[UG-Blättle:]Black Hawk Down

Wer über den Krieg reden will, darf nicht dar­über schwei­gen, wie er zustan­de kommt.

Bild: Logo zum Film «Ame­ri­can Psy­cho». /​Dise­ña­do­res publi­ci­ta­ri­os (PD)

„Ehr­lich gesagt, die­se Welt nach dem
11. Sep­tem­ber ver­wirrt mich sehr.
Der Ben­zin­preis in den USA ist gesun­ken.
War­um? Und die­se Dif­fe­renz im Preis
zwi­schen Ame­ri­ka und Euro­pa!
Ich habe einen Por­sche, den zu fül­len
mich in Lon­don 51 Pfund kos­tet –
und in Los Ange­les nur 39 Dol­lar!“
(Rid­ley Scott) (1)

„Wir hat­ten kei­ner­lei Ölin­ter­es­sen,
sons­ti­ge Geschäfts- oder poli­ti­sche
Inter­es­sen. Der Aus­lö­ser [für den
Ein­griff in Moga­di­schu] war letzt­lich
das Titel­bild eines Nach­rich­ten­ma­ga­zins,
das ein ver­hun­gern­des, ster­ben­des
soma­li­sches Kind zeig­te“.
(Jer­ry Bruck­hei­mer) (1)

Es gibt poli­ti­sche Aben­teu­rer, von öko­no­mi­schen Inter­es­sen gelei­te­te Hasar­deu­re und ver­lo­ge­ne Fil­me­ma­cher. Ihnen gemein­sam ist, dass sie skru­pel­los sind. Lei­der gibt es auch Men­schen, die Mr. Bruck­hei­mer glau­ben wer­den, dass das Bild eines ster­ben­den Kin­des in Soma­lia die dama­li­gen Prä­si­den­ten Bush Sr. bzw. Clin­ton dazu bewegt hät­ten, in Soma­lia ein­zu­grei­fen. Der Kriegs­fo­to­graf James Nachtw­ey (und nicht nur er) lie­fert sol­che Fotos seit Jah­ren aus allen Kriegs- und Kri­sen­re­gio­nen unse­rer Welt („War Pho­to­gra­pher“, Schweiz 2002), z.B. aus Indo­ne­si­en.

Die­ses Land jedoch ist für die USA stra­te­gisch äus­serst wich­tig, und die Regie­rung wird den Teu­fel tun, dort zu inter­ve­nie­ren (eben­so­we­nig wie jah­re­lang in Ost-Timor). Dar­um haben sich US-Admi­nis­tra­ti­on und ande­re Regie­run­gen der nörd­li­chen Hemi­sphä­re bis­her herz­lich wenig geschert. Es wird auch Men­schen geben, die Scott abneh­men, es gebe irgend­ei­ne mili­tä­ri­sche Ope­ra­ti­on der USA (oder auch ande­rer Welt­mäch­te oder sol­cher, die es sein möch­ten), bei denen stra­te­gi­sche, poli­ti­sche oder öko­no­mi­sche Inter­es­sen kei­ne Rol­le spie­len wür­den.

Trotz­dem!! Es bleibt die Fra­ge, ob die Welt zuschau­en soll, wenn in einem Land 300.000 Men­schen den Hun­ger­tod ster­ben und dafür skru­pel­lo­se, riva­li­sie­ren­de Ban­den – wie 1993 in Soma­lia – zumin­dest mit­ver­ant­wort­lich sind. Mei­ne Ant­wort ist unum­wun­den: Nein! Aber die wei­ter­hin umstrit­te­ne, so gut wie völ­lig unge­lös­te Fra­ge ist: WIE? Die­se Fra­ge stell­te sich in Ex-Jugo­sla­wi­en, in Afgha­ni­stan und im Irak.

Um es vor­weg­zu­neh­men: „Black Hawk Down“ ist kein Bei­trag zu einer ver­nünf­ti­gen Ant­wort auf sol­che Pro­ble­me. Im Gegen­teil: Es ist (wie­der ein­mal) einer jener Fil­me, die mehr ver­kleis­tern als auf­bre­chen.

Die Mis­si­on der UNO 1993, die Lebens­mit­tel­ver­sor­gung der soma­li­schen Bevöl­ke­rung durch Frie­dens­trup­pen zu sichern, scheint geschei­tert. Riva­li­sie­ren­de soma­li­sche Clans machen eine funk­tio­nie­ren­de Ver­wal­tung im Land unmög­lich. Moham­med Farrah Aidid, einer der Clan­füh­rer, beherrscht Moga­di­schu und fängt die Lebens­mit­tel­lie­fe­run­gen ab. Dabei schreckt er auch nicht davor zurück, auf hun­gern­de Men­schen zu schies­sen.

