[KgK:] So zensieren Facebook, Instagram und co. Das kannst du dagegen tun.

In vie­le Sei­ten auf Insta­gram, Face­book und Twit­ter wird sehr viel Arbeit gesteckt und wert­vol­le Inhal­te erstellt, die Nutzer:innen der Platt­for­men nicht nur auf­klä­ren sol­len, son­dern auch poli­tisch aus ihrer Iso­la­ti­on holen und eine Per­spek­ti­ve bie­ten. Im Opti­mal­fall erreicht man vie­le Men­schen über Hash­tag, Such­ergeb­nis­se und die Explo­re-Sei­te (eine Vor­schau der Suche). Zuletzt wur­de genau das mas­siv ein­ge­schränkt und die Reich­wei­te von eini­gen Sei­ten ist krass ein­ge­bro­chen. Eini­ge Influencer:innen haben ange­fan­gen, etwas kryp­tisch zu schrei­ben. Bei­spiels­wei­se aus “rechts­ex­trem” wird so “rechts3trem”, um eben nicht als poli­ti­scher Inhalt erkannt zu wer­den. Wir wol­len uns an der Stel­le mit den Hin­ter­grün­den die­ser Zen­sur aus­ein­an­der­set­zen und auch eine Trenn­li­nie zu Ver­schwö­rungs­theo­rien zie­hen.

Was ist ein Shadowban?

Die Bezeich­nung “Shadow­ban” gibt es seit dem Auf­kom­men des Web 2.0 um 2005. Damals wur­den in Foren Kom­men­ta­re von Nutzer:innen so ein­ge­schränkt, dass die Per­son sie zwar noch selbst sehen kann, aber nie­mand ande­res mehr. So bleibt die Zen­sur unsicht­bar und es ist deut­lich schwe­rer, dage­gen vor­zu­ge­hen. Die­ses Kon­zept wur­de mitt­ler­wei­le ver­fei­nert und aus­ge­baut. Unse­re Insta­gram-Bei­trä­ge wer­den von nur 2 bis 5 %, die uns noch nicht fol­gen, gese­hen, wäh­rend es vor eini­gen Mona­ten noch 20–70 % waren. Das könn­te man mit schlech­tem Inhalt erklä­ren, aber unse­re Enge­ge­ment-Rate (Inter­ak­tio­nen pro 100 Views) ist gleich geblie­ben. Auch ande­re Sei­ten, die sich mit poli­ti­schem Tages­ge­sche­hen, Sex­ar­beit, Kli­ma­ak­ti­vis­mus usw. beschäf­ti­gen, berich­ten von Ein­schrän­kun­gen in ihrer Reich­wei­te.

Later​.com, eine Sei­te, die sich mit Social Media aus­ein­an­der­setzt, behaup­tet, dass Insta­gram nicht die Reich­wei­te für die Men­schen blo­ckiert, die einem schon fol­gen, aber Bei­trä­ge vor Nutzer:innen ver­steckt, die einem noch nicht fol­gen. Das sieht man vor allem an Hash­tags. Wir kön­nen das nur bestä­ti­gen. Poli­ti­sche Inhal­te funk­tio­nie­ren nicht so gut in Hash­tags, auch wenn sie deut­lich mehr Likes, Saves und Kom­men­ta­re haben als ande­re Bei­trä­ge, die dort auf­tau­chen. Wenn man berück­sich­tigt, wie wich­tig Hash­tags, die Explo­re-Sei­te und die Suche sind, um ent­deckt zu wer­den, kann man schon von einem Shadow­ban spre­chen.

Aber kann man das nachweisen? 

Lei­der kann man das nicht wirk­lich nach­wei­sen. Es gibt eini­ge Indi­zi­en und Bewei­se, aber nichts Kon­kre­tes. Insta­gram behaup­tet auch, man bräuch­te eine gute Bran­dingstra­te­gie und soll­te sich nicht dar­auf fixie­ren. Dahin­ter könn­te ein wah­rer Punkt lie­gen: Poli­ti­sche Inhal­te eig­nen sich nicht beson­ders gut, um Wer­bung zu schal­ten. Es geht schließ­lich in ers­ter Linie um poli­ti­sche Orga­ni­sie­rung und nicht dar­um, irgend­wel­che Pro­duk­te zu ver­kau­fen. Gleich­zei­tig füh­ren vie­le Bei­trä­ge weg von Insta­gram, was der Algo­rith­mus natür­lich merkt und berück­sich­tigt. Um mehr Geld zu ver­die­nen, ver­su­chen sol­che Platt­for­men Nutzer:innen mög­lich lang auf ihrer Platt­form zu hal­ten, damit sie sich mög­lichst viel Wer­bung anse­hen, durch die Insta­gram, Face­book und co. Geld ver­die­nen.

