[ISO:] Die Frauen der Pariser Kommune

Die Frau­en spie­len eine wich­ti­ge Rol­le der revo­lu­tio­nä­ren Pari­ser Kom­mu­ne. Auch wenn die Arbei­ter­be­we­gung noch durch Män­ner domi­niert war. Das Wahl­recht spiel­te für die Revo­lu­tio­nä­rin­nen eine unter­ge­ord­ne­te Rol­le. Sie hat­ten ande­re Zie­le.

Am 18. März 1871 erhebt sich in Paris das Volk gegen die Regie­rung Thiers. Mit einer Rei­he fort­schritt­li­cher Maß­nah­men wol­len die Auf­stän­di­schen eine demo­kra­ti­sche Herr­schafts­form begrün­den, die die Inter­es­sen der ein­fa­chen Bevöl­ke­rung in den Mit­tel­punkt stellt. Wel­che Rol­le gera­de die Frau­en auf den Bar­ri­ka­den der Com­mu­ne[1] gespielt haben, beleuch­tet das fol­gen­de Inter­view mit der His­to­ri­ke­rin Mat­hil­de Lar­rè­re. Der Inter­view­er war Yohann Emma­nu­el.

Was kann man über die
Rol­le der Frau­en wäh­rend der Ereig­nis­se des 18. März, die den Beginn der
Kom­mu­ne mar­kie­ren, sagen? Lässt sich eine Par­al­le­le zu ande­ren revo­lu­tio­nä­ren
Ereig­nis­sen zie­hen, in denen die Frau­en eine zen­tra­le Rol­le inne­hat­ten, wie dem
Marsch auf Ver­sailles am 5. und 6. Okto­ber 1789 oder der Demons­tra­ti­on zum
Inter­na­tio­na­len Frau­en­tag am 8. März 1917, der die Rus­si­sche Revo­lu­ti­on
ein­lei­te­te?

Am 18. März mach­ten sich sehr vie­le Frau­en auf den Weg
zum Hügel Mont­mart­re, um die Sol­da­ten dar­an zu hin­dern, die Geschüt­ze dort zu beschlag­nah­men.
Die Erklä­rung dafür liegt ein­fach dar­in, dass es früh am Mor­gen war und die
Frau­en zuerst auf­ge­stan­den sind, um Was­ser, Brenn­holz etc. zu holen. Aber es
waren auch Män­ner dabei – wenn auch nur, weil die Frau­en Alarm schlu­gen – und
vor allem die Föde­rier­ten der Natio­nal­gar­de, die bloß aus Män­nern bestand und
für Frau­en nicht zuge­las­sen war. Inso­fern war es ein recht gemisch­tes Volk, das
sich mit den Sol­da­ten auf dem Champs des Polo­nais auf Mont­mart­re ver­brü­der­te.

Am 5. und 6. Okto­ber 1789 waren die Frau­en die
trei­ben­de Kraft (es war ein Frau­en­ver­band, die Dames de la Hal­le – die Frau­en
aus den (Markt-)Hallen –, die die Bewe­gung ins Leben rief), bevor sich die
Natio­nal­gar­de ihnen anschloss; und am 8. März 1917 war es der
Inter­na­tio­na­le Frau­en­tag (seit­her ist die­ser Tag auf den 8. März fest­ge­legt).
In all die­sen Fäl­len wird bloß der Rol­le der Frau­en an die­sen jewei­li­gen Tagen
gedacht und für die übri­ge Zeit aus­ge­blen­det, obwohl sie auch am 10. August
1792 und im wei­te­ren Ver­lauf der Ereig­nis­se von 1871 und der Rus­si­schen
Revo­lu­ti­on etc. prä­sent waren. Ihre Prä­senz wird also bloß in Ver­bin­dung mit
ihrer sozia­len und haus­wirt­schaft­li­chen Rol­le – beson­ders bei der Beschaf­fung
von Nah­rungs­mit­teln – sicht­bar gemacht: Der 5. Okto­ber 1789 war ein
Getrei­de­auf­stand, bei dem die Frau­en nach Ver­sailles gin­gen, um Brot zu holen,
auch wenn sie am Ende den König nach Paris zurück­brach­ten; und der 8. März
1917 war für einen gro­ßen Teil der Peters­bur­ger Frau­en, näm­lich derer aus den
Arbei­ter­vier­teln, weni­ger eine Demons­tra­ti­on für die Rech­te der Frau­en als eine
Demons­tra­ti­on für Brot und Frie­den. Daher darf die Sicht auf ihre Teil­nah­me an den
revo­lu­tio­nä­ren Ereig­nis­sen nicht auf die­se weni­gen Tage ein­ge­engt wer­den, auch
wenn die­se die Initi­al­zün­dung waren.