Durch einen soma­li­schen Gewährs­mann erfährt Gene­ral Gar­ris­son (Sam She­pard) von der Anwe­sen­heit hoch­ran­gi­ger Offi­zie­re und Ver­trau­ter Aidids in einem Gebäu­de der Stadt. Gar­ris­son plant, die­se Leu­te durch mit Boden­trup­pen und Hub­schrau­bern agie­ren­de Spe­zi­al­ein­hei­ten gefan­gen zu neh­men und zur US-Basis aus­ser­halb Moga­di­schus zu brin­gen. Die Akti­on soll nicht län­ger als eine hal­be Stun­de dau­ern: 19 Flug­zeu­ge, 12 Fahr­zeu­ge und 160 Mann wer­den in Bewe­gung gesetzt. Kurz nach Beginn der Ope­ra­ti­on stürzt ein Ran­ger aus dem Hub­schrau­ber. Die erfor­der­lich gewor­de­ne Ret­tungs­ak­ti­on und die Angrif­fe der Män­ner Aidids ver­zö­gern die Abfahrt des Kon­vois, in dem sich die inzwi­schen gefan­gen genom­me­nen Anhän­ger Aidids befin­den. Als dann einer der Black Hawks noch von einer Gra­na­te getrof­fen wird und abstürzt, gerät die Mis­si­on ins­ge­samt in Gefahr. Spä­ter stürzt noch ein wei­te­rer Hub­schrau­ber ab.

Gar­ris­son ver­folgt dies alles über Video. Ein Ret­tungs­trupp wird zusam­men­ge­stellt. Der Kon­voi irrt der­weil durch die Stras­sen der Stadt. Die Soma­li­er schei­nen immer mehr zu wer­den. Es bre­chen hef­ti­ge Stras­sen­ge­fech­te aus. Schliess­lich ist Gar­ris­son gezwun­gen, Hil­fe der UN-Trup­pen anzu­for­dern. Dazu gehö­ren paki­sta­ni­sche Pan­zer und malay­si­sche Pan­zer­fahr­zeu­ge. Gar­ris­son gibt zudem den Befehl, dass kein US-Sol­dat, tot oder leben­dig, zurück­ge­las­sen wer­den darf.

Schliess­lich kön­nen sich die Sol­da­ten, Fahr­zeu­ge und Pan­zer in ein Sport­sta­di­um ret­ten.

Bilanz: 18 tote ame­ri­ka­ni­sche Sol­da­ten, 73 ver­wun­de­te, 500 bis 1.000 tote Soma­lis.

Was habe ich nicht alles an Posi­ti­vem über die­sen Film gele­sen: Es sei ein Anti-Kriegs-Film, Rid­leys Erzähl­kunst und Bruck­hei­mers Talent für Main­stream-Action hät­ten sich zu einer glo­rio­sen Sym­bio­se ver­ei­nigt. Der (zwei­fel­los) gekonn­te „Rea­lis­mus“ der Kampf­hand­lun­gen – die gut zwei Stun­den der 142 Minu­ten des Films ein­neh­men – wür­de wohl jeden zum Kriegs­geg­ner wan­deln. Scott zei­ge auch (!) die soma­li­sche Bevöl­ke­rung und die kämp­fen­den soma­li­schen Sol­da­ten (tat­säch­lich zeigt er einen Mann, der mit einem toten Kind auf dem Arm über die Stras­se geht, eine Frau, die ihre Arme schüt­zend um ihre Kin­der brei­tet und die wie Flie­gen umfal­len­den soma­li­schen Kämp­fer), was wohl heis­sen soll, er sei nicht „ein­sei­tig“. Und so wei­ter und so fort.

Was zeigt Scott nun wirk­lich? Zunächst ein­mal: Die Bil­der des Kriegs­ge­sche­hens sind inso­fern rea­lis­tisch, als Scott und sein Kame­ra­mann Idzi­ak (übri­gens zur Musik von Hans Zim­mer, der an einer Stel­le aus­ge­rech­net Jimi Hen­drix „Voo­doo Child“ lau­fen lässt) alle Raf­fi­nes­sen moder­ner Tech­nik wal­ten las­sen, um die Stras­sen­kämp­fe, Hub­schrau­ber­ab­stür­ze usw. „authen­tisch“ wir­ken zu las­sen. Doch die­se Art von Rea­lis­mus ist nicht rea­lis­ti­scher als eine Lie­bes­sze­ne, in der X und Y sich „per­fekt“ küs­sen. Die Fra­ge, ob ein sol­cher „authen­tisch“ wir­ken­der Kuss dem Betrach­ter auch als Aus­druck von Zunei­gung erscheint, ist eine ganz ande­re Fra­ge. Und hier genau ver­kleis­tern die Bil­der von „Black Hawk Down“, sie schwin­deln und betrü­gen.

