[UG-Blättle:]Eine Kunst in der Katastrophe – Die umzingelte Party

Blackbloc/​Ravebloc, die­se Ver­mi­schung, die­se Alli­anz, ist die Ver­kür­zung eines Phä­no­mens des­sen was sich der­zeit in Frank­reich auf den Stras­sen abspielt, etwas phi­lo­so­phi­scher kommt wie meis­tens Lun­di Matin daher, wo die­ser Bei­trag zum The­ma erschien.

Bild: Free Par­ty, Sep­tem­ber 2009. /​Dadonene89 (PD)

Der fol­gen­de Arti­kel ist eine Medi­ta­ti­on über die Gegen­wart, die Unmög­lich­keit zu demons­trie­ren, die Kör­per, den Tod, sei­ne Unvor­her­sag­bar­keit, die Kata­stro­phe, die unse­re Welt ist, aber auch die Par­ty und ihre poli­ti­sche Dimen­si­on, und das alles durch eine Rück­be­sin­nung auf die Kund­ge­bung am ver­gan­ge­nen Sams­tag auf dem Place de la Répu­bli­que gegen das Glo­ba­le Sicher­heits­ge­setz, an der sich auch Sym­pa­thi­san­ten der Free Par­ty der Sil­ves­ter­nacht in Lieu­ron (1) betei­lig­ten. (Vor­wort Lun­di Matin)

Es ist irgend­wann zwi­schen 2004 und 2006, ich kann mich nicht mehr genau erin­nern. In Paris gibt es vie­le besetz­te Orte. Und eine Men­ge Zwangs­räu­mun­gen. An einem kal­ten Win­ter­abend lau­fe ich die Rue de Bel­le­vil­le hin­un­ter, um zur Rue du Cha­let zu gehen, um Freun­de zu unter­stüt­zen, die ver­su­chen, die Eva­ku­ie­rung der Orte, an denen sie leben und woh­nen, zu ver­hin­dern. Es ist ein biss­chen beengt, die Atmo­sphä­re ist gleich­zei­tig herz­lich und span­nungs­ge­la­den, irgend­wo dazwi­schen, und sehr schnell ergibt sich die Fra­ge nach die­ser Atmo­sphä­re, nach der, die wir wol­len und der, die wir nicht wol­len.

Dies ist eine gute Fra­ge, auch eine pein­li­che, weil auto­ri­tä­re, fast päd­ago­gi­sche, die sich mit der Zeit selbst erle­digt, weil man doch immer die glei­chen Leu­te trifft, weil am Ende alle gleich aus­se­hen und die glei­che Atmo­sphä­re pro­du­zie­ren, ohne es zu mer­ken. Bei einer Akti­on gegen eine Räu­mung bil­det sich eine Men­ge, es sind sehr unter­schied­li­che Men­schen, die geru­fen wur­den und die nun da sind, die nicht unbe­dingt wis­sen, was sie tun sol­len, wie sie sich ver­hal­ten sol­len, die sich viel­leicht freu­en, sich zu sehen oder auch gar nicht ver­ste­hen, was genau los ist. Ein Typ, der auf der Veran­da des Hau­ses neben­an sass, nahm sei­ne Gitar­re her­aus und begann zu spie­len, Musik zu machen. Jemand for­der­te ihn auf, auf­zu­hö­ren, und dann hör­te ich die­sen Satz: „Kei­ne Par­ty“.

Kein Fei­ern. Die Situa­ti­on war ernst und die Bot­schaft war klar: kein Fei­ern, kein Trin­ken und kei­ne Par­tys. Es hat­te Gele­gen­hei­ten gege­ben, sich zu ver­stän­di­gen, ein paar Ereig­nis­se, die die “erns­ten Par­tei­en” zusam­men­ge­bracht hat­ten, und die ande­ren, “die fes­ti­ven”, aber am Ende waren es nie wirk­lich die glei­chen Leu­te gewe­sen, die glei­chen Bestre­bun­gen, die glei­chen Affek­te. Ich ging aus die­sem Miss­ver­ständ­nis mit dem Gefühl her­aus, einer aus­ge­präg­ten und gegen­sei­ti­gen Ver­ach­tung bei­gewohnt zu haben. Die Par­ty-Leu­te waren nicht ernst­haft poli­ti­siert, auch nicht wirk­lich Künst­ler, aber sie hat­ten eine sehr beein­dru­cken­de Kriegs­ma­schi­ne erfun­den.