Danach waren sie aber
nicht in den offi­zi­el­len Insti­tu­tio­nen der Com­mu­ne ver­tre­ten. Haben sie das
nicht ein­ge­for­dert?

Es war kein Wahl­recht der Frau­en bei der Wahl der Com­mu­ne am
26. März vor­ge­se­hen und tat­säch­lich erho­ben sie auch kaum Anspruch dar­auf.
Das Wahl­recht war zu die­ser Zeit kei­ne vor­ran­gi­ge For­de­rung der Frau­en: Ande­res
ging vor, erst recht bei den Kom­mu­nard­in­nen, von denen die meis­ten Sozia­lis­tin­nen
oder „Mon­ta­gnar­des“ (Sozi­al­de­mo­kra­ten) waren. Auf ihre For­de­run­gen wer­den wir
noch zurück­kom­men. Übri­gens ver­hielt es sich genau­so in der Fran­zö­si­schen
Revo­lu­ti­on: Wohl ist oft die Rede von Olym­pe de Gouges und ihrer Erklä­rung der
Rech­te der Frau­en und Bür­ge­rin­nen, mit der sie indi­rekt (aber nie expli­zit) das
Wahl­recht ein­for­der­te, aber wie Domi­ni­que Godi­ne­au in ihren Wer­ken über die
revo­lu­tio­nä­ren Frau­en nach­weist, for­der­ten sie viel eher, der Natio­nal­gar­de
bei­tre­ten zu kön­nen, als wäh­len zu dür­fen.

Ist die Betei­li­gung
von Frau­en an den Kämp­fen eine Beson­der­heit der Com­mu­ne?

Nein, schon immer waren Frau­en in Kämp­fe invol­viert, aber hier
muss man unter­schei­den. Mit der Waf­fe in der Hand zu kämp­fen, war in den
Auf­stän­den vor der Com­mu­ne eher unüb­lich, weil Frau­en nicht unbe­dingt wuss­ten,
wie man mit Waf­fen umgeht, und weil die Men­ta­li­tät vor­herrsch­te, wonach es
ein­fach unvor­stell­bar war, dass Frau­en den Tod und zugleich das Leben gaben. So
wur­den sie von Waf­fen fern­ge­hal­ten. Ande­rer­seits nah­men sie an
Bar­ri­ka­den­kämp­fen teil (beson­ders 1830 und 1848). Eine Bar­ri­ka­de soll eine
Stra­ße ver­sper­ren, damit die anstür­men­den Sol­da­ten auf­ge­hal­ten wer­den. Die
Kämp­fe fin­den dann auf zwei Ebe­nen statt: Zum einen kommt es zu einer direk­ten Kon­fron­ta­ti­on
zwi­schen den Sol­da­ten und den bewaff­ne­ten Män­nern auf der Bar­ri­ka­de, zum
ande­ren wirft die Bevöl­ke­rung ver­schie­de­ne Gegen­stän­de aus den Fens­tern – und
das sind vor­wie­gend Frau­en. Die­se zwei­te Ebe­ne ist eben­so wich­tig
(Unter­su­chun­gen haben gezeigt, dass es wäh­rend der Auf­stän­de gegen die
Juli­mon­ar­chie mehr Schä­del­brü­che als Schuss­ver­let­zun­gen unter den Trup­pen gab),
wird aber oft ver­ges­sen. Außer­dem luden die Frau­en auch die Geweh­re nach,
ver­sorg­ten die Ver­wun­de­ten und rich­te­ten die Bar­ri­ka­den wie­der auf etc. Die
Beson­der­heit der Kom­mu­ne war, dass Frau­en häu­fi­ger mit der Waf­fe in der Hand an
den Kämp­fen teil­nah­men, vor allem auf Bar­ri­ka­den, die von männ­li­chen Kämp­fern
ver­las­sen wor­den waren.

