil die Kon­trol­le durch ande­re staat­li­che Instan­zen nie aus­rei­chend ist. Eine per­ma­nen­te Wach­sam­keit der Zivil­ge­sell­schaft ist total wich­tig!”
  • Recher­che zu Todes­fäl­len in Gewahr­sam in Deutsch­land bekräf­tigt: „Auch in Deutsch­land tötet insti­tu­tio­nel­ler Ras­sis­mus!“
    “Die bun­des­wei­te Kam­pa­gne „Death in Cus­to­dy – Auf­klä­rung von Tod in Gewahr­sam jetzt!“ ver­öf­fent­licht – anläss­lich der Ermor­dung von Geor­ge Floyd in Min­nea­po­lis – ihre bis­he­ri­gen Recher­che­er­geb­nis­se zu Todes­fäl­len von Schwar­zen Men­schen und Men­schen of Color in Gewahr­sams­si­tua­tio­nen in Deutsch­land seit 1990. Mus­ter insti­tu­tio­nel­len Ras­sis­mus wer­den hier­bei erkenn­bar. Immer wie­der ster­ben auch in Deutsch­land Schwar­ze und Peop­le of Color in Gewahr­sam von Poli­zei und ande­ren staat­li­chen Insti­tu­tio­nen. Eine der Haupt­ur­sa­chen ist insti­tu­tio­nel­ler Ras­sis­mus. Die Todes­fäl­le in der letz­ten Zeit – Hus­s­am Fadl, Amad Ahmad, Matiu­l­lah Jabark­hil, Roo­ble War­sa­me, Wil­liam Tonou-Mbob­da, Aman A., Adel B. legen nahe, dass Schwar­ze Men­schen und Men­schen of Color auch in Deutsch­land in beson­de­rem Maße gefähr­det sind, in staat­li­cher „Obhut“ ihr Leben zu ver­lie­ren oder durch die Poli­zei getö­tet zu wer­den. Allein zwi­schen 1990 und 2020 hat die Kam­pa­gne bis­lang 159 Fäl­le in der BRD recher­chiert (Stand Juni 2020). Die­se Fäl­le umfas­sen u.a. Todes­fäl­le durch Poli­zei­schüs­se, durch unter­las­se­ne Hil­fe­leis­tun­gen und Todes­fäl­le in Gewahr­sam, die von den Behör­den als „Sui­zid“ ange­ge­ben wer­den. Die Kam­pa­gne wer­tet auch die­se Fäl­le als „death in cus­to­dy“, da unse­rer Auf­fas­sung nach in einer tota­len Insti­tu­ti­on kein frei­er Wil­le zur Been­di­gung des eige­nen Lebens gebil­det wer­den kann; außer­dem zei­gen z.B. die Todes­um­stän­de von Oury Jal­loh, dass dem behörd­li­chen Nar­ra­tiv der Selbst­tö­tung nicht ohne Wei­te­res geglaubt wer­den darf. Es sind die Poli­tik, der Jus­tiz- und Sicher­heits­ap­pa­rat und der Ver­fas­sungs­schutz in die­sem Land, die rech­te und ras­sis­ti­sche Gewalt dul­den, ver­schlei­ern oder gar mit ihren Res­sour­cen ras­sis­ti­sche Struk­tu­ren auf­bau­en und auf­recht­erhal­ten. Durch den Ver­gleich der ein­zel­nen Fall­ge­schich­ten konn­te die Kam­pa­gne fol­gen­de Par­al­le­len ermit­teln: Fast nie haben die Todes­fäl­le Kon­se­quen­zen für Täter*innen in Uni­form; häu­fig wer­den die Opfer nach ihrem Tod kri­mi­na­li­siert, um die Täter*innen zu ent­las­ten und die Ver­ant­wor­tung des staat­li­chen Gewalt­ap­pa­rats zu ver­schlei­ern…” Pres­se­mit­tei­lung von Death in Cus­to­dy vom 8. Juni 2020 externer Link

Der Bei­trag [Death in Cus­to­dy] Recher­che: Todes­fäl­le in Gewahr­sam seit 1990 erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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