[KgK:] Korruptionsskandal erfasst Jens Spahn: Diese Regierung hat abgewirtschaftet!

Wie in einem Bericht des Spie­gels ver­öf­fent­licht wur­de, kauf­te das Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um unter Jens Spahn im April 2020 570.000 Mas­ken von der Bur­da GmbH. Pikant dar­an ist vor allem, dass Spahns Ehe­mann, Dani­el Fun­ke, als Lob­by­ist für Bur­da in Ber­lin arbei­tet.

Bur­da und das Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um behaup­ten, es sei alles ord­nungs­ge­mäß abge­lau­fen, und Fun­ke sei nicht in den Deal invol­viert gewe­sen. Bur­da habe die Mas­ken für einen Kauf­preis von 1,73 US-Dol­lar pro Stück über eine Fir­ma in Sin­ga­pur an Spahns Minis­te­ri­um ver­mit­telt und die Kos­ten vor­ge­streckt. War­um ein Medi­en­un­ter­neh­men in die­ses Geschäft ver­wi­ckelt war, ist unklar.

Die­sen Auf­trag an Bur­da ver­gab das Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um in der ers­ten Coro­na-Wel­le, nach­dem das sonst übli­che Aus­schrei­bungs­ver­fah­ren aus­ge­setzt wor­den war. Um unkom­pli­ziert Schutz­aus­rüs­tung zu erhal­ten, gin­gen sol­che Bestel­lun­gen an 210 Fir­men mit einem Volu­men von ins­ge­samt 4,6 Mil­li­ar­den Euro. Bei die­ser Gele­gen­heit hiel­ten hoch­ran­gi­ge Mit­glie­der von CDU/​CSU ihre Hän­de auf: Der frü­he­re baye­ri­sche Jus­tiz­mi­nis­ter Alfred Sau­ter (CSU) hat­te bei der Ver­mitt­lung von Mas­ken 1,2 Mil­lio­nen Euro ein­ge­steckt. Die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Niko­las Löbel (CDU) und Georg Nüß­lein (CSU) kas­sier­ten sechs­stel­li­ge Beträ­ge. Schon im Dezem­ber wur­de bekannt, dass der nord­rhein-west­fä­li­sche Minis­ter­prä­si­dent Armin Laschet für 45 Mil­lio­nen Euro Mas­ken beim Mode­her­stel­ler Laack bestellt hat­te. Die­ser Deal kam über sein Sohn zustan­de, der als Mode-Influ­en­cer mit Laack zusam­men­ar­bei­tet.

Wie der Lobbysumpf um Spahn die Pandemie begünstigt hat

In der Pan­de­mie, in der Zehn­tau­sen­de gestor­ben sind und Mil­lio­nen um ihre Exis­ten­zen gebracht wur­den, haben sich Spitzenpolitiker:innen der Uni­on groß­zü­gig bedient. Die Fäl­le zei­gen die enge Ver­fil­zung von Regie­rung und Par­la­ment mit der Wirt­schafts­lob­by. Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te der Uni­on kas­sier­ten in der jet­zi­gen Legis­la­tur­pe­ri­ode laut abge​ord​ne​ten​watch​.de bis zum August 2020 cir­ca 15 Mil­lio­nen Euro durch Neben­tä­tig­kei­ten. Auch Jens Spahn hat­te vor sei­ner Zeit als Gesund­heits­mi­nis­ter eine akti­ve Kar­rie­re als Phar­ma­lob­by­ist. 2007 arbei­te­te er im Gesund­heits­aus­schuss des Bun­des­ta­ges und spiel­te über sei­ne Agen­tur Poli­tas Infor­ma­tio­nen an Fir­men der Pha­ra­ma- und Medi­zin­in­dus­trie. Damit mach­ten er und sei­ne Part­ner 32.000 Euro Gewinn. Jah­re­lang saß er zudem im Ver­wal­tungs­rat der Spar­kas­se – von der er auch sei­ne 4 Mil­lio­nen Euro teu­re Vil­la finan­zie­ren ließ.

Spahns Wirt­schafts­nä­he zeigt sich in sei­ner Bilanz als Gesund­heits­mi­nis­ter: Tat­säch­lich ging es ihm seit sei­nem Amts­an­tritt kei­ne Minu­te dar­um, das Gesund­heits­sys­tem ernst­haft zu ver­bes­sern, son­dern immer nur nach wirt­schaft­li­chen Maß­stä­ben aus­zu­rich­ten – mit schwer­wie­gen­den Fol­gen. Wäh­rend tau­send Beschäf­tig­te im Gesund­heits­we­sen wochen­lang nicht genü­gend Mas­ken hat­ten, ver­mit­tel­te Spahn Mil­li­ar­den­de­als auf Steu­er­kos­ten. Trotz Pan­de­mie hat er nach wie vor nicht das Sys­tem der Fall­pau­scha­len in den Kran­ken­häu­sern auf­ge­ho­ben. Die­se müs­sen damit wei­ter­hin pro­fi­ta­bel arbei­ten. Laut Schät­zun­gen des Ärz­te­blat­tes muss­ten im Jahr 2020 trotz oder wegen Coro­na cir­ca 30 bis 40 Kran­ken­häu­ser schlie­ßen.