Die Insze­nie­rung teilt sich klar in drei Tei­le. Recht­fer­ti­gung des Ein­sat­zes (300.000 Men­schen Opfer eines Geno­zids) und Gedan­ken ein­zel­ner Sol­da­ten ange­sichts des bevor­ste­hen­den Ein­sat­zes, Kriegs­ge­sche­hen samt Schil­de­rung der Ein­drü­cke ein­zel­ner Sol­da­ten, Schluss­poin­te Sgt. Evers­manns (Josh Hart­nett, kriegs­er­fah­ren schon in „Pearl Har­bor“). Die­se Art der Insze­nie­rung ver­deut­licht auf jeden Fall eines: Die Geschich­te, die Umstän­de, die zu der dama­li­gen Situa­ti­on in Soma­lia geführt haben, blei­ben aus­ge­spart – und zwar rest­los. Scott selbst hat dies in dem oben zitier­ten Inter­view unfrei­wil­lig offen­bart: „Es geht um US-Inter­ven­tio­nen im Aus­land, bei denen Ame­ri­ka­ner die Füh­rungs­rol­le über­neh­men, und die alte Auf­fas­sung, dabei hand­le es sich um Chau­vi­nis­mus. Ich fra­ge dann immer mei­ne Befra­ger: ‘Wis­sen Sie etwas über Soma­lia im Jah­re 1993?’ und sie sagen: ‘Nein.’“

Die­ses von Scott gemein­te „Wis­sen“ über Soma­lia im Jahr 1993 ist der Punkt. Denn das „Wis­sen“, das der Film ver­mit­telt, besteht in dem Ergeb­nis (!) eines kom­pli­zier­ten his­to­ri­schen Pro­zes­ses, und resul­tiert nicht aus einer Refle­xi­on die­ses Pro­zes­ses selbst. Ähn­lich wie in „Pearl Har­bor“ wird ein Ereig­nis aus sei­nem his­to­ri­schen Kon­text gelöst, geris­sen kann man schon sagen, und zum Anlass genom­men, um (hier) einen Kriegs­ein­satz zu recht­fer­ti­gen. „300.000 Men­schen sind hier getö­tet wor­den. Das ist kein Krieg, das ist Völ­ker­mord“, sagt Gene­ral Gar­ri­son gegen­über einem soma­li­schen Waf­fen­schie­ber. Recht hat er. Nur wer mit wel­chen Antei­len für die­sen Völ­ker­mord ver­ant­wort­lich ist, damit beschäf­tigt sich Scott nicht.

Wir wis­sen alle oder kön­nen es jeden­falls wis­sen, dass die Ver­hält­nis­se in vie­len afri­ka­ni­schen, latein­ame­ri­ka­ni­schen und asia­ti­schen Län­dern nicht allein auf das Trei­ben ört­li­cher poli­tisch riva­li­sie­ren­der, kor­rup­ter oder unde­mo­kra­ti­scher Regime zurück­zu­füh­ren ist, son­dern auch Ergeb­nis eines lan­gen kolo­nia­lis­ti­schen und neo-kolo­nia­lis­ti­schen Pro­zes­ses sind. In den 70er Jah­ren schlach­te­te ein Idi Amin in Ugan­da Zehn­tau­sen­de von Lands­leu­ten ab. Sol­che Figu­ren wie Amin sind kei­ne „rein“ afri­ka­ni­schen Pro­duk­te. Auch Muga­be, der in Zim­bab­we eine Clan-Herr­schaft auf­ge­baut hat, und inzwi­schen durch Kor­rup­ti­on und Gewalt über das Land herrscht, ist stark geprägt durch euro­päi­sche Ein­flüs­se.

