[GAM:] Wir werden nie wieder schweigen! Solidarität mit Pakistans Frauenbewegung!

Liga für die Fünf­te Inter­na­tio­na­le, Info­mail 1142, 17. März 2021

Gewalt gegen Frau­en und Fäl­le von Ver­ge­wal­ti­gun­gen in Paki­stan hat­ten sich in den letz­ten sechs Mona­ten des Jah­res 2020 ver­dop­pelt. Fäl­le von Kin­des­miss­brauch hat­ten sich gar ver­drei­facht. Dabei müs­sen wir beden­ken, dass das paki­sta­ni­sche Sys­tem noto­risch dafür bekannt ist, sich durch extrem hohe Dun­kel­zif­fern aus­zu­zeich­nen. Opfer zögern oft, Anzei­gen zu erstat­ten, da sie wei­te­ren Miss­brauch durch Poli­zei, Rich­te­rIn­nen und die Öffent­lich­keit fürch­ten. Dar­über hin­aus muss in vie­len sol­cher Fäl­le mit Rache oder Ehren­mor­den sei­tens der eige­nen Ver­wandt­schaft gerech­net wer­den, da wie in Deutsch­land die meis­ten Miss­brauchs­fäl­le in der Fami­lie statt­fin­den.

Unter die­sen Umstän­den gin­gen im vier­ten Jahr Tau­sen­de von Frau­en in den urba­nen Zen­tren Paki­stans auf die Stra­ße, um beim so genann­ten Aurat March (Frau­en­marsch) ihre Stim­me zu erhe­ben. Die Liga für die Fünf­te Inter­na­tio­na­le sieht sich als Teil die­ser Bewe­gung und ver­tei­digt sie bedin­gungs­los gegen jeden Angriff von rechts.

In der Tat war der dies­jäh­ri­ge Frau­en­tag eine Demons­tra­ti­on der Stär­ke und des Stol­zes. Unse­re Genos­sin­nen und Genos­sen, ob männ­lich, weib­lich oder nicht-binär, nah­men über­all dort teil, wo Mär­sche statt­fan­den. Der Pro­test war eine Bestä­ti­gung dafür, dass der Aurat March „gekom­men ist, um zu blei­ben“. Trotz der anhal­ten­den Pan­de­mie hat­ten sich Tau­sen­de ver­sam­melt, um demo­kra­ti­sche, sozia­le und indi­vi­du­el­le Rech­te zu for­dern. Die­se For­de­run­gen beschränk­ten sich nicht nur auf die Frau­en­be­we­gung. Sie berühr­ten auch die Kämp­fe unter­drück­ter natio­na­ler, reli­giö­ser und sexu­el­ler Min­der­hei­ten.

Selbstbestimmung!

Seit dem letz­ten Jahr hat­ten die Demons­tran­tIn­nen begon­nen, den Slo­gan mera jism, meri mar­zi (Mein Kör­per, mei­ne Ent­schei­dung) zu popu­la­ri­sie­ren, einen Slo­gan, den wir aus tiefs­ter Über­zeu­gung unter­stüt­zen. Denn wir glau­ben, dass es die Ent­schei­dung jeder Frau ist, ja die Ent­schei­dung jeder ein­zel­nen Per­son, einer kör­per­li­chen oder geis­ti­gen Inter­ak­ti­on zuzu­stim­men oder sie abzu­leh­nen. Jeder Mensch muss das Recht haben, infor­mier­te Ent­schei­dun­gen in Bezug auf sei­nen eige­nen Kör­per und sei­ne Hand­lun­gen zu tref­fen, solan­ge sie nicht die Frei­heit eines ande­ren ein­schrän­ken. Durch die Her­vor­he­bung die­ses ein­fa­chen Kon­zepts der Selbst­be­stim­mung ist der Slo­gan bes­tens geeig­net, um gegen Miss­brauch, Beläs­ti­gung und Ver­ge­wal­ti­gung zu kämp­fen.

