[KgK:] Übers Bein brechen- Ein Bericht aus den Schulen

Man könn­te wort­wört­lich übers Bein bre­chen, wenn man sich die aktu­el­len Öff­nungs­stra­te­gien der Schu­len bun­des­weit ansieht. So haben aktu­ell wie­der ver­mehrt Schu­len für Abschluss­klas­sen und Grundschüler:innen geöff­net und das, obwohl die Zah­len der mit dem Coro­na­vi­rus Infi­zier­ten täg­lich stei­gen und sich die Lage erneut zuzu­spit­zen scheint.

Eine Sicher­heits­maß­nah­me für die Schu­len sol­len die zur Ver­fü­gung gestell­ten Schnell­tests dar­stel­len. Doch die­se gibt es in vie­len Schu­len gar nicht erst. So gibt es an unse­rer Schu­le Aus­sa­gen von Lehr­kräf­ten, die davon aus­ge­hen, dass es bis Ostern gar nicht erst die Mög­lich­keit geben wird, in den Schu­len zu tes­ten. Und das, obwohl Wissenschaftler:innen ver­mu­ten, dass durch die rasan­te Ver­brei­tung der bri­ti­schen Virus­mu­ta­ti­on die Inzi­denz­zah­len bis Ostern Schät­zun­gen zufol­ge auf 300 stei­gen könn­ten. Die Tests sei­en schlicht­weg gar nicht vor Ort oder das medi­zi­nisch geschul­te Per­so­nal wür­de gar nicht erst erschei­nen. Wie viel Risi­ko soll man für Bil­dung ein­ge­hen müs­sen?

In Ber­lin ist die Prä­senz­pflicht für die Schüler:innen an man­chen Schu­len aus­ge­setzt. Wer möch­te und kann, darf also in die Schu­le gehen und wie­der dort ler­nen. Für alle, die aus den ver­schie­dens­ten Grün­den zu Hau­se blei­ben und dort wei­ter ler­nen wol­len, herrscht jedoch eine neue Unge­wiss­heit und Angst, die Inhal­te der Unter­richts­stun­den zu ver­säu­men. So kön­ne bei­spiels­wei­se nicht garan­tiert wer­den, dass der Unter­richt als Video­kon­fe­renz über­tra­gen wer­de und auch eine Über­sen­dung der Mate­ria­li­en über die Schul­Cloud durch die Lehrer:innen kön­ne nicht gewähr­leis­tet wer­den. Zeit­pro­ble­me der Lehr­kräf­te und eine feh­len­de tech­ni­sche Aus­stat­tung, sowie eine aus­rei­chen­de Band­brei­te sei­en Grün­de dafür.

Die Leid­tra­gen­den sind alle Betei­lig­ten der Bil­dung und das auf­grund einer kata­stro­pha­len Poli­tik, die Bil­dung nach wie vor betrach­tet, als hät­ten sie nie eine Schu­le von innen gese­hen. Ein neo­li­be­ra­les Sys­tem, das Wis­sen um jeden Preis ver­mit­teln möch­te und dabei die Bil­dungs­sche­re mas­siv ver­grö­ßert, gefähr­det die Bil­dung, Gesund­heit und Zukunft vie­ler Schüler:innen. Es ist nicht erst seit ges­tern ein Pro­blem, dass vie­le Schüler:innen durch die Pan­de­mie den Anschluss ver­lie­ren oder gar nicht erst die Mög­lich­kei­ten besit­zen dem Unter­richt zu fol­gen.

Vie­le Dis­pa­ri­tä­ten im Bereich Bil­dung ver­schär­fen sich durch die aktu­el­le Coro­na Lage nur noch oder wer­den gar erst sicht­bar gemacht. Es muss sich im Bil­dungs­sys­tem grund­le­gend etwas ändern, damit Wis­sen und Spra­che für alle zugäng­lich wird. Ob wir uns dabei auf die­je­ni­gen ver­las­sen kön­nen, die für die­se Mise­re heu­te ver­ant­wort­lich sind? Ich bezweif­le es. Wahr­schein­lich wird es ein­fa­cher sein, die Pro­ble­me selbst anzu­ge­hen, ein­an­der noch mehr zu unter­stüt­zen und zu sagen, was wir von die­ser aktu­ell desas­trö­sen Situa­ti­on hal­ten.

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