Unse­re Genoss:innen in Argen­ti­ni­en konn­ten zwi­schen­zeit­lich gar kei­ne Bei­trä­ge mehr tei­len, was aber nicht nur poli­ti­schen Inhalt betrof­fen hat. Wel­che Funk­tio­nen funk­tio­nie­ren und wel­che nicht, ist voll­kom­men will­kür­lich. Zuletzt haben wir die 10.000 Abos auf Insta­gram, was es erst mög­lich gemacht hat, Bei­trä­ge in der Sto­ry zu ver­lin­ken. Insta­gram deak­ti­viert die­se Grund­funk­ti­on des Inter­nets um wie oben beschrie­ben, Men­schen län­ger auf der Platt­form zu hal­ten. Auch das ist Zen­sur, denn die Mei­nungs­frei­heit von Men­schen mit weni­ger Abos wird dras­tisch ein­ge­schränkt.

Insta­grams Mut­ter­kon­zern Face­book war auch bei der ers­ten Wahl Trumps in einen Daten­skan­dal um Cam­bridge Ana­ly­ti­ca ver­wi­ckelt, bei dem auf unlau­te­re Wei­se Trumps Wahl­kampf mit­hil­fe von Daten von 50 Mil­lio­nen Facebook-Nutzer:innen unter­stützt wur­de. CEO Mark Zucker­berg muss­te des­halb auch vor dem Kon­gress aus­sa­gen und sich ent­schul­di­gen. Es kann gut sein, dass Face­book, wel­ches Whats­App und Insta­gram besitzt, gene­rell poli­ti­schen Inhalt in ihrem Algo­rith­men nied­ri­ger ein­ge­stuft, um sol­che Fäl­le in Zukunft zu ver­mei­den.

Wir wol­len kei­ne fal­schen Behaup­tun­gen auf­stel­len und am Ende noch in Ver­schwö­rungs­theo­rien abdrif­ten, aber man muss sich schon klar dar­über sein, dass es poli­ti­sche Zen­sur gibt und die­se, wie oben beschrie­ben, eng mit den Pro­fit­in­ter­es­sen zusam­men­hän­gen könn­ten. Weil man das alles nicht nach­wei­sen kann, for­dern wir, dass alle Geschäfts­bü­cher und Algo­rith­men offen gelegt wer­den. Unab­hän­gi­ge Komi­tees aus Nutzer:innen, Expert:innen und Arbeiter:innen müs­sen die­se eigen­stän­dig prü­fen und die Ver­ant­wort­li­chen zur Rechen­schaft zie­hen.

Das kannst du dagegen tun

Solan­ge es kei­ne demo­kra­ti­sche Kon­trol­le für Sozia­le Medi­en gibt, haben wir kei­ne Garan­tie, dass unse­re Sei­ten nicht gelöscht wer­den. Um dem ein biss­chen vor­zu­beu­gen, freu­en wir uns, wenn du uns auf Tele­gram folgst, um ein Stück weit unab­hän­gi­ger von Face­book und Insta­gram zu sein.

Mit unse­re Sei­te wol­len wir Ankla­gen von Arbeiter:innen ver­öf­fent­li­chen und Men­schen, die von Ras­sis­mus, Sexis­mus, Behin­der­ten­feind­lich­keit, Jugend­un­ter­drü­ckung betrof­fen sind, eine Stim­me geben, die in der bür­ger­li­chen Pres­se kein Gewicht fin­den. Wir wol­len auch poli­ti­sche Ant­wor­ten dar­auf lie­fern und stra­te­gi­sche Debat­ten füh­ren, wie wir es schaf­fen, uns selbst zu orga­ni­sie­ren, wie wir mit dem Ver­rat durch poli­ti­sche Füh­run­gen umzu­ge­hen haben und wir letzt­end­lich eine Inter­na­tio­na­le auf­bau­en, die ihren Namen auch wirk­lich ver­dient. All die­se Ankla­gen und stra­te­gi­schen Debat­ten blei­ben aber unsicht­bar, wenn sie zen­siert wer­den.

Des­halb geben wir uns nicht damit zufrie­den, uns nur auf irgend­wel­che ver­meint­li­chen Alter­na­ti­ven zurück­zu­zie­hen, son­dern wer­den wei­ter über­all aktiv blei­ben. Umso wich­ti­ger ist es des­halb, dass ihr unse­re Bei­trä­ge teilt, liket und spei­chert. Akti­viert auch die Benach­rich­ti­gun­gen über die Glo­cke auf unse­rer Sei­te (sie­he Screen­shot-Anlei­tung). Schreibt uns auch ger­ne, was wir an unse­rer Arbeit und unse­rem Dia­log ver­bes­sern kön­nen.

Stoppt die poli­ti­sche Zen­sur auf Insta­gram! Insta­gram muss end­lich trans­pa­rent wer­den und alle Geschäfts­bü­cher öff­nen!

Teilt die­sen Arti­kel, wenn ihr wollt, dass unse­re Stim­me gegen Zen­sur gehört wird und benutzt den Hash­tag #BanS­ha­dow­Ban

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