Denn ein­fach nur ein Ende des Miss­brauchs zu for­dern, ist zwar völ­lig rich­tig, aber eine ein­ge­schränk­te For­de­rung. In die­sem Sze­na­rio steht immer noch die Beschnei­dung der Mög­lich­kei­ten des/​r Miss­brau­chen­den, in die Frei­heit einer ande­ren Per­son ein­zu­grei­fen, im Mit­tel­punkt. Der/​die Miss­brau­chen­de, meist ein „Er“, bleibt das pri­mä­re Sub­jekt. Mera jism, meri mar­zi hin­ge­gen bringt klar zum Aus­druck, dass Frau­en, ja alle, die mit Miss­brauch kon­fron­tiert sind wie Kin­der, sexu­el­le Min­der­hei­ten und die Unter­drück­ten im All­ge­mei­nen Sub­jek­te in ihrem eige­nen Recht sind. Nur eine Gesell­schaft, die dies akzep­tiert, wird Frau­en als die gleich­be­rech­tig­ten Men­schen behan­deln, die sie sind. Nur eine Gesell­schaft, die sich die­ses Ver­ständ­nis zu eigen macht, kann eine der Vor­aus­set­zun­gen für die Ver­wirk­li­chung des vol­len Poten­zi­als der Mensch­heit erfül­len. Mera jism, meri mar­zi ist also eine zen­tra­le demo­kra­ti­sche For­de­rung. Den­je­ni­gen, die die­se erhe­ben, die Unter­stüt­zung oder den Schutz zu ver­wei­gern, stellt daher auch den demo­kra­ti­schen Cha­rak­ter jeder Par­tei oder staat­li­chen Insti­tu­ti­on in Fra­ge, die sich dazu ent­schlie­ßen soll­te.

Dies ist der wah­re Kon­text, in dem sich der dies­jäh­ri­ge Back­lash gegen den Aurat-Marsch ent­fal­tet hat. Paki­stans rech­te Mul­lahs, was auch immer sie behaup­ten, ste­hen Frau­en kei­ne vol­len Men­schen­rech­te zu. In ihrem Gefol­ge ent­fal­te­ten rech­te Jour­na­lis­tIn­nen und Poli­ti­ke­rIn­nen eine schänd­li­che Hetz­kam­pa­gne. Sie haben gezeigt, dass sie auf der fal­schen Sei­te der Geschich­te ste­hen und oben­drein ideo­lo­gisch bank­rott sind.

Reaktionäre Angriffe

Anders als in den Vor­jah­ren unter­zo­gen sie sich in vie­len Fäl­len nicht ein­mal der Mühe, reak­tio­nä­re Posi­tio­nen gegen die wirk­li­chen Argu­men­te und For­de­run­gen des Mar­sches zu for­mu­lie­ren. Sie star­te­ten eine Kam­pa­gne, die in ers­ter Linie auf Fake News und der Erstel­lung fal­scher Inhal­te mit Hil­fe von Deep-Fake-Tech­no­lo­gie basier­te.

Ers­tens: Sie behaup­te­ten, die Demons­tran­tIn­nen hät­ten in Islam­abad die fran­zö­si­sche Flag­ge getra­gen. Tat­säch­lich bezo­gen sie sich dabei auf die der Women Demo­cra­tic Front, der Haupt­or­ga­ni­sa­to­rin des Aurat-Marschs in der Haupt­stadt. Die Far­ben der Orga­ni­sa­ti­on sind rot, weiß und lila und ste­hen für Sozia­lis­mus, Frie­den und Femi­nis­mus. Die Inten­ti­on der Rech­ten war es, die Bewe­gung so als eine aus­län­di­sche Ver­schwö­rung dar­zu­stel­len.