Eben­so ver­hee­rend ist Spahns Bilanz in der Impf­stoff­fra­ge. Bis­her haben gera­de ein­mal etwa vier Pro­zent der Bevöl­ke­rung bei­de Imp­fun­gen erhal­ten. Mona­te­lang hat­te die Bun­des­re­gie­rung Ver­hand­lun­gen mit ver­schie­de­nen Impf­stoff­her­stel­lern geführt, die meis­ten Infor­ma­tio­nen sind bis heu­te geheim. Die Fabri­kan­ten ver­die­nen mit ihren Paten­ten Mil­li­ar­den, statt die Vak­zi­ne frei zugäng­lich zu machen.

Von der ers­ten Minu­te der Pan­de­mie ging es der Regie­rung vor allem dar­um, die Pro­fi­te der Kon­zer­ne nicht ein­zu­schrän­ken. Wäh­rend das pri­va­te Leben mas­siv ein­ge­schränkt wur­de, lau­fen Indus­trie und Büros mun­ter wei­ter. Obwohl mit der mutier­ten Virus­va­ri­an­te schon im Janu­ar klar war, dass die herr­schen­de Pan­de­mie­po­li­tik zu einer drit­ten Wel­le füh­ren wür­de, unter­nahm die Regie­rung kei­ner­lei Gegen­maß­nah­men.

Die Kor­rup­ti­ons­fäl­le sind kei­ne ein­zel­nen Ver­feh­lun­gen von hohen Politiker:innen. Son­dern sie haben ihre Wur­zeln im tief ver­an­ker­ten Lob­by­is­mus, ohne dem das poli­ti­sche Ber­lin kaum zu den­ken wäre. Hat die Bur­da GmbH beim Mas­ken­ver­kauf durch Spahns Ehe­mann pro­fi­tiert? Sie wer­den es natür­lich abstrei­ten. Aber allein der Umstand, dass Dani­el Fun­ke als Lob­by­ist in Ber­lin tätig ist, zeigt die enge Ver­flech­tung der Kon­zer­ne mit der Poli­tik. Sein gan­zer Job besteht ein­zig und allein dar­in, durch sei­ne Nähe zu Par­la­ment und Regie­rung der Bur­da GmbH Vor­tei­le zu ver­schaf­fen.

Durch die aktu­el­le Mas­ken-Affä­re wird deut­li­cher als je zuvor: Wir haben es mit einer poli­ti­schen Kas­te zu tun, die ihre Macht nutzt, sich per­sön­lich zu berei­chern. Das zei­gen allein schon die Abge­ord­ne­ten­diä­ten, die mit über 10.000 Euro monat­lich deut­lich über einem Durch­schnitts­ge­halt lie­gen. Doch der Sumpf liegt tie­fer: Dazu gehö­ren Neben­ver­diens­te, Gefäl­lig­kei­ten und Job­per­spek­ti­ven in der frei­en Wirt­schaft nach dem Aus­schei­den aus der Poli­tik.

Es ist kein Wun­der, dass die Kor­rup­ti­ons­af­fä­re mit dem Bur­da-Deal jetzt in die höchs­ten Krei­se der Regie­rung vor­dringt. Es ist die logi­sche Fol­ge aus einer Poli­tik, wel­che ver­sucht, die Pan­de­mie im Inter­es­se der Kon­zer­ne auf Kos­ten der Arbeiter:innen zu lösen. Jens Spahn hat die­se Poli­tik im Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um maß­geb­lich zu ver­ant­wor­ten. Der neu­er­li­che Kor­rup­ti­ons­ver­dacht über sei­nen Ehe­mann ist nur die Spit­ze einer lan­gen Ket­te von wirt­schafts­freund­li­chen Ent­schei­dun­gen, die in nor­ma­len Zei­ten obs­zön sind und in Pan­de­mie-Zei­ten Tote for­dern. Eine sol­che Per­son ist auf einem der­ar­tig ein­fluss­rei­chen Pos­ten nicht hin­nehm­bar und muss zurück­tre­ten, genau­so wie die gesam­te Regie­rung, die für die Pan­de­mie- und Kri­sen­po­li­tik im Inter­es­se des Groß­ka­pi­tals ver­ant­wort­lich ist!

Eine Regierung am Ende

Ein hal­bes Jahr vor den Bun­des­tags­wah­len pfeift die Regie­rung aus allen Löchern. Es gelingt ihr weder, die drit­te Wel­le auf­zu­hal­ten, noch das Tem­po der Imp­fun­gen anzu­kur­beln. Auch ihre wirt­schaft­li­che Bilanz ist ver­hee­rend: Coro­na-Hil­fen an Pri­vat­per­so­nen zahlt sie nur spär­lich aus, aber Kon­zer­ne bekom­men Mil­li­ar­den­ge­schen­ke, trotz derer sie Mas­sen­ent­las­sun­gen vor­neh­men.

