[KgK:] „Osterruhe“ gekippt: GroKo buckelt vor den Konzernen, Wirtschaftslockdown selbst durchsetzen!

Nach­dem der Coro­na-Gip­fel am Mon­tag wie nie zuvor die Kri­se und Unfä­hig­keit der Regie­rung auf­zeig­te, mach­te Ange­la Mer­kel heu­te vor­mit­tag in einem Offen­ba­rungs­eid deut­lich, dass die Regie­rung kei­ner­lei wirk­sa­me Maß­nah­men zur Ver­hin­de­rung von wei­te­ren Pan­de­mieto­ten durch­set­zen will.

Nach­dem schon am Vor­mit­tag die Ent­schei­dung aus einer Bespre­chung der Ministerpräsident:innen mit der Bun­des­kanz­le­rin durch­ge­si­ckert war, erklär­te Mer­kel um 12:30 Uhr in einer knap­pen, nur vier­mi­nü­ti­gen Anspra­che ohne Mög­lich­keit für Rück­fra­gen die geplan­te „Oster­ru­he“ für nich­tig. Damit sind die geplan­ten Betriebs­schlie­ßun­gen am Grün­don­ners­tag und Kar­sams­tag hin­fäl­lig. Mer­kel sag­te unter ande­rem:

[Die Oster­ru­he] hat­te ihre guten Grün­de, war aber in der Kür­ze der Zeit nicht gut genug umsetz­bar, wenn sie über­haupt jemals so umsetz­bar ist, dass Auf­wand und Nut­zen in einem halb­wegs ver­nünf­ti­gen Ver­hält­nis ste­hen. Viel zu vie­le Fra­gen, von der Lohn­fort­zah­lung durch die aus­ge­fal­le­nen Arbeits­stun­den bis zu der Lage in den Geschäf­ten und Betrie­ben, kön­nen – das haben die Bera­tun­gen der letz­ten 24 Stun­den gezeigt – jeden­falls in der Kür­ze der Zeit nicht so gelöst wer­den, wie es nötig wäre. […] Die­ser Feh­ler ist ein­zig und allein mein Feh­ler. Denn am Ende tra­ge ich für alles die letz­te Ver­ant­wor­tung.

Die­se Erklä­rung ist an Hohn kaum zu über­bie­ten. Die Pan­de­mie dau­ert schon über ein Jahr, und die Regie­rung hat­te nicht aus­rei­chend Zeit, um Betriebs­schlie­ßun­gen an zwei zusätz­li­chen Tagen umzu­set­zen?!? Mehr als 75.000 Men­schen sind allein in Deutsch­land bis­her an den Fol­gen von Covid-19 gestor­ben – für sie alle tra­gen die Bun­des- und Lan­des­re­gie­run­gen die vol­le Ver­ant­wor­tung.

Anstatt die gesam­te nicht-essen­zi­el­le Wirt­schaft voll­stän­dig lahm­zu­le­gen – und zwar nicht nur für einen zusätz­li­chen „Ruhe­tag“ unmit­tel­bar vor den Fei­er­ta­gen, son­dern für meh­re­re Wochen –, bleibt die Regie­rung unver­min­dert bei der Stra­te­gie, die Frei­zeit ein­zu­schrän­ken. Dabei haben Stu­di­en gezeigt, dass die größ­te Anste­ckungs­ge­fahr in Schu­len und Mehr­per­so­nen­bü­ros exis­tiert – also dort, wo die Bos­se kei­ne aus­rei­chen­den Schutz­maß­nah­men bie­ten, wo Men­schen trotz unzu­rei­chen­der Tests und feh­len­der Imp­fung den gan­zen Tag in engen Innen­räu­men ver­brin­gen müs­sen.

So ist klar: Die Regie­rung knick­te beim ers­ten – äußerst zag­haf­ten – Ver­such, flä­chen­de­cken­de Betriebs­fe­ri­en zu ver­hän­gen, inner­halb von 24 Stun­den vor dem Druck der Bos­se ein. Die Gefahr einer Anste­ckung tra­gen wei­ter­hin die Beschäf­tig­ten, die nicht mit einem Wohn­mo­bil in den kon­takt­ar­men Oster­ur­laub fah­ren dür­fen, aber jeden Tag im Büro dem Virus aus­ge­setzt sind. Auch Pro­tes­te wie der Oster­marsch wur­den ver­bo­ten.