Die Wahr­heit ist jedoch, dass patri­ar­cha­le Unter­drü­ckung ein ein­hei­mi­sches Pro­blem ist. Gleich­zei­tig ist es aber natür­lich eines, das sich nicht nur auf Paki­stan beschränkt. Frau­en­un­ter­drü­ckung ist ein glo­ba­les Pro­blem und Teil des patri­ar­cha­li­schen Kapi­ta­lis­mus. Des­halb kämp­fen und pro­tes­tie­ren Frau­en auf der gan­zen Welt schon seit mehr als einem Jahr­hun­dert gemein­sam gegen ihn. Das Datum des inter­na­tio­na­le Frau­en­tags, der 8. März, geht einer­seits auf einen Streik der von New Yor­ker Tex­til­ar­bei­te­rin­nen im Jahr 1857 zurück. Ande­rer­seits erhielt die­ses Datum wegen der Febru­ar­re­vo­lu­ti­on inter­na­tio­na­le Bedeu­tung, nach­dem rus­si­sche Frau­en im Jahr 1917 eine Revo­lu­ti­on gegen Impe­ria­lis­mus, Aus­beu­tung und Krieg begon­nen hat­ten. In den fol­gen­den Jah­ren wur­de der Frau­en­tag, der bereits 1911 zum ers­ten Mal inter­na­tio­nal began­gen wur­de, immer am 8. März gefei­ert.

Die demo­kra­ti­schen Rech­te von Frau­en und sexu­el­len Min­der­hei­ten sind also kei­ne west­li­che Ver­schwö­rung, wie es die Rech­ten in Paki­stan dar­stel­len. Sie sind hart erkämpf­te Zuge­ständ­nis­se, die den Hän­den der glei­chen Art von mäch­ti­gen Män­nern und den herr­schen­den Klas­sen im Wes­ten ent­ris­sen wur­den, die auch in Paki­stan Frau­en unter­drü­cken. Unse­re Bewe­gung soll­te nicht defen­siv mit die­ser Tra­di­ti­on des Inter­na­tio­na­lis­mus umge­hen. Statt­des­sen müs­sen wir sowohl uns selbst als auch die paki­sta­ni­sche Arbei­te­rIn­nen­klas­se und Frau­en­be­we­gung über unse­re stol­zen Tra­di­tio­nen auf­klä­ren.

Wenn die Rech­ten jedoch die „aus­län­di­sche“ Kar­te spie­len, nut­zen sie auf dem­ago­gi­sche Wei­se rea­le Gefüh­le des Lei­dens unter ver­gan­ge­ner und gegen­wär­ti­ger impe­ria­lis­ti­scher Herr­schaft aus. Den­noch wird ihre Heu­che­lei sofort offen­sicht­lich, wenn wir das Schwei­gen die­ser selbst­er­nann­ten „Anti­im­pe­ria­lis­tIn­nen“ zu Fra­gen des tat­säch­li­chen Impe­ria­lis­mus betrach­ten. Die­se Fun­da­men­ta­lis­tIn­nen erhiel­ten ihre Waf­fen in den 1980er Jah­ren von den US-Geheim­diens­ten, bezie­hen ihre Gel­der von sau­di­schen Aris­to­kra­ten, schwei­gen zu der heu­ti­gen tat­säch­li­chen wirt­schaft­li­chen Vor­herr­schaft des chi­ne­si­schen und US-ame­ri­ka­ni­schen Kapi­ta­lis­mus in Paki­stan und ver­tei­di­gen gleich­zei­tig laut­hals Geset­ze wie Abschnitt 377, die von den bri­ti­schen Kolo­ni­al­her­rIn­nen auf den Sub­kon­ti­nent gebracht wur­den (Red.: Abschnitt 377 ist das so genann­te „Sodo­mie-Gesetz“). Für sie bedeu­tet „Anti­im­pe­ria­lis­mus“, demo­kra­ti­sche Rech­te vor­zu­ent­hal­ten und Frau­en in Fes­seln zu legen.

Die Wahr­heit ist also, dass die impe­ria­lis­ti­sche Herr­schaft durch kein rechts­na­tio­na­lis­ti­sches Kon­zept über­wun­den wer­den kann. Des­sen Poli­tik ist immer dazu ver­dammt, im bes­ten Fal­le anti­im­pe­ria­lis­tisch in Wor­ten zu sein, wäh­rend sei­ne tat­säch­li­che Poli­tik in Abhän­gig­keit von dem einen oder ande­ren impe­ria­lis­ti­schen Lager ver­bleibt. Der Impe­ria­lis­mus kann nur durch einen inter­na­tio­na­lis­ti­schen Kampf der Unter­drück­ten welt­weit über­wun­den wer­den. In die­sem Kampf spielt die paki­sta­ni­sche Rech­te eine zer­stö­re­ri­sche Rol­le und fak­tisch dem Impe­ria­lis­mus in die Hän­de.

