[KgK:] AstraZeneca-Impftermin abgesagt – Bericht einer Sozialarbeiterin

KGK: Guten Mit­tag, Jose­fa! Ich freue mich sehr, dass du zu einem Inter­view bereit bist. Am ver­gan­ge­nen Mon­tag wur­de bekannt, dass vor­erst nicht mehr mit Astra­Ze­ne­ca geimpft wird, wovon auch du betrof­fen bist. Möch­test du dich zu Beginn kurz vor­stel­len und schil­dern, was dir pas­siert ist?

Jose­fa Euler: Ich bin eine 56-jäh­ri­ge Sozi­al­ar­bei­te­rin und hat­te am ver­gan­ge­nen Mon­tag ab 17 Uhr Impf­ter­mi­ne gemein­sam mit mei­nen Kolleg:innen eines nicht-kirch­li­chen Sozia­len Diens­tes, der ambu­lant psy­chisch erkrank­te Men­schen beglei­tet. Wir sind also ein soge­nann­ter auf­su­chen­der Dienst und gehö­ren somit zur Risi­ko­grup­pe zwei der Impford­nung.

Lei­der erfuh­ren wir über einen Aus­hang dort, dass die Impf­ter­mi­ne mit dem Wirk­stoff von Astra­Ze­ne­ca kurz­fris­tig abge­sagt wur­den. Auf unse­re Nach­fra­ge nach einem ande­ren Impf­stoff wur­den wir recht unfreund­lich abge­wie­sen, da nicht genü­gend Impf­stoff da sei.

Du hast gesagt, dass du bei einem nicht-kirch­li­chen Trä­ger arbei­test. Kannst du kurz erläu­tern, war­um du dich ent­schie­den hast, nicht bei kirch­li­chen Trä­gern zu arbei­ten und was dein Pro­blem mit die­sen ist?

In der sozia­len Arbeit soll­ten kirch­li­che Denk­wei­sen und Moral­vor­stel­lun­gen kei­ne Rol­le spie­len, was bei kirch­li­chen Trä­gern aber Grund­la­ge ist, auch wenn dies „schön­ge­re­det“ wird. Zum Bei­spiel wer­den LGBTIQ-Men­schen vor allem auf lan­ge Sicht nicht respek­tiert, man kann sich unter kirch­li­chen Trä­gern nicht erar­bei­ten, wel­ches Geschlecht man eigent­lich hat. Auch gleich­be­rech­tigt den­ken­de Mitarbeiter:innen wer­den oft nicht ernst­ge­nom­men und akzep­tiert. Es soll­te aus­schließ­lich um die indi­vi­du­el­le Pro­blem­la­ge von Men­schen unab­hän­gig von Kon­fes­si­on, Ein­kom­men, Natio­na­li­tät und Her­kunft gehen. Das ist auch der Grund, war­um ich mich für einen nicht-kirch­li­chen Trä­ger ent­schie­den habe, auch wenn ich natür­lich akzep­tie­re, dass Men­schen ihrem Glau­ben nach­ge­hen.

Wäh­rend die Imp­fun­gen nun sehr ver­lang­samt sind, blei­ben gleich­zei­tig Schu­len, Geschäf­te und so wei­ter noch offen. Wie denkst du dar­über?

Die der­zei­ti­gen Locke­run­gen wur­den auch auf­grund des Impf­fort­schrit­tes gemacht. Der ist nun deut­lich ein­ge­bro­chen, also gibt es kei­ne Grund­la­ge für Locke­run­gen. Zumal die Zah­len der Infi­zier­ten rasant stei­gen. Ich nen­ne so ein Vor­ge­hen fahr­läs­sig.

Wie sehen – ange­sichts der stei­gen­den Coro­na-Zah­len und der Impf-Kata­stro­phe – die Schutz­maß­nah­men aus, die der Staat erwei­tert?

Es gibt kei­ne soviel ich weiß.

Liegt dir sonst noch was auf dem Her­zen?

Das Vor­ge­hen unse­rer Damen und Her­ren Poli­ti­ker macht mich trau­rig und wütend und ich schä­me mich fremd. So viel Stüm­per­haf­tig­keit, Igno­ranz, Arro­ganz und Ego­is­mus gepaart mit Geld­gier und Macht­be­ses­sen­heit ist ein toxi­scher Cock­tail. Ich wün­sche mir eine Gesell­schafts­form, in der die Bedürf­nis­se der Men­schen geach­tet und rea­li­siert wer­den.

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