Die Kunst des Fei­erns und die Kunst des Demons­trie­rens hat­ten sich in die­sem Moment des gros­sen Umbruchs im poli­ti­schen Ver­hal­ten, in der Art und Wei­se des Seins, des Tuns und der Lie­bens, plötz­lich in Bewe­gung gesetzt und wur­den von die­ser Distanz inspi­riert. Ich wer­de die­se Geschich­te nicht erzäh­len, sie wird gera­de erst geschrie­ben, wir fan­gen gera­de erst an, sie zu erzäh­len, und oft wür­den wir sie lie­ber nicht erzäh­len, nie­mand will für jemand ande­ren frie­ren, es ist eine Pra­xis, die vor­an­schrei­tet, ohne sich umzu­dre­hen, wenn mög­lich, den Geg­ner dabei auf Abstand hal­tend, soweit dies mög­lich ist.

…an einem Sams­tag wie jedem ande­ren Sams­tag, an dem Demons­tra­tio­nen fast die ein­zig mög­li­che kol­lek­ti­ve Akti­vi­tät sind, die ein­zig mög­li­che nicht-kom­mer­zi­el­le Akti­vi­tät aus­ser­halb des Hau­ses.

Ich dach­te an die­se gan­ze Zeit zurück, als ich neu­lich wie­der die Rue de Bel­le­vil­le hin­un­ter ging, deren Bür­ger­stei­ge nach mona­te­lan­ger Pla­cke­rei neu gepflas­tert wor­den waren, nicht weit von der Rue du Cha­let ent­fernt, an einem Sams­tag wie jedem ande­ren Sams­tag, an dem Demons­tra­tio­nen fast die ein­zig mög­li­che kol­lek­ti­ve Akti­vi­tät sind, die ein­zig mög­li­che nicht-kom­mer­zi­el­le Akti­vi­tät aus­ser­halb des Hau­ses.

Es ist jedoch schwer, an Sams­ta­gen in Paris, wäh­rend der Aus­gangs­sper­re und inner­halb der Zeit, die einem bleibt, um Essen zu kau­fen, nicht zu kon­su­mie­ren, auch wenn es bes­ser ist, nicht zu viel dar­über nach­zu­den­ken, und auch wenn alle Ihre Freun­de die Nase voll haben und Ihnen das sagen, und sich nicht beschwe­ren und Ihnen auch das sagen: las­sen Sie uns über etwas ande­res reden. Sie kön­nen über etwas ande­res reden, aber Sie kön­nen nicht an etwas ande­res den­ken.

Man ist da und hat kei­ne ande­re Wahl, als alles zu beob­ach­ten, was pas­siert, wie die Men­schen gehen und ste­hen, wie sich die Kör­per ver­hal­ten, wie die Geschäf­te auf- und zuma­chen, wie die Dreh­zahl hoch schnellt, wie der Hund, das Kind, der Ver­rück­te, der Land­strei­cher, die Poli­zei.… Und die Poli­zei ver­hält sich in Bel­le­vil­le immer auf eine bestimm­te Art und Wei­se, im Jahr 2006 wie im Jahr 2021.

Alle dei­ne Freun­de sind aufs Land gezo­gen und du fragst dich, was du hier noch machst, was du noch machst… Kein Fei­ern. Der Satz kommt mir wie­der in den Sinn, als ich an die­sem Tag auf dem Platz der Repu­blik ankam, wo ich vor mir nicht sehr gut sehen kann, die Sicht ist durch den Feind ver­sperrt. Da sind die vie­len Poli­zei LKWs ent­lang des Kanals St. Mar­tin und Stras­sen­sper­ren von der Rue de la Fon­tai­ne au Roi bis zur Cou­ron­ne. Sie kön­nen trotz­dem durch­kom­men, indem Sie die Ein­kaufs­tü­ten öff­nen.

