[KgK:] Für eine große Vollversammlung an der FU: Kommt ins offene Komitee!

In drei Wochen ist es so weit: Nach einem Jahr Wind­stil­le an der Frei­en Uni­ver­si­tät wird die ers­te Ver­an­stal­tung statt­fin­den, in der wir unse­re Pro­ble­me als Stu­die­ren­de und Beschäf­tig­te dis­ku­tie­ren und gemein­sa­me Per­spek­ti­ven ent­wi­ckeln kön­nen: eine Voll­ver­samm­lung aller Hoch­schul­an­ge­hö­ri­gen. Nach einem Jahr Ver­ein­ze­lung eröff­net die Voll­ver­samm­lung einen demo­kra­ti­schen Raum, in dem wir selbst ent­schei­den kön­nen, wor­über wir dis­ku­tie­ren und wie wir gegen die aktu­el­le Situa­ti­on kämp­fen wol­len.

Isolation, Jobverluste und Überforderung: Studierende trifft die Krise besonders

Grün­de gibt es genug, denn das letz­te Jahr hat uns alle hart getrof­fen: Die Online-Leh­re macht vie­len zu schaf­fen, sei es auf­grund von schlech­tem Inter­net oder Infra­struk­tur, höhe­rem Pen­sum oder sozia­ler Iso­la­ti­on. Räu­me zum Ler­nen feh­len, vie­le Stu­die­ren­de muss­ten zurück zu ihren Eltern zie­hen. Die Ant­wort der Uni­ver­si­täts­lei­tung war bis­her ein Hohn: Ab und zu kommt eine E‑Mail, in der sich das Prä­si­di­um selbst auf die Schul­ter klopft, ohne tat­säch­li­che Maß­nah­men zu ergrei­fen.

Doch es gibt bereits Initia­ti­ven von Sei­ten der Stu­die­ren­den, die es zu ver­stär­ken gilt: So star­te­te die Fach­schafts­in­itia­ti­ve Phi­lo­so­phie eine Umfra­ge, an der 600 Stu­die­ren­de teil­nah­men. Das Ergeb­nis war wenig über­ra­schend, aber ist ein gutes Mit­tel für öffent­li­chen Druck: So gut wie alle Stu­dis sind mit der Uni unzu­frie­den, wün­schen sich bes­se­re Leh­re und Betreu­ung sowie die Öff­nung der Biblio­the­ken – natür­lich mit Hygie­nekon­zept.

Auch an der Art der Prü­fungs­leis­tun­gen gibt es eini­ges aus­zu­set­zen: Die Bear­bei­tungs­zeit für Klau­su­ren ist viel zu nied­rig für ein Online­for­mat. Beson­ders benach­tei­ligt sei­en aus­län­di­sche Stu­die­ren­de, die nicht Deutsch als Mut­ter­spra­che spre­chen, meint die Initia­ti­ve “Inter­sek­tio­na­ler Anti­ras­sis­mus im Lehr­amt”. An ande­ren Uni­ver­si­tä­ten sei­en schon eini­ge Erfol­ge errun­gen wor­den, doch an der FU ist noch nichts gesche­hen.

Und über die Uni hin­aus ver­viel­fa­chen sich die Pro­ble­me nur noch. Vie­le von uns haben ihre Jobs ver­lo­ren, ban­gen um ihre Exis­tenz und spie­len mehr gezwun­gen als gewollt mit dem Gedan­ken, das Stu­die­ren sein zu las­sen. Rich­ti­ge finan­zi­el­le Ent­las­tung gibt es nicht, bei Schein­selbst­stän­di­gen kom­men die Coro­na-Hil­fen oft­mals nicht an, das Kurz­ar­bei­ter­geld reicht nicht zum Leben und das Bafög eben­so­we­nig.

Die Wohn­si­tua­ti­on ist genau­so kata­stro­phal. Wäh­rend die Ein­kom­men sin­ken, wer­den die Lebens­kos­ten nicht gerin­ger. Und wäh­rend die­ser Kri­se fin­den sogar Zwangs­räu­mun­gen statt! Selbst das Stu­die­ren­den­werk hat Kommiliton:innen aus ihrer Woh­nung raus­ge­wor­fen, in einer Situa­ti­on, in der eine Räu­mung noch mehr als sonst exis­tenz­be­droh­lich ist.