Zwei­tens behaup­te­ten die Mul­lahs, dass die Aus­stel­lung eines roten Tuchs mit der Auf­schrift „Ich war neun, er war fünf­zig. Ich wur­de zum Schwei­gen gebracht, sei­ne Stim­me ist heu­te noch in der Moschee zu hören“ ein Akt der Blas­phe­mie sei. Dies, so sagen sie, sei eine Anspie­lung auf den Pro­phe­ten (Frie­de sei mit ihm) und sei­ne (drit­te) Frau Aisha. Dies ist jedoch eine Lüge. Das genann­te Tuch bezog sich auf einen Qari (Red.: Schrift­ge­lehr­ter), der ein jun­ges Mäd­chen beläs­tigt hat­te, das zum letzt­jäh­ri­gen Aurat March kam. Es war Teil einer Pro­test­ak­ti­on in Laho­re, bei der Opfer von Miss­brauch, Beläs­ti­gung und Ver­ge­wal­ti­gung gebe­ten wor­den waren, Hem­den auf­zu­hän­gen oder auf roten Schals über ihre Erfah­run­gen zu schrei­ben.

Es ist ein offe­nes Geheim­nis, dass eine gro­ße Zahl von Mul­lahs in Paki­stan ihre Macht­po­si­ti­on aus­nutzt, um Kin­der psy­chisch, phy­sisch und sexu­ell zu miss­brau­chen. In die­ser Hin­sicht unter­schei­den sie sich nicht von den über­wie­gend männ­li­chen Geist­li­chen in ande­ren Län­dern oder ande­rer Kon­fes­sio­nen. Dies ist kei­ne Fra­ge des Glau­bens. Es ist eine Fra­ge von mäch­ti­gen Män­nern, die das Ver­trau­en, das eine abhän­gi­ge Gemein­schaft in sie setzt, aus­nut­zen und ver­let­zen. Wenn jemand eine Sün­de began­gen hat, dann sind es die­se Män­ner, die ihre eige­nen Ver­bre­chen gegen die Gemein­schaf­ten, die sie zu ver­tre­ten vor­ge­ben, zu ver­tu­schen suchen, indem sie fal­sche Infor­ma­tio­nen her­stel­len oder ver­brei­ten.

Drit­tens war ein Video des Mar­sches in Karat­schi mit Bear­bei­tungs­pro­gram­men gefälscht wor­den. Wo Demons­tran­tIn­nen in Wirk­lich­keit „Mul­lahs müs­sen auch zuhö­ren“ rie­fen, hieß es nun „Allah muss auch zuhö­ren“. Dies ist ein wei­te­rer Ver­such, die Auf­merk­sam­keit von den eigent­li­chen Schul­di­gen abzu­len­ken. Was der Aurat March for­dert, ist, dass auch Mul­lahs zur Ver­ant­wor­tung gezo­gen wer­den müs­sen. Sie sind Men­schen wie der Rest von uns und dür­fen kei­ne beson­de­ren Pri­vi­le­gi­en genie­ßen. Dass sie es wagen, sich der Rechen­schafts­pflicht zu ent­zie­hen, indem sie ihren Namen mit dem Allahs, sub­ha­na­hu wa ta-ala, gleich­set­zen, ist beschä­mend, geschmack­los und respekt­los gegen­über den mus­li­mi­schen Gemein­schaf­ten, die sie zu ver­tre­ten vor­ge­ben.