Das ist es, was ich sehe, und das ist es, was ich betrach­te, die­ses Bild vom Sams­tag, von dem Paar mit Kin­dern, jene mas­ken­tra­gen­de Fami­lie, die die Uni­q­lo-Lebens­mit­tel­tü­ten tra­gen und die Stras­sen­sper­ren der Poli­zei mit ihren Ein­käu­fen nach­ein­an­der durch­que­ren. Es ist ein ziem­lich berau­schen­des Bild, wenn man dar­über nach­denkt, was da alles drin ent­hal­ten ist. Ich kann nicht sehr gut über die Stras­sen­sper­ren hin­weg sehen. Dahin­ter gibt es noch eine, in der Rue de Mal­te, glau­be ich, heisst es. Neben dem Gym Club und dem Habi­tat, hin­ter dem Pis­soir, ist die Poli­zei über­for­dert. Ein Poli­zist kommt aus dem Pis­soir und zieht sei­nen Hosen­stall hoch. Hin­ter ihm lachen die Leu­te. Die Poli­zis­ten las­sen einen nach dem ande­ren pas­sie­ren.

Ich wer­de lang­sa­mer, unna­tür­lich lang­sam. Ich möch­te, dass sie zur Sei­te gehen. Wenn sie weit genug von mir ent­fernt sind, fra­ge ich sie, ob der Platz ver­sperrt ist. Sie sagen mir, dass es mög­lich ist, durch­zu­kom­men, Ma’am. Der Platz ist nicht ver­schlos­sen. Sie kön­nen kreu­zen. Ich bin Madam und weiss und ein biss­chen alt. Also gehe ich wei­ter und betre­te den Platz, wo ich über­rascht bin, so weni­ge Men­schen zu sehen, nur die­sen Last­wa­gen, der mich an die alten Zei­ten erin­nert. Ein Kir­mes­wa­gen und ein spre­chen­der Mann und davor Men­schen, Jun­gen und Mäd­chen, eher jung, mit gerun­zel­ten Brau­en.

Es gibt ein paar Jugend­li­che und Jour­na­lis­ten und das war’s dann auch schon. Ich erfah­re, dass Sound­sys­tems-LKWs ange­hal­ten und beschlag­nahmt wor­den sind, dass die Par­ty fast ver­hin­dert wor­den sei. Seit eini­gen Wochen demons­trie­ren die Par­ty­gän­ger gegen das Gesetz, sie ver­schaf­fen den For­de­run­gen der Kul­tur­welt und der Jugend Gehör. Schau­spie­ler aus der links­ex­tre­men Kul­tur­sze­ne, Kino, Thea­ter, Inter­mez­zo, und Stu­den­ten. Aus die­ser Über­ein­kunft, aus die­sem Ver­ständ­nis her­aus ist die­se Situa­ti­on ent­stan­den – also auch aus der For­de­rung nach Fei­ern in all ihren For­men wäh­rend der Pan­de­mie.

Sie müs­sen in den Last­wa­gen vor den Toren von Paris fest­ge­steckt haben, oder sie muss­ten sich mit der RER (2) abmü­hen, um von etwas wei­ter weg dort­hin zu gelan­gen, man weiss nie genau, woher die Par­ty­gän­ger kom­men, es ist immer ein Rät­sel, und wenn ich sie fin­de, unver­sehrt, leben­dig und begeis­tert, 15 Jah­re alt, 20 Jah­re alt, bin ich glück­lich. Ich freue mich, wenn sie nach­ein­an­der ein­tref­fen und die­se Kund­ge­bung kapern, denn so heis­sen jetzt die Demons­tra­tio­nen, die sich nicht mehr bewe­gen dür­fen. Aber anschei­nend sind die Bewe­gung und die Logik der Kör­per noch nicht voll­stän­dig beschlag­nahmt wor­den. Aus­ge­hend von der auto­ri­sier­ten Unbe­weg­lich­keit und nach ein paar Reden erhebt sich die Musik und alle begin­nen zu tan­zen.

Es ist schwer zu beschrei­ben, ich mei­ne, Wor­te zu fin­den, die ohne die übli­chen hoch­tra­ben­den Adjek­ti­ve aus­kom­men, die immer dazu nei­gen, die Par­ty auf ihren eige­nen Mythos zurück­zu­füh­ren, ein ver­zerr­tes Ritu­al, als ob es immer das glei­che Bild wäre, das auf­taucht, das der Men­ge, die sich bewegt, um sich dem gros­sen pri­mi­ti­ven Kör­per und sei­nem schla­gen­den Her­zen anzu­schlies­sen, usw.. Dies ist also die zu ver­mei­den­de Beschrei­bung. Auch, weil es lächer­lich wer­den könn­te, wenn ich anfan­ge zu beschrei­ben, und das wür­de ich nicht wol­len.

