[LCM:] Scheiss auf Merkel, Scheiss auf Spahn. Bleib zu Hause und werde Wellenbrecher.

Erin­nert ihr euch noch an die ers­te Wel­le? Man sag­te uns, wir sit­zen alle im sel­ben Boot und wenn wir uns jetzt alle in die­sem sel­ben Boot ein klein wenig anstren­gen, dann schaf­fen wir, dass es nicht ken­tert. Das ist so lan­ge her, dass kaum noch jemand der heu­te Leben­den eine Erin­ne­rung dar­an hat.

Heu­te wis­sen wir: Es ist schon das­sel­be Boot, aber wir haben bei der Aus­lo­sung der Tickets den Kür­ze­ren gezo­gen. Wir hier unten sit­zen im dre­cki­gen, löch­ri­gen Unter­deck, das lang­sam mit Was­ser voll läuft, und wir rudern und rudern. Die Kri­sen­pro­fi­teu­re sit­zen in den Son­nen­stüh­len oben an Deck, sau­fen Cham­pa­gner aus lang­stie­li­gen Glä­sern und lachen über uns.

Wir wer­den ver­arscht. Jeden Tag, von früh­mor­gens bis spät­abends. Man erzählt uns, es lie­ge an uns, aber was liegt denn über­haupt an uns, wenn wir uns unter Andro­hung unse­res finan­zi­el­len Unter­gangs jeden ein­zel­nen gott­ver­las­se­nen Tag noch bevor die Son­ne däm­mert in Pend­ler­bah­nen quet­schen müs­sen, um dann den Groß­teil unse­rer wachen Zeit mit meh­re­ren dut­zend ande­ren meis­tens völ­lig unge­schützt in Fabrik­hal­len, auf Bau­stel­len oder im Büro zu ver­brin­gen? Was für Pri­vat­kon­tak­te soll ich ein­schrän­ken, mei­ne Mah­ne­rin Mer­kel? Und auf wel­che Rei­se soll ich nicht gehen, mein Lock­down-Söder?

Wäh­rend wir malo­chen und schla­fen, schla­fen und malo­chen, immer mit dem Risi­ko, schwer zu erkran­ken, schla­gen sich die Gesät­tig­ten die Mägen noch vol­ler. Und wäh­rend die Kolleg:innen, die man schon gar nicht mehr braucht, in Kurz­ar­beit geschickt oder gleich gekün­digt wur­den, flie­ßen Mil­li­ar­den an die Kon­zer­ne. Die Phar­ma-Lob­by bekommt ihren Anteil für Impf­stof­fe, die nie ankom­men. Was für eine Impf­be­reit­schaft, mein Vil­len­be­sit­zer Spahn, wo ist denn dein Impf­saft?

Die arbei­ten­de Bevöl­ke­rung die­ses gott­ver­las­se­nen Jah­res hat in den letz­ten bei­den Quar­ta­len einen saf­ti­gen Real­lohn­ver­lust ein­ge­fah­ren, die Erwerbs­lo­sen­quo­te ist dafür aber gestie­gen. Du ver­dienst jetzt zwar weni­ger oder bist dei­nen Job sowie­so bald los, aber sieh es von der posi­ti­ven Sei­te, die Chan­ce, dass du in einer Eck­knei­pe ver­sumpfst, ist ver­schwin­dend gering. Wenn dann geh unter die Brü­cke, aber bit­te nicht mit mehr als fünf Leu­ten aus zwei Haus­stän­den.

Der All­tag des größ­ten Teils der Bevöl­ke­rung ist trost­los. Und es ist kein Ende in Sicht. Auf die ers­te Wel­le folg­te die zwei­te Wel­le und auf die zwei­te Wel­le folgt die drit­te Wel­le und auf die drit­te Wel­le, ja was wird auf die wohl fol­gen? Man kann die Arsch­lö­cher nicht mehr hören, die wahl­wei­se als Mah­ner oder als Locke­rer durch Talk­shows tou­ren, die ewi­ge Dau­er­be­schal­lung mit wir­kungs­lo­sem Gewäsch, das nichts ändert und für das die, die es abson­dern, auch noch bes­ser bezahlt wer­den als wir, die die Scheis­se andau­ernd hören müs­sen.

Jeder weiß: Wenn du arm bist, ist dei­ne Chan­ce zu erkran­ken höher. Und die Chan­ce auf einen schwe­ren Ver­lauf genau­so. Und die Kon­se­quen­zen, die das für dich und dei­ne Nächs­ten hat, wenn du dann beruf­lich abrutscht. Die­se Pan­de­mie und ihre poli­ti­sche Ver­nut­zung ist ein Krieg gegen die Armen. Von der Patent-Num­mer im Impf­stoff­busi­ness bis zur Fra­ge, wer im eige­nen Whirl­pool in Qua­ran­tä­ne ist und wer in der Sub-sub-sub-Unter­neh­mer-Unter­kunft von irgend­ei­nem Schlacht­be­trieb im Schlaf erstickt.

Man kann sich die Fra­ge stel­len, ob die poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen nicht wil­lens oder nicht fähig sind, die­se Pan­de­mie unter Kon­trol­le zu brin­gen. Aber die Fra­ge ist nicht die rele­van­tes­te. Denn in bei­den Fäl­len ist das Resul­tat, dass wir ver­arscht, drang­sa­liert und miss­han­delt wer­den. Also ist die weit wich­ti­ge­re Fra­ge, wie wir die­sen Hau­fen zutiefst kor­rup­ter Stie­fel­le­cker des Kapi­tals so schnell wie mög­lich los­wer­den.

Da das aller­dings unter den gege­be­nen Umstän­den recht schwie­rig ist, bleibt nur eine ande­re Sofort­maß­nah­me: Blei­ben wir wirk­lich zuhau­se. Nicht im Sin­ne die­ser schwach­sin­ni­gen Maß­nah­men, die uns ver­bie­ten, uns irgend­wann mit­ten in der Nacht an Orten auf­zu­hal­ten, an die man sowie­so nicht gehen kann, weil man am nächs­ten Tag raus muss. Son­dern in dem Sin­ne, dass wir den Ort mei­den, an dem unse­re meis­ten Kon­tak­te statt­fin­den: Die Arbeit.

Wie wir das machen, ist egal. Einen Auf­ruf zum Gene­ral­streik aus unse­ren heiß­ge­lieb­ten Gewerk­schaf­ten, deren von der Uni ins Funk­tio­närs­da­sein gerutsch­te move­ment „worker“ wahr­schein­lich sowie­so längst im Home Office sind, wird es wohl nicht geben. Aber egal, wir machen es stil­ler. Geht zu euren Kolleg:innen und redet mit ihnen über Krank­schrei­bung. Mas­sen­haf­te, gleich­zei­ti­ge Krank­schrei­bun­gen. Die sind leicht zu haben und sie sind gesund­heit­lich abso­lut not­wen­dig. Sie sind unser Wel­len­bre­chen für die drit­te Wel­le. Denn auf die Beschlüs­se irgend­wel­cher Aas­gei­er in Anzü­gen haben wir lang genug gewar­tet.

#Titel­bild: Tim Reck­mann, ccnull

Der Bei­trag Scheiss auf Mer­kel, Scheiss auf Spahn. Bleib zu Hau­se und wer­de Wel­len­bre­cher. erschien zuerst auf Lower Class Maga­zi­ne.

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