Eine der
bedeu­tends­ten Frau­en­or­ga­ni­sa­tio­nen in der Com­mu­ne war auch direkt in die Kämp­fe
invol­viert: die Frau­en­uni­on für die Ver­tei­di­gung von Paris und die Pfle­ge der
Ver­wun­de­ten. Kön­nen Sie dazu etwas sagen? Und in wel­chen Zusam­men­hän­gen konn­ten
sich Frau­en sonst orga­ni­sie­ren?

Dies ist eine Orga­ni­sa­ti­on, die von Eli­sa­beth Dmi­trieff
gegrün­det wur­de, die von der IAA [Inter­na­tio­na­le Arbei­ter­as­so­zia­ti­on, der
offi­zi­el­le Name der Ers­ten Inter­na­tio­na­le] von Lon­don nach Paris dele­giert
wor­den war. Ursprüng­lich waren zwei Män­ner dele­giert wor­den, aber einer von
ihnen war wegen Krank­heit ver­hin­dert, sodass sie ihn kur­zer­hand ersetz­te. Die­se
Orga­ni­sa­ti­on ist wegen ihrer Dop­pel­funk­ti­on inter­es­sant: die Ver­tei­di­gung von
Paris, womit die Frau­en den Tabu­bruch ein­for­der­ten, Waf­fen tra­gen zu dür­fen;
und die Ver­sor­gung der Ver­wun­de­ten, die dem gegen­über der klas­si­schen Rol­le der
Frau in der geschlecht­li­chen Arbeits­tei­lung ent­spricht. Es ist die am bes­ten
struk­tu­rier­te und ziem­lich zen­tra­li­sier­te Orga­ni­sa­ti­on mit drei Ebe­nen: loka­le
Komi­tees in jedem Bezirk, in denen Ver­tre­te­rin­nen für ein über­ge­ord­ne­tes
Komi­tee gewählt wur­den, und schließ­lich ein Zen­tral­ko­mi­tee, das von Eli­sa­beth
Dmi­trieff gelei­tet wur­de.

Aber es gab auch ande­re Orga­ni­sa­tio­nen, vor allem Klubs, wie
den Mont­mart­re-Klub, in dem André Léo mit­wirk­te. Auch zwi­schen die­sen
Orga­ni­sa­tio­nen gab es gewis­se Span­nun­gen: Als André zum Bei­spiel auch der
Frau­en­uni­on zur Ver­tei­di­gung von Paris und der Pfle­ge der Ver­wun­de­ten bei­trat, zeig­te
sich Eli­sa­beth Dmi­trieff über die­se Dop­pel­mit­glied­schaft stark ver­är­gert. Die­se
ver­schie­de­nen Orga­ni­sa­ti­ons­zu­sam­men­hän­ge waren „nicht gemischt“ (auch wenn der
Begriff ana­chro­nis­tisch ist), von Frau­en geführt und orga­ni­siert, genau wie die
Frau­en­klubs in der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on oder im Jahr 1848 (und auch die
Zei­tun­gen von 1848), auch wenn in eini­gen Fäl­len Män­ner unter­stüt­zend tätig
wer­den konn­ten. Die Frau­en ver­stan­den, dass sie sich so orga­ni­sie­ren muss­ten,
um han­deln zu kön­nen und Gehör zu fin­den!

Gab es wei­te­re
„pro­mi­nen­te“ Kom­mu­nard­in­nen?

