[KgK:] Berlin: Meuterei geräumt, Linkspartei drischt Phrasen

Nach der Frie­del, dem Syn­di­kat und der Liebig34 setzt der Ber­li­ner Senat die Wel­le der Räu­mun­gen lin­ker Pro­jek­te unge­bremst fort. Am Don­ners­tag­mor­gen war die Meu­te­rei in Kreuz­berg an der Rei­he. Bereits am Mitt­woch rich­te­te die Poli­zei über meh­re­re Stra­ßen­zü­ge hin­weg eine Sperr­zo­ne ein, um Demons­tra­tio­nen vor der Meu­te­rei zu ver­hin­dern. Anwohner:innen muss­ten sich vor der Poli­zei aus­wei­sen. 1.100 Polizist:innen waren an der Räu­mung betei­ligt. Bereits am Diens­tag kam es zu Über­grif­fen der Poli­zei auf eine Demons­tra­ti­on mit rund 2.000 Men­schen, die gegen die Räu­mung pro­tes­tie­ren. Trotz des Poli­zei­auf­ge­bots demons­trier­ten am Don­ners­tag­mor­gen meh­re­re Hun­dert Men­schen. Dabei ging es nicht nur um die Meu­te­rei: Seit Jah­ren wer­den in Ber­lin lin­ke Pro­jek­te im Inter­es­se der Eigentümer:innen geräumt. Auch die Räu­mungs­an­dro­hung gegen die Rigaer94 im Fried­richs­hain wird nach jah­re­lan­gen Schi­ka­nen gegen Anwohner:innen immer kon­kre­ter.

Obwohl sich beson­ders die Links­par­tei immer wie­der soli­da­risch mit die­sen Pro­jek­ten erklärt, ste­hen füh­ren­de Köp­fe der Par­tei bei den Räu­mun­gen doch nur dane­ben und dre­schen Phra­sen. Pas­cal Mei­ser kri­ti­sier­te bei­spiels­wei­se zwar die Unver­hält­nis­mä­ßig­keit des Poli­zei­ein­sat­zes bei der Meu­te­rei. Auch die Par­tei-Vor­sit­zen­de Kati­na Schu­bert schlug in die­se Ker­be.

Den­noch täu­schen die­se Soli­da­ri­täts­be­kun­dun­gen nicht dar­über hin­weg, dass die Links­par­tei als Regie­rungs­par­tei für die­se Poli­zei­ein­sät­ze und die Zwangs­räu­mun­gen mit­ver­ant­wort­lich ist. Nicht nur lin­ke Pro­jek­te waren in den letz­ten Jah­ren davon betrof­fen. Im Jahr 2019 berich­te­te die Ber­li­ner Zei­tung bereits, dass Ber­lin bei Zwangs­räu­mun­gen weit vor­ne liegt. Die Explo­si­on der Miet­prei­se hat beson­ders Men­schen mit gerin­gem Ein­kom­men aus ihren Woh­nun­gen gedrängt, damit die Eigentümer:innen bei Neu­ver­mie­tung ihre Gewin­ne erhö­hen kön­nen. Einen ähn­li­chen Plan wer­den auch die Eigentümer:innen des Hau­ses haben, in denen sich die Meu­te­rei befand.

Die Links­par­tei ver­sucht sich dabei immer wie­der aus der Ver­ant­wor­tung zu zie­hen. Die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Caren Lay twit­ter­te bei­spiels­wei­se, dass die Bun­des­re­gie­rung einen bes­se­ren Schutz für Gewer­be gesetz­lich ver­an­kern soll­te.

Dabei tut sie so, als ob ihre Par­tei in Ber­lin, genau­so wie in Bre­men und Thü­rin­gen, nicht selbst in der Regie­rung ist. Nie­mand zwingt sie dazu, Zwangs­räu­mun­gen ein­fach hin­zu­neh­men. Anstatt dane­ben zu ste­hen und Phra­sen zu dre­schen, soll­ten Abge­ord­ne­te der Links­par­tei sich höchst­per­sön­lich der Poli­zei gegen­über­stel­len, gemein­sam mit Mieter:innen auf den Stra­ßen Zwangs­räu­mun­gen ver­hin­dern und sie gegen jeg­li­che Repres­si­on ver­tei­di­gen. Statt gemein­sam mit SPD und Grü­nen Poli­tik für Investor:innen zu machen, soll­te die Par­tei sich kon­se­quent für ein Ver­bot von Zwangs­räu­mun­gen ein­set­zen und dafür auf den Stra­ßen Sei­te an Sei­te mit den Arbeiter:innen und Mieter:innen kämp­fen.

Die­se Poli­tik muss weit über ein­zel­ne Mobi­li­sie­run­gen hin­aus­ge­hen. Viel­mehr braucht es einen Kampf­plan, um Häu­ser den pri­va­ten Investor:innen zu ent­zie­hen, zu ver­staat­li­chen und unter die Kon­trol­le von Mieter:innen und Arbeiter:innen zu stel­len. Die Links­par­tei hat mehr als ein­mal bewie­sen, dass sie dazu in der Regie­rung nicht wil­lens und in der Lage ist – obwohl vie­le Mit­glie­der an der Basis bereits heu­te sehr viel ent­schlos­se­ner Kämp­fe füh­ren, allen vor­an in der Kam­pa­gne „Deut­sche Woh­nen und Co. ent­eig­nen“. Des­we­gen ist es falsch, auf den rot-rot-grü­nen Senat oder eine lin­ke Regie­rungs­be­tei­li­gung im Bund zu hof­fen. Wir brau­chen kei­nen stär­ke­ren Links­par­tei­ap­pa­rat in der Regie­rung, der in Rich­tung der Kapitalist:innen ver­mit­telt und damit immer wie­der kra­chend schei­tert, wie nicht zuletzt die Räu­mung der Meu­te­rei zeigt. Im Gegen­teil müs­sen wir uns unab­hän­gig von den refor­mis­ti­schen Par­tei­en orga­ni­sie­ren und für die ent­schä­di­gungs­lo­se Ent­eig­nung von Deut­sche Woh­nen und Co. zu kämp­fen und die­se durch Mas­sen­mo­bi­li­sie­run­gen, Streiks und Beset­zun­gen durch­zu­set­zen.

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