Doch wo Wor­te nichts mehr nüt­zen, kommt Gewalt ins Spiel. Und das ist es, was die­se Rech­ten im Sinn haben. Das ist der Grund für die Todes­dro­hun­gen der paki­sta­ni­schen Tali­ban gegen die Orga­ni­sa­to­rIn­nen des Aurat March. Unfä­hig, die täg­li­che Gewalt in ihren Häu­sern wei­ter zu ver­ber­gen, die durch die Ent­hül­lun­gen, Slo­gans und For­de­run­gen des Mar­sches offen­ge­legt wird, dro­hen sie nun damit, die Gewalt auf die Stra­ße zu brin­gen. Dass dies die Wahr­heit ist, zeig­te ein Angriff auf Mit­glie­der der Pro­gres­si­ve Youth Alli­an­ce durch den fun­da­men­ta­lis­ti­schen Stu­den­ten­flü­gel Isla­mi Jam­i­at-e-Tala­ba, nur weil ers­te­re einen Stand gegen sexu­el­le Über­grif­fe auf einem Cam­pus in Karat­schi orga­ni­siert hat­ten.

Perspektiven und Aufgaben

Hier müs­sen wir für einen Moment inne­hal­ten. Womit dro­hen sie uns eigent­lich? Sie dro­hen uns, damit wir die Gewalt wie­der im Gehei­men ertra­gen. Das bedeu­tet aber unwei­ger­lich, dass die­se wei­ter­geht. Das ist kei­ne Opti­on für uns! Wir wer­den nie wie­der zum Schwei­gen gebracht wer­den.

Damit eröff­net sich aber ein wich­ti­ges Sze­na­rio. Es zeigt, dass sich die­se Kräf­te einer­seits ernst­haft bedroht füh­len. Und in der Tat, auch wenn der Aurat March heu­te kein sozia­lis­ti­sches Pro­gramm ver­tritt, hat es die Bewe­gung erfolg­reich geschafft, ein wach­sen­des kol­lek­ti­ves Bewusst­sein von Frau­en für patri­ar­cha­le Unter­drü­ckung quer durch alle Klas­sen zu schaf­fen. Dies ist eine ech­te Errun­gen­schaft, die nie­mand leug­nen kann.

Den­noch ist die Bewe­gung ein­deu­tig nicht auf eine direk­te Kon­fron­ta­ti­on mit rech­ten Kräf­ten vor­be­rei­tet. Der ideo­lo­gi­sche Ein­fluss, den der Aurat March hat, ist groß, aber er muss genährt wer­den. Wäh­rend­des­sen sind die rea­len orga­ni­sa­to­ri­schen Kräf­te kei­nes­falls ver­gleich­bar mit jenen der Rech­ten. Wir dür­fen zwar kei­ne Posi­ti­on auf­ge­ben, müs­sen aber sozu­sa­gen die Schüt­zen­grä­ben sichern.

Prak­tisch bedeu­tet das, sich auf die Umwand­lung der wach­sen­den Sym­pa­thien von Frau­en aus der Arbei­te­rIn­nen­klas­se und den unter­drück­ten Klas­sen in ech­te Unter­stüt­zung, Betei­li­gung und schließ­lich Füh­rung der Frau­en­be­we­gung zu kon­zen­trie­ren. Das wird natür­lich bedeu­ten, die auf­ge­bau­ten Ver­bin­dun­gen zu den Gemein­den und Orga­ni­sa­tio­nen der Arbei­te­rIn­nen­klas­se zu ver­tie­fen. Aber mehr als das, es wird auch bedeu­ten, die Pro­ble­me, For­de­run­gen und Stra­te­gien der arbei­ten­den Frau­en in den Vor­der­grund zu stel­len. Aktu­el­le Bewe­gun­gen wie die der Gesund­heits­ar­bei­te­rin­nen im Pun­jab sind es, mit denen wir uns aus­ein­an­der­set­zen und letzt­lich ver­bin­den müs­sen.