Es hat immer etwas Lächer­li­ches, Leu­te zu beschrei­ben, die tan­zen, wenn man selbst nicht tanzt. Auch, weil mein ers­ter Schritt, bei all dem Schwung und all der Sym­pa­thie, eine gros­se poli­ti­sche Ver­wir­rung war. Was für eine von der Poli­zei beglei­te­te Par­ty fin­det hier statt? Was bedeu­tet das? Ich bin hier, und ich weiss nicht, was ich den­ke. Ich weiss nicht, was ich von die­ser Par­ty hal­te. Ich beob­ach­te in mir das Urteil, das sich von Pfahl zu Pfahl bewegt, und mei­ne Unfä­hig­keit, unter die­sen Umstän­den zu tan­zen.

Ich erin­ne­re mich, dass meh­re­re Phi­lo­so­phen sag­ten, wie lahm es war, alles, was geschah, wie poli­tisch und phi­lo­so­phisch und sub­jek­tiv lahm es war – und es mag zum Teil wahr gewe­sen sein, dass es lahm war, aber es war nichts wei­ter als eine mög­li­che und beschei­de­ne und ehr­li­che Beset­zung der Trüm­mer des Kom­mu­nis­mus, so gut man es ver­moch­te.

Das Pro­blem mit der Par­ty hängt mit der Jugend und den Bil­dern von ihr zusam­men. Heu­te ist die Jugend gefan­gen zwi­schen der Dar­stel­lung von Selbst­mord und klan­des­ti­nen Par­tys. Sie wer­den bemit­lei­det und gehasst. Im Crous gibt es Essen für 1 Euro, aber die Lust am Fei­ern ist ihnen trotz­dem anzu­mer­ken. Wir mögen die Jugend nicht, aber wir schaf­fen uns fer­ti­ge Bil­der von ihr. Wir bom­bar­die­ren sie und sie lässt sich bom­bar­die­ren. Sogar die Phi­lo­so­phen der Revo­lu­ti­on haben sie auf­ge­ge­ben, etwa zu die­ser Zeit, in den 2000er Jah­ren. Ich erin­ne­re mich, dass meh­re­re Phi­lo­so­phen sag­ten, wie lahm es war, alles, was geschah, wie poli­tisch und phi­lo­so­phisch und sub­jek­tiv lahm es war – und es mag zum Teil wahr gewe­sen sein, dass es lahm war, aber es war nichts wei­ter als eine mög­li­che und beschei­de­ne und ehr­li­che Beset­zung der Trüm­mer des Kom­mu­nis­mus, so gut man es ver­moch­te.

Die Free Par­tys waren genau der Knack­punkt für ein mög­li­ches Miss­trau­en zwi­schen der extre­men Lin­ken, dem gros­sen Alles und dem Hyper-Libe­ra­lis­mus. Es wur­de gesagt, dass auf die­sen Par­tys jeder allei­ne tanz­te und dass es indi­vi­dua­lis­tisch war. Es wur­de gesagt, dass alle sehr, sehr stoned waren und dass danach jeder wie­der zur Arbeit gehen konn­te, dass es nur eine Ver­ket­tung, nur eine Fal­le war. Alles war ein Köder, in dem, was wir taten, war jeder ein Poli­zist und ein Schlä­ger, jeder kol­la­bo­rier­te in der Tat, um die Macht zu ver­stär­ken, und das ging schon seit den frü­hen 1980er Jah­ren so, wenn wir wirk­lich rigo­ros mit der Geschich­te der Lin­ken sind. Wir haben mit Ver­rat ange­fan­gen. Und es stimmt, dass die Par­ty an die­sem Sams­tag ein biss­chen wie eine Ani­ma­ti­on für blas­se und umzin­gel­te Sträf­lin­ge aus­sieht, in den Zeit­fens­tern eines Kin­der­ge­burts­ta­ges.

Das Pro­blem mit der Par­ty – ich dre­he das Ding immer wie­der um, samm­le mei­ne Gedan­ken, dre­he Ziga­ret­ten vor der Schall­mau­er – ist viel­leicht im Grun­de, nicht mehr und nicht weni­ger, dass sie für das poli­ti­sche Manage­ment des Kör­pers und der Sexua­li­tät uner­träg­lich ist. Wir soll­ten sogar noch ein wenig wei­ter gehen: von der Not­wen­dig­keit zu zer­stö­ren, und uns selbst zu zer­stö­ren. Es gibt etwas, das selbst für einen selbst uner­träg­lich bleibt, und das ist die poli­ti­sche Not­wen­dig­keit von Gewalt, und Gewalt des Kör­pers im Beson­de­ren. Um die Wahr­heit zu sagen, hat­te eine Free Par­ty in den 1990er Jah­ren den Anschein einer tief­grei­fen­den Kata­stro­phe.