Außer Loui­se Michel sind alle weit­ge­hend in Ver­ges­sen­heit
gera­ten. Und auch sie – und viel­leicht noch [Vic­to­ri­ne] Bro­cher – sind
haupt­säch­lich wegen ihrer Schrif­ten in Erin­ne­rung geblie­ben. Dane­ben gab es
aber sehr viel mehr erwäh­nens­wer­te Frau­en. Etwa André Léo, Ver­fas­se­rin einer
groß­ar­ti­gen Kampf­schrift La guer­re
socia­le
, in der sie kri­ti­sier­te, dass man seit 100 Jah­ren „die Revo­lu­ti­on
ohne die Frau­en machen“ will; Dmi­trieff, deren wei­te­res Leben nach der Com­mu­ne
weit­ge­hend unbe­kannt ist; Pau­le Minck oder auch die etwas bekann­te­re Natha­lie
Lemel, die mit Eugè­ne Var­lin zusam­men­ar­bei­te­te und mit ihm eine
Gas­tro­no­mie­ge­nos­sen­schaft für das ein­fa­che Volk (La Mar­mi­te) gegrün­det hat. Aber
über die meis­ten Kom­mu­nard­in­nen gibt es kei­ne Auf­zeich­nun­gen, abge­se­hen von ein
paar nament­li­chen Erwäh­nun­gen auf Pla­ka­ten oder in den nach­fol­gen­den
Gerichts­ak­ten aus Ver­sailles. Davon abge­se­hen gilt dies mehr oder min­der auch
für die meis­ten Män­ner, die in der Com­mu­ne kämpf­ten, sieht man von Val­lès,
Cour­bet, Pot­tier und eini­gen ande­ren ab.

Außer dem Bei­tritt in
die Natio­nal­gar­de oder dar­über hin­aus dem Recht, Waf­fen tra­gen zu dür­fen,
wel­che wich­ti­gen For­de­run­gen haben die Frau­en der Com­mu­ne noch gestellt?

Ihre For­de­run­gen waren die, die schon von den Frau­en 1848
erho­ben wor­den waren, denen sie sozi­al und poli­tisch recht nahe stan­den: das
Recht auf Arbeit, glei­che Bezah­lung wie die Män­ner und damit die­sel­be
Aner­ken­nung ihrer Qua­li­fi­ka­ti­on. Sie for­der­ten auch das Recht auf Bil­dung ein,
das Schei­dungs­recht, die Aner­ken­nung der unehe­li­chen Kin­der, die Aner­ken­nung
der Kon­ku­bi­nen und ihre Gleich­stel­lung mit den ver­hei­ra­te­ten Frau­en. Eini­ge von
ihnen, nament­lich Loui­se Michel, ver­lang­ten auch die Abschaf­fung der
Pro­sti­tu­ti­on.

Wel­che die­ser
For­de­run­gen wur­den erfüllt?

Im Rah­men der Frau­en­uni­on für die Ver­tei­di­gung von Paris und
die Ver­sor­gung der Ver­wun­de­ten stand auch die Frau­en­ar­beit im Mit­tel­punkt, und
Eli­sa­beth Dmi­trieff erreich­te die Zusa­ge über eine Lohn­gleich­heit, die sogar
per Dekret für einen bestimm­ten Beruf garan­tiert wur­de; sie grün­de­te sogar
Pro­duk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten für Frau­en. Zahl­rei­che Schu­len für Jun­gen und
Mäd­chen wur­den gegrün­det. Kon­ku­bi­nen wur­den aner­kannt, da die Kom­mu­ne ver­füg­te,
dass die Ehe­frau­en oder Kon­ku­bi­nen
von im Kampf ver­wun­de­ten oder gefal­le­nen Natio­nal­gar­dis­ten eine Ren­te erhal­ten
soll­ten; auch die unehe­li­chen Kin­der wur­den aner­kannt. Hin­ge­gen wur­den die Frau­en
nicht zur Föde­rier­ten Natio­nal­gar­de zuge­las­sen: In der Blu­ti­gen Woche grif­fen
sie dann von sich aus zu den Waf­fen.