Noch dazu lässt die Regie­rung selbst bei Tests den Bos­sen freie Hand: Anstatt ver­pflich­ten­de flä­chen­de­cken­de Tests durch­zu­set­zen, die zusam­men mit Mas­ken und wei­te­ren Hygie­ne­maß­nah­men ein Min­dest­maß an Sicher­heit bie­ten könn­ten, setzt die Regie­rung wei­ter auf „Selbst­ver­pflich­tung“ – die schon bei der Home­of­fice-Selbst­ver­pflich­tung über­haupt nicht funk­tio­niert hat.

Auch Selb­stän­di­ge, klei­ne Ladenbesitzer:innen, usw. wer­den im Stich gelas­sen. Wäh­rend tag­täg­lich Mil­lio­nen Arbeiter:innen in der Indus­trie arbei­ten müs­sen, müs­sen sie viel stren­ge­re Auf­la­gen umset­zen und wer­den ihrer Exis­tenz beraubt. Das soll kei­nes­falls hei­ßen, dass wir ein­fach blind öff­nen soll­ten. Die Pro­fi­te, die mit Mas­ken, Impf­stof­fen und Co. gemacht wer­den, müs­sen beschlag­nahmt und für sozia­le Zwe­cke, wie die Hil­fe für Selt­stän­di­ge, ein exis­tenz­si­chern­des Coro­na­geld für alle usw. ver­wen­det wer­den.

Anstel­le der Begüns­ti­gung der Kon­zer­ne wäre der Grund­satz der Schlie­ßung aller nicht-essen­zi­el­len Betrie­be bei vol­ler Lohn­fort­zah­lung, ver­bun­den mit der Devi­se „Arbeit, Schu­le, Kita nur mit Test!“ und flä­chen­de­cken­den Imp­fun­gen als Vor­aus­set­zung für jede Öff­nung, eine viel effek­ti­ve­re Maß­nah­me der Pan­de­mie­be­kämp­fung als die Kom­bo Frei­zeit­lock­down plus Anste­ckung bei der Arbeit.

Da die Regie­rung untä­tig bleibt, müs­sen wir den Wirt­schafts­lock­down selbst durch­set­zen. Dazu braucht es Streiks und Kampf­maß­nah­men der Gewerk­schaf­ten, begon­nen mit der Orga­ni­sie­rung von Hygie­nekom­mis­sio­nen in den Betrie­ben, Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten, die die Schlie­ßung, die Tests und Imp­fun­gen über­wa­chen und mit der Unter­stüt­zung von medi­zi­ni­schen Expert:innen selbst ent­schei­den, wann und wie geöff­net wer­den kann.

Die Regie­rung hat abge­wirt­schaf­tet. Das Ver­trau­en in die Regie­rungs­po­li­tik ist in brei­ten Tei­len der Bevöl­ke­rung erschüt­tert. Wie die FAZ kom­men­tiert: „Der Erfolg der poli­ti­schen Maß­nah­men lässt auf sich war­ten und ent­täuscht die Hoff­nun­gen auf eine rasche Nor­ma­li­sie­rung. Aber dies­mal wird der aus­blei­ben­de Erfolg der Regie­rung ange­las­tet, anders als noch zu Beginn der zwei­ten Infek­ti­ons­wel­le.“ Und zu Recht: Die Regie­rung ist für die Toten, für das Impf­cha­os, für die Mas­ken­skan­da­le und die wei­te­ren Kor­rup­ti­ons­skan­da­le ver­ant­wort­lich. Wenn Ange­la Mer­kel ihre „vol­le Ver­ant­wor­tung“ für die Beschlüs­se der Pan­de­mie­po­li­tik aner­kennt, ist klar: Die Regie­rung muss zurück­tre­ten! Die Pan­de­mie- und Kri­sen­po­li­tik müs­sen wir mit der Per­spek­ti­ve von Streiks und Mobi­li­sie­run­gen zurück­schla­gen!

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