Die Poli­tik die­ser Regimes war nur mög­lich auf­grund der zivi­li­sa­to­ri­schen Hin­ter­las­sen­schaf­ten der euro­päi­schen Kolo­ni­al­mäch­te und setzt sich fort in der moder­nen Poli­tik der stra­te­gi­schen Inter­es­sen, auch und vor allem der USA, die z.B. Aidid vor 1993 Waf­fen lie­fer­ten, und deren Regie­rung von den Ölfir­men im eige­nen Land auf­ge­for­dert wur­de, die Ölan­la­gen in Soma­lia mili­tä­risch zu schüt­zen. Was wür­de Prä­si­dent Bush ein Sad­dam Hus­sein inter­es­sie­ren, wenn der nicht einer der Haupt­lie­fe­ran­ten des schwar­zen Gol­des wäre und der Irak eine geo­stra­te­gisch bedeu­ten­de Lage hät­te? Genau­so wenig wie Tibet, des­sen Bevöl­ke­rung unter der chi­ne­si­schen Okku­pa­ti­on seit Jahr­zehn­ten zu lei­den hat, genau­so wenig wie jah­re­zehn­te­lang die Bevöl­ke­rung des klei­nen Ost-Timor, die nach dem Ende der Kolo­ni­al­zeit von Indo­ne­si­en drang­sa­liert wur­de. Die Bei­spie­le lies­sen sich fort­set­zen.

Fil­me kön­nen nie voll­stän­dig his­to­ri­sche Zusam­men­hän­ge auf­zei­gen oder klä­ren. Aber es gibt aus­rei­chend Mög­lich­kei­ten, die­se Kon­tex­te in die Insze­nie­rung auf­zu­neh­men.

Scott und Bruck­hei­mer sind sich nicht zu scha­de, der­ar­ti­ge Zusam­men­hän­ge in einer Wei­se aus­zu­blen­den, die – vor allem in Rela­ti­on zu den über­schwäng­lich auf das Publi­kum her­ab­stür­zen­den Kriegs­bil­dern – die Gren­ze zur Geschichts­fäl­schung über­schrei­ten. Die Aus­sa­ge des Films: Der Ein­satz war sinn­los, unüber­legt, ist kei­ne Aus­sa­ge gegen den Krieg – zumal zumin­dest ein Ziel der Akti­on, die Gefan­gen­nah­me der soma­li­schen Gefolgs­leu­te Aidids, ja erreicht wur­de.

Der Film beginnt mit einer land­ser­mäs­si­gen Schil­de­rung der Ängs­te und „Roman­tik“ im US-Camp: Die übli­chen Jokes, der übli­che Gal­gen­hu­mor wech­selt mit (dra­ma­tur­gisch gese­hen) vor­ge­täusch­ten Ängs­ten und einem Josh Hart­nett, der „ein­fach nur hel­fen“ will. Die US-Sol­da­ten ver­mit­teln eher das Bild einer Trup­pe auf dem Weg zum Adven­ture-Urlaub, die Cha­rak­te­re sind nur vor­der­grün­dig gezeich­net. Dann wird das Kampf­ge­sche­hen ein­ge­lei­tet: „Wenn dir die ers­te Kugel um die Ohren fliegt, küm­mert dich Poli­tik einen Dreck!“ Genau das ist das Mot­to des Films. Nach dem Tot­schlag­s­ar­gu­ment der 300.000 ver­hun­ger­ten Soma­li­er, mit dem sozu­sa­gen alles und nichts (hier: alles) gerecht­fer­tigt wer­den kann, legt man die Poli­tik (und meist auch das Den­ken) bei­sei­te.

Es bleibt nichts wei­ter als Kampf. Zwei Stun­den schleust uns Scott durch die­sen Kampf, bei dem es nicht die Boh­ne dar­auf ankommt, ob er in Soma­lia oder sonst wo statt­fin­det. Die Per­fek­ti­on in der Insze­nie­rung des Kampf­ge­sche­hens, die „Echt­heit“, die „Authen­ti­zi­tät“ des Gesche­hens – das ist eine Erfah­rung, die man schon bei „Pearl Har­bor“ machen konn­te – führt eben nicht zum Grau­en. Im Gegen­teil: Sie offen­bart die Macht der Bil­der, von der wir uns beein­dru­cken las­sen, als wür­de dort etwas gezeigt, was 1:1 „so sei“, als ob Bild und Rea­li­tät kon­gru­ent sei­en. Das Ein­trü­ben der Bil­der in das „moder­ne“ leich­te Blau ver­stärkt noch die Künst­lich­keit die­ser Welt der Bil­der, die uns Rea­li­tät vor­gau­keln.

Und Josh Hart­nett – kon­se­quent – lie­fert am Ende die Moral. Er steht vor einem toten Kame­ra­den und erzählt, er sei gefragt wor­den, ob er sich als Held gefühlt habe, ob er ein Held wer­den woll­te. Nein, er habe nicht gekämpft, um ein Held zu wer­den, aber manch­mal erge­be das die Situa­ti­on.