Wel­che Rol­le spiel­ten
die Frau­en damals in der Arbei­ter­be­we­gung?

Dies war recht pro­ble­ma­tisch. Die Arbei­ter­be­we­gung war nicht
nur män­ner­do­mi­niert, son­dern es gab auch etli­che Strö­mun­gen, die gegen die Arbeit
von Frau­en waren, die ihnen als illoy­al galt, weil sie schlech­ter bezahlt
wur­de. Und sie sahen in ihnen auch – aller­dings vor allem in der Fol­ge­zeit
– Streik­bre­cher, wofür es gar kei­nen
Beleg gab, weil die Arbeits­tei­lung so geschlechts­spe­zi­fisch war, dass eine Frau
nicht die Arbeit eines Man­nes machen könn­te.

Außer­dem hiel­ten sie Fabrik­ar­beit für amo­ra­lisch, und vie­le
in der Arbei­ter­be­we­gung und der Inter­na­tio­na­le woll­ten, dass die Frau­en,
ins­be­son­de­re wenn sie ver­hei­ra­tet waren, wie­der in den Haus­halt zurück­keh­ren
und zu Hau­se arbei­ten soll­ten, und zwar unter noch schlech­te­ren Bedin­gun­gen als
in den Fabri­ken. In der fran­zö­si­schen Arbei­ter­be­we­gung kamen noch der Ein­fluss
des Proud­ho­nis­mus und Proud­hons aus­ge­präg­te Frau­en­feind­lich­keit hin­zu.

Dies galt natür­lich nicht für alle Genos­sen. Eugè­ne Var­lin
setz­te sich bei­spiels­wei­se sehr für die Gleich­stel­lung der Geschlech­ter und
ins­be­son­de­re für glei­che Bezah­lung ein, und als er zusam­men mit Natha­lie Lemel
La Mar­mi­te grün­de­te, waren die orga­ni­sa­to­ri­schen Auf­ga­ben gleich ver­teilt. Aber
sol­che Genos­sen waren in der Min­der­heit: Es gab meh­re­re Kon­gres­se oder
Kon­fe­ren­zen der Inter­na­tio­na­le in der Zeit vor der Com­mu­ne – vor allem wäh­rend
der Welt­aus­stel­lun­gen –, die mit zutiefst frau­en­feind­li­chen Tex­ten ende­ten, die
sich gegen die Frau­en­ar­beit rich­te­ten. Dage­gen kämpf­ten Dmi­trieff, André Léo
und Pau­le Minck schon vor der Com­mu­ne: Sie führ­ten stark fre­quen­tier­te
Kon­fe­ren­zen durch, in denen sie das Recht auf Arbeit und glei­che Löh­ne
pro­pa­gier­ten. Der Slo­gan „Glei­cher Lohn für glei­che Arbeit“ ist ein Slo­gan der
Pari­ser Com­mu­ne.

Kann man sagen, dass
es damals eine femi­nis­ti­sche Bewe­gung in Frank­reich gab?

Das ist schwie­rig, denn das Zwei­te Kai­ser­reich hat­te die
femi­nis­ti­schen Bewe­gun­gen, die sich 1848 gebil­det hat­ten, weit­ge­hend
zer­schla­gen. Es gab einen lang­sa­men Wie­der­auf­schwung im Gefol­ge von André Léo
oder Pau­le Minck, aber auch Maria Derais­mes, die die 1869 gegrün­de­te Zei­tung Le Droit des femmes lei­te­te und eine
zen­tra­le Rol­le in der 1870 gegrün­de­ten Ver­ei­ni­gung für die Rech­te der Frau­en
spiel­te. Aber vor allem inner­halb der Arbei­ter­be­we­gung ent­wi­ckel­te sich ein
sozia­lis­ti­scher Femi­nis­mus oder femi­nis­ti­scher Sozia­lis­mus. Erst spä­ter
ent­wi­ckel­te sich eine femi­nis­ti­sche Bewe­gung außer­halb der Arbei­ter­be­we­gung, im
Gefol­ge der Suf­fra­get­ten wie Huber­ti­ne Auclert und Mar­gue­ri­te Durand.