Eine Jahr­hun­dert­ka­ta­stro­phe – oder die von sei­nen Kin­dern rekon­stru­ier­ten Kata­stro­phen des Jahr­hun­derts, mit­ten auf einem Feld oder in der Nähe eines Sump­fes. Es gab etwas zu ler­nen, aber wir taten, als ob wir es nicht wüss­ten. Als ob wir nicht wüss­ten, war­um wir die­se Par­ty machen, was wir suchen. Es ist eine Par­ty, bei der wir oft Angst hat­ten, und bei der wir aus der Angst gelernt haben. Die Sozio­lo­gen haben alles aus die­ser Erfah­rung unter den Bedin­gun­gen des l’ordalie (3) gewon­nen, und die Free Par­tys sind aus der poli­ti­schen Are­na ver­schwun­den.

Aber die Erfah­rung der Demons­tra­tio­nen und der Free Par­tys, bis zu ihrer Gefan­gen­schaft im Gefäng­nis der letz­ten Mona­te, ist aus die­ser Angst und die­ser Kata­stro­phe ent­stan­den, um aus sich selbst zu ler­nen, als eine Bevöl­ke­rung, als ein Kör­per, der lei­det und zer­stört wird. Es han­delt sich also um eine bedeu­ten­de Kraft, die sich immer noch in der einen oder ande­ren Form ent­fal­tet, durch die die Mensch­heit ver­sucht, sich ihrer Zer­stö­rung durch die Kata­stro­phe zu wider­set­zen. Denn die Jugend ist dem Tod näher und hat kei­ne Angst vor der Gefahr, die von ihm aus­geht, und das Fei­ern stellt ein Pro­blem dar. Das ist auch der Grund, war­um jun­ge Leu­te unter dem wach­sa­men Auge der Poli­zei neben dem Pis­soir fei­ern kön­nen – genau wie beim ers­ten Mal Lie­be machen im Schlaf­zim­mer der Eltern.

Mat­hil­de Girard
Über­set­zung von Sūn­zǐ Bīng­fǎ

Fuss­no­ten Über­set­zung:

1) Ein Rave in der Gemein­de Ille-et-Vilai­ne zum Jah­res­wech­sel mach­te euro­pa­weit Schlag­zei­len, weil sich trotz Pan­de­mie Aus­nah­me­zu­stand mehr als 2000 Men­schen dort zum tan­zen und fei­ern tra­fen. Ver­su­che der Poli­zei, die Par­ty auf­zu­lö­sen, wur­den mili­tant abge­wehrt. Meh­re­re Men­schen wur­den im Nach­gang als angeb­li­che Orga­ni­sa­to­ren fest­ge­nom­men und gegen sie wird mit einer Straf­an­dro­hung von 10 Jah­ren Knast ermit­telt. Auf zahl­rei­chen Demos im Janu­ar gegen das neue Sicher­heits­ge­setz, die lan­des­weit bis zu sechs­stel­li­ge Teilnehmer*innenzahlen erreich­ten, betei­lig­ten sich “Rave Blö­cke”, die teil­wei­se gemein­sam mit den black blocs agier­ten, bzw. auto­nom die Kon­fron­ta­ti­on mit den Bul­len such­ten, wie letz­tens in Ren­nes. Einer der Beschul­dig­ten hat mass­geb­lich etli­che Demos und Aktio­nen nach dem Tod von Ste­ve Maia Cani­ço mit­or­ga­ni­siert, der 2019 bei Nan­tes bei einem Rave auf der Flucht vor einem prü­geln­den Bul­len­mob ins Was­ser gesprun­gen und ertrun­ken war.

2) Schnell­bahn­li­ni­en Netz von der Peri­phe­rie ins Zen­trum von Paris

3) Got­tes­ur­teil- “ein Mit­tel sakra­ler Rechts­fin­dung, das auf der Vor­stel­lung beruht, ein Urteil über Schuld oder Unschuld eines Ange­klag­ten durch ein Zei­chen Got­tes erhal­ten zu kön­nen”

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