[KgK:] „Ich habe eimerweise Wasser auf die Coronaleugner:innen geschüttet“ – Ein Bericht aus Kassel

Hey, wie geht’s dir? Wie hast du den gest­ri­gen Tag erlebt?

Ich bin extrem abge­fuckt, was für’ne Schei­ße! Für alle Anwohner:innen von Kas­sel war der gest­ri­ge Tag ein Ein­schnitt. Rech­te Demos kom­men immer mal wie­der vor, aber wir haben immer auch eige­ne Ant­wor­ten auf die Stra­ße gebracht, egal ob nach dem Mord an Halit Yozgat durch den NSU, nach dem Mord an Wal­ter Lüb­cke, beim PEGI­DA-Able­ger KAGIDA oder wenn Bernd Töd­ter sein Unwe­sen treibt. Das Ding ist halt, dass die­ses Mal fast kein Gegen­pro­test da war. Ich bin den 350 Leu­ten, die da waren, extrem dank­bar. Ich selbst habe es lei­der nicht geschafft zur Gegen­de­mo durch­zu­kom­men. Über­all die­se Voll­idio­ten, die einen anpö­beln, weil man ne Mas­ke trägt. Dass ich poli­ti­sche Sym­bo­le dabei hat­te, hat es sicher nicht bes­ser gemacht. Ich habe dann allein auf hal­bem Weg umge­dreht, echt total bit­ter. Es war ein kras­ses Risi­ko, auch so coro­na­mä­ßig. Die Bul­len haben ihren Teil auch mal wie­der bei­getra­gen und Rech­ten den Weg frei geprü­gelt. Am Ende haben sie sogar noch behaup­tet, sie kön­nen nichts machen trotz Groß­auf­ge­bot mit Heli­ko­pter und unzäh­li­gen Wan­nen. Die eine Poli­zis­tin, die ein Herz zu den Rech­ten gemacht hat, hat die Rol­le der Poli­zei auf den Punkt gebracht.

Und wie ist es dann zu der Akti­on mit dem Eimer gekom­men?

Ich war schon zuhau­se und es gab wohl Demo­zü­ge in eini­ge Vier­tel von Kas­sel. In der Nord­stadt haben sie sich aber mit den Fal­schen ange­legt. Die Bul­len haben einen Able­ger mit 1.000 – 2.000 Coronaleugner:innen unter einem Fens­ter mei­ner Woh­nung vor­bei gelei­tet. Wie sagt man so schön „Gele­gen­heit macht Die­be“. Das Fens­ter war schnell frei­ge­räumt und dann gib‘ ihm. Ange­sichts der stei­gen­den Coro­na­zah­len und der Schei­ße, die die abzie­hen, habe ich wirk­lich kein Respekt. Ist ja auch nur ein paar Blocks von dem Ort ent­fernt, wo Halit Yozgat vom NSU ermor­det wur­de. Zeigt wohin rech­te Schei­ße und die Poli­zei führt. Weh­ret den Anfän­gen! Die ande­ren Bewohner:innen haben die Akti­on auch gefei­ert. Auch wenn es halt super klein war, hof­fe ich, dass es ein paar moti­viert hat. Aber die paar Eimer Was­ser, sind nur ein Trop­fen auf dem hei­ßen Stein. Ich habe in ver­schie­de­nen Posts auf Ins­ta auch ver­schie­de­ne Stra­ßen­na­men gele­sen, ich hof­fe, ich war nicht der Ein­zi­ge.

War­um war die Gegen­mo­bi­li­sie­rung nicht stär­ker?

Es gab halt echt kaum Mobi, ich habe es nur über per­sön­li­che Kon­tak­te mit­be­kom­men. Echt krass schwach. Es gab wohl Dis­kus­sio­nen um Ort und Zeit, aber ganz ehr­lich: Das ist alles nur Bla Bla. Ort war ganz Kas­sel und Zeit war den gan­zen Tag. Die hät­ten ein­fach mal rich­tig mobi­li­sie­ren sol­len. Auch nicht nur so indi­vi­du­ell. Sie sol­len alle ihre Mit­glie­der anschrei­ben und sagen, dass das wich­tig ist. Am bes­ten soll­ten die Gewerk­schaf­ten auch rich­tig strei­ken, um sowas krass zu zer­schla­gen. Die müs­sen eh ne Ant­wort auf die Coro­na­kri­se fin­den. Ich check’s ein­fach nicht. Bei Ama­zon hat ver­di nur so nen Dri­ve-In-Streik auf dem Park­platz gemacht, wäh­rend im Betrieb tau­sen­de jeden Tag zur Arbeit gehen? Sag mal, sind wir hier bei McDo­nalds? Was für Dri­ve-In-Streik?!? Da fragt man sich schon ernst­haft, ob die nicht che­cken, dass die Argu­men­ta­ti­on vor­ne und hin­ten nicht hin­haut. Es braucht Streiks in Per­spek­ti­ve von Zero­Co­vid, dass die Rei­chen die Kri­se zah­len und dann die­se Mobi­li­sie­rung gegen die Regie­rung auch gegen die Rech­ten nut­zen. Der Kern von all dem ist eine Ant­wort auf die Kri­se zu bie­ten.

Dan­ke für das Inter­view!

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