Ich muss geste­hen, dass mich die­ses Kunst­werk an sau­ber, per­fekt insze­nier­tem Krieg kei­ne Minu­te lang berührt hat. Ver­stärkt wur­de mei­ne Emo­ti­ons­lo­sig­keit noch durch die Art und Wei­se, wie gesichts­los die Sol­da­ten dar­ge­stellt und wie anonym – trotz der Nähe am Gesche­hen – das Töten und Ster­ben blieb. In einer Sze­ne stirbt ein jun­ger Mann, der eine stark blu­ten­de Wun­de am Bein hat. Evers­mann und ein ande­rer Sol­dat drü­cken auf die Wun­de, ver­su­chen alles mög­li­che, aber es nutzt nichts. Das alles liess mich ziem­lich kalt. Ich wür­de sogar so weit gehen zu behaup­ten, dass die­se schier end­lo­se Anein­an­der­rei­hung von Kriegs­ge­tüm­mel, Schies­se­rei­en usw. auf Dau­er abstumpft.

Iden­ti­fi­ka­ti­ons­mög­lich­kei­ten feh­len völ­lig. Die Bil­der, in denen Sol­da­ten Fotos ihrer Fami­li­en in der Hand hal­ten, die­se Bil­der (mehr als oft in ande­ren Fil­men ein­ge­setzt) sind inzwi­schen so abge­grif­fen, in ihrer Wir­kung „ver­gilbt“, dass das manch­mal schon lächer­lich erscheint. Und nicht zuletzt wirkt Sam She­pard als Gene­ral am Bild­schirm wie ein Video-Game-spie­len­der Zivi­list im Sol­da­ten­rock, der sein Spiel ver­liert.

Tat­säch­lich ist dies mein Gesamt­ein­druck von „Black Hawk Down“: eine Art Kriegs-Video-Game des Kinos, leb­los, gefühl­los, tech­nisch, gesichts­los und durch das völ­li­ge Aus­blen­den der poli­ti­schen Hin­ter­grün­de zudem geschichts­los. Im Unter­schied z.B. zu „Wir waren Hel­den“ ver­zich­tet Scott weit­ge­hend auf ver­ba­len Patrio­tis­mus und hel­den­haf­tes Getue. Das benö­tigt er nicht. Das kunst­voll, wie ein Gemäl­de insze­nier­te Kriegs­ge­sche­hen selbst wird zu einer kal­ten patrio­ti­schen – wenn in die­sem Fall auch wegen des Miss­erfolgs für die Ein­hei­ten mit teil­wei­se nega­ti­vem Ergeb­nis aus­ge­hen­den – Schlacht erko­ren.

Schliess­lich: Ja, die soma­li­schen Kämp­fer Aidids und die Bevöl­ke­rung wer­den gezeigt. Aber nicht um ihrer selbst wil­len, son­dern nur zur Recht­fer­ti­gung des Gesche­hens und auch des Films.

Wer über den Krieg reden will, darf nicht dar­über schwei­gen, wie er zustan­de kommt. In vie­len (Anti-)Kriegsfilmen wird der Krieg als eine Art iso­lier­tes Ereig­nis behan­delt, als deus ex machi­na, als Aus­nah­me­erschei­nung par excel­lence. Ganz anders als „Full Metal Jacket“ oder „Wege zum Ruhm“ von Kubrick oder auch „Pla­toon“ von Oli­ver Stone gehört „Black Hawk Down“ zu jener Sor­te moder­ner ame­ri­ka­ni­scher Kriegs­fil­me, die sich vor allem durch Aus­blen­den der Zusam­men­hän­ge hier, Fokus­sie­rung auf das Kriegs­ge­sche­hen dort aus­zeich­nen. Als ob man Krieg auf Schlach­ten und Abschlach­ten redu­zie­ren könn­te. Die­se fil­mi­sche Reduk­ti­on aber macht mir immer wie­der deut­lich, wie mäch­tig Bil­der sein kön­nen, wenn man sie nicht aus­ein­an­der nimmt, zer­legt – und reflek­tiert, was einem da eigent­lich vor­ge­setzt wird.

Ulrich Beh­rens

(1) Inter­view mit Scott und Bruck­hei­mer in: „Die Welt“

Black Hawk Down

USA

2001

143 min.

Regie: Rid­ley Scott

Dreh­buch: Ken Nolan

Dar­stel­ler: Josh Hart­nett, Eric Bana, Tom Size­mo­re

Pro­duk­ti­on: Jer­ry Bruck­hei­mer, Rid­ley Scott

Musik: Hans Zim­mer

Kame­ra: Sła­wo­mir Idzi­ak

Schnitt: Pie­tro Sca­lia

Ulrich Beh­rens

(1) Inter­view mit Scott und Bruck­hei­mer in: „Die Welt“

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