Wenn wir uns das Ende
der Com­mu­ne anse­hen, gab es eine beson­de­re Repres­si­on der Frau­en durch die
Ver­sail­ler?

Ja, aber dies war zwei­schnei­dig. Einer­seits wur­den mehr Ver­fah­ren
gegen Frau­en als gegen Män­ner ein­ge­stellt, was lan­ge Zeit als nach­sich­ti­ge­rer
Umgang der Jus­tiz gegen­über Frau­en gewer­tet wur­de. Betrach­tet man jedoch die
Urtei­le, so stellt man fest, dass Frau­en här­ter ver­ur­teilt wur­den: 13 % der
ver­ur­teil­ten Frau­en wur­den zum Tode ver­ur­teilt, ver­gli­chen mit 0,9 % der
Män­ner; und 13 % wur­den zu Zwangs­ar­beit und 13 % zur Depor­ta­ti­on ver­ur­teilt,
wäh­rend die Zah­len bei den Män­nern 2,3 % bzw. 11 % betru­gen.

Der Grund dafür war, dass sie alle Tabus gebro­chen hat­ten.
Sie gal­ten den Ver­sail­lern als Mons­ter, beson­ders weil sie Frau­en waren. Sie
durch­bra­chen die Geschlech­ter­ord­nung, indem sie ihren dama­lig ange­stamm­ten
Platz (in der Küche und an der Wie­ge) ver­lie­ßen und in die Poli­tik gin­gen, was
zwangs­läu­fig mit einer Revo­lu­ti­on ein­her­ging. So lässt sich das Bild der
Petro­le­usen ver­ste­hen, als wel­che die Kom­mu­nard­in­nen stig­ma­ti­siert wur­den.
Die­ses Kli­schee fin­det sich seit den ers­ten Brän­den in der Com­mu­ne. Es taucht
in der Ver­sail­ler Pres­se auf, in den Gemäl­den und in den Pro­zes­sen, in denen
immer wie­der bewie­sen wer­den soll­te, dass Frau­en die Brän­de gelegt haben (wobei
die Ver­sail­ler ver­ga­ßen, dass sie es waren, die die ers­ten Brand­bom­ben gewor­fen
hat­ten!)

Hat­te die Nie­der­la­ge
der Com­mu­ne in den fol­gen­den Jah­ren nach­tei­li­ge Fol­gen auf die Lage der Frau­en
und ihre For­de­run­gen?

Nicht unbe­dingt. Es kam zur Wie­der­her­stel­lung der
„mora­li­schen Ord­nung“ durch die Ver­sail­ler, aber das betraf alle und nicht nur
die Frau­en. Und als die Drit­te Repu­blik ins Leben geru­fen wur­de, schaff­te sie
zwar das Frau­en­wahl­recht ab, aber das lag dar­an, dass Frau­en als zu kle­ri­kal
ange­se­hen wur­den, und stand nicht in direk­tem Zusam­men­hang mit der Com­mu­ne. Es
gab also kei­nen „Gegen­schlag“ wie nach der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on mit der
Ver­ab­schie­dung des Code Civil (1804). Natür­lich wur­den die erziel­ten
Fort­schrit­te einer nach dem ande­ren getilgt, aber dies galt auch für das
gesam­te Werk der Kom­mu­ne, das ein­fach aus­ge­löscht wur­de.

Aus l’Anticapitaliste
la revue
vom Janu­ar 2021.

Über­set­zer: MiWe


[1] Die kom­men­de Aus­ga­be der Inter­na­tio­na­le wird anläss­lich des 150. Jah­res­tags ein aus­führ­li­ches Dos­sier zur Pari­ser Com­mu­ne ent­hal­ten.

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