[perspektive:] USA und China: Diplomatischer Eklat in Alaska

Statt Höflichkeiten und schönen Fotos ein Schlagabtausch vor laufenden Kameras: Beim ersten hochrangigen Treffen zwischen den USA und China seit dem Amtsantritt Joe Bidens stehen die Zeichen auf Eskalation. Schon im Vorfeld des Treffens war China betont offensiv aufgetreten. Joe Biden wiederum verkündete in der vergangenen Woche gemeinsam mit Chinas Rivalen den Hegemonialanspruch der USA im Indopazifik.

Wer unter dem neu­en US-Prä­si­den­ten Joe Biden auf eine Ent­span­nung der US-ame­ri­ka­nisch-chi­ne­si­schen Bezie­hun­gen gehofft hat­te, dürf­te spä­tes­tens in die­ser Woche eines Bes­se­ren belehrt wor­den sein. Wohl nur sel­ten hat ein Tref­fen zwi­schen füh­ren­den Diplo­ma­ten zwei­er Staa­ten kon­fron­ta­ti­ver begon­nen als das zwi­schen dem neu­en US-Außen­mi­nis­ter Ant­o­ny Blin­ken und Yang Jie­chi, einem füh­ren­den chi­ne­si­schen Außen­po­li­ti­ker und Polit­bü­ro­mit­glied. Womög­lich um die Eis­zeit zwi­schen bei­den Staa­ten sym­bo­lisch zum Aus­druck zu brin­gen hat­ten die USA das Tref­fen von vorn­her­ein nach Alas­ka ver­legt.

Schlagabtausch vor laufenden Kameras

Gleich zu Beginn des Tref­fens, wenn nor­ma­ler­wei­se freund­lich Hän­de geschüt­telt und Höf­lich­kei­ten aus­ge­tauscht wer­den, kam es zum offe­nen Schlag­ab­tausch zwi­schen den Spit­zen­po­li­ti­kern. Blin­ken eröff­ne­te die­sen, indem er vor lau­fen­den Kame­ras eini­ge der sen­si­bels­ten The­men zwi­schen bei­den Län­dern ansprach und Chi­na dabei fron­tal atta­ckier­te.

Chi­nas Wirt­schafts­po­li­tik gegen­über Ver­bün­de­ten der USA sei „erpres­se­risch“. Er fuhr mit Aus­füh­run­gen über chi­ne­si­sche Hacker­an­grif­fe sowie die Punk­te Uigu­ren, Hong­kong und Tai­wan fort. Bei all die­sen The­men warf er Chi­na eine Bedro­hung der glo­ba­len Sta­bi­li­tät vor. Yang kon­ter­te mit Vor­wür­fen gegen die aggres­si­ve Außen­po­li­tik der USA. Die­se soll­ten „auf­hö­ren, ihre Demo­kra­tie auf der gan­zen Welt ver­brei­ten zu wol­len“. Denn nicht ein­mal die ame­ri­ka­ni­sche Bevöl­ke­rung „hät­te noch Ver­trau­en in die US-Demo­kra­tie“. Das rhe­to­ri­sche Duell ging wei­ter mit einem Eigen­lob Blin­kens, der die neue US-Außen­po­li­tik unter Joe Biden her­vor­hob, sowie einem State­ment Yangs, der den USA Über­heb­lich­keit vor­warf.

Wach­sen­de Span­nun­gen in den ver­gan­ge­nen Wochen

Dem diplo­ma­ti­schen Eklat waren in den ver­gan­ge­nen Wochen deut­li­che kon­fron­ta­ti­ve Signa­le von bei­den Sei­ten vor­aus­ge­gan­gen. Bei sei­nem Natio­na­len Volks­kon­gress Anfang März hat­te Chi­na eine Erhö­hung sei­ner Rüs­tungs­aus­ga­ben um 6,8 Pro­zent für 2021 bekannt gege­ben.

Zudem grif­fen hoch­ran­gi­ge Ver­tre­ter des Lan­des die USA bei dem Kon­gress scharf an und ver­ba­ten sich Ein­mi­schun­gen in „inne­re Ange­le­gen­hei­ten“ des Lan­des. Dazu zähl­ten sie neben den Aus­ein­an­der­set­zun­gen in Hong­kong und Xin­jiang auch die Tai­wan-Fra­ge. US-Prä­si­dent Biden wie­der­um bekräf­tig­te in der ver­gan­ge­nen Woche bei einem Digi­t­al­gip­fel mit Chi­nas Riva­len Indi­en, Japan und Aus­tra­li­en den Hege­mo­ni­al­an­spruch der USA im Indo­pa­zi­fik.

Ost­asi­en: USA bekräf­ti­gen Füh­rungs­an­spruch im Indo­pa­zi­fik

Schon weni­ge Tage nach Bidens Amts­an­tritt im Janu­ar hat­ten die USA einen Flug­zeug­trä­ger ins Süd­chi­ne­si­sche Meer geschickt, was von chi­ne­si­scher Sei­te als deut­li­che Pro­vo­ka­ti­on gewer­tet wur­de. Biden hat­te zudem sei­ne „fel­sen­fes­te“ Unter­stüt­zung für Tai­wan erklärt und damit den Ton gegen­über Chi­na für sei­ne Amts­zeit gesetzt.

Das chi­ne­sisch-ame­ri­ka­ni­sche Tref­fen in Ancho­ra­ge soll­te noch bis Sams­tag­nach­mit­tag Orts­zeit andau­ern. Eine Pres­se­kon­fe­renz zum Abschluss war gar nicht erst ein­ge­plant wor­den.

Der Bei­trag USA und Chi­na: Diplo­ma­ti­scher Eklat in Alas­ka erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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