[EMRAWI:] Der erste wilde Streik im Sozialbereich – Gudi bleibt!

Streik

Des­we­gen wur­de für den 17.März zu einer öffent­li­chen Betriebs­ver­samm­lung auf­ge­ru­fen, wo über einen Warn­streik abge­stimmt wur­de. Eine über­wäl­ti­gen­de Mehr­heit sprach sich für eine Arbeits­nie­der­le­gung aus. Von 27 Basisarbeiter*innen waren 23 anwe­send; davon ent­hielt sich eine Per­son der Stim­me, alle ande­ren stimm­ten für den Streik. Das Ergeb­nis fiel nicht vom Him­mel. Es waren inten­si­ve Dis­kus­sio­nen um Ver­bes­se­rung der Arbeits­si­tua­ti­on und vor allem des Schut­zes für Basisarbeiter*innen und Klient*innen vor­an­ge­gan­gen. Die ursprüng­li­chen Ver­hält­nis­se im Not­quar­tier führ­ten zu einem Coro­na – Clus­ter und vie­le Burn-Out-Erkran­kun­gen. Die nun dro­hen­de Schlie­ßung war also eher der Trop­fen, der das Fass zum Über­lau­fen brach­te.

Kund­ge­bung

Die Streik­kund­ge­bung fand mit brei­ter Unter­stüt­zung am Kep­ler­platz statt. Ca. 200 Men­schen fan­den sich dort ein. Die meis­ten Rede­be­trä­ge stamm­ten von Basisarbeiter*innen und Näch­ti­gern, wodurch eine fast fami­liä­re, aber den­noch kämp­fe­ri­sche Stim­mung ent­stand. Auch eini­ge der vie­len Solistate­ments wur­den ver­le­sen. Gleich­zei­tig wur­de vor der ASB-Zen­tra­le als auch vor dem FSW-Stand­ort gefly­ert. Der Fond Sozia­les Wien (FSW) ist für die Schlie­ßung anord­ne­te, wei­gert sich aber, mit den Strei­ken­den zu reden. Es sei schließ­lich ein Kon­flikt zwi­schen Der Arbei­ter­Sa­ma­ri­ter­Bund, der das Quar­tier betreibt, ver­weist auf die Ent­schei­dung des FSW, die er anschei­nend macht­los aus­ge­lie­fert ist. Durch die­ses Ping­pong-Spiel wird jeg­li­che Ver­ant­wor­tung geleug­net, die Här­ten blei­ben bei den Basisarbeiter*innen und Nächtiger*innen.

Sand im PR-Getrie­be

“Zufäl­li­ger­wei­se“ lan­cier­te am Tag vor dem Streik FSW, SPÖ sowie Stadt­rat Peter Hacker Jubel­mel­dun­gen über die Ver­län­ge­rung des Win­ter­pa­kets. Doch dies­mal ging der Schuss nach hin­ten los. Auf Face­book wur­de vor allem der Letzt­ge­nann­te für die Schlie­ßung scharf kri­ti­siert. Die­ser ließ sich zu einer Ent­glei­sung hin. Er warf den Pro­tes­tie­ren­den vor, sie wür­den „den Zustand von Betrof­fe­nen als Vor­wand neh­men, um sich Vor­tei­le für den eige­nen Arbeits­ver­trag zu schaf­fen“. Des Wei­te­ren behaup­te­te er, unbe­fris­te­te Not­quar­tie­re wür­den Obdach­lo­sig­keit nur ver­fes­ti­gen. Ganz im Sin­ne von “Wir kön­nen sie nicht dazu zwin­gen, die Wahr­heit zu sagen. Aber wir kön­nen sie zwin­gen, immer unver­schäm­ter zu lügen“ war auch hier der Pro­test erfolg­reich. Obwohl sich das media­le Inter­es­se in Gren­zen hielt, gab es deut­lich mehr berich­te zum Warn­streik als zur FSW-Jubel­mel­dung.

Soli­da­ri­tät & Ver­net­zung

Mehr als ein Dut­zend Soli­da­ri­täts­bot­schaf­ten tra­fen ein, seit­dem die der Arbeits­kampf publik gemacht wur­de. Es waren Betriebsrät*innen, Kolleg*innen von ande­ren Ein­rich­tun­gen sowie sozi­al­po­li­ti­sche Grup­pen, die so ihre Unter­stüt­zung kund­tun woll­ten. Nach der Kund­ge­bung tra­fen sich noch fast 40 Men­schen, um sich zu ver­net­zen. Gera­de dort wur­de offen­sicht­lich, dass es nicht nur um die Gudi geht. Die Pro­ble­me der Sozailhackler*innen sind lang, ähn­lich und haben sich seit der Coro­na-Pan­de­mie deut­lich ver­schärft.

Aus­blick

Der Kampf um die Gudi ist nicht nur der ers­te wil­de Streik im Sozi­al­be­reich. Es ist der die ers­te Arbeits­nie­der­le­gung ohne ÖGB seit 17 Jah­ren – dem Velo­ce-Streik 2004. Es ist also eine ziem­li­che Aus­nah­me­erschei­nung in der jün­ge­ren Geschich­te Wiens. Auf der ande­ren Sei­te gibt es eine direk­te Ver­bin­dung zu der Streik­be­we­gung für eine Arbeits­zeit­ver­kür­zung vor etwas mehr als einem Jahr. Bekann­ter­wei­se wur­de die­se von Coro­na gestoppt; der ÖGB schloss aus Angst vor einer Wirt­schafts­kri­se einen mie­sen Ver­trag ab. Wäh­rend anfangs noch für die „Systemerhalter*innen“ geklatscht, wur­den gleich­zei­tig ihre Arbeits­be­din­gun­gen deut­lich schlech­ter. Vie­le sind frus­triert, ohne dass es ein Ven­til geben wür­de. Das wur­de auch beim Ver­net­zungs­tref­fen sicht­bar. Zwar ist die Schlie­ßung der Gudi bei­spiel­los, doch die Ent­wick­lung dahin _​Unter­be­set­zung, schlech­ter Pan­de­mie­schutz, Des­in­ter­es­se der Vor­ge­setz­ten- ken­nen vie­le ande­re aus ihren Arbeits­plät­zen eben­falls.

Der Kampf um die Gudi wird noch ein paar Wochen wei­ter­ge­hen. Wenn es nach dem Wil­len des FSW geht, soll sie mit 28.April ihre Pfor­ten schlie­ßen. Mög­li­cher­wei­se bleibt die­ser Kampf eine Aus­nah­me­erschei­nung, aber genau­so mög­lich ist es, dass es ein Vor­läu­fer oder viel­leicht sogar ein Aus­lö­ser ande­rer Kämp­fe im Sozi­al­be­reich sein wird.

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