Eini­ge haben kri­ti­siert, dass der Aurat March nur eine ein­tä­gi­ge Ver­an­stal­tung ist. Und ja, das ist ein Pro­blem. Aber wir müs­sen die­se Fra­ge pro-aktiv begrei­fen. Als Sozia­lis­tIn­nen glau­ben wir nicht, dass uns Kri­tik allein wei­ter­brin­gen wird. Statt­des­sen rufen wir alle, die eine Bewe­gung arbei­ten­der Frau­en auf­bau­en wol­len, dazu auf, unse­re Kräf­te, Erfah­run­gen und bereits bestehen­den Ver­su­che zu bün­deln. Denn die ein­zi­ge Kraft, auf die wir letzt­lich ver­trau­en kön­nen, ist die unse­re.

Auf­grund unse­rer eige­nen heu­ti­gen Schwä­che ist es ver­ständ­lich, dass Füh­rungs­per­sön­lich­kei­ten und Per­so­nen des Aurat March, die zur Ziel­schei­be von Todes­dro­hun­gen durch die paki­sta­ni­schen Tali­ban gewor­den sind, den Staat um Schutz gebe­ten haben. Wir erken­nen an, dass sie jedes Recht haben, um recht­li­chen und per­sön­li­chen Schutz zu bit­ten. Eben­so den­ken wir, dass Eröff­nung von Ver­leum­dungs­kla­gen gegen Täte­rIn­nen, die Fake News ver­brei­ten, um Lynch­mor­de zu pro­vo­zie­ren, eine berech­tig­te Tak­tik sein kann. Nicht pri­mär des­we­gen, weil so in der Zukunft der­ar­ti­ge gestoppt wer­den kön­nen. Viel­mehr des­we­gen, weil ein sol­cher Pro­zess genutzt wer­den kann, um der gesam­ten Nati­on medi­en­wirk­sam alle Fak­ten dar­zu­le­gen, inklu­si­ve der größ­ten Wahr­heit, dass die rech­ten Mul­lahs Lüg­ner sind.

Wir müs­sen jedoch davor war­nen, dass der paki­sta­ni­sche Staat selbst für Frau­en der obe­ren Mit­tel­schicht bes­ten­falls ein wan­kel­mü­ti­ger Freund ist. In der Tat ist er für die brei­te Mas­se der Frau­en über­haupt kein Freund. Auch wenn sich vie­le des­sen bewusst sind, ist es wich­tig, dies voll­stän­dig zu ver­ste­hen, es wirk­lich zu ver­in­ner­li­chen, damit unse­re Bewe­gung die rich­ti­gen Prio­ri­tä­ten set­zen kann. Und manch­mal ist das Ein­zi­ge, was uns die Kraft gibt, das Rich­ti­ge zu tun, uns einer beängs­ti­gen­den Situa­ti­on bewusst und mit aller Klar­heit zu stel­len.

Unge­ach­tet des­sen ist Moral von gro­ßer Wich­tig­keit. Oft ent­schei­det sie über den Aus­gang einer Aus­ein­an­der­set­zung. Gemein­schaft und Soli­da­ri­tät zu erle­ben, ist das, was so vie­len unse­rer Kämp­fe Leben ein­haucht. Aus die­sem Grund appel­lie­ren wir an die Frau­en- und Arbei­te­rIn­nen­be­we­gung der gan­zen Welt, sich mit unse­rer Bewe­gung zu soli­da­ri­sie­ren. Wir bit­ten Euch, Dis­kus­sio­nen über unse­ren Kampf zu füh­ren, Arti­kel über unse­re Kämp­fe zu ver­öf­fent­li­chen, Pro­tes­te zu orga­ni­sie­ren und Bot­schaf­ten der Soli­da­ri­tät zu sen­den.

Die größ­te Stär­ke unse­rer Bewe­gun­gen war es immer, gemein­sam zu kämp­fen, in Soli­da­ri­tät von­ein­an­der zu ler­nen in unse­ren gemein­sa­men Kämp­fen gegen Unter­drü­ckung, Kapi­ta­lis­mus und Impe­ria­lis­mus. Wir wer­den nicht zulas­sen, dass die paki­sta­ni­sche Rech­te uns unse­rer größ­ten Stär­ke beraubt. Wir wer­den nie wie­der schwei­gen!

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