[ISO:] Es geht voran!

Die Pan­de­mie nach­hal­tig bekämp­fen, wie das Tai­wan oder Neu­see­land tun. Um das zu errei­chen, for­dert der Zero­Co­vid-Auf­ruf einen ein­ma­li­gen, aber grund­le­gen­den Lock­down. Jetzt haben sich auch Akti­ve im Rhein-Neckar-Gebiet dafür aus­ge­spro­chen.

Zwei­mal kamen im Febru­ar Akti­ve aus der Regi­on und dar­über hin­aus in Video­kon­fe­ren­zen zusam­men, um über die Zero­Co­vid-Kam­pa­gne zu spre­chen. Trotz eini­ger Kri­tik am Auf­ruf stand in bei­den Ver­an­stal­tun­gen die Fra­ge im Zen­trum, wie die Kam­pa­gne in der Rhein-Neckar-Regi­on in die Öffent­lich­keit getra­gen und mit Leben gefüllt wer­den kann. Am 17. Febru­ar ist des­halb Zero­Co­vid Rhein-Neckar aus der Tau­fe geho­ben wor­den.

Die Zero­Co­vid-Kam­pa­gne
basiert auf dem wis­sen­schaft­li­chen Auf­ruf NoCo­vid. Der kapi­tal­ori­en­tier­ten
Regie­rungs­po­li­tik auf der einen Sei­te und den ver­ant­wor­tungs­los
indi­vi­dua­lis­ti­schen Coronaleugner*innen auf der ande­ren Sei­te setzt die
Kam­pa­gne die For­de­rung nach einem soli­da­ri­schen Shut­down ent­ge­gen. Für eini­ge
Wochen müss­ten alle gesell­schaft­li­chen Berei­che her­un­ter­ge­fah­ren wer­den, die
nicht drin­gend not­wen­dig sind. Das betrifft ins­be­son­de­re auch wei­te Tei­le der
Wirt­schaft. In Län­dern wie zum Bei­spiel Tai­wan und Neu­see­land konn­te so das
öffent­li­che Leben nach kur­zer Zeit wei­test­ge­hend wie­der auf­ge­nom­men wer­den. Der
Zero­Co­vid-Auf­ruf betont zudem, wie wich­tig in die­ser Zeit die sozia­le und
finan­zi­el­le Absi­che­rung ist –
von Beschäf­tig­ten, von Men­schen in beeng­ten Wohn­ver­hält­nis­sen (auch in Hei­men
und Sam­mel­un­ter­künf­ten) oder in gewalt­tä­ti­gem Umfeld, von Obdach­lo­sen.

Regierungs-Politik als Bedrohung

Der Zero­Co­vid-Auf­ruf
eröff­net eine Alter­na­ti­ve zur „flat­ten the curve“-Strategie der Regie­rung, d.
h. zu ihrem bis­her geschei­ter­ten Bemü­hen, die Kur­ve der Fall­zah­len abzu­fla­chen.
Das Ergeb­nis der offi­zi­el­len Coro­na-Poli­tik ist ein schein­bar end­lo­ser
Jojo-Effekt im Infek­ti­ons­ge­sche­hen und in der Schär­fe der Maß­nah­men. Sie kos­tet
in Deutsch­land täg­lich hun­der­te Men­schen­le­ben. Sie führt zudem zu einem enor­men
Zuwachs an finan­zi­el­ler Not der arbei­ten­den Klas­se. Sie fes­tigt und ver­schärft
die gesell­schaft­li­che Ungleich­heit unter ande­rem durch die andau­ern­den Schul-
und Kita­schlie­ßun­gen. Und nicht zuletzt bedeu­tet sie eine zuneh­men­de psy­chi­sche
wie phy­si­sche Bedro­hung ins­be­son­de­re von Men­schen, die in pre­kä­ren wie
gewalt­vol­len Ver­hält­nis­sen leben und arbei­ten.

Selbstorganisierung ermöglichen

Der Zero­Co­vid-Auf­ruf wird
aber auch inner­halb fort­schritt­li­cher und anti­ka­pi­ta­lis­ti­scher Krei­se
kon­tro­vers dis­ku­tiert. In den bei­den Video­kon­fe­ren­zen kris­tal­li­sier­te sich
her­aus, dass eine wesent­li­che Schwie­rig­keit in den gesell­schaft­li­chen
Wider­sprü­chen liegt, in denen sich die Pan­de­mie aus­brei­tet. So waren die Teil­neh­men­den
sich bei­spiels­wei­se einig, dass die Impf­stoff­ent­wick­lung ver­ge­sell­schaf­tet
wer­den müss­te. In der Kam­pa­gne geht es aber um die aku­te Ein­däm­mung der
Coro­na-Kri­se, in der eine Ver­ge­sell­schaf­tung nicht rea­lis­tisch ist. So
beschränkt sich der Auf­ruf auf die For­de­rung, die Impf­stof­fe zu glo­ba­lem
All­ge­mein­gut zu machen.

Ins­be­son­de­re kommt in dem
Auf­ruf aber die Bedeu­tung der Selbst­or­ga­ni­sie­rung der arbei­ten­den Klas­se zur
Durch­set­zung des gefor­der­ten soli­da­ri­schen „Shut­down“ und des Gesund­heits­schut­zes
im Betrieb zu kurz. Genau hier muss unse­re Akti­vi­tät anset­zen. Wir soll­ten
unse­re Kräf­te nicht dar­auf fokus­sie­ren, den Auf­ruf klein­tei­lig aus­ein­an­der­zu­neh­men
und Ein­zel­hei­ten abzu­leh­nen, son­dern die zugrun­de­lie­gen­de Idee zu ver­brei­ten
und für ihre Umset­zung aktiv zu wer­den.

Solidarische Pandemiebekämpfung

Die Kam­pa­gne hat es
bereits geschafft, die fort­schritt­li­chen Kräf­te der Gesell­schaft aus einer Art Pan­de­mie-Läh­mung
wach zu rüt­teln. Es hängt jetzt von uns ab, inwie­weit es gelingt, damit auch
unse­re Hand­lungs­mäch­tig­keit wie­der­her­zu­stel­len und Soli­da­ri­tät (wie­der)
auf­zu­bau­en. Von uns hängt auch ab, ob und wie die For­de­run­gen des Auf­rufs
durch­ge­setzt wer­den kön­nen.

Den Aus­tausch über die
Kam­pa­gne und Mög­lich­kei­ten, sie in die Öffent­lich­keit zu tra­gen, wol­len die
Teil­neh­men­den fort­füh­ren. Für den März sind bereits online-Tref­fen geplant.
Ideen zur Gestal­tung der Kam­pa­gne in der Rhein-Neckar-Regi­on wur­den gesam­melt
und sol­len wei­ter kon­kre­ti­siert wer­den. Über Aktio­nen wie Ver­brei­tung der
Zero­Co­vid-Zei­tung, Info­ti­sche oder Kund­ge­bun­gen wer­den wir auf unse­rer Web­site
und auf Face­book infor­mie­ren.

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