In die­ser Situa­ti­on for­dern Grü­ne und Links­par­tei mehr Trans­pa­renz. Aber seit Anbe­ginn der Pan­de­mie haben sie sich grund­sätz­lich hin­ter den Kurs der Regie­rung gestellt und ihre Kri­ti­ken ledig­lich in Detail­fra­gen geäu­ßert. Kei­ne der Par­tei­en stell­te bis­her grund­sätz­lich das Pan­de­mie-Manage­ment in Fra­ge, mit Lock­downs gegen das Pri­vat­le­ben, wäh­rend die Wirt­schaft wei­ter­läuft. Eine Regie­rung, die trotz aus­rei­chen­der Warn­si­gna­le lan­ge Zeit nicht kapie­ren woll­te, dass sie auf eine drit­te Wel­le zusteu­ert, hat kei­ne Daseins­be­rech­ti­gung. Im Febru­ar und März wie­der­hol­te sie exakt die glei­chen Feh­ler wie im Novem­ber und Dezem­ber, indem sie die Indus­trie und Büros um jeden Preis offen hielt. Sie hat damit wis­sent­lich tau­sen­de Men­schen in den Tod geschickt für die Pro­fi­te der Kon­zer­ne. Nach den Kor­rup­ti­ons­skan­da­le, Impf­de­ba­kel und einer kata­stro­pha­les Kri­sen­po­li­tik muss auch die Regie­rung als Gan­zes zurück­tre­ten.

Sie wird dies natür­lich nicht von allei­ne tun. Der­zeit ver­sucht sie sich bis zu den Bun­des­tags­wah­len durch­zu­schlep­pen. Aber auch eine ande­re Regie­rung ab Herbst, mög­li­cher­wei­se mit Betei­li­gung der Grü­nen, wird den Vor­rang der Pro­fi­te vor Men­schen nicht ändern. Das zei­gen allein die Erfah­run­gen der Lan­des­re­gie­run­gen, in denen die Grü­nen die glei­che kapi­ta­lis­ti­sche Poli­tik wei­ter­führt wie zuvor.

Gegen die­se Regie­rung braucht es Mobi­li­sie­run­gen der Gewerk­schaf­ten und lin­ken Par­tei­en. Es kann nicht sein, dass Pfleger:innen wei­ter ihre Coro­na-Boni nicht erhal­ten, wäh­rend sich hoch­ran­gi­ge Politiker:innen an medi­zi­ni­scher Aus­rüs­tung berei­chern. Die Regie­rung hat bei den Tarif­ver­hand­lun­gen im Öffent­li­chen Dienst im Herbst grö­ße­re Gehalts­er­hö­hun­gen und Per­so­nal­ent­las­tun­gen ver­hin­dert und somit dafür gesorgt, dass die zwei­te und drit­te Wel­le voll auf dem Rücken des Gesund­heits­per­so­nals aus­ge­tra­gen wer­den.

Bei der Auf­klä­rung der Kor­rup­ti­on ist kein Ver­lass auf die staat­li­chen Stel­len oder auf Ver­laut­ba­run­gen der Par­tei­en selbst. Es braucht vom Staat unab­hän­gi­ge Unter­su­chungs­kom­mis­sio­nen der Gewerk­schaf­ten und Betriebs­aus­schüs­sen im Gesund­heits­sek­tor. Die Immu­ni­tä­ten aller Abge­ord­ne­ten, denen gegen­über Kor­rup­ti­ons­vor­wür­fe exis­tie­ren oder die Teil die­ser kor­rup­ten Regie­rung sind, soll­ten durch die­se Kom­mis­si­on auf­ge­ho­ben und ihre Diä­ten ein­ge­fro­ren wer­den. Alle Zuwen­dun­gen von Unter­neh­men an Par­tei­en und Abge­ord­ne­ten müs­sen ver­bo­ten wer­den. Die Gel­der aus Kor­rup­ti­ons­skan­da­len müs­sen beschlag­nahmt und genutzt wer­den, um sofort, unbü­ro­kra­tisch und sozi­al der Gesell­schaft zu die­nen, ins­be­son­de­re den von der Coro­na­pan­de­mie betrof­fe­nen Arbeiter:innen, Obdach­lo­sen, Kleinunternehmer:innen und Künstler:innen. Sämt­li­che Zuwen­dun­gen von Unter­neh­men an Politiker:innen gehö­ren ver­bo­ten, Neben­tä­tig­kei­ten und Ein­künf­te offen­ge­legt. Unter­neh­men, die in Kor­rup­ti­on ver­wi­ckelt sind, müs­sen ver­staat­licht wer­den.

Wir brau­chen kei­ne Par­la­ment und kei­ne Regie­rung voll mit lob­by­freund­li­chen Politiker:innen. Son­dern eine Regie­rung der Arbeiter:innen, deren Mit­glie­der einen durch­schnitt­li­chen Facharbeiter:innenlohn bekom­men und den Gesund­heits­sek­tor und die Schlüs­sel­in­dus­trien ver­staat­li­chen und unter Kon­trol­le der Beschäf­tig­ten stel­len.

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