Wäh­rend­des­sen ver­kauft der Senat unse­re Stadt wei­ter an Immo­bi­li­en­haie. Für vie­le von uns sind Pro­jek­te wie die Rigaer94, die Rum­mels­bucht oder das Bar­kol­lek­tiv Meu­te­rei Orte, in denen wir uns stress­frei auf­hal­ten kön­nen und die das Stadt­bild stark prä­gen. All die­se Orte sind jedoch akut von Räu­mung bedroht.

Die sozia­le Iso­la­ti­on, der wir aus­ge­setzt sind, ver­schlim­mern die ohne­hin schon exis­ten­zi­el­len Pro­ble­me unse­rer Genera­ti­on, die meist unter pre­kä­re­ren Bedin­gun­gen lebt als unse­re Eltern. Wir wer­den gezwun­gen, zu Hau­se zu blei­ben, wäh­rend die Groß­be­trie­be wei­ter nicht-essen­ti­el­le Güter pro­du­zie­ren. Wäh­rend die Groß­in­dus­trie Mil­li­ar­den bekommt, wer­den Gesund­heit und Bil­dung kaputt­ge­spart.

Es gibt also genü­gend Grün­de, sich zu orga­ni­sie­ren und etwas gegen die­se Situa­ti­on zu unter­neh­men. Des­we­gen hat das Stu­die­ren­den­par­la­ment im Novem­ber auf Vor­schlag von Klas­se Gegen Klas­se Cam­pus und Die Linke.SDS den AStA dazu auf­ge­ru­fen, eine Voll­ver­samm­lung zu orga­ni­sie­ren.

Um die Probleme zu lösen, müssen wir sie selbst in die Hand nehmen

Die­se Voll­ver­samm­lung wird aktu­ell in einem Komi­tee vor­be­rei­tet, das offen für alle Inter­es­sier­ten ist. Zum Einen fin­det hier eine inhalt­li­che Vor­be­rei­tung statt, um sich mit den The­men zu beschäf­ti­gen, die wir hier ange­ris­sen haben. Zum Ande­ren sind natür­lich auch orga­ni­sa­to­ri­sche und tech­ni­sche Vor­be­rei­tun­gen not­wen­dig, damit so vie­le FU-Stu­die­ren­de und ‑Beschäf­tig­te wie mög­lich an der Online-Voll­ver­samm­lung teil­neh­men kön­nen. Wir laden alle Stu­die­ren­den, Beschäf­tig­ten, Fach­schafts­in­itia­ti­ven und Hoch­schul­grup­pen dazu ein, sich am Komi­tee und der Vor­be­rei­tung zu betei­li­gen!

Die Voll­ver­samm­lung ist ein Ort, um unse­re Pro­ble­me zu dis­ku­tie­ren – aber auch, um Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, um unse­ren Wor­ten Taten fol­gen zu las­sen! Wir müs­sen uns orga­ni­sie­ren und das Prä­si­di­um, den Senat und ande­re, die uns das Leben schwer machen, mit unse­ren For­de­run­gen kon­fron­tie­ren.

Wenn wir uns orga­ni­sie­ren – Stu­die­ren­de und Beschäf­tig­te gemein­sam –, ist es mög­lich, Ver­än­de­run­gen zu erkämp­fen. Doch dazu müs­sen wir die Pas­si­vi­tät über­win­den, die die Regie­rung, die Kon­zer­ne und die Uni­lei­tun­gen uns auf­zwin­gen und die bis­her auch die offi­zi­el­len Ver­tre­tun­gen von Stu­die­ren­den und Beschäf­tig­ten nicht durch­bro­chen haben.

Wir von Klas­se Gegen Klas­se Cam­pus set­zen uns dafür ein. Wir sehen uns in der Tra­di­ti­on der Stu­die­ren­den der FU Ber­lin, die seit den 60ern wuss­ten, dass durch Anpas­sung und Pas­si­vi­tät alles nur schlim­mer wird, dass ech­te Rech­te erkämpft wer­den müs­sen, und dass wir uns hier­für so breit wie mög­lich auf­stel­len müs­sen, als Stu­die­ren­de und Beschäf­tig­te aller Fach­rich­tun­gen und Tätig­kei­ten.

Bist du auch der Mei­nung, dass es nicht so wei­ter­ge­hen kann und dass eine Voll­ver­samm­lung ein Start für eine brei­te Stu­die­ren­den­be­we­gung gegen die Kri­se sein muss? Dann komm die­sen Frei­tag um 16 Uhr zum nächs­ten Komi­tee­tref­fen!

Schreib uns wenn du teil­neh­men willst, und du bekommst den Link.

Klas­se Gegen Klas­se