[perspektive:] Aktenschreddern beim KSK – wird die Schattenarmee gedeckt?

Immer wieder kommen neue brisante Details rund um eine mögliche Schattenarmee in Deutschlands geheimer Eliteeinheit „Kommando Spezialkräfte“ (KSK) ans Licht. Nach neuen Recherchen wurde eine Waffen-Inventur aus dem Jahr 2018 gelöscht – und nicht neu durchgeführt. Auch sollen Generäle schon seit Jahren darüber informiert sein, dass dass Munition und anderes Kriegsgerät abgezweigt wurde.

Das geht aus einem Bericht des Info­por­tals The Pioneer her­vor. Dem­nach habe es beim KSK schon 2017 und 2014 Unre­gel­mä­ßig­kei­ten bei der Inven­tur – also der Zäh­lung aller Waf­fen und Muni­ti­on – sowie Prü­fun­gen von Vor­rä­ten gege­ben. Letz­te­res war auch dem dama­li­gen Kom­man­deur Gene­ral Eber­hard Zorn bekannt. Heu­te ist er Gene­ral­inspek­teur, der rang­höchs­te Sol­dat in der Bun­des­wehr.

Für das Jahr 2018 wur­de das ille­ga­le ent­wen­den von Kriegs­ge­rät offen­bar bewusst ver­tuscht. So sol­len die Daten der KSK-Jah­res­in­ven­tur 2018 gelöscht wor­den sein. Beson­ders Bri­sant: danach ist kei­ne neue Inven­tur erfolgt.

Im April 2020 dann eine wei­te­re Bei­hil­fe zur Ver­tu­schung von ganz oben. In der KSK-Zen­tra­le in Calw wur­den soge­nann­te „Amnes­tie-Boxen“ auf­ge­stellt in der Sol­da­ten gestoh­le­ne Muni­ti­on und Kriegs­ge­rät ein­wer­fen konn­ten – ohne dafür belangt zu wer­den.

Das gan­ze lief wohl auch über den Schreib­tisch des amtie­ren­den KSK-Kom­man­dan­ten Gene­ral Mar­kus Kreit­mayr. Dabei soll­te die­ser eigent­lich das KSK „refor­mie­ren“. Tat­säch­lich ermög­lich­te er damit Sol­da­ten, die in der Ver­gan­gen­heit pri­va­te Waf­fen­de­pots anleg­ten, uner­kannt wei­ter in der Bun­des­wehr aktiv zu blei­ben.

KSK-Eli­te­sol­da­ten, die sich auf einen Bür­ger­krieg vor­be­rei­te­ten, konn­ten Muni­ti­on straf­frei zurück­ge­ben

Wofür?

Auf­fäl­lig still bleibt in der media­len Bericht­erstat­tung die Fra­ge, wofür die­se pro­fes­sio­nel­len Sol­da­ten zehn­tau­sen­de Schuss Muni­ti­on und über 60 Kilo­gramm Spreng­stoff ent­wen­de­ten.

Dabei könn­te der aktu­el­le Fall um Phil­lip Sch., der über 20 Jah­re im KSK dien­te viel­leicht eini­ges auf­klä­ren. Die­ser wur­de vor etwas mehr als einer Woche zu zwei Jah­ren auf Bewäh­rung ver­ur­teilt. Er hat­te ein Gewehr und tau­sen­de Schuss Muni­ti­on vom KSK gestoh­len.

Vie­les spricht für eine faschis­ti­sche Gesin­nung. So wur­den Hin­wei­se gefun­den, dass er sich Vor­bil­der bei der Waf­fen-SS such­te. Ent­spre­chen­de Spu­ren wur­den auf sei­nen Han­dys und sei­nem Dach­bo­den sicher­ge­stellt. Ein Motiv für das Waf­fen­la­ger konn­te das Gericht nicht abschlie­ßend klä­ren.

Dabei müss­te man die­sen Fall mit über einem dut­zend wei­te­ren Fäl­len aus der Ver­gan­gen­heit rund um das „Han­ni­bal-Netz­werk“ zusam­men­fü­gen. Laut der taz gibt es Ver­bin­dun­gen von Phil­ipp Sch. ins Umfeld der Prep­per­grup­pe Nord­kreuz in Meck­len­burg-Vor­pom­mern, die Teil die­ses Netz­wer­kes ist.

Die­ses setzt sich aus eini­gen Hun­dert Eli­te­sol­da­ten und Poli­zis­ten ver­schie­de­ner Ein­hei­ten zusam­men und wur­de vom Lang­jäh­ri­gen KSK-Sol­da­ten André S. ali­as „Han­ni­bal“ zusam­men­ge­führt. In die­sem waren dem auf­fal­lend vie­le Mit­glie­der akti­ver Teil oder ehe­ma­li­ge des Kom­man­do Spe­zi­al­kräf­te sowie Mit­glied im KSK-Vete­ra­nen­ver­ein Uniter.

Sie dis­ku­tier­ten offen, was sie mit den von ihnen ange­leg­ten Waf­fen­la­gern anstel­len woll­ten. Es ging dar­um sich auf einen „Tag X“ vor­zu­be­rei­ten und an die­sem Migrant:innen und Oppo­si­tio­nel­le zu ermor­den. Dafür wur­den auch Todes­lis­ten geschrie­ben sowie Beschaf­fung von Ätz­kalk und Lei­chen­sä­cken vor­be­rei­tet.

Ins­ge­samt drei Ter­ror­ver­fah­ren lau­fen gegen ver­schie­de­ne Tei­le des Netz­werks sowie ein­zel­ne gegen Per­so­nen die eben­falls Muni­ti­on ent­wen­de­ten. Bis heu­te ist es in kei­nem zu einer Gefäng­nis­stra­fe ohne Bewäh­rung gekom­men.

Der Bei­trag Akten­schred­dern beim KSK – wird die Schat­ten­ar­mee gedeckt? erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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